Bowers & Wilkins P7 (Wireless) im Test: Für Audio-Nerds

So klingt die 400-Euro-Liga

Edel auf feine, britische Art: Der P7 von Bowers & Wilkins überzeugt im Test.

Der 350 Euro teure Over-the-Ear-Kopfhörer Bowers & Wilkins P7 soll nichts weniger als die "klangliche Revolution" bringen. Im Test gelingt dem hochwertig verarbeiteten P7 dies nur bedingt. Der drahtlose Bluetooth-Kopfhörer P7 Wireless klingt überraschenderweise besser. Beides sind sehr gut gemachte Kopfhörer, die für Musik-Fans eine wahre Freude sind.

Beim aktuell besten Kopfhörer von Bowers & Wilkins, dem Modell P7, freuen sich Ohren und Augen gleichermaßen. Nur der Blick auf das Preisschild schmerzt. Bei amazon kostet der Over-Ear-Kopfhörer knapp 350 Euro. Für die neu hinzugekommene Drahtlos-Version mit dem Namen P7 Wireless verlangt der Hersteller knapp 400 Euro. Ein moderater Aufpreis, der sich lohnt, wie wir später noch feststellen werden. Und für die Investition verspricht B&W eine "klangliche Sensation im Kopfhörerbereich". Der Test klärt zunächst für die kabelgebundene Version, ob das Geld sinnvoll angelegt ist. Auf die Unterschiede zwischen P7 und P7 Wireless gehen wir weiter unten ein.

Inhaltsverzeichnis

  1. Lieferumfang
  2. Das steckt drin
  3. Verarbeitung und Tragekomfort
  4. Klang
  5. P7 Wireless - nicht allein das fehlende Kabel macht den Unterschied
  6. Hörtest: Bluetooth gewinnt!
  7. Fazit & Alternativen

Bowers & Wilkins (B&W) ist im Lautsprecher-Markt seit Jahren eine gesetzte Größe. Laut eigenen Aussagen stammen zum Beispiel die Referenz-Lautsprecher der legendären Abbey-Road-Studios vom britischen Hersteller. Diesen Ruf muss das Unternehmen in der Kopfhörer-Sparte erst noch festigen - dazu hat man für die Entwicklung des P7 sicherheitshalber prompt die gleichen Ingenieure verpflichtet wie für die Referenz-Lautsprecher. Normalverbraucher kennen die Firma hingegen auch vom extravagant gestalteten AirPlay-Lautsprecher Zeppelin Air. Zudem konnte das kleinere Schwestermodell P5 und das drahtlose Pendant P5 Wireless bereits eine Fangemeinde für sich gewinnen.

Bowers & Wilkins P7 im Test

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In neue klangliche Sphären soll der an dieser Stelle getestete P7 seinen Besitzer entführen. Und das nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern gern auch unterwegs. Als sogenannter Over-Ear-Kopfhörer umschließt er die Ohren seines Trägers vollständig. Dennoch lässt sich der dezent gestaltete Kopfhörer bei Bedarf zusammenklappen und in einer mitgeleiferten Tasche verstauen.

Lieferumfang

Der P7 kommt in einem düsteren schwarzen Karton ins Haus. Im Inneren ist das teure Audio-Gadget auf einem mit Samt ausgeschlagenen "Bett" drapiert. Darunter versteckt B&W das für einen Kopfhörer dieser Preisklasse standesgemäße Zubehör.

So findet der frischgebackene Eigner zunächst eine Ledertasche vor, in welcher der P7 unterwegs Platz findet. Auch ein alternatives, knapp 1,60 Meter langes Anschlusskabel sowie ein vergoldeter Adapter zum Betrieb an einer Stereoanlage gehören dazu. Schnellstartanleitungen sowie ein kleines Büchlein über die Firmengeschichte runden das enthaltene Zubehör ab.

