Fujifilm X100S: Im Test

APS-C-Sensor und lichtstarke Festbrennweite

von Dennis Imhäuser

Die Kompaktkamera Fujifilm X100S ist mit einem 16-Megapixel X Trans CMOS II-Sensor und einer lichtstarken Festbrennweite ausgestattet. Fuji setzt auf Retro-Design und klassische Bedienung. So erinnert die X100S eher an eine Leica M-Messsucherkamera als an eine moderne Kompaktkamera. Was die X100S leisten kann, lesen Sie im Test auf netzwelt.

Die Fujifilm X100S ist eine Kompaktkamera im Retro-Design mit großem Bildsensor und lichtstarker Festbrennweite. Die Kamera erinnert eher an eine Leica M Messsucherkamera als an eine moderne Digitalkamera. Dennoch arbeiten im Inneren ein X Trans CMOS II-Sensor von Fuji und der Bildprozessor EXR II. Gepaart mit einer lichtstarken Festbrennweite verspricht die X100S eine hohe Bildqualität. Ob die edle Kompaktkamera von Fujifilm dieses Versprechen halten kann, lesen Sie im ausführlichen Test.

Die Fujifilm X100s ist eine moderne digitale Kompaktkamera im Gewand einer Sucherkamera der 1950er-Jahre.
Die Fujifilm X100s ist eine moderne digitale Kompaktkamera im Gewand einer Sucherkamera der 1950er-Jahre.

Ersteindruck und Lieferumfang

Zugegeben, direkt auf den Test der Sony Cyber-shot RX1R wieder eine Kompaktkamera zu testen, die ebenfalls auf einen großen Sensor und lichtstarke Festbrennweite setzt, kann den Foto-Redakteur ein wenig in Bedrängnis führen. Eine Herausforderung für jedes Maß an Objektivität. Also Tabula rasa und durchstarten mit der Fujifilm X100S.

Edle Kompaktkameras: Links die APS-C-Kamera Fujifilm X100s und rechts die Vollformat-Kamera Sony RX1R.
Edle Kompaktkameras: Links die APS-C-Kamera Fujifilm X100s und rechts die Vollformat-Kamera Sony RX1R.

Die Fujifilm X100S wird in einem schwarzen Karton geliefert. Auf der Vorderseite befindet sich ein Bild der Kamera. Im Inneren der Original-Verpackung trifft man zuerst auf die Bedienungsanleitung, die Garantiekarte und die Vollversion des RAW-Konverters Silkypix. Darunter liegt die gut verpackte X100Sneben einem USB-Kabel und einem Kameragurt. Im Gegensatz zur 3.099 Euro teuren Sony Cyber-shot RX1R liegt der X100S ein vollständiges Ladegerät bei. Dies ermöglicht, parallel zum Fotografieren einen zweiten Akku zu laden.

Aussehen und Haptik

Die Fujifilm X100S erinnert mich an den Fotoapparat meines Großvaters, den ich zwar nie verwendet habe, aber der mir doch in guter Erinnerung geblieben ist - eine Praktika-Sucherkamera aus den 1950er-Jahren. Die silberne Oberschale und die Grundplatte sind aus Metall gefertigt. Der Rest des Gehäuses ist mit schwarzem Kunststoff überzogen. Dieser ist griffig, wirkt aber weniger hochwertig, als es der erste Blick auf die Kamera erwarten lässt.

Das Aussehen der Fujifilm weiß zu gefallen, allerdings lässt die Verarbeitung noch Wünsche offen. Die Abdeckung des USB- und HDMI-Anschlusses zum Beispiel ist komplett aus Kunststoff gefertigt und hat "Spiel" in alle Himmelsrichtungen. Zwar schließt die Abdeckung sicher, doch suggeriert die X100S von ihrem sonstigen Auftreten her einen anderen Anspruch.

