NAS kaufen: Das gilt es zu beachten

Preise, Features und Nutzen im Überblick

von Mirco Lang
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NAS - Teaserbild

Die private Cloud, ganz ohne Dropbox & Co. - ein eigenes NAS macht es möglich. Dabei sind Network-Attached-Storage-Geräte längst mehr als Datengräber für Backups: Full-HD-Streaming, 7.1-Surround-Sound, Videoüberwachung, Online-Shops - die Möglichkeiten sind schier endlos. Doch was gibt es beim Kauf zu beachten? Und solltet ihr eher 80 oder besser 300 Euro für euer NAS ausgeben? Netzwelt verrät es euch.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Basisfunktionen
  2. Mehr Funktionen: Apps, Apps, Apps
  3. Was kann ein NAS im Multimedia-Bereich?
  4. Was bietet der Markt?
  5. Worauf beim Kauf achten?
  6. Die nächsten Schritte: NAS einrichten und konfigurieren
Synologys 2-Bay-NAS DS 216j ist ein gutes Beispiel für das übliche Design von Home-NAS.
Synologys 2-Bay-NAS DS 216j ist ein gutes Beispiel für das übliche Design von Home-NAS. (Quelle: Synology)

Network Attached Storage (NAS) ist im Grunde etwas furchtbar einfaches: Speicher, der über das Netzwerk statt zum Beispiel über Universal Serial Bus (USB) angesprochen wird. Nun gibt es zwar Festplatten mit USB-, aber nicht mit Netzwerk-Anschluss. Daher besteht solch Netzwerkspeicher aus dem Speicher selbst und einem Gehäuse samt Schnittstelle für das Local Area Network (LAN). Der so angeschlossene Speicher lässt sich dann beispielsweise klassisch via File Transfer Protocol (FTP) oder als Netzwerklaufwerk ansprechen. So weit, so damals.

Im Laufe der Jahre haben sich NAS natürlich weiterentwickelt und aus den reinen Schnittstellen-Anbietern haben sich kleine Rechner entwickelt, die immer mehr Features angeboten haben - von simplen Backup-Funktionen über Webserver bis hin zur kompletten Multimedia-Lösung für das Wohnzimmer. Reine LAN-Speicher sind im Heimbereich weitestgehend ausgestorben. Mittlerweile sind die "normalen" NAS-Systeme der größeren Hersteller allesamt vollständige kleine Rechner mit Quadcore-Prozessoren, mehreren Gigabyte Arbeitsspeicher, USB-Anschlüssen und seit neuestem auch High Definition Multimedia Interface (HDMI).

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Die Basisfunktionen

Sofern mehr als eine Festplatte Platz findet, bieten NAS in der Regel Redundant-Array-of-Independent-Disks-Funktionen (RAID). Über RAID kann eine Festplatte beispielsweise zum Datenschutz gespiegelt werden. Oder man verwendet mehrere Platten als eine große Partition. Auch Backup-Funktionen sind bei so ziemlich allen Geräten anzutreffen, schließlich ist der Hauptzweck eines NAS nach wie vor die Vorhaltung von Daten.

Und damit man auch darauf zugreifen kann, bieten viele Hersteller eigene Dynamic-Domain-Name-Server-Dienste (Dynamic DNS) an: Der heimische Router bekommt immer wieder mal eine neue Internet-Protocol-Adresse (IP), etwa nach dem erneuten Verbinden mit dem Internet. Über einen Dynamic-DNS-Dienst wird eine Adresse wie etwa "MeinNAS.dns-anbieter.de" erzeugt, die ständig mit der aktuellen IP-Adresse abgeglichen wird und so den Zugriff auf das NAS über das Internet ermöglicht. Das lässt sich zwar auch manuell etwa über den Router erledigen, aber die Einrichtung über das NAS-Betriebssystem ist gerade für Einsteiger einfacher.

Auch grundlegende Server-Funktionen bietet fast jedes Produkt: Die Verwaltung des NAS läuft über eine Weboberfläche im Browser, es werkelt also auf jeden Fall schon mal ein Webserver auf dem Gerät - und in aller Regel lässt sich dieser auch für sonstige Anwendungen nutzen, zumal meist auch ein Datenbankserver zur Verfügung steht. Somit lassen sich zum Beispiel Blog-Plattformen wie Wordpress auf dem eigenen NAS betreiben - und per Dynamic-DNS auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen! Ebenfalls kaum noch wegzudenken sind Streaming-Server. Selbst günstige 80-Euro-Geräte bieten Digital-Living-Network-Alliance-Server (DLNA), die auf dem NAS gespeicherte Bilder, Musik und Videos ins LAN streamen und mit jedem DLNA-Player abgespielt werden können. Und DLNA-kompatible Programme gibt es für jede Plattform reichlich und kostenlos.

