Dell Latitude 12 Rugged Tablet im Test: Was ein 2.000-Euro-Tablet drauf hat

Für die widrigsten Umstände gebaut

Dell Latitude 12 Rugged Tablet: Auf den ersten Blick und aus dieser Perspektive gar nicht so besonders - aber irgendwo muss der hohe Preis ja herkommen.

Das Dell Latitude 12 Rugged Tablet ist ein Spezialgerät für extreme Bedingungen. Das macht ein Blick auf das Datenblatt deutlich. Das Windows-Tablet ist 1,78 Kilogramm schwer, so dick wie ein Notebook und mindestens 1.700 Euro teuer. Wir haben uns ein Testgerät im Wert von knapp 2.000 von dem Brocken organisiert. Warum bloß?

Weil wir neugierig sind! Dells Rugged-Reihe kann bekanntermaßen ordentlich was ab. Wir hatten bereits mit dem Notebook Latitude 14 Rugged unseren Spaß. So sehr, dass wir Dell versprechen mussten, das Latitude 12 Rugged Tablet ein wenig pfleglicher zu behandeln. Wir versuchen es!

Denn eigentlich ist die Rugged-Reihe dafür geschaffen, in Lagerhäusern bei extremen Minusgraden Informationen über den berührungsempfindlichen Bildschirm anzuzeigen. Man findet sie in Polizeiwagen oder Panzern. Der Smart Card-Reader des Tablets wird ab Werk mit einem Dummy geschützt, der Morsecodes für den Notfall bereithält. Ihr seht schon: Das Latitude 12 Rugged Tablet wurde nicht für jedermann gebaut und findet sich auch mit Sicherheit nicht als Geschenk unterm Weihnachtsbaum. Wohl auch, weil unsere Testausstattung mit 1.920 Euro zu Buche schlägt. Die unverbindliche Preisempfehlung betrug bis vor Kurzem sogar noch happige 2.745 Euro.

Dell Latitude 12 Rugged Tablet im Test

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Dell Latitude 12 Rugged Tablet: Technische Daten (Testkonfiguration)

  • CPU: Intel Core M-5Y71 (1,2 / 1,4 Gigahertz Turbomodus)
  • RAM: 8 Gigabyte
  • Grafik: Intel HD Graphics 5300
  • Speicher: 128 Gigabyte (optional: 256 oder 512 Gigabyte erhältlich)
  • Display: 11,6 Zoll, geschützt durch Gorilla Glass 3, blendfreier Touchcreen
  • Auflösung: HD (1.366 x 768 Pixel)
  • Anschlüsse: USB 3.0, Serieller Port, Mini-HDMI, microSD-Kartenleser, Kopfhörer-Anschluss, Docking-Anschluss für Zubehör, Fingerabdruck-Scanner, Smart Card-Reader.
  • Kameras: Full HD-Webcam, Rückkamera mit 8-Megapixel-Auflösung und LED-Blitz.
  • Drahtlos: Dell Wireless 5809E Multimode Gobi 5000 (LTE+WLAN), GPS, NFC, WLAN (Dual Band) (ac)
  • Gewicht Testgerät: 1.778 Gramm
  • Betriebssystem: Windows 8.1 Pro (64 Bit) (optional: Windows 10 Pro)
  • Akku: 2 x Lithium Ionen-Akkus mit je 26 Wattstunden. Hotswap-fähig
  • Akkulaufzeit Testgerät: bis zu zwölf Stunden (Herstellerangabe)
  • Besonderheiten: Stylus integriert, maßgeschneidertes Zubehör erhältlich
  • Normen und Schutzklassen: MIL-STD-810G, MIL-STD-461F, IP-65
  • Preis Testgerät inklusive Rabatt: 1.921 Euro

Das hält es aus

Der Verarbeitung und Materialwahl des Dell Latitude 12 Rugged Tablet kommt natürlich eine immense Bedeutung zu. Niemand will auf dem Gipfel des Everst feststelllen, dass der Weg ins Basis-Lager flachfällt, weil das Material mit der dünnen Luft nicht klarkam. Laut Dell hält das Spezial-Tablet folgende, sicher nicht ganz alltägliche Bedingungen aus (Auszug):

  • Sturz aus 1,22 Meter Höhe im ausgeschalteten Zustand
  • Sturz aus 0,91 Meter Höhe im Betrieb
  • Starkregen
  • Staub und Sandeinwirkungen
  • Starke Vibrationen
  • Stoßeinwirkungen
  • Sonnenlichteinstrahlung
  • Höchst- und Tiefsttemperaturen im Betrieb (-29 Grad Celsius bis 63 Grad Celsius)
  • Höchst- und Tiefsttemperaturen ausgeschaltet (-51 Grad Celsius bis 71 Grad Celsius)
  • Strahlwasser

Design und Verabeitung

Sollte man bei einem solch reinrassigen Arbeitsgerät überhaupt über Design sprechen? Unserer Meinung nach: ja, auf jeden Fall. Denn genau wie das Rugged-Notebook von Dell übt auch die Tablet-Ausgabe auf uns einen ganz besonderen Reiz aus. Und ein Arbeitsgerät, das furchtbar aussieht und sich ebenso anfühlt, nimmt niemand gerne in die Hand. Also zoomen wir doch einmal heran und schauen uns den "Rugger" vom Nahen an.

