ionas-Server Home im Test: Das etwas andere NAS

Private Dropbox-Alternative

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Der ionas-Server macht frei von Online-Speicher-Anbietern wie Dropbox: Die Private Cloud aus Deutschland legt hohen Wert auf Sicherheit und nutzt mit Seafile eine sehr gute Lösung zum Syncen von Dateien. Daneben gibt es noch Kalender- und Kontakt-Synchronisation sowie Musik- und DLNA-Medien-Server. Der Test zeigt jedoch weder die Multimedia-Fähigkeiten noch die die Hardware sind Stärken des System - die liegen woanders, und zwar nicht im Karton.

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Konzept
  2. Funktionen und Einrichtung
  3. Sicherheit: Zugriffe via OpenVPN
  4. Multimedia-Fähigkeiten
  5. Die Performance
  6. "Keine Probleme" - kann man kaufen!
  7. Fazit

Der ionas-Server Home ist schon ein besonderes Stück Technik: Das Network-Attached-Storage-System (NAS) kommt aus Deutschland, besteht aus Einzelteilen und für die Einrichtung wird der Support benötigt - die Kombination aus Raspberry Pi und USB-Festplatte wirkt bei einem Preis von 249 Euro auf den ersten Blick zudem recht teuer. Dennoch dürfte es für viele Nutzer keine Alternative zum innovativen Server geben.

Handarbeit: Auch Laien schließen hier garantiert alles korrekt an.
Handarbeit: Auch Laien schließen hier garantiert alles korrekt an. (Quelle: netzwelt)

Zunächst muss man vor allem wissen, was das NAS überhaupt zu bieten hat: Hardware-seitig finden sich im Karton ein Raspberry Pi Modell B+ in einem Standardgehäuse, eine externe Western-Digital-Universal-Serial-Bus-Festplatte (USB) und die nötigen Kabel. Raspi und Festplatte lassen sich ziemlich fest per Klettverschluss verbinden. Kein Gehäuse? Nein - aber dafür farbige, per Hand aufgetragene Punkte an den Kabeln. Und dabei handelt es sich tatsächlich um liebenswerte Handarbeit: Auf dem Raspi-Gehäuse finden sich ebenfalls Farbpunkte - und so weiß auch jeder Laie sofort, welche Stecker in welche Buchsen gehören. Spätestens jetzt sollte klar sein, dass Leute mit 20 Jahren Erfahrung als Linux-Admin nicht zur Zielgruppe von ionas gehören.

Das Konzept

ionas überrascht weiter: Dass ionas bei einem NAS für irgendetwas in der Art "input output NAS" heißt, assoziiert wohl der Kopf eines jeden Techies. Stimmt aber nicht. Die ionas GmbH verdient ihr Geld nämlich weniger mit Hardware als mit Service. ionas steht für "Ihr Online-Assistent" und Assistenz ist auch das Schlagwort für diesen Server. Wer nicht genug Ahnung von Computern hat, um sie bei Problemen selbst zu fixen, kann sich bei ionas Hilfe per Fernwartung bestellen. Über eine TeamViewer-Sitzung loggt sich der Mitarbeiter auf dem Rechner ein und behebt die Probleme (hoffentlich) direkt vor euren Augen per Telefon und Remote-Desktop.

Auf der System-Info-Seite des Servers lassen sich Log-Dateien direkt einsehen - ein wirklich schönes Detail.
Auf der System-Info-Seite des Servers lassen sich Log-Dateien direkt einsehen - ein wirklich schönes Detail. (Quelle: netzwelt)

Und bei dem ionas-Server ist eben die Einrichtung samt der benötigten Dienste per Fernwartung inklusive. Beim Test war bekannt, dass die Einrichtung im Rahmen eines Tests stattfand, insofern hat das Telefonat mit ionas knapp 2,5 Stunden gedauert. In der Regel werdet ihr mit einer Stunde für die Einrichtung auskommen, wenn es länger dauert, werdet ihr aber auch nicht aus der Leitung geworfen. Ganz unproblematisch fing es aber ganz und gar nicht an: Für die Einrichtung hält wie bereits erwähnt, eine TeamViewer-Sitzung her. Zwar fragt ionas nicht nach Passwörtern und fragt bei Zugriffen auf das Dateisystem nach, ob das in Ordnung ist, aber die komplette Übergabe des eigenen Desktops an Fremde ist gelinde gesagt nicht jedermanns Sache - hier kam es jedenfalls nicht infrage.

