Drobo 5N: Intelligentes NAS-System im Test

Vollautomatische RAID-Verwaltung von bis zu 5 Datenträgern

von Marcus Jäger
Drobo 5N 4

Mit dem 5N bietet Drobo ein NAS-System an, das eure Daten bei höchster Sicherheit vollautomatisch verwaltet. Der Network-Attached-Storage nimmt bis zu fünf Festplatten oder SSDs in verschiedenen Größen und Ausführungen auf und soll sich besonders einfach einrichten und verwalten lassen. Das perfekte NAS für Einsteiger? Ein Test.

Inhaltsverzeichnis

  1. Lieferumfang, Verarbeitung und technische Daten
  2. Einrichtung
  3. BeyondRAID
  4. Apps
  5. Kritikpunkte
  6. Preis und Verfügbarkeit
  7. Fazit

NAS-Systeme können in heutigen digitalen Zeitalter ziemlich praktisch sein. Ein ins Netzwerk eingebundenes Speicher-Array dient nicht mehr nur als reiner Speicher, sondern bietet auch Funktionen, die man von Cloud-Diensten, Web-Hosting-Anbietern oder Mediaservern kennt. Das Drobo 5N ist ein Vertreter dieser Produktfamilie, der einen besonders einfachen Einstieg und Betrieb bieten will.

Das Drobo 5N verspricht aber nicht nur eine einfache Einrichtung, sondern auch eine besonders hohe Sicherheit eurer Daten. Dazu greift Drobo auf das RAID-Prinzip zurück, eine Technik, die auch von anderen Herstellern genutzt wird. Mit seinem BeyondRAID bietet Drobo allerdings ein besonderes RAID-Verfahren an. Dazu kommen wir aber später, werfen wir zunächst einen ersten Blick auf das Drobo 5N.

Lieferumfang, Verarbeitung und technische Daten

Geliefert wird das Drobo 5N in einem recht großen Karton, der einen weiteren Karton mit einem Quick-Start-Guide sowie ein Netzteil und Netzwerkkabel enthält. Unter diesem befindet sich das eigentliche NAS-System - verpackt in einem Stoffbeutel zum einfachen Entnehmen. Aus der schützenden Hülle befreit präsentiert sich das Gerät in einem schwarzen Metallgehäuse mit einem magnetischen Plastikdeckel in Klavierlackoptik an der Front. Festplatten oder SSDs sind nicht dabei, schließlich handelt es sich nur um ein Gehäuse für ebendiese.

An der Rückseite befinden sich Anschlüsse für die Strom- und Netzwerkversorgung sowie ein Ein-/Ausschalter.
An der Rückseite befinden sich Anschlüsse für die Strom- und Netzwerkversorgung sowie ein Ein-/Ausschalter. (Quelle: netzwelt)

Im Inneren des Gerätes ist Platz für bis zu fünf Festplatten oder SSDs, sodass eine maximale Kapazität von bis zu 40 Terabyte erreicht werden kann - ein Hybrid-Betrieb mit HDD und SSD ist bei dem Drobo 5N leider nicht möglich. Anders als bei vielen anderen Systemen werden die Speichermedien einfach in das Drobo-Gehäuse hereingeschoben. Eine "Schublade", die erst an der Festplatte oder SSD befestigt werden muss, fällt damit weg. Dieser Umstand ist nicht nur bei der ersten Installation, sondern auch beim Tauschen von Datenträgern besonders praktisch. Das Gehäuse unterstützt sowohl 3,5-Zoll-, als auch 2,5-Zoll-Speichermedien. An der Unterseite findet sich darüber hinaus ein mSATA-Anschluss für SSDs - ein hier angeschlossener Speicher ist allerdings nicht teil des RAID-Arrays und kann auch in Verbindung mit Festplatten genutzt werden.

Die Kontrollleuchte informieren über Laufwerkszustand, Kapazität, Systemstatus und die Netzwerkauslastung.
Die Kontrollleuchte informieren über Laufwerkszustand, Kapazität, Systemstatus und die Netzwerkauslastung. (Quelle: netzwelt)

An der Front finden sich außerdem einige Kontrollleuchten, die einerseits über den Status des im jeweiligen Slot verbauten Datenträgers, über die Gesamtkapazität des Arrays sowie über den aktuellen Betriebsstatus und die Netzwerkauslastung informieren. Informationen zu dem verbauten Prozessor sowie einige andere Leistungsdaten sind auf der Herstellerseite erst nach intensiver Recherche zu finden. Dabei sind sie für den Nutzer äußerst wichtig. Für einen Web- oder Medienserver wird schließlich Rechenleistung benötigt. Was hat das Drobo 5N hier nun zu bieten?