Was tun, wenn es brennt? Tablet mit Notfall-Karte. Haben wir so auch nicht gesehen.
Was tun, wenn es brennt? Tablet mit Notfall-Karte. Haben wir so auch nicht gesehen. (Quelle: netzwelt)

Natürlich fällt direkt nach dem Auspacken das Gewicht des Testgerätes auf. Satte 1.778 Gramm bringt das Latitude auf die Waage. Und, bei Tablets darf man das sagen, es ist dick. So richtig dick. Mindestens 2,4 Zentimeter dick. Rechnen wir den Kantenschutz mit ein, dann messen wir knapp drei Zentimeter an der breitesten Stelle des Gehäuses. Damit ist das Dell-Tablet etwa drei Mal so dick, wie das 12-Zoll-MacBook von Apple.

Auf der Vorderseite, unterhalb des Displays, finden sich gleich sieben physikalische Tasten. Darunter - logisch - die Windowstaste. Bei jedem Druck springt der verbaute und sehr kräftige Vibrationsmotor an und gibt haptisches Feedback - gewöhnungsbedürftig. Daneben gibt es noch Tasten zur Lautstärkeregelung, zur Sperre der automatischen Displayausrichtung sowie drei weitere, frei belegbare Programm-Tasten. Letzteres haben wir in dieser Form noch nie bei einem Tablet gesehen.

Sämtliche, oben in den technischen Daten beschriebenen Anschlüsse sind mit Hilfe von soliden Gummiklappen verschließbar. Die Klappen, die vor Wasser und Staub schützen sollen, sind fest mit dem Tablet verbunden und können so nicht verlorengehen. Sicherheit geht vor: Mit Blick auf das Einsatzgebiet versieht Dell das Latitude 12 Rugged Tablet mit mechanischen Schiebern vor beiden Kameras. Was spricht eigentlich dagegen, solche Verschlüsse auch bei "zivilen" Tablets anzubieten?

Ein revolutionärer Eingabestift, den nicht einmal Microsoft hinbekommt

Der 11.6 Zoll messende Touchscreen reagiert auf die unterschiedlichsten Eingabemethoden. Eingaben mit dem Finger werden zuverlässig erkannt und verarbeitet. Dabei ist es egal, ob der Finger gerade in einem dicken Winterhandschuh steckt oder nicht. Nur das Zielen wird, gerade bei kleinen Schaltflächen, mit Handschuhen entsprechend schwierig.

Dell Latitude 12 Rugged Tablet im Test

Zur Grundausstattung des Extrem-Tablets gehört ein passiver Stylus, den Dell praktischerweise mit einer flexiblen Kordel am Gehäuse befestigt, damit er nicht verloren gehen kann. Und dieser Stift haut uns förmlich von den Socken. Nicht, weil er besonders ergonomisch in der Hand liegen würde. Nicht, weil er über Spezialfunktionen verfügen würde. Er hat nicht einmal eine Taste.

Es sind die von Dell verwendeten Treiber unter Windows 8, die Eindruck hinterlassen. Denn mit dem Stift könnt ihr auf Webseiten blättern. Und: Ihr könnt in der Kachelansicht von Windows 8 blättern! Was total banal klingt, haben wir bei zahlreichen Windows-Geräten mit Touchscreen in der Vergangenheit schmerzlich vermisst.

Selbst beim zuletzt von uns getesteten Surface Pro 3 von Microsoft war es nicht möglich, auf einer Webseite mit dem Stift zu blättern, ohne dabei auf die seitlichen Scroll-Ränder auszuweichen. Und das "Blättern" mit dem Stift in der Kachelansicht hatte stets zur Folge, dass die App-Symbole verschoben wurden.

Display

Ihr habt es vielleicht schon beim Blick auf das Datenblatt gemerkt: Die Auflösung des 11,6-Zöllers ist vergleichsweise niedrig. Die 1.366 x 768 Pixel hinterlassen zwar keinen knackig scharfen Eindruck und einzelne Bildpunkte lassen sich bei der Betrachtung von Fotos erkennen. Aber dieses Tablet wurde auch nicht wirklich mit Blick auf den Konsum von Multimedia-Inhalten konzipiert. Die potentielle Käuferschicht wird es verschmerzen können.

Wichtiger ist da die Ablesbarkeit unter freiem Himmel und bei direkter Sonnenlichteinstrahlung. Und hier punktet das Testgerät. Der matte Bildschirm (bei Tablet-Computern eine Rarität) unterbindet störende Reflexionen wirkungsvoll. Auch bei direkter Sonnenlichteinstrahlung reicht die Maximalhelligkeit aus, um den Inhalt lesbar darzustellen.