Das steckt drin

Wer würde nicht gern wissen, wie ein 400-Euro-Kopfhörer denn nun klingt. Werfen wir dennoch zunächst einen Blick auf die Technik hinter und unter den mit feinem Leder ausgepolsterten Ohrmuscheln. Laut B&W wurde beim P7 ein Chassis verwendet, bei dem Membran und mechanische Aufhängung separat voneinander agieren. Wie bei einem klassischen Stereo-Standlautsprecher.

Edelstahl, Leder: Keine Kompromisse geht B&W bei der Materialwahl ein.
Edelstahl, Leder: Keine Kompromisse geht B&W bei der Materialwahl ein.

Die Ventilationsöffnungen der Treibergehäuse stattet Bowers & Wilkins zusätzlich mit einem luftdurchlässigen Film aus. Das Ergebnis soll eine präzise Steuerung der Luftströme und infolgedessen eine gleichmäßig kolbenförmige Bewegung der verbauten Membrane sein.

Selbst bei den Schwingspulen, die üblicherweise aus Kupferdraht bestehen, fand B&W Optimierungspotenzial. Der Spulenkern besteht beim P7 aus im Vergleich zu Kupfer leichterem Aluminium, welches lediglich mit einer feinen Kupferschicht überzogen wird. Der betriebene Aufwand soll einem verbesserten Ansprechverhalten, Wirkungsgrad sowie einem höheren Dynamikumfang speziell im Hochtonbereich zugutekommen.

Verarbeitung und Tragekomfort

Erwartungsgemäß gibt es an der allgemeinen Verarbeitungsqualität des P7 nichts auszusetzen. Der Bügel sowie die Ohrmuscheln werden von echtem Leder umhüllt. Der Abstand zwischen Ohr und Treiber ist nach Meinung des Testers perfekt. Dass dies dauerhaft so bleibt, sollten die Polster mit "Memory-Funktion" ermöglichen. Auch nach kräftigerem Druck finden sie schnell wieder zu ihrer Augangsform zurück.

Sollte die Elastizität mit der Zeit nachlassen - oder die Ohrmuscheln schlichtweg verdreckt sein - lassen sie sich binnen weniger Sekunden austauschen. Sie sind per Magnet mit dem Chassis verbunden. Abnehmen muss der Besitzer sie auch, wenn er das ab Werk montierte Kabel samt Kabelfernbedienung (iPhone-, iPod- und iPad-kompatibel) gegen das mitgelieferte Zweitkabel ersetzen möchte.

Der P7 lässt sich über Stunden bequem tragen. Sein Gewicht von 289 Gramm (inklusive Kabel) macht sich auf dem Kopf kaum bemerkbar. Sämtliche Verstellmöglichkeiten sind vertrauenserweckend ausgeführt und arbeiten im Alltag völlig lautlos. Das Verstellen der Bügelweite erfolgt fließend, eine Rasterung gibt es nicht. Einigen Probehörern der Redaktion, überwiegend den Brillenträgern, war im Test der Anpressdruck ein wenig zu hoch. Persönlich empfindet der Tester diesen als genau richtig.

Klang

Um einen Überblick über die klanglichen Qualitäten des P7 zu erhalten, hat netzwelt den Kopfhörer mit verschiedenen Zuspielern (MacBook Pro, iPhone 6S, Cowon J3 mit Kopfhörerverstärker, Yamaha-Receiver RX-V1700) getestet. Dabei wurden dem P7 nicht nur unterschiedliche Musikstile, sondern vor allem auch unterschiedliche Formate eingespielt. Die Palette reichte hierbei von mit 128 Kbit/s komprimierten Stücken eines Streaming-Diensts bis hin zur hochwertigen Audio-CD. Zusätzlich legten wir uns verlustfreie AIFF-Dateien auf die Ohren.

Die Ohrmuscheln aus Leder haften per Magnet am Chassis und lassen sich bei Bedarf leicht abnehmen.
Die Ohrmuscheln aus Leder haften per Magnet am Chassis und lassen sich bei Bedarf leicht abnehmen.

