B&O Beoplay H9i im Test: Die neue, leichte ANC-Größe

Bluetooth-Kopfhörer der Oberklasse

Knapp 500 Euro verlangt Bang & Olufsen für den Beoplay H9i. Zu viel verlangt?

Der Bluetooth-Kopfhörer Beoplay H9i von Bang & Olufsen überzeugt uns im Test auf ganzer Linie. Er spielt passend zu seinem Äußeren wunderbar leicht auf. Überrascht waren wir zudem vom sehr guten Noise Cancelling (ANC). Wir haben einen neuen Testsieger, der zumindest in dieser Disziplin Kopfhörer wie den Bose QC35 verdrängt.

Inhaltsverzeichnis

  1. So gut filtert das ANC des Beoplay H9i
  2. Bedienung über Sensorfläche
  3. Design, Passform und Verarbeitung
  4. Klang und App
  5. Fazit & Alternativen

Der Trend zum ANC-Kopfhörer hält weiterhin an. Verwunderlich ist das nicht. Das Versprechen der Hersteller, von der Umwelt entkoppelt sich bei absoluter Stille voll und ganz auf die Musik einlassen zu können, klingt schließlich in vielen Ohren verlockend.

Setzt man sich dann einen Kopfhörer mit aktiver Geräuschfilterung (Active Noise Cancelling / ANC) nach dem nächsten auf den Kopf, stellt man schnell fest: Die Wirksamkeit der Geräuschfilterung hat nicht unbedingt etwas mit dem Preisschild zu tun.

Beispiel Sony und Sennheiser: Der eigentlich gelungene, 400 Euro teure Sony MDR-1000X oder der vergleichbare Momentum Wireless filtern gleichbleibende Außengeräusche wie die von Flugzeugturbinen längst nicht so gekonnt heraus wie die QuietComfort-Modelle von Bose. Das ANC des (nicht mehr aktuellen, kabelgebundenen) Bose QC 25 bildet zusammen mit dem neueren QC 35 und dem PX von Bowers & Wilkins die bisherige Speerspitze in unserem ANC-Vergleich.

Bang & Olufsen Beoplay H9i

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Menschen, für die ein effektives ANC im Vordergrund steht und die eine gewisse Kompromissbereitschaft beim Klang mitbringen, raten wir daher nach wie vor zum Bose QC 25, den es streckenweise schon für deutlich weniger als 200 Euro zu kaufen gibt. Oder zu einem nicht elektronischen Gehörschutz. Denn auch die wirkungsvollste aktive Geräuschfilterung hat ihre Grenzen. Absolute Stille kann derzeit noch kein ANC-Kopfhörer herstellen. Sie filtern vornehmlich gleichbleibende, tiefe Frequenzen. Das Klingeln einer Fahrradglocke und Ähnliches bleibt in der Regel hörbar.

So gut filtert das ANC des Beoplay H9i

Bang & Olufsen (B&O) setzt beim knapp 500 Euro teuren Testkopfhörer auf eine "Hybride Active Noise Cancellation-Technologie". Der Hersteller beschreibt sie wie folgt:

"Die innovative hybride Active Noise Cancellation-Technologie ist ein verbessertes System, das nicht nur niedrige Frequenzen unterdrückt, sondern auch bei hohen Frequenzen funktioniert – wie zum Beispiel dem unteren Bereichen von menschlichen Stimmen. Tatsächlich übertrifft die innovative hybride Active Noise Cancellation unsere bisherige ANC-Technologie, indem sie um bis zu 15 dB lautere Geräusche unterdrückt." B&O Werbeversprechen

Um dies subjektiv zu überprüfen, nehmen wir sowohl den Bose QC 25 (dessen ANC mit dem des QC 35 identisch ist) als auch den B&O Beoplay H9i zur Hand und setzen uns die ANC-Kopfhörer abwechselnd im Großraumbüro der netzwelt-Redaktion auf.

Die Wirkungsweise des QC 25-ANCs kennen wir dabei nur zu gut, denn er kommt immer dann zum Einsatz, wenn die lieben Kollegen es mal wieder mit der Gesprächslautstärke übertreiben. Doch warten wir zunächst einen etwas stilleren Moment ab.

Das konstante Klickern der Tastaturen der elf anwesenden Redakteure verschwindet beim Aktivieren des Bose-ANC nicht vollständig, wird aber spürbar abgemildert. Durchdringend bleiben vor allem die Leertastenanschläge der mechanischen Tastaturen.

