Bowers & Wilkins PX im Test: Bluetooth-Kopfhörer mit ANC schlägt Bose

Der klanglich beste ANC-Kopfhörer

Der PX ist der erste Bluetooth-Kopfhörer von Bowers & Wilkins, der über eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) verfügt. Im Test hinterlässt er einen sehr guten Eindruck.

Klasse Verarbeitung, großer Klang, smarte Bedienung: Es sind Details wie diese, die uns den ersten Bluetooth-Kopfhörer mit ANC von Bowers & Wilkins schmackhaft machen. Im Test leistet sich der Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung kaum Fehltritte. Schlägt er etwa auch den Bose QC35?

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Passform
  3. Chance gegen Bose: So gut funktioniert das ANC
  4. Bedienung: Das Problem mit den Sensoren
  5. Hörtest: "Der Prosecco prickelt sich durch den Verstand"
  6. Das ist uns sonst noch aufgefallen
  7. Fazit & Alternativen

Der 399 Euro teure Bowers & Wilkins PX wurde für Pendler entwickelt. Für Flugreisende und Menschen in Großraumbüros. Er verfügt über ein regelbares ANC und soll euch so vor störenden Außengeräuschen schützen. Darüberhinaus kommt erstmalig ein "smartes" Steuerungssystem zum Einsatz. Hierbei stoppt die Musik etwa automatisch, wenn ihr den ANC-Kopfhörer absetzt oder eine Ohrmuschel anhebt. Und natürlich soll der PX auch noch markentypisch gut klingen.

Ihr seht: Die Erwartungen sind hoch. Denn schließlich hat Bowers & Wilkins einen guten Ruf zu verlieren. Der P9 Signature etwa zählt unserer Meinung nach mit zum Besten, was man sich in der Kopfhörer-Liga bis 1.000 Euro auf die Ohren schnallen kann. Und auch die Modelle P7 und P5 Wireless überzeugten uns im Test. Klanglich trauen wir dem B&W einiges zu, aber kommt er beim ANC an den Klassenprimus Bose heran?

Das sagt der Hersteller über den PX

"Wer bislang bei der Nutzung von Kopfhörern die Umgebungsgeräusche ausblenden wollte, musste immer auch mit Einbußen in der Klangqualität leben. Bowers & Wilkins ist es nun erstmals gelungen, modernste Noise-Cancelling-Technologien mit hochwertigem Klang zu vereinen. Herausgekommen ist der smarte Bluetooth-Kopfhörer PX, der nicht nur intelligent auf Außengeräusche, sondern auch automatisch auf die Bewegungen seines Benutzers reagiert und damit ein einzigartiges Erleben der Musik ermöglicht." Bowers & Wilkins

Design und Verarbeitung

Bei der Materialanmutung spielt der PX in einer eigenen Liga und sticht den Konkurrenten aus den USA sofort aus. Wo Bose größtenteils auf Kunststoff setzt, protzt unser Testgerät mit feinstem Leder am Bügel und den Ohrmuscheln. Letztere lassen sich sogar einfach abnehmen und ersetzen, sie haften magnetisch am Korpus.

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Einen genaueren Blick ist auch die filigrane Kabelführung entlang des Bügels hin zu den äußerlich mit Nylon bespannten Ohrmuscheln wert. Oder die aufwändigen Drehgelenke, die wir schon vom P5 Wireless her kennen und die ein Einklappen der Ohrmuscheln ermöglichen. So passt der PX ganz leicht in die im Lieferumfang enthaltene, ebenfalls sehr edel gemachte Transporttasche. Bei dieser handelt es sich nicht um ein Hardcase. Ihr solltet den PX daher besser nicht allzu arglos in den Rucksack werfen.

So edel der Bowers & Wilkins auch gemacht ist - ein "Sensibelchen" ist er nicht. Wir haben es mit dem uns leihweise zu Verfügung gestellten Testgerät nicht ausprobiert, sind uns aber recht sicher, dass der PX euch auch ein versehentliches Draufsetzen verzeiht. Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität auf einem sehr hohen Niveau, wir haben nichts auszusetzen.

Passform

Ein Nachteil der Materialwahl und Machart ist das damit einhergehende hohe Gewicht des Kopfhörers. 335 Gramm zeigt uns die Redaktionswaage an. Zum Vergleich: Der auch preislich ähnliche Sony MDR-1000X wiegt 278 Gramm, der Bose QuietComfort 35 sogar nur 233 Gramm. Da Bowers & Wilkins den PX explizit als Reisekopfhörer vermarktet, solltet ihr euch dessen bewusst sein.

Auf dem Kopf bemerkt man diesen Gewichtsunterschied erst nach längerem Tragen. Doch die Sorge, auf Grund des höheren Gewichtes nun nur noch gebückt durch lärmüberflutete Innenstädte zu wandeln ist unbegründet. Uns passt der PX hervorragend. Einigen Redaktionsmitgliedern kam der Anpressdruck der Ohrmuscheln ein wenig hoch vor. Das war es aber auch schon.

