eCozy: ZigBee-Heizungssteuerung im Test

Nachrüstlösung für das Smart-Home

eCozy Thermostat mit Basis-Station

Im Kurztest werfen wir einen Blick auf die Produkte von eCozy. Das Münchner Startup bietet mit der gleichnamigen Heizungssteuerung eine Komplettlösung für die automatische und komfortable Heizungsregelung. Bis zu 16 Thermostate lassen sich an die Zentrale anlernen und via Smartphone fernsteuern.

Inhaltsverzeichnis

  1. Verabeitung
  2. Installation
  3. Steuerung
  4. Funktionalität
  5. Einbindung im Smart-Home
  6. Fazit

Verabeitung

Unsere Installation umfasst ein Starterkit, bestehend aus der Zentraleinheit (Central Unit) und drei Thermostate, sowie drei zusätzliche Thermostate. Alle Thermostate verfügen über einen Anschluss für die gängigen Heimeier-Ventile, lassen sich aber mit den beiliegenden Adaptern auch auf anderen Anschlüssen verbauen. Diese sind aus Plastik, gleiches gilt für den Anschluss am Thermostat. Das entspricht dem Marktstandard, eCozy verpasst hier jedoch die Möglichkeit, mit einer wertigeren Haptik zu punkten.

Das gilt leider auch für den generellen Eindruck vom Gerät. So schön die eCozy-Thermostate auf Produktbildern aussehen - in der Hand hinterlassen sie ein eher enttäuschendes Gefühl. Das Batteriefach verhakt oft beim Öffnen und Schließen, der Touchscreen gibt beim Bedienen leicht nach. Generell wirkt die Haptik billig.

Die Zentraleinheit hinterlässt da einen deutlich besseren Eindruck. Das Gerät ist leise, verschiedene LEDs zeigen den Zustand an und wer will, kann die im Boden eingelasse LED als Nachtlicht verwenden. Anschlüsse benötigt die Zentraleinheit keine, lediglich ein Stromadapter wird angeschlossen. Der Rest der Kommunikation erfolgt per Funk, sei es über WLAN mit den Geräten im Netz oder per ZigBee mit den Thermostaten.

Installation

Die Installation läuft nach einem Smart-Home typischen Prinzip ab:

  • App auf dem Smartphone herunterladen
  • Zentraleinheit mit Strom versorgen
  • Warten bis die obere LED blinkt
  • mit dem Smartphone auf das interne WLAN (ecozy_generic) der Zentraleinheit zugreifen
  • Passwort (ecozy_generic) eingeben
  • und die dazugehörige App starten

Im ersten Schritt muss der Modus der Zentraleinheit eingestellt werden. Der "Remote"-Modus erlaubt die Fernsteuerung auch von unterwegs aus. Im "Local"-Modus hingegen ist die Steuerung nur dann möglich, wenn das Smartphone in der Nähe der CU ist. Diese fungiert dann als WLAN Access Point. Da sich der "Local"-Modus noch in der Beta-Phase befindet, greifen wir für den Test auf den "Remote"-Modus zurück.

Der Gedanke einen lokalen Modus einzurichten ist trotz Beta-Status lobenswert. Gerade in Zeiten von Attacken auf und mit IoT-Geräten sollten Nutzer hier mehr auf Sicherheit achten. Nichtsdestotrotz sollten Nutzer hier nicht auf den Komfort verzichten müssen über ihr hauseigenes WLAN an ihre Zentraleinheit zu kommen. Der Umweg über einen Access-Point ist unpraktisch, hier gibt es bessere Mechanismen bei gleicher Sicherheit und mehr Komfort.