Die metallenen Bedienelemente, wie Zeitwahlrad oder Belichtungskorrektur auf der Oberseite der Kompaktkamera, wirken sehr robust und rasten sicher und "satt" ein. Um den Auslöser befindet sich der Einschalthebel. Beide sind aus Metall gefertigt, und der Auslöser vermittelt ein sicheres Gefühl, wobei der Einschalter wiederum ein wenig "Spiel" aufweist. Auch die Bedienwippe und das Wahlrad auf der Rückseite sind schwammig und vermitteln kein sicheres Bedienerlebnis.

Display

Ebenfalls auf der Rückseite befindet sich ein 2,8 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 460.000 Bildpunkten. Die Wiedergabe des Displays ist gut. Im Live-View funktioniert er auch bei schnelleren Bewegungen ohne spürbares Nachziehen. Die Auflösung könnte allerdings etwas höher sein, gerade bei einer unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers von 1.199 Euro. Bereits Einsteiger-DSLRs bieten eine Auflösung von 921.000 Pixeln.

Im Live-View-Modus gibt der Bildschirm den Blick auf 100 Prozent des Bildfeldes frei. Darüber hinaus kann der Fotograf ein Live-Histogramm zuschalten, ebenso wie eine elektronische Wasserwaage. Leider ist der Bildschirm nicht hinter kratzresistentem Glas, sondern lediglich hinter einer Plastikabdeckung untergebracht und trägt ebenfalls zu einem eher gemischten Eindruck bezüglich der verwendeten Materialien bei.

Gleich zwei Sucher

Auf der Vorderseite der Fuji X100S befindet sich neben dem AF-Hilfslicht ein silberner Schalthebel der gefedert gelagert ist und immer in seine Ausgangsposition zurückschnappt. Darüber lässt sich der Hybrid-Sucher der X100S umschalten. Die Kamera besitzt neben dem optischen Sucher, auf dem elektronische Bildrahmen und wichtige Kameraparameter angezeigt werden, auch einen reinen elektrischen Sucher mit einer Auflösung von 2,35 Millionen Pixeln. Für Brillenträger ist das Okular schwer überschaubar. Hier hilft das Display auf der Rückseite, das bei Sonnenlicht noch gut abzulesen ist.

Dynamik und Auflösung der X100s ist gut.
Dynamik und Auflösung der X100s ist gut.

Der elektronische Sucher der X100S reagiert schnell und löst sehr fein auf. Dadurch vermittelt er einen guten Bildeindruck und bietet dem Fotografen die Möglichkeit, das Motiv ausreichend gut beurteilen zu können. Der optische Sucher ist ebenfalls gut, aber mit leichten Abdunkelungen an den Rändern versehen. Ein erster Blick durch den optischen Sucher kann etwas irritierend wirken, weil der Fotograf das Objektiv am unteren rechten Rand wahrnimmt. Dieser Eindruck verschwindet spätestens sobald die elektronischen Anzeigen eingeblendet werden und ein weißer Rahmen das Motiv umfasst.

Sensor, Objektiv und Bildqualität

Bei dem CMOS-Sensor der Fujifilm X100S handelt es sich um eine Eigenentwicklung von Fujifilm. Der Sensor verfügt über eine spezielle "Pattern" vor den Fotodioden. Diese zeichnet sich im Gegensatz zu einer Bayer-Pattern, die bei den meisten digitalen Bildsensoren zum Einsatz kommt, durch eine unregelmäßige Anordnung der RGB-Pixel aus. Dadurch möchte Fujifilm Farbsäume und Moiré-Effekt reduzieren und die Dynamik des Sensors erhöhen. Dadurch kann der Hersteller auf einen Tiefpassfilter vor dem CMOS-Sensor verzichten, der bei Sensoren mit herkömmlicher Bayer-Pattern Artefakte in feinen Strukturen herausfiltert. Da bei dem X Trans CMOS II-Sensor kein Tiefpassfilter verbaut ist, wird die Informationsdichte erhöht, weil mehr Licht in das Kameragehäuse dringen kann - die Bilder erhalten eine höhere Schärfewirkung.