Die Lösung war dann eine virtuelle Maschine mit Ubuntu. Die aktuelle TeamViewer-Version stellte sich zwar als inkompatibel heraus, aber ionas bietet über die Homepage selbst die korrekte Version an. Wer TeamViewer nicht kennt: Es genügt, das Programm zu starten und anschließend die eingeblendeten Verbindungsdaten an den Support zu übergeben. Anschließend kann dieser den Rechner fernwarten.

Funktionen und Einrichtung

Das Beste gleich vorweg: Der Einrichtung kann wirklich jeder folgen - am Ende steht ein fertiges System, das im Grunde nicht weiter verwaltet werden muss. Nach einer Einführung in die Oberfläche werden zunächst die Nutzer eingerichtet. Anschließend geht es an die Basics: Für den Fernzugriff über das Internet werden Virtual Private Network (VPN) und ein dynamischer Domain Name Service (Dynamic DNS) aufgesetzt, Firewall und Updates konfiguriert und noch ein paar Kleinigkeiten. Erfreulicherweise ist die Oberfläche, das ionas Cockpit, wirklich sehr gelungen - wenn auch für Laien immer noch nicht selbsterklärend. Nachdem der Server steht, geht es endlich zu den Diensten.

Der ionas-Server konzentriert sich auf die wohl gängigste Funktion eines NAS, nämlich die einer Private Cloud à la Dropbox und owncloud. Also stehen im Mittelpunkt die Datei-, Kalender- und Kontaktsynchronisation. Die beiden letzten Sync-Aufgaben werden wie üblich per CalDAV und CardDAV erledigt, so dass etwa ein Abgleich mit Thunderbird kein Problem ist. Der Kern des Ganzen ist aber zweifelsohne das Syncen von Dateien und hier kommt die Dropbox-/owncloud-Alternative Seafile zum Einsatz.

Seafile arbeitet im Alltag genauso wie die bekanntere Konkurrenz, bietet Clients für alle Plattformen und läuft hier in der kostenlosen, quelloffenen Community-Version. Allerdings gibt es ein paar nicht ganz unbeträchtliche Unterschiede. Zunächst wird nicht nur ein zentraler Ordner gesynct, vielmehr lassen sich beliebige Ordner per Drag&Drop auf den Client ziehen, womit Seafile eine vollwertige Sync-Lösung ist. Zudem gibt es eine integrierte Verschlüsselung. Davon abgesehen gibt es die üblichen Features wie Dateiwiederherstellung, Freigaben für einzelne Downloads oder Favoriten. Den Funktionsumfang von owncloud erreicht Seafile freilich nicht, aber bezüglich der Dateisynchronisation ist es dank des Ordnerkonzepts etwas besser.

Das Kernstück des NAS: Dateisynchronisation über Seafile ist einfach, flexibel und es gibt Clients für alle wichtigen Systeme.
Das Kernstück des NAS: Dateisynchronisation über Seafile ist einfach, flexibel und es gibt Clients für alle wichtigen Systeme. (Quelle: netzwelt)

Sicherheit: Zugriffe via OpenVPN

Der Zugriff von außen gestaltet sich etwas komplizierter als gewohnt, da hier mit OpenVPN gearbeitet wird. Über ein Virtuelles Private Network (VPN) wird eine sichere Verbindung zwischen zwei Rechnern über das Internet aufgebauet. In diesem Fall also beispielsweise von einem Smartphone auf den ionas-Server. Steht die Verbindung, lässt es sich vom Smartphone so arbeiten, als wäre man daheim im Local Area Network (LAN). Nun wird für diese Verbindung optional ein Login, auf jeden Fall aber ein Zertifikat benötigt. Der Umgang mit Zertifikaten ist dank des Cockpits verhältnismäßig simpel - für Laien aber ganz und gar nicht selbstverständlich. Um sich nun mit einem Gerät von außerhalb mit dem Server verbinden zu können, werden ein Zertifikat und ein OpenVPN-Client benötigt - und diese Einrichtung funktioniert nur im heimischen LAN. Der spontane Zugriff aus dem Internetcafé lässt sich damit nicht bewerkstelligen.