Datenschutz

Achtung, bei allen IoT-Installationen solltet ihr euch darüber informieren, welche Daten nach außen weitergegeben werden. Fragt euch selbst, ob ihr eure Verbrauchsdaten in der Cloud benötigt, ob ihr eure Heizung wirklich von unterwegs steuern müsst und ihr wirklich das Licht von unterwegs aus- oder anmachen müsst. Was bei der Kamera aus Sicherheitsgründen Sinn ergibt, kann bei Lampen oder Heizungen mitunter ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Ist der Modus ausgewählt und hat sich die Zentraleinheit mit dem WLAN verbunden, kann nach einem Neustart der App mit der eigentlichen Einrichtung der Thermostate begonnen werden. Hierfür werden die bestehenden Thermostate komplett hochgeregelt und anschließend von den Heizkörpern demontiert. Keine Angst, Wasser kann dabei nicht austreten und Klempner werden für diesen Schritt nicht benötigt. Anschließend werden die eCozy-Thermostate mit den Batterien versorgt und auf das Ventil geschraubt.

Sind die Thermostate an den Heizkörpern angebracht, müssen diese mit der Zentraleinheit verbunden werden. Auch diese Kopplung folgt Smarthome-typischen Mustern. Zunächst wird auf der Zentraleinheit über den Menüpunkt "Meine Geräte" » "Neuer Thermostat" die Suche nach Thermostaten gestartet. Das versetzt die Zentraleinheit in den Suchmodus. Diese öffnet sich damit für Thermostate beziehungsweise für ZigBee-Geräte und erlaubt das Anlernen neuer Geräte. Mit dem gleichzeitigen Drücken am oberen und unteren Rand des Thermostat-Touchscreens tritt das Thermostat dem offenen ZigBee-Netzwerk bei und kann anschließend in der App verwendet werden.

Achtet darauf, dass ihr mit dem Thermostat nicht zu weit von der Zentraleinheit entfernt seid. Im Zweifel müsst ihr diese temporär in der Nähe des Heizkörpers aufbauen. Später könnt ihr die Zentrale wieder an anderer Stelle anschließen. Funksignale zum Steuern der Thermostate haben zum einem eine größere Reichweite als beim Anlernen, zum anderem bauen die ZigBee-Geräte ein Mesh-Netzwerk auf, welches die Signale weiterleitet. Erreicht eure Zentraleinheit ein Thermostat nicht direkt, werden Funksignale für dieses Thermostat über andere Thermostate weitergeleitet.

Heizpläne lassen sich bequem als Szenario einrichten. Das klappt sowohl für das gesamte Haus, als auch für einzelne Räume.
Heizpläne lassen sich bequem als Szenario einrichten. Das klappt sowohl für das gesamte Haus, als auch für einzelne Räume.

Steuerung

Die Steuerung der angelernten Thermostate erfolgt wahlweise per Thermostat selbst, per App oder per Szenario. Am Thermostat sind die linke und die rechte Taste für das Einstellen der Soll-Temperatur zuständig. In der App tauchen die Thermostate auf dem Dashboard auf, auch dort wird über die Pfeile die Soll-Temperatur eingestellt.

Im Test klappte das gut, wobei das Einstellen der Thermostate an den Geräten nicht in Echtzeit auf dem Smartphone angezeigt wird. Das ist durchaus zu verkraften, obwohl das dahinterliegende ZigBee-Protokoll eine bidirektionale Verbindung zulässt und es mit wenig Aufwand möglich wäre diese Daten in Echtzeit an die App weiterzuleiten. Da bisher noch keine offene API zur Verfügung steht, ist es schwer abzuschätzen, ob das nur für die App nicht anprogrammiert wurde oder ob es gänzlich weggelassen wurde.

Ist eine smarte Heizungsregelung verbaut, fällt idealerweise die manuelle Steuerung komplett weg. Hierfür bieten sich bei eCozy die Szenarien an. Diese erlauben das bequeme Einrichten von Heizprofilen, welche wie eine Art Zeitschaltuhr funktionieren. Szenarien lassen sich so für einzelne Räume oder für das ganze Haus einstellen. So sehr die App an manchen Stellen noch ihren frühen Entwicklunsgstand offenbart, so überraschend gut ist diese Funktion umgesetzt. Selbst auf einem iPhone lassen sich bequem die Szenarien nach eigenen Wünschen anlegen und bearbeiten.