Unterwegs findet der PX in der mitgelieferten Tasche Platz.
Unterwegs findet der PX in der mitgelieferten Tasche Platz. (Quelle: netzwelt)

Der rasterlose Bügel erlaubt eine stufenlose Anpassung der Kopfhörergröße und sollte auch dem größten Dickschädel passen. Am anderen Ende der Skala hätten wir uns ein wenig mehr Luft gewünscht. Menschen mit kleinen Köpfen werden die Grenze der Verstellmöglichkeiten ausloten.

Sobald der PX angelegt wurde, merkt ihr bereits eine deutlich wahrnehmbare passive Geräuschfilterung der Ohrmuscheln. Auch wenn wir den Kopf heftig hin und her schütteln, bleibt der PX an seinem Platz. Nur zum Joggen eignet sich dieser Kopfhörer nicht, aber das liegt in der Natur der Sache und dafür gibt es schließlich spezielle Bluetooth-Kopfhörer.

Chance gegen Bose: So gut funktioniert das ANC

Noch bevor Bowers & Wilkins den PX offiziell auf den Markt brachte, trafen wir uns mit dem Hersteller und begutachteten ein fertiges Vorserienmodell. B&W dämpfte unsere Erwartungen an das ANC jedoch gleich ein wenig. So gut wie beim Marktführer (Anmerkung: gemeint ist Bose), funktioniere die Geräuschunterdrückung des PX vielleicht nicht. Dafür lägen beim Klang aber Welten zwischen den Herstellern. Bevor wir zum Hörtest kommen, gehen wir zunächst auf das ANC ein.

B&W hat Recht mit der Selbsteinschätzung. So effektiv wie der Bose QC25 oder QC35 klappt das Filtern störender Außengeräusche beim PX nicht. Zwar agiert es vergleichsweise leise und ohne aufdringliches Grundrauschen. Das konstante Rauschen und Blubbern eines zwei Meter entfernten Wasserkochers nehmen wir aber deutlicher wahr, als mit dem ebenfalls vorliegenden Bose QC25. Doch funktioniert das ANC subjektiv dennoch besser, als etwa im Sony MDR-1000X.

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Ihr könnt die Geräuschunterdrückung nicht nur am Kopfhörer ein- und ausschalten, sondern auf die Wirkungsweise darüberhinaus per App Einfluss nehmen. Dort findet ihr wie bei diesem Libratone-Kopfhörer drei verschiedene ANC-Profile mit Namen Büro, Stadt und Flug.

Die Unterschiede zwischen den Profilen sind deutlich wahrnehmbar. Je nach Szenario wird dabei auch die Stärke der so genanten Pass-Through-Funktion gesteuert. So dringen etwa im Stadt-Profil mehr Außengeräusche über die Mikrofone an eure Ohren, als beispielsweise im Büro-Modus. Eine schnelle Pass-Through-Funktion wie sie etwa der Sony MDR-1000X bietet oder wie Libratone sie beim Q Adapt über die Hush-Funktion ermöglicht, fehlt dem aktuellen Testgerät allerdings.

Bedienung: Das Problem mit den Sensoren

Prinzipiell reicht es aber auch schon aus, eine Ohrmuschel kurz anzuheben, um auf Fragen nach dem Wunschgetränk im Flugzeug reagieren zu können. Denn dann pausiert die Musik automatisch. Bowers & Wilkins setzt für diesen Trick auf zwei lichtempfindliche Sensoren, die sich jeweils direkt über dem Treiber an der Innenseite der Ohrmuscheln befinden.

Diese Sensoren sorgen auch dafür, dass die Musik automatisch pausiert, wenn ihr den Kopfhörer um den Nacken tragt oder den PX gänzlich zur Seite legt. Nach einiger Zeit wechselt der ANC-Kopfhörer dann in den Stand-by-Modus. Praktisch: Die Musik setzt an gleicher Stelle wieder ein, sobald ihr den PX wieder aufsetzt.

In verschiedenen Bewertungen bei Amazon und Co. wird zur Zeit verstärkt von Problemen rund um diese Sensoren berichtet. Es kommt demnach zu Aussetzern in der Wiedergabe, von der offenbar vor allem Brillenträger betroffen sind. Wir konnten diese ruckelnde Wiedergabe in unserem Test nicht feststellen. In der Tat könnten Brillenbügel jedoch verhindern, dass die Ohrmuscheln bündig abschließen. So könnte Licht auf die Sensoren fallen, was wiederum zur Unterbrechung der Musikwiedergabe führen könnte.

Kopfhörer-Test: Alle Modelle in der Übersicht

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Dessen ist sich offenbar auch Bowers & Wilkins bewusst. In der App gibt es die Option, die Empfindlichkeit der Sensoren in drei Stufen zu regeln. Alternativ könnt ihr die Sensoren auch komplett deaktivieren. Dann sollte die Wiedergabe ohne Aussetzer erfolgen, ihr müsst den PX aber manuell ein- und ausschalten und die Wiedergabe über die seitlichen Tasten anstoßen.

Diese finden sich alle an der rechten Ohrmuschel. Neben einer zentralen Taste (Play, Pause, Siri / Google Assist) findet ihr hier noch Lautstärketasten, einen ANC-Schalter (An/Aus) sowie den Power-Schalter. Die Tasten lassen sich blind gut ertasten.

