Surface Pro 2 im Test: Ergonomisch bedenklich

Großes Tablet, kleines Notebook

Stärkerer Prozessor, verfeinerte Hardware, bekannte Probleme: Das Microsoft Surface Pro 2 fasziniert im Test aufgrund seiner Leistung und Verarbeitung. Doch nach wie vor fällt es schwer, die passende Käuferschaft zu finden, die für die Mischung aus Tablet-PC und Notebook einen Preis von knapp 900 Euro zu zahlen bereit ist.

Microsoft stellt mit dem Surface Pro 2 eine gelungene Mischung aus Notebook und Tablet in die Regale. Ernst zu nehmende Konkurrenz ist schwer zu finden. Dennoch stellt sich die Frage, wer den zu schweren Tablet-PC und zu kleinen Computer eigentlich braucht. Netzwelt geht auf Spurensuche im ausführlichen Test des Surface 2 Pro.

Das Beste aus beiden Welten will Microsoft im Surface Pro 2 vereinen. Das gelingt jedoch nur zum Teil.
Das Beste aus beiden Welten will Microsoft im Surface Pro 2 vereinen. Das gelingt jedoch nur zum Teil. (Quelle: Microsoft)

Nach wie vor bietet Microsoft zwei eigene Tablet-Computer an. Beide hören auf den Namen Surface. Doch während Surface 2 mit dem arg beschnittenen und oft gescholtenen Windows RT vorliebnehmen muss, kommt auf dem getesteten Surface Pro 2 ein waschechtes Windows 8.1 Pro in der 64-Bit-Version zum Einsatz. In Kombination mit einem Intel Core i5-Prozessor (4200U) der aktuellen Haswell-Generation und vier Gigabyte Arbeitsspeicher verspricht dies jede Menge Rechenleistung.

Unterschiede zum Vorgänger

Es ist noch nicht lange her, dass Microsoft die erste Generation von Surface Pro in Deutschland offiziell vorstellte. Äußerlich unterscheiden sich alte und neue Generation nur in Details. Während beim ersten Surface Pro auf der Rückseite etwa noch der Windows-8-Schriftzug zu sehen war, trägt das Testmodell nun selbstbewusst ein Surface-Logo.

Unboxing: Microsoft Surface Pro 2

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Einen gewichtigeren Unterschied findet man beim sogenannten Kickstand. Die klappbare Stütze auf der Gehäuserückseite lässt sich nun in zwei Positionen arretieren. Eine sinnvolle Verbesserung. Bereits angesprochen wurde das Prozessor-Update: Die verbauten Haswell-CPUs sollten vor allem die Akkulaufzeit deutlich erhöhen. Abmessungen, Gewicht und Position der Anschlüsse belässt Microsoft unverändert.

Verarbeitung

Surface Pro 2 ist sehr gut verarbeitet. Das Gehäuse aus Magnesium fühlt sich exzellent an, verzeiht im Alltag eine ruppigere Behandlung jedoch nur bedingt. Das netzwelt zur Verfügung gestellte Testgerät quittierte die etwas härtere Behandlung in der Redaktion mit bleibenden Kratzern auf der Rückseite. So perfekt die Haptik und die Verarbeitung des Surface Pro 2 auch ist - sie wird durch ein überdurchschnittlich hohes Gewicht erkauft.

Das 275 x 173 x 13,5 Millimeter (Herstellerangabe) messende Testgerät bringt 915 Gramm auf die geeichte Redaktionswaage, 1.105 Gramm sind es mit angebrachtem Touch-Cover. Zusammen mit dem Netzteil (240 Gramm) ergibt sich ein Reisegewicht von 1.355 Gramm. Zum Vergleich: Ein elf Zoll großes MacBook Air  wiegt mit 1,08 Kilogramm weniger.

Durchdacht und wohl geformt bis in die Spitzen: An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Die verbauten Lüfter hört man in der Regel überhaupt nicht.
Durchdacht und wohl geformt bis in die Spitzen: An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Die verbauten Lüfter hört man in der Regel überhaupt nicht.