An anderen Stellen gibt es Punktabzug: Die Übersetzungen sind für ein deutsches Unternehmen peinlich. Immer wieder bekommen Nutzer einen unfreiwilligen Kurs in schlechtem Deutsch oder Denglisch. Wenn eCozy hier den Anspruch verfolgt weltweit verfügbar zu sein, sollte eine solide Internationalisierung-Strategie dahinter stehen. Da gehören fehlerfrei übersetzte Apps, FAQs und ein deutscher Support zwingend dazu. Hier hat eCozy noch Potential, gleiches gilt für die App selbst. Navigiert man in der App auf einen Untermenüpunkt, gibt es keinen Weg zurück zum Dashboard. Hier hilft nur noch ein Neustart der App.

Funktionalität

Die eCozy App: Nach Auswahl des Modus können Thermostate angelernt werden. Diese erlauben später das Einstellen der Soll-Temperatur im Dashboard.
Die eCozy App: Nach Auswahl des Modus können Thermostate angelernt werden. Diese erlauben später das Einstellen der Soll-Temperatur im Dashboard.

Die Funktionalität eines Thermostats für Heizkörper ist schnell beschrieben: Es soll das Ventil der Heizung steuern. Idealerweise fungiert es dazu noch als Sensor, gibt also gemessene Temperaturwerte oder andere Sensordaten aus, so dass diese auch von anderen Geräten genutzt werden können.

Soweit so gut, allerdings klappte das im Test nicht immer. Ein Thermostat wollte partout nicht auf die Befehle reagieren. Weder Befehle über Szenarien noch über die App oder direkt am Thermostat haben die Heizung runtergeregelt. Trotz eingestelltem Sollwert von 16° lief die Heizung auf höchster Stufe. Ähnlich enttäuschend verhält es sich mit den Sensordaten. Die eCozy App zeigt auf dem Dashboard nur den Sollwert an, den Istwert findet man lediglich versteckt in der Raumübersicht.

Einbindung im Smart-Home

Eine Heizungssteuerung, die per Zeitplan arbeitet ist nett, das kann aber auch mit Geräten aus dem Baumarkt gelöst werden. Auch die Bedienung über das Smartphone kann darüber nicht hinwegtrösten, denn der eigentliche Nutzen von allen IoT-Geräten ist die Vernetzung aller Geräte und nicht die Schaffung von Insellösungen. Hersteller verfolgen hierfür verschiedene Strategien. Einige bieten von Anfang an offene APIs und überlassen es Dritt-Entwicklern diese auf die verschiedensten Systeme zu portieren. Andere nutzen direkt HomeKit oder ähnliches.

Beide Lösungen gemein ist, dass sich die verschiedensten Geräte in Hersteller übergreifenden Szenarien steuern lassen. Fenster- und Tür-Kontakte beispielsweise lassen sich so nicht nur für die Alarmanlage nutzen, sondern auch zum Schalten von Licht oder Heizung. Das ist genau das, ,was ein Home "smart" macht.

eCozy kann derzeit nur als Insellösung betrieben werden. Eine Rückfrage beim Hersteller allerdings macht Mut. Sowohl HomeKit als auch eine offene API sind im Gespräch. Auch wenn HomeKit nicht realisiert wird, sollte zwingend die API umgesetzt werden. Findige Entwickler aus dem Automatisierungsbereich wären so in der Lage, nach und nach die passenden Schnittstellen zu verbauen. Sowohl eine Einbindung an HomeKit (über Homebridge) als auch an IFTTT oder größeren Lösungen wäre so realisierbar.