Mit einem 500-Megahertz-ARM-Prozessor scheint das Drobo 5N nicht sonderlich üppig ausgestattet zu sein, dank der integrierten Multimedia-Unterstützung beim Transcoding von Video-Dateien gerät das Drobo 5N aber trotzdem nicht ins Stocken. Die ansonsten rechenintensiven Aufgaben werden direkt an die MPEG TS-Schnittstelle delegiert, sodass diese den Kern nicht belasten.

Darüber hinaus verfügt das Drobo 5N über einen Backup-Akku, der die im Arbeitsspeicher oder Cache liegenden Dateien bei einem Stromausfall schützt. Sobald das System wieder mit dem Stromnetz verbunden wird, werden die im Cache beziehungsweise Arbeitsspeicher liegenden Daten sofort auf die Festplatte oder SSDs übertragen.

Einrichtung

Eine ausführliche Anleitung liegt dem 5N nicht bei, Drobo hat sich dazu entschieden, diese ins Netz auszulagern. Ein Link dazu findet ihr in der gedruckten Schnellstartanleitung. Die Einrichtung ist schnell erledigt. Das NAS wird lediglich mit den Datenträgern bestückt und mit dem Stromnetz sowie dem Netzwerk verbunden. Auf dem Computer kann anschließend die Drobo Dashbaord-Software installiert werden, ein Download-Link zu dieser findet sich in der ausführlichen Anleitung.

Ist die Software installiert und das Drobo 5N-NAS eingeschaltet, geht die Einrichtung in der Software weiter. Nach dem Ändern einer Einstellung in der Mac-Firewall - ein Hinweis dazu gibt die Software während der Installation aus - wird das Drobo 5N direkt im Netzwerk erkannt und in der Software angezeigt. Ein Klick auf das entsprechende Symbol startet die Initialisierung. Während der Initialisierung lädt das Gerät die aktuelle Firmware herunter und formatiert die Datenträger. Außerdem werden die Speichermedien für BeyondRAID vorbereitet. Der Initialisierungsprozess nimmt etwa 20 Minuten in Anspruch.

Die Konfiguration und Verwaltung des Drobo 5N erfolgt über die Software "Drobo Dashboard".
Die Konfiguration und Verwaltung des Drobo 5N erfolgt über die Software "Drobo Dashboard". (Quelle: netzwelt)

Nach der Initialisierung müssen die Freigaben eingerichtet werden. Die Freigaben legen fest, wer wie auf welchen Bereich zugreifen kann. Eine Freigabe mit dem Titel "Public" ist bereits automatisch eingerichtet, weitere können per Klick auf einen Button hinzugefügt werden. Sollen Freigaben nur für bestimmte Nutzer zugänglich sein, müsst ihr die entsprechenden Nutzer zuerst anlegen. Sind alle benötigten Freigaben sowie Nutzer eingerichtet und die Freigaben per Klick auf ein Kästchen gemountet (eingehangen), ist das NAS-System einsatzbereit und kann als Dateispeicher genutzt werden.

BeyondRAID

Von anderen NAS-Systemen grenzt sich das Drobo 5N während der Einrichtung eher weniger ab, auch wenn diese besonders einfach vonstattengeht. Das, was Drobo besonders macht, ist das RAID-System "BeyondRAID". Bei einem RAID-System - "Redundant Array of Independent Disks", zu deutsch "Redundante Anordnung unabhängiger Festplatten" - werden die Daten nicht einfach auf einem der verbauten Datenträger gespeichert, sondern aufgeteilt und auf mehreren Datenträgern abgelegt. Je nach verwendetem RAID-Level werden dadurch die Übertragungsgeschwindigkeit und vor allen Dingen die Datensicherheit erhöht. Um die Funktionsweise eines RAID-Systems zu verstehen, folgt eine Übersicht der meistgenutzten RAID-Level:

  • RAID 0 - Höhere Übertragungsrate durch Aufteilen der Datei
  • RAID 1 - Höhere Sicherheit durch doppeltes, dreifaches usw. Speichern
  • RAID 5 - Drei oder mehr Datenträger - Höhere Sicherheit bei mehr Speicher als RAID1 - Kann Daten bei Ausfall eines Datenträgers mithilfe von Paritätsinformationen wiederherstellen. Diese müssen aber bei jeden Schreib-/Lesezugriff neu berechnet werden. Außerdem darf nur ein Datenträger zur gleichen Zeit ausfallen.
  • RAID 6 - Ähnlich wie RAID 5 - Bei RAID 6 können aber auch zwei Datenträger ausfallen, da die Paritätsinformationen redundant gespeichert werden. Geht bei RAID 5 ein Datenträger während dem Rebuild eines andere kaputt, gehen Daten verloren. Bei RAID 6 würden ebendiese bestehen bleiben.

Ein normales RAID-System muss allerdings mühsam konfiguriert werden und kann dann nicht einfach verändert werden. Wird ein Datenträger ausgetauscht oder die Kapazität des Arrays erhöht, muss dieses von Grund auf neu konfiguriert werden. Hier kommt Drobos BeyondRAID ins Spiel. 

BeyondRAID wählt das benötigte RAID-Level vollautomatisch und versucht dabei die größtmögliche Speicherkapazität bei der höchsten Sicherheitsstufe beizubehalten. BeyondRAID führt außerdem permanent einen Hintergrundcheck - das sogenannte Scrubbing - durch, um Fehler in den gespeicherten Daten zu erkennen und rechtzeitig zu handeln, damit die Daten erhalten bleiben. Das Scrubbing und andere Hintergrundchecks stellen darüber hinaus sicher, dass alle verbauten Datenträger einwandfrei funktionieren. 

Die Statusleuchte neben jedem Slot gibt Auskunft über den Zustand des verbauten Datenträgers.
Die Statusleuchte neben jedem Slot gibt Auskunft über den Zustand des verbauten Datenträgers. (Quelle: netzwelt)

Hier kommen auf die LED-Statusleuchten neben jedem Datenträger-Slot zum Einsatz. Leuchten diese grün, ist alles in Ordnung. Leuchtet eine Lampe gelb, muss der entsprechende Slot demnächst mit einem Datenträger bestückt oder durch einen größeren getauscht werden. Leuchtet eine Lampe rot, muss sofort ein weiteres Laufwerk eingesetzt oder die Kapazität vergrößert werden. Fängt eine der Statuslampen an rot zu blinken, muss das entsprechende Laufwerk sofort ausgetauscht werden, da ein Problem vorliegt. Bei einer gelb/grün blinkenden Lampe darf das entsprechende Laufwerk auf keinen Fall entfernt werden.

Wird ein Laufwerk getauscht oder ein neues hinzugefügt, wird dieses einfach in das bestehende RAID-System eingebunden. Es ist also nicht nötig, dieses neu zu konfigurieren.

Apps

Ein NAS-System dient heutzutage meist nicht mehr nur als einfacher Netzwerkspeicher. Mit einer Reihe an Apps lässt sich das Drobo 5N NAS in eine eigene Cloud, einen Web- oder Medienserver verwandeln. Ähnlich wie etwa Synology bietet auch Drobo eine Vielzahl von Anwendungen an, mit denen ihr den Funktionsumfang des NAS-Systems erweitern könnt. Die Apps können ganz einfach über das Drobo Dashboard installiert und konfiguriert werden.

Drobo selbst bietet drei eigene Apps an, die einen sicheren Fernzugriff und das automatische Sichern von Fotos und Videos eines Smartphones auf das NAS-System ermöglichen. Eine entsprechende App für die Foto- und Videosicherung steht im App Store zum kostenlosen Download bereit. Die App für den Fernzugriff auf das NAS-System muss für einen Euro gekauft werden. Eine Android-Version der Foto-App gibt es nicht, der Fernzugriff ist aber auch vom Android-Smartphone möglich. Auch bei Google Play kostet die App einen Euro.