Von den lobenden Worten zur Verarbeitung ausgenommen ist der Bedienstift. Er besteht vollständig aus Kunststoff und fühlt sich in der Hand an wie ein Mitbringsel vom Weltspartag. Der Befestigungsclip dürfte bei vielen Nutzern die ersten Wochen nicht überstehen. Die Idee, den Stift bei Nichtgebrauch per Magnet an das Tablet zu haften, ist gut. Erfahrungsgemäß geht der Stift aber spätestens dann verloren, wenn man das Surface im Rucksack oder einer Tasche verstaut. Dies ist umso trauriger, wenn man bedenkt, dass der Surface-Bildschirm Wacom-fähig ist und Druckstufen unterstützt. Grafiker, Designer und andere Kreative werden wahrscheinlich ohnehin zum eigenen Stiftmaterial greifen. Sonys Stylus der Vaio Duo-Reihe etwa ist um Welten besser.

Ausstattungslinien, Zubehör und Preise

Das Testgerät verfügt über einen Intel Core i5-Prozessor 4200U mit einer Taktfrequenz von 1,6 Gigahertz (Turbomodus: 2,3 Gigahertz) sowie vier Gigabyte RAM. Als Massenspeicher dient eine SSD mit 64 Gigabyte Kapazität. Beim 880 Euro teuren Rezensionsexemplar handelt es sich damit um das Einsteiger-Modell in die Surface Pro-Welt. Per microSD-Karte lässt sich der Speicher ausbauen - der Speicherkartenschacht findet sich im Unterschied zur Vorgängergeneration nicht mehr unterhalb des Kickstands, sondern an der Seite.

Interessierte Käufer können im Microsoft-Konfigurator mehr Arbeitsspeicher und mehr SSD-Kapazität ordern. Für die Version mit 128 Gigabyte fassender SSD müssen Käufer einen Aufpreis von 100 Euro einkalkulieren. Die 256-Gigabyte-Version schlägt mit 1.280 Euro zu Buche. Wer noch mehr SSD-Platz benötigt, greift zur Top-Ausstattung (512 Gigabyte) zum Preis von 1.780 Euro. Nicht alle Varianten von Surface Pro 2 waren zum Testzeitpunkt im Microsoft Store verfügbar.

Die meisten Surface-Interessenten werden wohl direkt eine der beiden Tastaturhüllen in den Warenkorb legen. Das "Type Cover 2" mit hintergrundbeleuchteten physikalischen Tasten kostet 130 Euro. Netzwelt testet zusammen mit dem Surface Pro 2 das ebenfalls beleuchtete "Touch Cover 2" zum Preis von 120 Euro. Weiteres Zubehör, wie etwa eine sinnvolle Dockingstation, wird erst im nächsten Jahr angeboten.

Display

Bildschirmdiagonale und Auflösung bleiben im Vergleich zum Vorgängermodell unverändert. Nach wie vor tummeln sich auf der 10,6 Zoll großen Anzeige im 16:9-Format 2.073.600 Bildpunkte (1.920 x 1.080 Pixel). Die Pixel-Anzahl ist vollkommen ausreichend. Schrift erscheint scharf und ohne Treppen-Effekt.

Microsoft Surface Pro 2 Test

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Im direkten Sonnenlicht fallen Spiegelungen besonders stark auf. Sie erschweren die Ablesbarkeit bis hin zur Unlesbarkeit. Dann hilft es auch nicht weiter, die Bildschirmeinstellung auf das Maximum hochzuschrauben. Wie bei den meisten Tablet-Computern und Notebooks der oberen Preiskategorie kommt es nicht zu Farbverfälschungen, wenn man aus schrägen Winkeln auf die Anzeige blickt. Stichwort Farbwiedergabe: Diese will Microsoft im Vergleich zum Vorgänger verbessert haben. Subjektiv können wir aber keinen Unterschied erkennen.

Leistung

Intels Core i5-Prozessor der Haswell-Generation befeuert das Surface Pro 2 mehr als ausreichend - egal ob man am Surface nun die Laptop- oder Tablet-PC-Latte ansetzt. Das unterstreichen auch die Benchmark-Ergebnisse.

Unter Cinebench 11.5 erzielt die Testkonfiguration 2,50 CPU-Punkte. Nach Abschluss des OpenGL-Tests stehen 21,95 Bildwiederholungen in der Sekunde auf der Uhr. Auch die verhältnismäßig neue Benchmark-Software Cinebench R15 installierten wir auf dem Testgerät. Heraus kamen 20,08 Bildwiederholungen in der Sekunde. Der CPU-Test attestiert 232 Punkte.

