Lenovo Yoga Tablet 2 Pro im Test: Beam me up, boom me up

Riesen-Tablet mit eingebautem Beamer und Subwoofer

Ein Druck auf die seitliche Taste genügt, und der Bildschirminhalt wird auf eine ebene Fläche projiziert. Das Starten einer App ist praktischerweise nicht notwendig.

Das Lenovo Yoga Tablet 2 Pro mit seinem 13,3-Zoll-Display ist riesig. Doch eine weitere Besonderheit weckt das Kaufinteresse, sorgt aber auch für Fragezeichen. Braucht man einen Beamer im Tablet? Unbedingt, zeigt der Test! Was das Android-Tablet, das auch einen Subwoofer sein Eigen nennt, alles drauf hat, erfahrt ihr im ausführlichen Testbericht.

Dagegen sieht sogar das DIN A4-Tablet Samsung Galaxy Note 12.2 klein aus: Lenovo wagt sich mit dem 13,3 Zoll (33,78 Zentimeter) großen Yoga Tablet 2 Pro in Bildschirmgrößen vor, die bislang Notebooks oder Convertibles vorbehalten war. Die Baugröße gibt Raum für Spielereien. Ein Tablet mit eingebautem Beamer und 2.1-Surround-System inklusive Subwoofer ist uns jedenfalls bislang nicht unter die neugierigen Finger gekommen.

Technische Daten Testgerät Lenovo Yoga Tablet 2 Pro

  • CPU: Intel Atom Z3745 (1,86 Gigahertz)
  • Display: 13,3 Zoll (33,78 Zentimeter), IPS
  • Auflösung: 2.560 x 1.440 Pixel
  • RAM: 2 Gigabyte
  • Speicher: 32 Gigabyte
  • Kamera: 1,6 Megapixel Front/8 Megapixel Rückseite
  • Gewicht: 994 Gramm
  • Anschlüsse: microUSB, SD-Kartenschacht, SIM-Kartenschacht
  • Drahtlos: WLAN, GPS, Bluetooth 4.0, LTE-Modem
  • Preis Testgerät: 599 Euro
  • Preis WLAN-Variante: 499 Euro

Verarbeitung, Design, Ergonomie

Das grundlegende Design des Testgeräts kennen wir bereits von den kleineren Yoga-Tablets in acht und zehn Zoll. Sofort ins Auge sticht der zylinderförmige Akku, der gleichzeitig als guter Griffpunkt für die Hand dient. Der Zylinder beherbergt zudem am einen Ende den Ein- und Ausschalter, am anderen Ende sitzt, nahtlos eingelassen, der Mini-Beamer. Zudem verbaut Lenovo im Zylinder die stufenlos ausfahrbare Stütze, welche die verschiedenen Betriebsmodi ermöglicht.

Lenovo Yoga Tablet 2 Pro im Test

Ganz flach auf einen Tisch legen lässt sich das Lenovo-Tablet aufgrund der eigenwilligen Form nicht. Dafür ist etwa der von den Yoga-Notebooks bekannte Präsentationsmodus, bei dem der Bildschirm näher an euch ranrückt, möglich. Clever: Eine Aussparung in der Stütze erlaubt das Hängen des Tablets zum Beispiel an einen Nagel. Während der Testphase diente das Tablet so etwa zeitweise als digitales Kochbuch in der Küche.

Das Aluminiumgehäuse ist geradezu vorbildlich verarbeitet. Mit einer sonderbaren Ausnahme: Obwohl wir keine Spaltmaße erkennen können, lässt sich der Bereich auf der Rückseite der Frontkamera mit den Fingern eindrücken. Es ist ein lautes, reproduzierbares Knackgeräusch zu hören. Alles andere als schön, im Alltag jedoch nicht weiter tragisch.

Während sich Tablets wie Apples iPad Air 2 oder Samsungs Galaxy Tab S mühelos auch längere Zeit mit einer Hand halten lassen, ist dies beim knapp einen Kilogramm schweren Lenovo Yoga kaum möglich. Die meiste Zeit werdet ihr den Tablet-Riesen daher auf dem Schoß oder einem Tisch bedienen, wobei die Stütze hilfreich ist. Die Friktion der Aufklappstütze ist zum Glück groß genug, um das Tablet vor dem Umfallen zu schützen. Auch wenn ihr im Präsentationsmodus eine E-Mail verfasst.

Display

2.560 X 1.440 Pixel, also 3.686.400 Bildpunkte tummeln sich auf der Anzeige. Das klingt nach einem gestochen scharfen Bild. Im Grunde gibt es an der Auflösung nicht viel zu kritisieren. Doch wegen der großen Diagonale erscheinen Schrift und andere Inhalte nicht so scharf wie bei den schon weiter oben genannten Modellen von Apple und Samsung.