Eine perfekt gezeichnete Kurve in einem Diagramm steht nicht automatisch für den persönlichen Lieblings-Sound. Netzwelt beurteilt den Klang daher allein nach subjektiven Gesichtspunkten. Gerade in dieser Kopfhörer-Klasse sollte ein Besuch in einem Hi-Fi-Geschäft zum Probehören des Wunschmodells Pflicht sein. Versteht daher die von uns getätigten Aussagen bezüglich Klangqualität als Orientierungshilfe und nicht als alleiniges, Kauf-ausschlaggebendes Kriterium.

Ein sofortiges "Wow-Gefühl" stellt sich bei den ersten Probestücken nicht ein. Der P7 versucht erst gar nicht, mit dem ganz tiefen Bass-Punch den Blender zu geben - was ihn sympathisch macht. Das Stück "Uprising" der Stadionrocker "Muse" haut daher nicht sofort vom Hocker. Dafür entfaltet sich zwischen den beiden Ohrmuscheln ein wunderbar plastisches "Bühenbild".

Die besten Kopfhörer im Test

Ob Bluetooth oder kabelgebunden, ob mit ANC oder ohne - wir vergleichen verschiedene Kopfhörer miteinander.


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Ganz fein separieren die Treiber einzelne Instrumente heraus - der Sänger steht auf der imaginären Bühne ganz vorn, leicht links versetzt hämmert der Bassist auf sein Saiteninstrument ein. Über all dem baut sich aus dem Hintergrund hervortretend die Percussion- und Schlagzeug-Kulisse auf. So soll es sein. Noch deutlicher tritt die räumliche Tiefe, die der P7 abzubilden imstande ist, bei orchestralen Instrumentalstücken auf.

Groß spielt der P7 bei Chören auf. Auch hier erzeugen die Treiber ein wunderbar plastisches Klangabbild. Bei der Wiedergabe elektronischer Stücke tritt der Bass nicht übertrieben in den Vordergrund - Geschmacksache. Netzwelt hat sich beim Anhören von "Open Eye Signal" von Jon Hopkins gut bespielt gefühlt. Unterm Strich überzeugt der P7 durch sein nicht aggressives, fein aufgelöstes Klangbild. Von einer "klanglichen Revolution" oder gar einer audiophilen Offenbarung möchten wir aber nicht sprechen.

P7 Wireless - nicht allein das fehlende Kabel macht den Unterschied

Seit Sommer 2016 hat Bowers & Wilkins den P7 auch in einer Bluetooth-Variante als "Wireless" im Programm. Damit folgt der Traditionshersteller einem Trend, den nicht zuletzt die Vorstellung des iPhone 7 befeuert hat. Äußerlich unterscheiden sich die beiden Kopfhörer bis auf das fehlende Kabel kaum voneinander. Die Bluetooth-Variante kommt mit weniger Chrom-Applikationen daher, an der rechten Ohrmuschel finden sich dafür Tasten zur Musik- und Lautstärkesteuerung.

Der P7 Wireless unterscheidet sich abgesehen vom fehlenden Kabel nur in Details vom P7. So trägt er ein bisschen weniger Chrom zur Schau, wiegt mehr und verfügt an der Ohrmuschel über Bedienelemente.
Der P7 Wireless unterscheidet sich abgesehen vom fehlenden Kabel nur in Details vom P7. So trägt er ein bisschen weniger Chrom zur Schau, wiegt mehr und verfügt an der Ohrmuschel über Bedienelemente. (Quelle: netzwelt)

Einen fühlbaren Unterschied gibt es beim Gewicht - 289 stehen hier 323 Gramm gegenüber. Klar, denn der Bluetooth-Kopfhörer muss neben der Drahtlos-Technik auch noch den 370-mAh-Akku unterbringen. Letzterer ermöglicht eine kabelunabhängige Spieldauer von 17 Stunden.

Die besten Kopfhörer mit ANC

Kopfhörer mit ANC (Active Noise Cancelling) bringen Ruhe in Verkehrsmittel oder Großraumbüros. Und klingen meist auch gut. Wir vergleichen verschiedene Modelle miteinander.