Eine typische NAS-Bedienung: Die Weboberflächen moderner Geräte bilden Desktops ziemlich genau nach.
Eine typische NAS-Bedienung: Die Weboberflächen moderner Geräte bilden Desktops ziemlich genau nach. (Quelle: Screenshot)

Mehr Funktionen: Apps, Apps, Apps

Die größeren NAS-Systeme, beispielsweise die populären Modelle von Synology und QNAP, bieten darüber hinaus noch etliche weitere Features - wie gesagt, es sind einfach kleine Rechner. Typischerweise gibt es also auch hier wieder App Stores, wie man sie von Android, iOS oder seit neuestem auch Windows kennt. Es gibt Programme, um mit angeschlossenen Kameras Überwachungssysteme aufzubauen, Office-Werkzeuge für grundlegende Text- oder Tabellenverarbeitung, vereinzelte Spiele, Mail-Clients, Antivirus-Apps, Download-Manger und so weiter.

Hinzu kommen Anwendungen, die auf Web- und/oder Datenbankservern aufsetzen, also Online-Shops, Wikis, Blogs oder sogar ganze Enterprise-Ressource-Planning-Systeme (ERP) für kleine Büros und Mittelständler. Wer sich erstmals mit NAS-Systemen beschäftigt, wird vermutlich kaum Notwendigkeit für derlei Programmvielfalt sehen - aber es ist schön, für die Zukunft ein wenig Platz nach oben zu haben. Es lohnt sich durchaus, sich vor dem Kauf eines NAS mit dem App-Angebot der Hersteller auseinanderzusetzen. Besonderes Augenmerk liegt dabei meist auf den Multimedia-Fähigkeiten.

Was kann ein NAS im Multimedia-Bereich?

Multimedia-Streaming dürfte für viele Nutzer der größte Kaufanreiz für größere Systeme sein - können tun es alle Hersteller, der Teufel liegt im Detail.
Multimedia-Streaming dürfte für viele Nutzer der größte Kaufanreiz für größere Systeme sein - können tun es alle Hersteller, der Teufel liegt im Detail. (Quelle: Screenshot)

Das grundlegende Streaming beherrschen wie bereits erwähnt alle besseren NAS. Wirklich interessant wird es aber erst, wenn auf den Geräten ausgefeilte Medienserver laufen, die nicht einfach nur vorhandene Dateien streamen, sondern auch Bibliotheken mit Artwork und Infos zu Künstlern, Filmen und Serien erstellen. Wirklich gute Geräte können Videos dann auch im Hintergrund so konvertieren und streamen, dass immer die am besten passende Qualität ausgeliefert wird, also Daten sparend klein gerechnet auf das Smartphone im Zug oder in voller HD-Qualität auf Tablet oder Fernseher daheim. Derlei Funktionen bietet zum Beispiel der Medienserver Plex, den auch QNAP, Synology, Western Digital und andere anbieten. Serverseitig sind die größeren NAS-Modelle auf dem Markt durchaus gut ausgestattet.

Etwas schwieriger sieht es auf Player-Seite aus: Was genau der HDMI-Anschluss auf den TV bringt, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. QNAP beispielsweise nutzt eine Art Subsystem namens Hybrid Desk, auf dem wiederum Apps installiert werden können, vom Browser über Office-Tools bis hin zum Plex-Client. Nun ist Plex ein hervorragender Server, aber als Player kann er beispielsweise mit dem Media Center Kodi nicht mithalten - und so steht schnell die Entscheidung an: Plex-Player über das NAS oder doch lieber Kodi über ein separates Gerät? Als Server kann Plex in beiden Fällen dienen.

Man sollte sich beim Kauf also nicht von Versprechen überrumpeln lassen, was die Geräte alles tolles können! Wer einfach nur ab und an Dateien streamen will, dürfte mit jedem Multimedia-NAS seinen Frieden finden. Poweruser, die umfangreiche Bibliotheken verwalten und viel in ihren Medienbeständen browsen, sollten sich vorher ausführlich informieren, wie Server, Player und HDMI im Einzelfall zusammenspielen. Kodi-Freunde werden zum Beispiel bei Asustor-NAS fündig.

Das für viele aber wohl immer noch Wichtigste, leisten eigentlich alle Modell zufriedenstellend: Full-HD-Inhalte mit Surround-Sound flüssig streamen.

Was bietet der Markt?

