Fujifilm X-A1 im Test: Die Einsteiger-Sytemkamera in Fujis X-System

Ohne X-Trans Sensor II und Sucher

von Dennis Imhäuser

Die Systemkamera X-A1 von Fujifilm ist die günstigste Digitalkamera mit einem Anschluss für Wechselobjektive von Fuji. Im Gegensatz zu anderen Systemkameras des X-Systems verzichtet Fujifilm auf den hauseigenen X-Trans II-Sensor. Ob dies der X-A1 zum Nachteil gereicht, klärt der ausführliche Testbericht auf netzwelt.

Die X-A1 fügt sich stilistisch in die Systemkamera-Serie von Fujifilm ein und ähnelt der X-M1 oder der X-E2 auf den ersten Blick. Die günstigste Digitalkamera für Fujis X-System besitzt in ihrem Retro-Design-Gehäuse jedoch keinen X-Trans Sensor, sondern einen CMOS-Sensor mit Bayer Pattern. Was der "herkömmliche" Sensor leistet und wie es sich mit der Einsteiger-Systemkamera fotografiert, lesen Sie im ausführlichen Test.

Die X-A1 ist das jüngste und günstigste Mitglied der Systemkamera-Linie von Fujifilm.
Die X-A1 ist das jüngste und günstigste Mitglied der Systemkamera-Linie von Fujifilm.

Design und Verarbeitung

Unverwechselbar: Das Design der Fujifilm erinnert an ältere Fotoapparate. Retro-Design ist das Zauberwort, das der japanische Hersteller von jeher für sich entdeckt hat. Zynische Zungen könnten behaupten, Fujifilm hätte nie etwas anders gemacht, doch an dieser Stelle sei auch auf die Fujifilm S3 Pro hingewiesen, eine eigens entwickelte DSLR, die jeglichem modernen Anspruch gerecht wurde. Die S5 Pro, die darauf folgte, war im Gehäuse einer Nikon D200 verpackt und hatte kein eigenes Fuji-Design mehr.

Der Erfolg gibt dem Hersteller recht, Retro-Kameras liegen im Trend und die Fujifilm X100S oder die X-E2 scheinen sich einem großen medialen Interresse zu erfreuen, und auch in den Verkaufscharts großer Versandhändler stehen die Kameras trotz des nicht ganz günstigen Preises gut dar. Daher scheint es nur konsequent, das X-System weiter auszubauen und vor allem auch eine günstigere Systemkamera anzubieten. Die X-A1 ist der erste Entwurf für dieses Vorhaben.

Fujifilm X-A1 im Test

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Das Kameragehäuse ist dem der X-M1 zum Verwechseln ähnlich und ebenfalls komplett aus Kunststoff gefertigt. Allerdings fühlt sich die rote Variante unseres Testgeräts hochwertiger an als das Gehäuse der X-M1. Die Oberfläche der Vorderseite und der Seiten fühlt sich ledern an und bietet einen guten Halt. Günstig wird es dagegen auf der Rückseite. Nicht nur, dass sich Vorder- und Rückseite farblich voneinander abheben mindert den Eindruck - auch der glatte Kunststoff vermittelt nicht den positiven Eindruck der Vorder- oder Oberseite.

Letztere ist silbern und wirkt eher, als hätte der Hersteller ein Metall-Chassis verwendet. Einzig der An- beziehungsweise Ausschalter, der sich um den zweistufigen Auslöser herum befindet, wirkt wie das Plastik eines Kaugummiautomaten-Spielzeugs - für diejenigen, die sich noch daran erinnern. Für alle anderen: wie günstiger Kunststoff. Das Moduswahlrad sowie das Einstellrad wirken hingegen sehr gut und wertig.

Bedienkonzept

Das Einstellrad auf der Oberseite sitzt sehr weit am rechten Rand und ist gut mit dem Daumen zu erreichen. Je nach Programm sind verschiedene Funktionen auf dem Rad hinterlegt. Bei einem Transport besteht jedoch die Gefahr, dass sich das Rad verstellt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Rad leichtgängig wäre. Es rastet sicher ein und vermittelt dem Fotografen ein gutes Gefühl, wenn er beispielsweise die Zeit im manuellen Modus darüber verstellt.