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Geladen wird per microUSB-Anschluss. Sollte während der Reise einmal der Akkustand eine kritische Marke erreichen, lässt sich auch der P7 Wirless kabelgebunden betreiben. Dazu wird einfach die linke Ohrmuschel abgenommen und das Kabel eingefädelt - fertig. Dank eingebauter Mikrofone fungiert auch die Bluetooth-Variante als Freisprecheinrichtung des gekoppelten Smartphones.

Der P7 Wireless ist genauso tadellos wie der klassische P7 verarbeitet, sitzt aber deutlich straffer als der P7. Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass wir die kabelgebundene Variante bereits über Monate hinweg im Dauereinsatz nutzen.

Hörtest: Bluetooth gewinnt!

Wir konnten es selbst kaum glauben, aber der drahtlose P7 Wirless klingt deutlich fülliger, runder, besser als die kabelgebundene Version. Der Blindtest mit sechs Redakteuren könnte eindeutiger nicht ausfallen: Alles sechs geben fast vorbehaltlos der Bluetooth-Version den Vorzug.

Beim Stück "feinste Seide" von "Bilderbuch" kommen die tiefen Frequenzen viel prägnanter zum Vorschein. Darüberhinaus arbeitet der Wireless noch mehr Details heraus. Wir hören plötzlich Details, die selbst dem P7 verborgen bleiben.

Woran liegt das? Allein die Tatsache, dass der P7 Wireless den aptX-Codec unterstützt, kann es jedenfalls nicht sein. Man kommt dem Unterschied auf die Spur, wenn man den P7 Wireless kabelgebunden nutzt. Dann nämlich nutzt er den D/A-Wandler des Zuspielers, beispielsweise den Wandler des Smartphones. Im Bluetooth-Betrieb hingegen greift vornehmlich die Elektronik im Kopfhörer. Ein gewaltiger Unterschied, der klar für die Bluetooth-Variante spricht.

Bowers & Wilkins P7 (Wireless): Fazit

Zu schade fürs Streaming 9/10

Obwohl für den mobilen Einsatz konzipiert, sind sowohl der P7 als auch der P7 Wireless eigentlich zu schade für die Musikberieselung in der Bahn. Der kabelgebundene P7 ist neutraler, als die Bluetooth-Variante, die mit mehr Bass und feineren Details vollends überzeugt.

Das hat uns gefallen

  • Klang
  • neutrale Abstimmung
  • Verarbeitung
  • Tragekomfort

Das hat uns nicht gefallen

  • manch einem zu emotionslos
  • wenig Bass (kabelgebunden)
  • kein ANC
Testnote 9,0 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
9,0 / 10
Klang

Klang Von Elektronik über Jazz, Pop und Rock bis hin zu klassischer Musik: Unsere Playlists enthält Musikstücke der unterschiedlichsten Richtungen. Beim Hörtest achten wir nicht nur auf die lauten sondern gezielt auch auf die ganz leisen (Zwischen)-Töne.

10 / 10
Tragekomfort und Verarbeitung

Tragekomfort und Verarbeitung Der schönste Kopfhörer ist nutzlos, wenn er sich falsch anfühlt oder droht, binnen kurzer Zeit auseinanderzubrechen. Drücken Bügel oder Ohrmuscheln? Gibt es keine oder nur unzureichende Verstellmöglichkeiten? Fühlt es sich nach kürzester Zeit an, wie in einer Sauna? All dies führt zu Punktabzug.

7,0 / 10
Ausstattung

Ausstattung Wie lang ist das Kabel, gibt es eine Anbindung ans Smartphone, lässt sich die Lautstärke direkt am Kopfhörer regeln und ist vielleicht sogar der Titelsprung möglich? Solche Kriterien nehmen wir im Punkt „Ausstattung“ genau unter die Lupe.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde uns von Bowers & Wilkins zu Verfügung gestellt. Aus hygienischen Gründen verbleibt der Kopfhörer nach Testende in der Redaktion. Der P7 Wireless wird nach Testende wieder an den Hersteller zurückgeschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

9
Leserwertung

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Bestenlisten

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

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