Zertifikate für die OpenVPN-Verbindung lassen sich einfach in den Nutzerprofilen herunterladen.
Zertifikate für die OpenVPN-Verbindung lassen sich einfach in den Nutzerprofilen herunterladen. (Quelle: netzwelt)

Der große Vorteil liegt auf der Hand: Sicherheit. Die so eingerichtete Private Cloud lässt sich auch für wirklich wichtige Daten nutzen. Alternativ lässt sich selbstverständlich auch über eine ganz normale HTTPS-Verbindung auf Seafile & Co. zugreifen. Die ganze Einrichterei ist dabei für Laien vermutlich einfacher als für erfahrenere Nutzer: Wer sich per Support alles einrichten lässt, hat - tendenziell - keine Probleme. Wer sich nur ein Minimalsystem einrichten lässt und dann selbst loslegt, muss sich erst in die ungewohnte Arbeitsumgebung einarbeiten.

Multimedia-Fähigkeiten

Zum Streamen von Music und Videos stehen zwei Anwendungen bereit: mpd streamt Musik, ohne jegliche Einstellungen - oder Einstellungsmöglichkeiten. Clients gibt es für Linux-Tool reichlich, allerdings spielt mpd Musik in der ionas-Konfiguration nur über angeschlossene Lautsprecher ab. Nun, sollte zumindest, im Test bleibt leider alles stumm. Die Konfiguration des mpd-Servers läuft über eine Textdatei und ist nicht wirklich trivial - zudem bräuchte man dafür das Root-Passwort, welches man erst beim Support erfragen beziehungsweise sich bei der Einrichtung geben lassen muss. Anschließend ließe sich auch die Ausgabe über USB-Soundkarten oder HTTP realisieren.

Der Haupt-Medienserver ist aber sowieso ReadyMedia, früher MiniDLNA. Der Digital-Living-Network-Alliance-Server (DLNA) bietet Zugriff auf alle Medien, die in die vorkonfigurierten Netzwerkfreigaben kopiert werden. Als Client kommen beliebige DLNA-Tools in Frage, und davon gibt es reichlich. Einen Player bietet ionas leider nicht - wer also plant, den Server per HDMI am TV anzuschließen, hat Pech. Und den HDMI-Anschluss somit völlig ungenutzt zu lassen, ist eine vertane Chance.

Beide Server bieten absolut rudimentäre Funktion und können mit den Multimedia-Lösungen "normaler" NAS-Server wie Plex oder Kodi nicht ansatzweise mithalten. Zudem ist der Raspberry in der Modell-1-B+-Version gerade so in der Lage, HD-Inhalte abzuspielen - drei weitere Hintergrundaufgaben lassen sich da nicht mehr verarbeiten. Und das ist nicht der einzige Flaschenhals.

Die Performance

Ein Raspberry Pi B+ ist selbst für Einplatinenrechner schwach. Nun ist Multimedia nicht die Hauptaufgabe des ionas-Servers und die Sync-Dienste würden auch auf wesentlich langsameren Rechnern noch super laufen, aber Datentransfer macht damit keinen Spaß: 100-Megabit-Netzwerk und Universal Serial Bus 2.0 (USB) sind einfach nicht mehr zeitgemäß, selbst wenn man nicht ständig Gigabyte an Daten hin und her schiebt. Das übliche Syncen von Arbeitsdateien oder Fotos leidet darunter allerdings genausowenig wie das Streamen von Medien.

Die Arbeit mit der Weboberfläche könnte hingegen wiederum etwas mehr Power vertragen, richtig schnell ist das Cockpit nicht immer. Aber man braucht es eben auch selten. Doch man kann es drehen und wenden wie man will, ein 700-Meghertz ARM-Prozessor mit 512 Megabyte Arbeitsspeicher genügt für Dateihaltung, aber nicht für ein NAS Marke Eierlegende Wollmilchsau.