eCozy Heizungssteuerung: Fazit

Guter Ansatz, ausbaufähig 7.1/10

Auch wenn man den eCozy-Thermostaten das frühe Stadium noch anmerkt, sind die richtigen Ansätze vorhanden. Der lokale Modus gepaart mit einer API auf der Zentraleinheit würde für eine bessere Einbindung in bestehende Smart Home- Landschaften sorgen. Zumindest mit ZigBee hat eCozy auf einen weit verbreiteten Standard gesetzt und ein weiteres proprietäres Protokoll im Haus vermieden. Auch das wird in Zukunft eine Rolle spielen, zumal es bereits eine ansehnliche Anzahl an ZigBee-Produkten gibt und diese - zumindest zum Teil - untereinander kompatibel sind. Werden alle kritisierten Punkte in absehbarer Zeit beseitigt, hat eCozy durchaus Potential, zumal sich die Produkte preislich in einem überschaubaren Rahmen bewegen.

Das hat uns gefallen

  • Der Ansatz des lokalen Modus
  • Preis-Leistungsverhältnis
  • ZigBee-Standard

Das hat uns nicht gefallen

  • Keine APIs oder Schnittstellen
  • Wirkt teilweise noch unausgereift
  • Schlechte Übersetzungen
Testnote 7,1 von 10
Dirk Hottes
Bewertet von Dirk Hottes
8,0 / 10
Einrichtung

Einrichtung Ein Smart Home ist nicht auf Knopfdruck eingerichtet. Wie einfach läuft die Installation? Kann jedermann Geräte ohne umfassendes Fachwissen einrichten? Dieser Wert gibt an, wie leicht ihr das Zubehör in euer Zuhause integriert.

6,0 / 10
Bedienung

Bedienung Ist das Zubehör erst eingerichtet, wollt ihr eure neuen Geräte ja auch bedienen, und zwar sinnvoll. Ist die manuelle Bedienung an den Geräten problemlos? Sind die Knöpfe gut angeordnet? Ist die App übersichtlich und fehlerfrei? Je höher dieser Wert ist, desto besser könnt ihr das Zubehör bedienen.

6,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Einigen Käufern ist das Design wichtiger als Funktionalität. Ob schlicht oder ausgefallen - es bleibt natürlich Geschmackssache. Keine Kompromisse gibt es jedoch bei der Verarbeitung. Sind Spaltmaße gegeben? Besteht alles nur aus Plastik? Der Maximalwert gibt hier die bestmögliche Verarbeitung an.

5,0 / 10
Kompatibilität

Kompatibilität Wer sich ein Smart Home einrichtet, möchte vielleicht viele Produkte unterschiedlicher Hersteller in seinem Haus verknüpfen und zusammen nutzen. Nicht jeder Hersteller bietet jedoch diese Möglichkeit. Läuft alles nur mit iOS oder Android? Sind Wenn-dann-Beziehungen (IFTTT) möglich? Ist hier eine hohe Wertung gegeben, so ist das Produkt mit mehreren Szenarien kompatibel.

8,0 / 10
Preis-Leistung

Preis-Leistung Wichtig ist es natürlich, dass das Zubehör funktioniert und auch sinnvolle Funktionen bietet. Dabei sollte auch der Preis angemessen sein. Seht hier, ob beim Smart Home-Produkt ein gutes Preis-Leistungsverhältnis vorliegt.

Informationen zum Leihgerät

Die eCozy-Geräte wurden uns vom Hersteller überlassen. Da das Ein- und Ausbauen der Produkte im Smart-Home sehr aufwendig sind und wir fast alle Smart-Home-Produkte einem Langzeit-Test unterziehen, verbleiben die Geräte in der Redaktion.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

6
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt eCozy Heizungssteuerung selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 6 von 10 möglichen Punkten bei 33 abgegebenen Stimmen.
Vielen Dank für deine Bewertung!

Bestenlisten

eCozy Heizungssteuerung wurde in folgende Smart Home-Zubehör-Bestenlisten einsortiert.

Gadgets fürs Smart Home Bestenliste Mit diversen Gadgets könnt ihr die Funktionalität eures Smart Homes erweitern und euch das Leben leichter machen. Zur Bestenliste

Das könnte dich auch interessieren

Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: eCozy Heizungssteuerung, .

zur
Startseite

zur
Startseite