12 ANC-Kopfhörer im Test

In diesem Vergleichstest stellen wir 12 Kopfhörer mit Noise Cancellation gegenüber.


Alternative finden

Unmittelbar danach setzen wir uns den B&O H9i auf den Kopf. Die Filterung ist vergleichbar, nur ein Hauch besser. Auch hier dringen vornehmlich die Anschläge der Leertasten durch, wenngleich ein wenig abgemildert im Vergleich zum Bose-Modell. Im Großen und Ganzen unentschieden.

Weitere Erkenntnisse über die ANC-Qualitäten des Testkopfhörers versprechen wir uns von einer S-Bahn-Fahrt, bei der wir längst nicht nur gute Erfahrungen sammelten. Hier filtern beide ANC-Kopfhörer das Grundbrummen der Elektromotoren sehr gut heraus. Doch werden in diesem Szenario auch deutliche Unterschiede hörbar.

Die Geräusche beim Anfahren der Bahn leitet der Bose-Kopfhörer viel deutlicher an die Ohren weiter. Auch Kindergeschrei und eine aufgebrachte Teenager-Horde nimmt der B&O deutlicher aus dem Geschehen, filtert hier spürbar besser und effektiver. Klarer Alltagspunkt für den H9i.

Den B&O Beoplay H9i gibt es auch in Weiß.
Den B&O Beoplay H9i gibt es auch in Weiß. (Quelle: B&O)

In einem dritten Szenario stellen wir uns vor eine eingeschaltete Mikrowelle, die ein konstantes, tiefes Lüftergeräusch und leises Scheppern eines Drehtellers von sich gibt. Auch hier leistet der H9i leicht bessere Arbeit.

Das Grundrauschen, welches jeder ANC-Kopfhörer bei nicht eingelegter Musik erkennbar von sich gibt, ist dafür beim H9i etwas kräftiger ausgeprägt. Als störend empfanden wir es aber zu keinem Zeitpunkt, da es konstant und nicht durchzogen von elektrischem Flimmern in das Ohr dringt.

Bedienung über Sensorfläche

Wir sind nicht unbedingt Fans von Sensorflächen bei einem Kopfhörer. Der B&O H9i lässt sich ähnlich wie der Teufel Real Blue NC über die rechte Ohrmuschel bedienen. In der Praxis funktioniert dies ein wenig besser, feuchte Hände oder Handschuhe sind kein Problem. Wir wünschten uns dennoch physische Tasten, wenngleich dies vielleicht das nüchterne Design stören würde. Folgende Bewegungen mit dem Finger werden unterstützt:

  • Lautstärke verändern (Kreisbewegung mit dem Finger)
  • Play / Pause (einfache Berührung in der Mitte)
  • Titelsprung (Wisch nach links oder rechts)
  • ANC an / aus (Wisch von oben nach unten)
  • Transparenzmodus an / aus (Wisch von unten nach oben)

Beim letztgenannten Transparenzmodus lässt sich das ANC auf "Durchzug" schalten. Dann dringen Außengeräusche über die insgesamt sechs verbauten Mikrofone ans Ohr.

Design, Passform und Verarbeitung

Design ist eng mit der Marken-DNA des dänischen Herstellers verbunden. Wer die zum Teil abenteuerlich wirkenden Kopfhörertürme von B&O im Kopf hat, wird sich vielleicht über die sehr klaren Linien des H9i wundern. Der ANC-Kopfhörer kommt ausgesprochen nüchtern daher.

Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut und einem Modell dieser Preisklasse entsprechend. Der Kopfhörer besteht zu großen Teilen aus Aluminium. Der auffallend straff gepolsterte Bügel ist mit Stoff umspannt, die Ohrmuscheln sind mit Leder ausgekleidet.

Beim Blick auf die Waage, die 291 Gramm anzeigt, sind wir erneut überrascht. Wir hätten den B&O Beoplay H9i leichter eingeschätzt. Auf dem Kopf fühlt er sich dennoch wunderbar luftig an, was auch am perfekt gewählten Anpressdruck der voll umschließenden Ohrmuscheln liegt. Es entsteht auch nach stundenlangem Tragen kein Enge-Gefühl.

Pluspunkte sammeln: Drehen wir an der linken Ohrmuschel, wird der Zugang zum Akku frei. Er lässt sich ohne Werkzeug vom Nutzer wechseln.
Pluspunkte sammeln: Drehen wir an der linken Ohrmuschel, wird der Zugang zum Akku frei. Er lässt sich ohne Werkzeug vom Nutzer wechseln. (Quelle: netzwelt)

Die meisten Hersteller legen ihren High-End-Kopfhörern entsprechende Transport-Cases bei. B&O verzichtet darauf. Der Bluetooth-Kopfhörer H9i lässt sich auch nicht falten, wie etwa der angesprochene Bose QC 25 / QC 35. Nur die Ohrmuscheln lassen sich eindrehen.