Die Konfiguration ist für Einsteiger erfreulich einfach - aber dadurch natürlich auch recht beschränkt.
Die Konfiguration ist für Einsteiger erfreulich einfach - aber dadurch natürlich auch recht beschränkt. (Quelle: netzwelt)

Wie eingangs erwähnt, ist der ionas-Server ein besonderer Auswuchs seiner Gattung. Für 250 Euro bekommt man auch ein NAS mit Dualcore-Prozessor, Gigabit-Netzwerk, USB-3.0-Anschlüssen, HDMI-Ausgang, Media Center und so weiter, inklusive 1-Terabyte-Festplatte. Und das ganze auch noch in einem Gehäuse. Und letzlich ließe sich alles was der ionas-Server kann auch damit umsetzen - und zwar kostenlos.

Nun wird es aber viele User geben, die vor einem Problem stehen: Sie hätten gerne eine sichere Alternative zu Dropbox, die sie selbst betreiben, nicht ein datensüchtiger Dritter - haben aber keine Ahnung, was ein VPN ist, was ein Zertifikat ist, wie man ein NAS einrichtet, wie alle Komponenten zusammenspielen und so weiter und so fort. Und Lust und Zeit sich einzuarbeiten, hat auch nicht jeder. Und genau an der Stelle gibt es kaum echte Alternativen, es müssen immer Kompromisse zwischen Sicherheit und IT-Know-How herhalten. Bei ionas ist der Kompromiss, dass das ganze im Vergleich zu anderen Lösungen recht teuer ist, Performance-mäßig kaum der Rede wert und mit dem Funktionsumfang eines Synology- oder QNAP-Geräts nicht vergleichbar.

"Keine Probleme" - kann man kaufen!

Ihr kauft also nicht nur Hard- und Software, sondern auch Service. Von daher sollten sich Käufer bei der initialen Einrichtung möglichst viel einrichten lassen - für die Problembehebung per Fernwartung nach der Ersteinrichtung werden 1,35 Euro pro Minute fällig. Dafür landet ihr auch nicht in einem anonymen Callcenter, sondern bei ionas selbst.

ionas-Server Home: Fazit

Innovative, sichere, aber leider auch teure Sync-Lösung 6.4/10

Der ionas-Server Home macht, was er soll: Technisch wenig versierte Nutzer mit einer sicheren, selbst verwalteten Dropbox-Alternative versorgen. Da der Netzwerkspeicher recht teuer, eher unflexibel und überhaupt nicht performant ist, sind Zielgruppe und Einsatzszenarios natürlich begrenzt. Trotz allem bleibt am Ende ein symphatischer Eindruck, was einerseits am "Handgemacht"-Charakter (bemalte Kabel, Klettverschluss, Support über eine reguläre Festnetznummer) liegt. Und andererseits haben am Ende vermutlich viele Computer-Laien ein besseres System laufen, als manch Techie.

Das hat uns gefallen

  • Kein Know-How erforderlich
  • Sicherheit
  • Gute Datei-Sync-Lösung

Das hat uns nicht gefallen

  • Schlechte Performance
  • Niedrige Datentransferraten
  • Wenig Flexibilität
Testnote 6,4 von 10
Bewertet von Mirco Lang
4,0 / 10
Performance

Performance Wie schnell kann auf den Speicher geschrieben beziehungsweise von ihm gelesen werden? Dies testen wir mit diversen Benchmark-Tools.

6,0 / 10
Verarbeitung und Handhabung

Verarbeitung und Handhabung Wie steht es um die Qualität von Gehäuse und Steckern? Gibt es bei der Einrichtung Probleme?

8,0 / 10
Sicherheit und Datenschutz

Sicherheit und Datenschutz Wie werden die Daten verschlüsselt?, etc.

5,0 / 10
Software & Extras

Software & Extras Legt der Hersteller Software bei? Bietet das System "Extras" gegenüber anderen Lösungen?

Informationen zum Leihgerät

Der ionas-Server Home wurde uns von der ionas GmbH bereitgestellt und wird nach dem Test an das Unternehmen zurückgeschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

6
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt ionas-Server Home selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 6 von 10 möglichen Punkten bei 10 abgegebenen Stimmen.
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Bestenlisten

ionas-Server Home wurde in folgende NAS-Bestenlisten einsortiert.

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