Ein Marken-NAS für eine einzelne Festplatte bekommt man ab ungefähr 80 Euro, natürlich ohne Festplatte. Selbst ein solch günstiges 1-Bay-System (Bay steht für die Anzahl der Steckplätze) kann bereits Musik und Filme ins Heimnetz streamen. Sinnvoller ist aber in jedem Fall ein System für mindestens zwei Festplatten, um sich vor Datenverlust zu schützen - und auch hier werdet ihr bereits ab 90 Euro fündig, beispielsweise bei Zyxel. Preislich geht es dann in kleinen Schritten rauf bis zum Amazon-Bestseller Synology DS216j, ein 2-Bay-NAS mit 1-Gigahertz-Dual-Core-Prozessor für rund 160 Euro - das ist dann in etwa das obere Ende der Einsteiger-, man könnte auch sagen Otto-Normalverbraucher-Klasse.

Darf es etwas mehr sein? QNAP-Modelle lassen sich per USB um weitere Steckplätze erweitern, hier per UX 800p.
Darf es etwas mehr sein? QNAP-Modelle lassen sich per USB um weitere Steckplätze erweitern, hier per UX 800p. (Quelle: QNAP)

Für Techies wird es ab knapp 300 Euro interessant. Das QNAP-251-Plus-NAS als Vertreter dieser Klasse punktet dann mit 2-Gigahertz-Quadcore-Prozessor, 2 bis 8 Gigabyte Arbeitsspeicher, modernem SATA-600-Anschluss und schließlich auch HDMI-Anschluss. Ab dieser Größenordnung sind NAS einfach nur kleine Rechner mit in der Regel einem Linux-System, die ihr auch genauso flexibel nutzen könnt - auch abseits der Weboberfläche.

Preislich geht es dann immer weiter steil nach oben, allerdings vergrößert sich hauptsächlich die Anzahl der Festplattenplätze. Gelegentlich gesellt sich ein kleines Display, um Status anzuzeigen. Davon abgesehen gibt es dann noch Produkte, die einfach in kein Konzept zu zwängen sind, etwa den innovativen ionas-Server Home, der ionas komplett für euch einrichtet.

Worauf beim Kauf achten?

Bei NAS lohnt es sich, ein paar Euro mehr auszugeben: Ist das Teil einmal in Betrieb, wachsen die Ansprüche schnell und da sind weitere Steckplätze ebenso schnell bestückt. Ihr könnt auch eine Festplatte fix für Datenbackups nutzen und den zweiten Slot für wechselnde Datenträger für Filme oder Serien nutzen - Festplatten lassen sich bei den meisten NAS einfach im laufenden Betrieb wechseln. Auch Prozessor und Arbeitsspeicher solltet ihr nicht zu knapp wählen, damit das NAS viele Jahre treue Dienste leisten kann.

Auf Software-Seite solltet ihr vorher konkret schauen, was die Anbieter in ihren App-Universen anbieten - QNAP und Synology unterscheiden sich da beispielsweise nur in Details, aber in bisweilen wichtigen Details! Insbesondere die Media-Center-Lösung solltet ihr erkunden.

Ein letzter Tipp für Anspruchsvolle: Neuerdings bieten größere NAS wie die bereits erwähnte QNAP 251+ Virtualisierung an. Ihr könnt also virtuelle Maschinen (VMs) beispielsweise mit Ubuntu Linux einrichten und darauf dann per Remote Desktop zugreifen. So ließe sich etwa wunderbar ein Arbeitsplatz einrichten, den ihr im Büro, im Wohnzimmer oder auch im Hotel nutzen könnt, als säßet ihr direkt davor. Auch als Testsystem sind VMs hervorragend geeignet. Allerdings sollte ihr dem NAS dann auch mindestens vier Gigabyte Arbeitsspeicher spendieren.

Nachfolgend geben wir euch Antworten auf häufige Fragen, die sich beim Kauf eines NAS stellen:

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  • Was benötigt mein NAS an RAM und Prozessor?

    Abhängig von euer Nutzung, solltet ihr auf unterschiedlich leistungsfähige Geräte zurückgreifen. Deutlich mehr Leistung benötigt ein NAS zum Beispiel, wenn ihr mit mehren Personen und Geräten gleichzeitig auf Inhalte zugreifen und diese streamen wollt. Für das Video-Streaming und den gleichzeitigen Zugriff mehrerer Personen ist ein Intel Atom-Prozessor in einer Dual Core-Variante empfehlenswert. An RAM (Arbeitsspeicher) solltet ihr in diesem Fall mindestens ein Gigabyte einplanen.

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Die nächsten Schritte: NAS einrichten und konfigurieren

Habt ihr euch für einen Netzwerkspeicher entschieden, zeigen wir euch in unserem weiterführenden Ratgeber, wie ihr Festplatten verbauen und euer NAS einrichten sowie konfigurieren könnt. Alle weiteren Infos findet ihr auf unserer Übersichtsseite zum Thema Heimvernetzung.

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