Die Bedienung ist Fujifilm auch bei der X-A1 sehr gut gelungen. Mit dem Daumen lassen sich beide Wählräder erreichen und Blende und Zeit oder Belichtungskorrektur schnell einstellen. Dies liegt daran, dass der Hersteller das Wahlrad auf der Rückseite nach oben ausgerichtet hat und der Daumen mit einer leichten Streichbewegung mühelos die passenden Parameter wählen kann. Dabei ist der Wechsel zum silbernen Wahlrad auf der Oberseite ebenso mühelos.

Auf der Rückseite befinden sich noch insgesamt neun Direktwahltasten, die mit Wiedergabemodus, Videoaufzeichnung, Autofokus-Betriebsart oder Serienaufnahmen belegt sind. Über das Kameramenü lässt sich jedoch nicht nur die Funktionstaste auf der Oberseite mit verschiedenen Einstellungen belegen. Die gute "Einhand-Bedienung" oder besser "Ein-Daumen-Bedienung" ist netzwelt bereits positiv bei dem Schwestermodell X-M1 aufgefallen.

Insgesamt wirkt das Menü aufgeräumt, jedoch ist es auch ein wenig verschachtelt, sodass der Fotograf schon einmal länger nach der gewünschten Funktion suchen darf. In den meisten Fällen genügt jedoch das gut gelungene Quick-Menü, das über eine Taste auf der Rückseite abgerufen werden kann. In direkter Nachbarschaft befindet sich die Display-Taste, über die verschiedene Informationen im Live-View-Betrieb auf dem Bildschirm eingeblendet werden können.

Fujifilm bietet dem Fotografen sogar einen eigenen, benutzerdefinierten Speicherplatz für eine individuelle Ansicht an. Der Fotograf kann selbst entscheiden, ob Blende, Zeit und Programm-Modus, Lichtwaage oder Histogramm eingeblendet werden. Auf eine Wasserwaage müssen X-A1-Nutzer jedoch verzichten.

Fujifilm X-A1 im Test

Sensor

Auf einen X-Trans II CMOS Sensor, wie er in anderen Kameras des Herstellers verbaut ist, muss man in der X-A1 verzichten. Hier hat der Hersteller den Rotstift angesetzt, könnte man meinen, doch der APS-C-Sensor mit Bayer Pattern der X-A1 zeigt sich ebenso lichtempfindlich, wie der X-Trans II Sensor der Schwestermodelle. Die Signalverarbeitung hat der Hersteller also auch beim Einsteigermodell gut im Griff. Spätestens bei ISO 6400 kann der Fotograf Softwareeingriffe wahrnehmen. Diese fallen moderat aus, doch in starker Vergrößerung erkennt man, wie Details verloren gehen.

Die Auflösung des CMOS-Sensors der X-A1 beträgt 16 Megapixel. Damit ist die X-A1 mit ihren APS-C-Schwestermodellen - angefangen von dem Profi-Modell X-Pro1 über die X-E1 und X-M1 - auf Augenhöhe. Einzig die angepasste Pattern des X Trans-Sensors fehlt der kleinen X-A1, was sich bei der Eingangsdynamik bemerkbar macht. Offenbar gelingt es Fujifilm tatsächlich, durch die angepasste Verteilung der RGB-Pixel auf der Pattern die Eingangsdynamik im Zusammenspiel mit dem Bildprozessor zu erhöhen.

Dies bedeutet keinesfalls, dass die X-A1 schlechte Bilder produziert. Die X-A1 hat lediglich eine etwas andere Charakteristik und kann eben nicht ganz mit den anderen Modellen des X-Systems mithalten.

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Bei der Bildentwicklung zeigt Fujifilm Feingefühl. Wie schon angedeutet ist Bildrauschen kein großes Thema für die Systemkamera. Bis ISO 3200 hält sich das Luminanzrauschen deutlich zurück. Zu Farbverschiebungen kommt es ebenfalls nicht. Die JPEG-Dateien können sehr gut aus der Kamera für den Druck verwendet werden, gerade auch weil die Belichtungsmessung sich keine größeren Fehltritte leistet und gut versucht, Spitzlichter auszugleichen. Die vorgefertigten Entwicklungsmodi für JPEG-Bilder, die sich an analoges Filmmaterial des Herstellers anlehnen, finden sich ebenso in der X-A1 wieder.