Lenovo Yoga Tablet 2 Pro im Unboxing

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Die Maximalhelligkeit könnte für unseren Geschmack großzügiger ausfallen. Gerade beim Einsatz im Freien oder an einem Fensterplatz spiegelt der Touchscreen bis zu Unlesbarkeit der Inhalte. Weiße Flächen werden einen Tick zu grau dargestellt. Subjektiv haben wir sonst an Kontrast und Farbtreue nichts auszusetzen.

Dank verbautem IPS-Panel kommt es auch dann nicht zu nervigen Farbverfälschungen, wenn ihr aus sehr spitzem Winkel auf den 13,3-Zöller blickt.

Leistung

Der mit vier Kernen ausgestattete Intel Atom-Prozessor lässt im Alltag nur selten den Wunsch nach mehr Leistung aufkommen. Apps öffnen zügig, auch umfangreiche Tabellen sind binnen weniger Sekunden geladen. Testweise installierten wir das Benchmark-Programm Geekbench 3 auf dem Lenovo Yoga Tablet 2 Pro. Im Single-Core-Test erzielte es 775 Punkte. 2.179 Punkte sind es im Multi-Core-Test. Die Werte liegen im aktuellen Mittelfeld.

Bei grafiklastigen Titeln wie Asphalt 8 zeigen sich jedoch leichte Ruckler und Aussetzer, die bereits in der Anfangsszene sichtbar sind. Der genannte Titel ist dennoch spielbar. Gut vorstellbar jedoch, dass Spiele der kommenden Generation der Hardware des Testgeräts weiter zusetzen werden.

Der 9.600 Milliamperestunden starke Akku sorgt leider nicht für atemberaubende Laufzeiten wie bei diesem Lenovo-Tablet, ist aber dem Hersteller zufolge imstande, bis zu 15 Stunden lang Strom zu liefern. Bei einer kontinuierlichen Wiedergabe eines auf dem Tablet gespeicherten HD-Videos gingen bei uns nach sieben Stunden die Lichter aus. Deaktiviert ihr das Display und vertraut auf den Beamer, ist nach knapp fünf Stunden Schluss. Ihr könnt also locker zwei Filme hintereinander über den Projektor abspielen.

Software

Android in der Version 4.4.2 ist ab Werk vorinstalliert. Lenovo passt zudem die Oberfläche leicht an und installiert zusätzliche Programme. Neben den üblichen Verdächtigen wie Skype, Facebook, Twitter und Evernote stechen die Office-Suite Kingsoft Office und das Lenovo Sketchpad hervor. Letztere Anwendung erlaubt es - ähnlich wie bei Samsungs Galaxy Note-Reihe - den aktuellen Bildschirminhalt als Grundlage für eine handschriftlich verfasste Notiz zu verwenden. Einen (aktiven) Bedienstift, den man sich spätestens an dieser Stelle wünscht, unterstützt das Tablet leider nicht.

Ebenfalls von einigen Samsung Note-Modellen bekannt ist der Multi-Windows-Modus. Per Klick auf eine stets im unteren Bereich eingeblendete Schaltfläche könnt ihr so viele Fenster mit unterschiedlichen Programmen auf dem Display platzieren, bis es unübersichtlich wird.

Beam me up!

Und da ist er endlich - der Beamer im Tablet. Unauffällig platziert Lenovo die LED-Einheit im Inneren des Metallzylinders. Die Optik wird durch eine Glasplatte geschützt. Der kleine Projektor liefert eine Auflösung von 854 x 480 Bildpunkten (480p). Bekanntes Problem dieser kleinen LED-Beamer ist nach wie vor die maximale Helligkeit. Auch der Projektor im Lenovo-Tablet ist mit 35 Candela pro Quadratmeter auf dem Papier kein Strahlemann. Die Helligkeit reicht bei geringem Abstand zur (Lein)Wand aber oft auch bei Tageslicht aus, um Inhalte gut zu erkennen. Lenovo empfiehlt einen maximalen Abstand zwischen Projektor und Wand von zwei Metern, damit das Bild nicht zu dunkel wird. Das projizierte Bild hat dann eine Diagonale von immerhin 50 Zoll.

Praktisch: Zum Starten des Beamers ist keine App notwendig. Ihr müsst einfach auf einen Knopf an der Seite drücken, und der Bildschirminhalt wird zusätzlich über den seitlichen Beamer ausgegeben. Auch wenn sich der Bildschirm (je nach Einstellung) nach einiger Zeit in den Energiesparmodus schickt, bleibt die Leuchtkraft des Beamers davon unberührt.