Über das Drobo Dashboard könnt ihr insgesamt 46 verschiedene Apps installieren und verwalten.
Über das Drobo Dashboard könnt ihr insgesamt 46 verschiedene Apps installieren und verwalten. (Quelle: netzwelt)

Neben den Drobo-Apps steht außerdem eine Vielzahl von anderen Anwendungen zur Verfügung. Darunter Cloud-Anwendungen wie ownCloud oder BitTorrent Sync, Medienserver-Apps wie Plex und MiniDLNA, Mediensammlungs-Apps wie Couch Potato oder Sick Beard und Netzwerk-Applikationen wie Wordpress, Koken oder Modoboa Mailserver. Zudem lassen sich Systemanwendungen wie Apache, Java, MySQL, Node.js, Perl und Pyton sowie Systemtools wie 7-Zip, Bash oder Git installieren. Eine Übersicht aller verfügbaren Apps findet ihr auf der Herstellerseite.

Wie der technisch versierte Nutzer bereits erkannt haben sollte, lassen sich mit den verfügbaren Apps die verschiedensten Projekte realisieren. Mit dem Drobo 5N erhaltet ihr also nicht nur ein einfaches NAS-System, sondern einen funktionsgeladenen Server für Zuhause oder ein kleines Unternehmen.

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Kritikpunkte

Selbstverständlich ist kein System gänzlich perfekt, so gibt es auch bei Drobo 5N zwei Kritikpunkte zu verzeichnen. Einen ersten Kritikpunkt fährt das Benutzerhandbuch ein. Dieses ist über die Dashboard-Software nur in englischer Ausgabe zu erreichen, eine deutsche Version muss per Suchmaschine oder auf der Herstellerseite gesucht werden.

Ein weiteres großes Problem stellt der verbaute Lüfter dar. Bei diesem handelt es sich offenbar um ein preisgünstigeres Modell, das recht laut ist.

Preis und Verfügbarkeit

Das Drobo 5N NAS-Gehäuse könnt ihr bei Amazon oder in einem Elektronikmarkt eurer Wahl kaufen. Für das in schwarz gehaltene Gerät zahlt ihr um die 500 Euro, bei Amazon aktuell 520 Euro. Zusätzlich zu dem NAS-Gehäuse müsst ihr aber auch die Datenträger mit in eure Kostenrechnung einbeziehen. Je nach gewünschter Kapazität können hier zusätzlich einige Hundert Euro Kosten anfallen. Wer auf die Netzwerk-Funktionen und Apps verzichten kann, sollte sich das 120 Euro günstigere Drobo 5C-USB-C-Gehäuse einmal genauer anschauen.

Drobo 5N: Fazit

Auspacken, anschließen und los gehts! 8.4/10

Mit dem Drobo 5N holt ihr euch ein schickes NAS-System ins Haus, das sehr einfach einzurichten ist. Das Gerät überzeugt aber nicht nur mit einer einfachen Einrichtung, sondern auch durch das vollautomatische RAID-System BeyondRAID und die mögliche Funktionserweiterung durch Apps. Auch Preislich liegt das Drobo 5N voll im Rahmen, einzig das nicht direkt auffindbare Benutzerhandbuch und der laute Lüfter sind uns ein Dorn im Auge.

Das hat uns gefallen

  • Einfache Einrichtung und Handhabung
  • Vollautomatisches RAID-System
  • Hohe Sicherheit für gespeicherte Daten

Das hat uns nicht gefallen

  • Viel Speicher geht für Sicherung verloren
  • Lauter Lüfter
  • Deutsches Handbuch muss selbst im Netz gesucht werden
Testnote 8,4 von 10
Marcus Jäger
Bewertet von Marcus Jäger
8,0 / 10
Performance

Performance Wie schnell kann auf den Speicher geschrieben beziehungsweise von ihm gelesen werden? Dies testen wir mit diversen Benchmark-Tools.

8,0 / 10
Verarbeitung und Handhabung

Verarbeitung und Handhabung Wie steht es um die Qualität von Gehäuse und Steckern? Gibt es bei der Einrichtung Probleme?

9,0 / 10
Sicherheit und Datenschutz

Sicherheit und Datenschutz Wie werden die Daten verschlüsselt?, etc.

9,0 / 10
Software & Extras

Software & Extras Legt der Hersteller Software bei? Bietet das System "Extras" gegenüber anderen Lösungen?

Informationen zum Leihgerät

Das Drobo 5N NAS-Gehäuse wurde und von Drobo kostenlos als Testgerät zur Verfügung gestellt und wird nach Abschluss des Tests

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

7
Leserwertung

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Bestenlisten

Drobo 5N wurde in folgende NAS-Bestenlisten einsortiert.

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