Autofokus und Auslöseverzögerung

Der Autofokus der X-A1 ist das größte Defizit der X-A1. Der Kontrastautofokus ist etwas langsam. Er benötigt deutlich länger als beispielsweise die Bridgekamera RX10, um unter guten Lichtbedingungen scharf zu stellen. Der Kontrast-Autofokus hat manchmal Probleme, das Motiv auf Anhieb zu erfassen, und je schlechter die Lichtbedingungen sind, umso länger benötigt die X-A1, um scharf zu stellen. Liegt der Autofokus daneben oder vielmehr konnte er keine Kontrastkante entdecken, sieht der Fotograf einen roten Hinweis.

Die Auslöseverzögerung liegt auf einem hohen Niveau. Die Systemkamera ist schnell betriebsbereit - und wäre der Autofokus nicht manchmal im Weg, wäre die X-A1 auch eine gute Schnappschuss-Kamera. Auch aus dem Ruhezustand lässt sich die X-A1 mit einem beherzten Druck auf den Auslöser erwecken.

Serienbildgeschwindigkeit

Die Digitalkamera geht in den Standardeinstellungen nach zwei Minuten in den Ruhemodus, um den Akku zu schonen. Dieser hat eine Kapazität von 1.200 Milliamperestunden und reicht für circa 330 Aufnahmen. In Sachen Geschwindigkeit steht sie der X-M1 in nichts nach. 5,5 Bilder pro Sekunde schafft die X-A1. Allerdings ist der Pufferspeicher bereits nach nur zehn RAW- und JPEG-Aufnahmen gefüllt, und die Kamera benötigt einige Sekunden, um den Speicher leerzuschreiben und die Daten auf die SD-Speicherkarte zu verschieben.

Diese befindet sich gleich neben dem Akku und fast schon "Fuji-typisch" sitzt das Stativgewinde nicht in der optischen Achse, was gerade Panorama-Fotografen stören dürfte. Zudem ist es direkt neben dem Akkufachdeckel, sodass bei der Verwendung auf einem Stativ weder Akku noch Speicherkarte gewechselt werden können. Der Hersteller sollte die Position des Gewindes noch einmal überdenken.

Display

Der Bildschirm auf der Rückseite ist der einzige Sucher, den es für die X-A1 gibt, und dies nicht nur bauartbedingt. Zwar verfügt die X-A1 über einen Blitzschuh und ein Aufstecksucher könnte daraufgesteckt werden, doch Fuji bietet keinen Sucher für die X-A1 an. Umso wichtiger ist, dass das Display eine gute Leistung abliefert. Die Auflösung beträgt gute 920.600 Pixel und gewährleistet, dass der Fotograf Details und Schärfe gut beurteilen kann.

Darüber hinaus ist der Bildschirm sehr blickwinkelstabil und lässt sich auch noch aus extremen Perspektiven einsehen. Doch damit nicht genug, Fujifilm hat den Monitor mit einem Klappmechanismus versehen, mithilfe dessen der Nutzer das Display um 90 Grad nach oben und auch nach unten klappen kann. Diese Funktionalität würde sich netzwelt auch von Klappmonitoren anderer Hersteller wünschen, die zwar meist um 90 Grad nach oben, aber so gut wie nie so weit nach unten klappbar sind. Hier erreichen die meisten Mechanismen lediglich 70 bis 80 Grad.

Die Fujfilm eignet sich bestens für bodennahe Aufnahmen, und auch über dem Kopf des Fotografen ist das Display gut ablesbar. Hinzu kommt die gute Abstimmung, die ein natürliches Bild wiedergibt. Der Blitzschuh und der kleine eingebaute Blitz runden das Gesamtpakt ab. Auch wenn der kleine Blitz nicht sonderlich stark ist, ist es oft hilfreich, einen Aufhellblitz dabeizuhaben.

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Fujifilm X-A1: Fazit

Für X-System-Einsteiger 6.2/10

Fujifilm hat mit der X-A1 eine Einsteiger-Systemkamera für das hauseigene X-System auf den Markt gebracht und zeigt, dass der Hersteller auch eine gute Performance mit herkömmlichen APS-C-Sensoren abliefert. Das Rauschverhalten und die Bildqualität bis ISO 800 sind sehr gut. Der Autofokus ist der Schwachpunkt der X-A1, die ansonsten eine gute Leistung im Test abliefert. Derzeit ist die Einsteiger-Systemkamera für circa 450 Euro im Handel erhältlich. Fotografen, die nicht auf einen X-Trans Sensor verzichten möchten, sollten lieber zur X-M1 greifen, die derzeit für circa 580 Euro erhältlich ist. Einen ausführlichen Test zur X-M1 lesen Sie hier auf netzwelt.