Knifflig ist das Platzieren des Tablets. Es sollte stets ein Tisch oder Ähnliches in der Nähe sein, worauf ihr das Lenovo Yoga abstellen könnt. Mithilfe des ausklappbaren Ständers lässt sich die Beamer-Optik dann optimal ausrichten. Den Fokus könnt ihr per Schieber justieren, was gut funktioniert. Auch eine Trapezkorrektur ist eingebaut. Im Test waren ihr jedoch recht enge Grenzen gesetzt.

Vom acht Watt starken Soundsystem (im Bild der "Subwoofer") hätten wir uns ein wenig mehr erhofft.
Vom acht Watt starken Soundsystem (im Bild der "Subwoofer") hätten wir uns ein wenig mehr erhofft. (Quelle: Lenovo)

Wer das Tablet zu Hause - etwa im Bett zum Filmeschauen - verwenden und dabei auf den eingebauten Beamer zurückgreifen möchte, muss improvisieren. So ist es ohne Hilfsmittel nicht möglich, das Bild an die Zimmerdecke zu projizieren, ohne dabei das Yoga die ganze Zeit festzuhalten. Grund: Die Metallstütze geht nicht durchgängig von einem zum anderen Gehäuse-Ende, das Tablet lässt sich daher nicht vertikal aufstellen. Eventuell bietet Lenovo in absehbarer Zeit passendes Zubehör für diesen Einsatzzweck an.

Boom me up!

Okay, okay - die verbauten JBL-Boxen klingen nach Tablet-Maßstäben tatsächlich nicht übel. Sie sind lauter und klarer als der Durchschnitt. Bewertet man den Klang jedoch nach Ultrabook- und Notebook-Maßstäben, kann sich der Sound nicht absetzen. Er übersteuert auch bei Maximallautstärke nicht, was man JBL und Lenovo zugutehalten kann.

Vom auf der Rückseite platzierten Subwoofer hätten wir uns aber deutlich mehr erhofft. Auch wenn wir im Equalizer sämtliche Register ziehen, können die tiefen Frequenzen nicht wirklich überzeugen. Schade, aber offenbar fand der Hersteller im Zylinder neben dem großvolumigen Akku und dem Beamer nicht mehr Resonanzraum, den er den Lautsprechern zugute hätte kommen lassen können.

Mögliche Alternativen

Eine ähnlich große Bildschirmdiagonale bietet das 12,2 Zoll messende Samsung Galaxy Note 12.2, das ebenfalls auf Android als Betriebssystem setzt, zusätzlich aber mit dem Eingabestift S-Pen punkten kann. Schwerer, aber dafür deutlich leistungsfähiger ist Microsofts Surface Pro 3.

Lenovo Yoga Tablet 2 Pro: Fazit

Gelungenes Multimedia-Tablet 8.5/10

Das Lenovo Yoga Tablet 2 Pro ist ein sehr gelungenes Multimedia-Tablet. Großen Zusatznutzen bringt der eingebaute Beamer. Schade, dass es leistungsmäßig nicht annähernd in die Subnotebook-Liga hervorstoßen kann und Lenovo dem Yoga einen aktiven Digitizer verwehrt hat. Dennoch: Auch mit Blick auf das Preisschild ist das Tablet 2 Pro ein empfehlenswertes (Riesen)-Tablet.

Das hat uns gefallen

  • Eingebauter Beamer
  • Verschiedene Betriebsmodi
  • Preis / Leistungsverhältnis

Das hat uns nicht gefallen

  • Keine Digitizer-Unterstützung
  • Sound bleibt hinter Erwartungen
  • CPU-Leistung mittelmäßig
Testnote 8,5 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
9,0 / 10
Design

Design Verarbeitung, Materialwahl und Ergonomie eines Tablets werden unter dem Punkt Design zusammengefasst.

8,0 / 10
Display

Display Auflösung, Helligkeit, Kontrast, Farbtreue, Oberfläche und Blickwinkel einer Tablet-Anzeige werden unter dem Punkt Display bewertet.

5,0 / 10
Leistung

Leistung Benchmark-Ergebnisse, Alltagsgeschwindigkeit, Software-Angebot und Akkulaufzeit eines Tablets werden unter dem Punkt Leistung bewertet.

9,0 / 10
Ausstattung

Ausstattung Zahl und Art der vorhandenen Schnittstellen, Speicher und weitere Optionen werden unter dem Punkt Ausstattung bewertet.

10 / 10
Multimedia

Multimedia Die Qualität von Lautsprechern und Kameras bewerten wir unter dem Punkt Multimedia.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde von Lenovo Deutschland zu Verfügung gestellt und wird nach Testende wieder an den Hersteller / die betreuende Agentur zurückgeschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

9
Leserwertung

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