Hörtest: "Der Prosecco prickelt sich durch den Verstand"

Besser als Sony, besser als Bose: Wir müssen dem britischen Hersteller ein zweites Mal Recht geben - der PX klingt sehr, sehr gut und katapultiert sich unter den NC-Kopfhörern fast mühelos an die Spitze. Großes Kopfkino, wie sich das Bilderbuch-Stück "Investment 7" zu Beginn wie aus einer Unterwasserwelt kommend immer mehr aufbaut um in einem glasklaren Synthie-Spektakel zu gipfeln.

Die Neutralität, die wir beim P7 noch bewunderten, ist dem PX ein wenig fremd. Das macht aber nichts - mit dem PX richtet sich B&W offenbar an eine jüngere oder jung gebliebenen Zielgruppe. Und die hört seltener Klassik, sondern eher Hip-Hop, Pop, elektronische Musik oder eben die österreichische Band Bilderbuch. Die Liedzeile "Der Prosecco prickelt sich durch den Verstand" wurden wir jedenfalls so schnell nicht wieder los.

Der PX samt mitgeliefertem Zubehör.
Der PX samt mitgeliefertem Zubehör. (Quelle: netzwelt)

Begeistert sind wir von der Basswiedergabe des PX. Es braucht bekanntlich nicht viel, um Menschen mit einem überzeichneten Bass kurzfristig zu beeindrucken. Anspruchsvolle Musikhörer, die noch dazu 400 Euro auf den Tisch legen sollen, sind weniger leicht zu gewinnen. Doch das gelingt dem PX. Die Tieftonwiedergabe ist hervorragend abgestimmt, zu keinem Zeitpunkt aufdringlich.

Dass der PX uns beim Klang an den wesentlich teureren P9 Signature aus gleichem Hause erinnert, ist kein Zufall. Die Treiber sind laut B&W an den Referenz-Kopfhörer angelehnt und sitzen ebenfalls leicht angewinkelt im Gehäuse, was zu einem sehr räumlichen Höreindruck mit breiter Bühne führt.

Das ist uns sonst noch aufgefallen

  • Der PX bietet laut Hersteller eine Akkulaufzeit von 22 Stunden (mit aktivem ANC) beziehungsweise 33 Stunden. Geladen wird per USB-C-Anschluss.
  • Sollte der nicht wechselbare Akku erschöpft sein, lässt sich der PX auch kabelgebunden betreiben.
  • Per Software-Update lassen sich in Zukunft neue Funktionen einspielen.
  • Die Abschirmung nach außen könnte besser sein. Schon bei mittlerer Lautstärke hören Bahnfahrer eure Musik.

Bowers & Wilkins PX: Fazit

Schlägt Bose, Sony und den Rest 8.8/10

Wer in Büro, Bahn oder Flugzeug einfach nur seine Ruhe haben möchte, sollte nach wie vor zu einem Bose-Kopfhörer greifen. Wer jedoch auf der Suche nach einem sehr gut klingenden, edel gemachten Bluetooth-Kopfhörer ist, sollte den Bowers & Wilkins PX in die engere Wahl ziehen. Klanglich übertrifft er die Konkurrenz spielend. Uns ist noch kein besseres ANC-Gesamtpaket untergekommen.

Das hat uns gefallen

  • Klang
  • automatische Abschaltung
  • aptX-Unterstützung
  • Verarbeitung

Das hat uns nicht gefallen

  • Sensoren können Probleme bereiten
  • Akku nicht wechselbar
  • Abschirmung nach außen
  • App ohne EQ
Testnote 8,8 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
9,0 / 10
Klang

Klang Von Elektronik über Jazz, Pop und Rock bis hin zu klassischer Musik: Unsere Playlists enthält Musikstücke der unterschiedlichsten Richtungen. Beim Hörtest achten wir nicht nur auf die lauten sondern gezielt auch auf die ganz leisen (Zwischen)-Töne.

8,0 / 10
Tragekomfort und Verarbeitung

Tragekomfort und Verarbeitung Der schönste Kopfhörer ist nutzlos, wenn er sich falsch anfühlt oder droht, binnen kurzer Zeit auseinanderzubrechen. Drücken Bügel oder Ohrmuscheln? Gibt es keine oder nur unzureichende Verstellmöglichkeiten? Fühlt es sich nach kürzester Zeit an, wie in einer Sauna? All dies führt zu Punktabzug.

9,0 / 10
Ausstattung

Ausstattung Wie lang ist das Kabel, gibt es eine Anbindung ans Smartphone, lässt sich die Lautstärke direkt am Kopfhörer regeln und ist vielleicht sogar der Titelsprung möglich? Solche Kriterien nehmen wir im Punkt „Ausstattung“ genau unter die Lupe.

Informationen zum Leihgerät

Der PX wurde uns von Bowers & Wilkins für einen Zeitraum von zwei Wochen zu Verfügung gestellt. Nach Testende wird er wieder an den Hersteller zurückgeschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

9
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Bestenlisten

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