Das hat uns gefallen

  • gutes Klappdisplay
  • Bildqualität
  • viele Direkttasten

Das hat uns nicht gefallen

  • kein Sucher - auch nicht als Sonderzubehör
  • Kunststoffgehäuse
  • langsamer Autofokus
Testnote 6,2 von 10
Dennis Imhäuser
Bewertet von Dennis Imhäuser
7,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

6,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

5,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

6,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

7,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

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10
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Fujifilm X-A1 im Zeitverlauf
1 von 3
  • Fujifilm X-A1: Neue Einstieger-Systemkamera vorgestellt

    17.09.2013 Der Einstieg ins X-System ist zukünftig günstiger. Mit der X-A1 stellt Fujifilm eine neue Systemkamera vor und senkt den Einstiegspreis um 200 Euro. Dafür verzichtet der japanische Hersteller auf den X-Trans-Sensor der Schwestermodelle X-M1, X-E1 und X-Pro1 und verbaut einen 16-Megapixel-CMOS-Sensor. Auch ein Sucher wurde eingespart. Immerhin verfügt die Fuji über einen klappbaren Bildschirm.

    Erstmals in einer Systemkamera von Fujifilm kommt nicht der X-Trans-Sensor zum Einsatz. Der Hersteller verzichtet auf den Sensor mit X-Trans-Pattern und setzt auf einen CMOS-Sensor mit Bayer-Pattern, wie er in den meisten Digitalkameras zum Einsatz kommt. Der APS-C-CMOS-Sensor löst mit 16 Megapixeln auf. Die maximale Lichtempfindlichkeit gibt Fujifilm mit ISO 25.600 bei reduzierter Auflösung an.

    Der EXR-Prozessor II ist für die zügige Bildverarbeitung innerhalb der Kamera verantwortlich. So schafft die X-A1 eine maximale Serienbildgeschwindigkeit von 5,6 Bildern pro Sekunde und schafft maximal 30 Aufnahmen in Reihe, ehe der interne Puffer-Speicher voll ist. Die Einschaltzeit beträgt lediglich 0,5 Sekunden und die Auslöseverzögerung liegt bei 0,05 Sekunden. Videos zeichnet die X-A1 in Full HD-Auflösung (1080p) bei maximal 30 Bildern pro Sekunde auf.

    Das rückwärtig verbaute 3-Zoll-Display hat eine Auflösung von 920.000 Bildpunkten. Neben einem Autofokus mit insgesamt 49 Messfeldern besitzt die Systemkamera auch einen Blitzschuh für externe Aufsteckblitze oder einen elektronischen Sucher. Auch auf WLAN muss der Fotograf nicht verzichten, und so lassen sich Daten mit dem Smartphone oder Tablet über die "Fujifilm Camera Application" austauschen.

    Neben der neuen Kamera stellt Fujifilm auch ein neues Telezoomobjektiv vor. Das Fujinon XC 50-230mm F4,5-6,7 OIS besitzt einen Brennweitenbereich von 50 bis 230 Millimetern bei einer maximalen Lichtstärke von F4,5. Damit mit dem lichtschwachen Objektiv auch bei längerer Brennweite und ungünstigen Lichtverhältnissen Aufnahmen möglich sind, verbaut Fujifilm einen Bildstabilisator (OIS) im Objektiv.

    Das Fujinon XC-50-230mm wird in den Farben Schwarz und Silber für eine unverbindliche Preisempfehlung von 399 Euro auf den Markt kommen. Auch die Fujifilm X-A1 wird in mehreren Farben in den Handel kommen. Interessenten können zwischen einer schwarzen, blauen oder roten Gehäusefarbe wählen. Ab Oktober soll die X-A1 mit dem Kit-Objektiv XC 16-50mm für circa 599 Euro erhältlich sein.

    Das derzeit günstigste Modell mit X-Trans-Sensor bleibt die Fujifilm X-M1, die Fujifilm im Juni vorgestellt hat. Weitere Kamera-News lesen Sie hier auf netzwelt.

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