Dell Latitude 14 Rugged Extreme im Test

Konnten wir deutlich härter angehen: Das Dell Latitude 14 Rugged Extrem haben wir erst mit Eiern beworfen und dann mit dem SUV überfahren.

Die Maximal-Blickwinkel fallen hoch aus. Im Prinzip ist es egal, aus welchem Blickwinkel aus ihr auf den Touchscreen schaut. Nur aus ganz spitzem Winkel konnten wir in der Horizontalen einen leichten Kontrastabfall feststellen. Auch an Kontrast und Farbtreue gibt es subjektiv nichts auszusetzen.

Leistung und Kühlung

In Verbindung mit dem in unserem Falle acht Gigabyte messenden LPDDR3-Arbeitsspeicher stellt der verbaute Intel Core M-5Y71 für die meisten Anwendungsgebiete genügend Rechen-Power zu Verfügung, reißt aber beileibe keine Bäume aus. Windows-Apps öffnen dennoch zügig, und auch beim Umgang mit sehr großen Excel-Tabellen zeigt das System keine Blöße.

Testweise installierten wir das Benchmarkprogramm Cinebench R15 auf dem Latitude. Das Programm attestiert der Dual-Core-CPU 147 CB-Punkte. Nach Abschluss der Grafiktests standen 15,40 Bildwiederholungen in der Sekunde an. Mit diesen Werten liegt das Tablet noch unterhalb der Einstiegsvariante des 12-Zoll-MacBooks, in dem ebenfalls Intels Core M-Prozessoren arbeiten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Core M-Geräten verbaut Dell im Extrem-Latitude ein aktives Kühlsystem - ein Tribut an die zu erwartenden widrigen Bedingungen, in denen das Tablet vermutlich eingesetzt wird. Die Lüfter sind unter Last hörbar, werden aber nie aufdringlich.

Zubehör

Wir können in diesem Testbericht nicht auf sämtliche Funktionen und Services eingehen, die Dell rund um die Latitude Rugged-Serie gestrickt hat. Doch wir sollten in jedem Fall noch einen kurzen Blick auf das erhältliche Zubehör werfen.

Dell bietet eine ganze Reihe an sinnvollen Extras an. Manche werden von Drittherstellern beigesteuert.
Dell bietet eine ganze Reihe an sinnvollen Extras an. Manche werden von Drittherstellern beigesteuert. (Quelle: Dell)

So gibt es für das Extrem-Tablet etwa ein wasserfestes Keyboard, welches das Latitude-Tablet in ein vollwertiges Notebook verwandelt. Damit die Display-Einheit nicht nach hinten wegklappt, legt Dell passende Klappstützen bei.

Auch eine spezielle Dockingstation für den Desktop-Betrieb gibt es im Zubehörprogramm, ebenso einen aktiven Bedienstift (Stylus). Interessant ist zudem die solide wirkende, expeditionstaugliche Fahrzeughalterung. Über den rückseitigen Port lässt sich weiteres Zubehör wie etwa ein Barcode-Scanner integrieren.

Dell Latitude 12 Rugged Tablet-PC: Fazit

Ab auf den Everest! 7.2/10

Die solide Bauweise, die Anschlusspalette und das Display des Dell Latitude überzeugt uns auf ganzer Linie. Wir hätten uns jedoch mehr Prozessor- und Grafik-Power gewünscht. Als Alternative bietet sich Panasonics FZ-G1-Reihe an, die es mit Core i-Prozessoren gibt.

Das hat uns gefallen

  • Äußerst robust
  • Display (Ablesbarkeit im Freien)
  • Anschlussmöglichkeiten

Das hat uns nicht gefallen

  • Gewicht und Abmessungen
  • Display-Auflösung
  • Prozessor-Leistung
Testnote 7,2 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
8,0 / 10
Design

Design Verarbeitung, Materialwahl und Ergonomie eines Tablets werden unter dem Punkt Design zusammengefasst.

8,0 / 10
Display

Display Auflösung, Helligkeit, Kontrast, Farbtreue, Oberfläche und Blickwinkel einer Tablet-Anzeige werden unter dem Punkt Display bewertet.

5,0 / 10
Leistung

Leistung Benchmark-Ergebnisse, Alltagsgeschwindigkeit, Software-Angebot und Akkulaufzeit eines Tablets werden unter dem Punkt Leistung bewertet.

10 / 10
Ausstattung

Ausstattung Zahl und Art der vorhandenen Schnittstellen, Speicher und weitere Optionen werden unter dem Punkt Ausstattung bewertet.

5,0 / 10
Multimedia

Multimedia Die Qualität von Lautsprechern und Kameras bewerten wir unter dem Punkt Multimedia.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde uns von Dell Deutschland zu Verfügung gestellt und wird nach Testende wieder an den Hersteller zurückgeschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

7
Leserwertung

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Computer, Business, Gaming, Testbericht, Mobile Computing, Dell, Mobile World Congress (MWC), Panasonic, Tablet-PC, Windows 8, Adventure-Spiele, Hersteller-Verzeichnis und Dell Latitude 12 Rugged Tablet-PC.

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