Zum Lieferumfang gehört eine Stofftasche, ein Flugzeugadapter sowie ein ausreichend langes Klinkenkabel. Neigt sich der Akku nach einer Spielzeit von rund 18 Stunden (mit ANC) oder 23 Stunden (ohne ANC, Herstellerangabe) dem Ende entgegen, lässt sich der Beoplay also auch mit einem Zuspieler verkabeln.

Klang und App

"Drummer's Delight" von Guts haben wir seit Wochen im Ohr - aber bislang noch nicht so intensiv wahrgenommen wie mit dem aktuellen Testgerät. Ein Bass, der kräftig fordernd vorantreibt, aber den Rest nicht verdrängt, klare Mitten, die sehr schön ortbar bleiben und eine Stereo-Breite, die eine ganz große Bühne im Kopf aufspannt - hier passt eigentlich alles. Hip Hop kann der H9i! Das hätten wir ihm gar nicht so zugetraut.

Wir erinnern uns noch gut daran, was für eine Offenbarung der Björk-Titel "Stonemilker" auf dem noch teureren Bowers & Wilkins P9 Signature war. Der B&O H9i macht es fast genauso gut, schafft es nur nicht ganz so akkurat, die vielen Bratschen und Geigen aus dem Hintergrund herauszuschälen.

Björk auf der einen, Guts auf der anderen Seite. Aber der H9i kommt auch mit allen anderen Genres zurecht und lässt sich nicht festnageln. Wer mit dem von Hause aus recht warmen Klang nicht zufrieden ist, kann über die zugehörige App (Android / iOS) nachhelfen. Hier gibt es einen sehr gut zu bedienenden Equalizer sowie weitere Einstellmöglichkeiten. Über die App lassen sich auch Software-Updates per Bluetooth einspielen.

Leider fällt bei aktivem Noise Cancelling ein klanglicher Unterschied auf. Ist das Noise Cancelling aktiv, klingt der B&O spürbar dumpfer und auch die Bass-Prägnanz leidet.

Bang & Olufsen Beoplay H9i: Fazit

High-End-Kopfhörer mit ANC-Sahnehäubchen 9/10

Verarbeitung, Klang, Funktionen: Der B&O Beoplay H9i erfüllt den Anspruch an einen hochwertigen Kopfhörer voll und ganz. Als Sahnehäubchen setzt er eines der derzeit effektivsten ANC obendrauf. Empfehlung.

Das hat uns gefallen

  • Klang
  • effektives ANC
  • Verarbeitung
  • Tragekomfort
  • Akku wechselbar

Das hat uns nicht gefallen

  • keine AptX-Unterstützung
  • Klangabfall bei aktivem ANC
Testnote 9,0 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
9,0 / 10
Klang

Klang Von Elektronik über Jazz, Pop und Rock bis hin zu klassischer Musik: Unsere Playlists enthält Musikstücke der unterschiedlichsten Richtungen. Beim Hörtest achten wir nicht nur auf die lauten sondern gezielt auch auf die ganz leisen (Zwischen)-Töne.

9,0 / 10
Tragekomfort und Verarbeitung

Tragekomfort und Verarbeitung Der schönste Kopfhörer ist nutzlos, wenn er sich falsch anfühlt oder droht, binnen kurzer Zeit auseinanderzubrechen. Drücken Bügel oder Ohrmuscheln? Gibt es keine oder nur unzureichende Verstellmöglichkeiten? Fühlt es sich nach kürzester Zeit an, wie in einer Sauna? All dies führt zu Punktabzug.

9,0 / 10
Ausstattung

Ausstattung Wie lang ist das Kabel, gibt es eine Anbindung ans Smartphone, lässt sich die Lautstärke direkt am Kopfhörer regeln und ist vielleicht sogar der Titelsprung möglich? Solche Kriterien nehmen wir im Punkt „Ausstattung“ genau unter die Lupe.

Informationen zum Leihgerät

Der H9i wurde uns leihweise von Bang & Olufsen zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

10
Leserwertung

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Bestenlisten

Bang & Olufsen Beoplay H9i wurde in folgende Kopfhörer-Bestenlisten einsortiert.

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