Vergleichswerte sind noch rar. Netzwelt testete zuletzt den von der Konfiguration nur schwer vergleichbaren Convertible Acer Aspire R7. Dieser erreicht dank dezidierter Grafik deutlich bessere Werte beim OpenGL-Test (36,58 Bildwiederholungen). Beim CPU-Test schneidet das Star Trek-Ultrabook mit 219 Punkten jedoch schlechter ab. Nach einem kompletten Kaltstart benötigt Surface Pro 2 nur knapp sieben Sekunden bis Nutzer-Eingaben entgegengenommen werden. Ein sehr guter Wert.

Alltag

Bildbearbeitung mit Photoshop, nebenbei unzählige Webseiten-Tabs geöffnet: Sieht man das Surface als Tablet-PC, ist man immer wieder aufs Neue fasziniert von den Einsatzgebieten. Selbst der Videoschnitt stellt die Hardware nicht vor unlösbare Aufgaben. Dank Bluetooth 4.0 und USB-3.0-Schnittstelle lässt sich zudem die unterschiedlichste Hardware verbinden. Vom UMTS-Stick über Tastaturen bis hin zur externen Festplatte ist alles möglich. Externe Bildschirme finden über den Mini-Display-Port Anschluss.

Je länger man Surface Pro 2 benutzt, desto öfter stößt man jedoch an ergonomische Grenzen. Nutzt man ihn wie ein herkömmliches Tablet, sind beide Arme notwendig, die nach wenigen Minuten schwer werden. Über das Touch-Cover hat netzwelt schon an anderer Stelle berichtet. Die Neuauflage bietet abgesehen von den nun beleuchteten Tasten keine gravierenden Änderungen. Wer den Kauf des Covers aus Gründen des Display-Schutzes in Erwägung zieht, kann sich mit den arg gewöhnungsbedürftigen Folientasten vielleicht anfreunden. Wer häufiger Texte abseits einer URL-Eingabe mit dem Surface tätigt, sollte unbedingt zum nur zehn Euro teureren Type Cover 2 greifen.

Egal ob Touch- oder Type-Cover per Magnetverschluss am Surface haftet - die Kombination verlangt in jedem Fall nach einem Schreibtisch oder einer vergleichbaren ebenen Unterlage. Das Arbeiten auf den Knien, auf dem Sofa oder im Stehen wird stets zum Balance-Akt. Knallhart formuliert: Beim Surfen sind herkömmliche Tablets besser, weil sie leichter sind. Beim produktiven Arbeiten sind Notebooks oder Ultrabooks die bessere Wahl, da sie feste, bessere Tastaturen bieten. Microsoft bewegt sich mit Surface zwischen diesen Welten. Das war beim Vorgänger-Modell schon der Fall. Den möglichen, auf lange Sicht zufriedenen Käuferkreis schränkt diese Tatsache sehr ein. Erschwerend kommt hinzu, dass Surface sowohl ein exorbitant teurer Tablet-PC als auch ein teures Notebook mit kleinem Bildschirm ist.

Microsoft Surface 2 / Surface 2 Pro

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Akkulaufzeit

Im Mix aus Surfen, Video-Wiedergabe per Stream und Office-Tätigkeiten (Bildschirmhelligkeit im oberen Drittel, Energiesparprofil "Ausgeglichen", Funkverbindungen aktiviert) gingen im Test nach knapp 6,5 Stunden die Lichter aus. Geladen wird per Netzteil, das sich ebenfalls magnetisch mit Surface verbindet. Praktisch: Das Netzteil bietet einen USB-Ausgang. Nutzer können so gleichzeitig ihr Smartphone aufladen.

Zusammen mit einem Touch-Cover kostet Surface Pro 2 mindestens 1.000 Euro. Daher kommt vielleicht auch der Erwerb eines kompakten Tablets und eines zusätzlichen Windows-8-Notebooks in Betracht. Googles brandneues Nexus 7 der zweiten Generation etwa schlägt mit 230 Euro zu Buche. Bleiben 770 Euro für ein empfehlenswertes Windows 8-Notebook übrig.