Der X Trans CMOS II-Sensor zeichnet sich durch ein gutes Rauschverhalten aus.
Der X Trans CMOS II-Sensor zeichnet sich durch ein gutes Rauschverhalten aus.

Der X Trans CMOS II-Sensor der Fujifilm X100S bietet eine effektive Auflösung von 16,2 Megapixeln. Als Bildprozessor setzt Fujifilm auf den EXR II-Prozessor, der für eine rauscharme Entwicklung und eine schnelle interne Verarbeitung sorgen soll. Die maximale Serienbildgeschwindigkeit der X100S beträgt sechs Bilder pro Sekunde. Die Lichtempfindlichkeit kann von ISO 200 bis 6400 eingestellt werden. Darüber hinaus kann die ISO-Skala bis ISO 100 nach unten und ISO 25.600 nach oben erweitert werden. Die ISO-Automatik arbeitet in einem Bereich von ISO 200 bis 6400.

Das Fujinon- Objektiv der X100S hat eine Brennweite von 34,5 Millimetern - umgerechnet auf 35mm-Kleinbild-Format. Das Objektiv verfügt über eine asphärische Korrekturlinse, die chromatische Aberrationen verhindern soll. Die maximale Blendenöffnung beträgt F2, und der Fotograf kann bis F16 abblenden. Das Fujinon besitzt einen Fokus- und einen Blendenring. Aufgrund der kompakten Bauweise liegen die beiden Einstellringe recht dicht beieinander. Je nach Blendeneinstellung kann der Blendenring beim manuellen Fokussieren störend sein.

Licht und Schatten, die Schärfe im Zentrum ist gut. Zu den Rändern hin leider erst ab F11.
Licht und Schatten, die Schärfe im Zentrum ist gut. Zu den Rändern hin leider erst ab F11.

Die Bildqualität der X100S ist insgesamt gut. Der Sensor löst fein auf und bietet eine gute Dynamik und Auflösung. Die Bildqualität leidet vor allem an den Rändern der Aufnahmen. Dies liegt am Fujinon-Objektiv, das erst bei einer Blende von F11 auch bis in die Bildecken scharf abbildet. Im Zentrum werden Motive in den Aufnahmen bereits leicht abgeblendet (F2,8-4) sehr detailliert und scharf abgebildet. Das ISO-Rauschen ist gut kontrollierbar. Der EXR II-Bildprozessor unterdrückt konsequent Bildrauschen in den Aufnahmen. Ab ISO 1000 wird es allerdings stärker und ist spätestens bei ISO 1600 deutlich wahrnehmbar aber nicht störend.

Unterwegs mit der X100s

Die Fujifilm X100S zeichnet sich durch ihre kompakte Bauform aus und passt in fast jede Fototasche. Mit einem Gewicht von 448 Gramm (inklusive Akku und Speicherkarte) ist die Kompaktkamera noch leicht genug, um nicht unangenehm in der Fototasche aufzufallen. Bei einer Jackentasche hingegen merkt man das Gewicht jedoch deutlich.

Die Bedienung der Kamera ist simpel und macht gleichzeitig viel Spaß. Gerade ambitionierte Hobbyfotografen oder professionelle Fotografen dürften die Möglichkeit schätzen, über drei einfache Bedienelemente Blende, Zeit und Belichtungskorrektur einstellen zu können. Allerdings gibt es auch hier eine Kleinigkeit an der X100S auszusetzen: Auf das Live-Histogramm sollte der Fotograf nicht bauen, da es nicht auf die manuelle Eingabe von beispielsweise Blende- oder Zeitwahl reagiert.

Beim manuellen Fokus kommt dann noch die Scharfstellung über den Fokusring des Objektivs hinzu. Dank elektronischer Unterstützung wie Fokus-Peaking funktioniert auch das manuelle Fokussieren problemlos. Dabei zoomt die Kamera in das Bild hinein, und der Fotograf kann sehr präzise scharf stellen. Die klassische Bedienung der Fujifilm X100S ist eine willkommene Abwechslung zu den "displaylastigen" Eingabemethoden der meisten Digitalkameras - gerade im Kompaktkamerasegment. Foto-Puristen werden die einfache Bedienung der X100S lieben, da ist sich netzwelt sicher.

Der Autofokus ist Fujifilm leider nicht so gut gelungen. Er benötigt teilweise lange und auch bei ausreichenden Lichtverhältnissen findet er gelegentlich nicht gleich die richtige Kontrastkante. Im Test leuchtete häufig der rot dargestellte Hinweis "AF!" auf dem Display auf. Fotografen, die auf den Autofokus verzichten können, bekommen aber mit einer digitalen Schnittbildscheibe eine Funktion, die selbst das oben erwähnte Fokus-Peaking überflüssig macht. Fotografiert man nicht gerade vom Stativ und nimmt sich die Zeit, in der 100-Prozent-Ansicht den Fokuspunkt exakt zu bestimmen, gibt es derzeit keinen besseren digitalen Helfer für manuelles Scharfstellen als die digitale Schnittbildscheibe der Fujifilm X100S.

Filmsimulation

Die X100S besitzt zahlreiche Filmsimulationen, die bei der internen Bearbeitung ausgewählt werden können und auf analoge Filmserien des Herstellers abgestimmt sind. So findet sich auch der Dia-Positiv-Film Velvia oder der Negativ-Film Provia unter der Filmsimulation. Darüber hinaus bietet die X100S neben Belichtungsreihen auch an, Filmsimulationsreihen zu schießen. Die Kamera macht in diesem Modus drei Aufnahmen mit jeweils verschiedenen Entwicklungssettings.

Sollte die Fujifilm einmal für längere Zeit nicht ausgelöst werden und dank des im Lieferumfang enthaltenen Tragegurts um den Hals des Fotografen baumeln, sollte dieser sich nicht darüber wundern, dass bei einem Druck auf den Auslöser erst einmal nichts passiert. Die Fujifilm benötigt ungewöhnlich lange, um aus dem Ruhemodus aufzuwachen. Nach circa 280 bis 300 Bildern ist der Nachmittag und der Fotorundgang durch Hamburg beendet. Ein ordentliche Leistung für den 1.800 Milliamperestunden starken Akku.

Fujifilm FinePix X100s: Fazit

Moderne Retrokamera 6.6/10

Die Fujifilm X100S ist eine hervorragende Kompaktkamera für Fotografen, die eine Digitalkamera mit einer guten Bildqualität suchen und Wert auf  eine manuelle Bedienung legen. Die Bildqualität wird lediglich durch die schwache Leistung des Fujinon-Objektivs getrübt. Das Bedienkonzept ist überragend und vermittelt einen direkten Zugang zur Fotografie. Die elektronischen Helfer arbeiten weitestgehend reibungslos und Innovationen wie eine digitale Schnittbildscheibe führen dazu, dass auch der etwas langsame Autofokus recht schnell überflüssig wird. Eine Kamera für Foto-Puristen, die auf Automatiken verzichten wollen, aber nicht müssen.

Das hat uns gefallen

  • sehr gute Bildqualität
  • gutes Bedienkonzept
  • Hybrid-Sucher
  • Design und Verarbeitung

Das hat uns nicht gefallen

  • Teuer
  • eingeschränkte Videofunktion
  • Objektiv mit schwacher Auflösung im Randbereich
Testnote 6,6 von 10
Dennis Imhäuser
Bewertet von Dennis Imhäuser
7,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

6,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

7,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

8,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

5,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

Informationen zum Leihgerät

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

9
Leserwertung

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