Microsoft Surface Pro 2: Fazit

Zwischen den Welten 7/10

Im Tablet-Einsatz zu sperrig, im Notebook-Einsatz zu unausgegoren: Das schränkt die Zielgruppe ein. Diese Produktivmaschine ist gedacht für solvente Menschen, die unterwegs auf den vollwertigen Software-Kosmos von Microsoft angewiesen sind und dennoch wenig Platz im Rucksack haben. Der übrige Personenkreis ist mit Hybrid-Geräten anderer Hersteller besser bedient.

Das hat uns gefallen

  • Verarbeitung
  • ausklappbare Stütze
  • Display

Das hat uns nicht gefallen

  • Nutzerkreis eingeschränkt
  • als Tablet zu schwer
Testnote 7,0 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
8,0 / 10
Design

Design Verarbeitung, Materialwahl und Ergonomie eines Tablets werden unter dem Punkt Design zusammengefasst.

7,0 / 10
Display

Display Auflösung, Helligkeit, Kontrast, Farbtreue, Oberfläche und Blickwinkel einer Tablet-Anzeige werden unter dem Punkt Display bewertet.

8,0 / 10
Leistung

Leistung Benchmark-Ergebnisse, Alltagsgeschwindigkeit, Software-Angebot und Akkulaufzeit eines Tablets werden unter dem Punkt Leistung bewertet.

7,0 / 10
Ausstattung

Ausstattung Zahl und Art der vorhandenen Schnittstellen, Speicher und weitere Optionen werden unter dem Punkt Ausstattung bewertet.

7,0 / 10
Multimedia

Multimedia Die Qualität von Lautsprechern und Kameras bewerten wir unter dem Punkt Multimedia.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde von Microsoft Deutschland zu Verfügung gestellt und wird nach Testende wieder an den Hersteller zurückgeschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

9
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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Testbericht, Mobile Computing, Notebook, Automobil, Microsoft, Mobile World Congress (MWC), Tablet-PC, Microsoft Surface, Windows 8 und Microsoft Surface Pro 2.

Microsoft Surface Pro 2 im Zeitverlauf
1 von 6
  • Surface Pro 2: Microsoft senkt Preise deutlich

    18.06.2014 Microsofts neues Tablet Surface Pro 3 steht bereits in den Startlöchern - es ist ab August erhältlich. Passend dazu beginnt Microsoft mit dem Abverkauf des Surface Pro 2. Die Preise für das gut ausgestattete Tablet beginnen nun bei 780 Euro.

    Kurz nach der offiziellen Vorstellung des Microsoft Surface Pro 3 beginnt der Abverkauf des Surface Pro 2. Microsoft senkt die Preise über alle Ausstattungsvarianten hinweg um jeweils 100 Euro. Für ein Surface Pro 2 mit Intel Core i5-Prozessor (Haswell-Generation), 64 Gigabyte großer SSD und vier Gigabyte großem Arbeitsspeicher müssen Interessierte nun 780 Euro investieren. Die bald erhältliche Nachfolgergeneration gibt es ab 800 Euro. Dann steckt allerdings nur ein Intel Core i3-Prozessor im Microsoft-Tablet.

    Für die nächsthöhere Ausstattungslinie des Surface Pro 2 (Core i5-4200U, 128 Gigabyte SSD) verlangt Microsoft ab sofort 880 Euro. Teurer wird es, wenn Nutzer mehr RAM und mehr Speicherplatz benötigen. Die Version mit Intel Core i5-Prozessor, acht Gigabyte RAM und 256 Gigabyte großer SSD schlägt mit 1.180 Euro zu Buche. Die gleiche Version mit 512 Gigabyte großer SSD kostet 1.680 Euro.

    Nutzer sollten sich dennoch überlegen, ob sie nicht auf das Surface Pro 3 warten sollten. Neben der günstigen, aber knapp ausgestatteten Basisversion für 800 Euro ist vor allem die Variante mit einer 128-Gigabyte-SSD, Core i5-Prozessor und vier Gigabyte RAM für knapp 1.000 Euro einen Blick wert. Zudem ist die neue Surface-Generation dünner als der direkte Vorgänger und verfügt über ein mit zwölf Zoll größeren Bildschirm.

    Einen Testbericht zum Microsoft Surface Pro 2 finden Sie an dieser Stelle auf netzwelt.

    Alles über das bald erhältliche und vorzubestellende Surface Pro 3 hat netzwelt an dieser Stelle für Sie zusammengefasst.

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