NAS einrichten: So geht's

Von der Verkabelung bis zur Konfiguration

von Mirco Lang
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NAS sind längst nicht mehr nur simple Netzwerkspeicher, sondern eierlegende Wollmilchsäue: Vom Multimediaserver, über die private Cloud bis hin zum Überwachungssystem - es gibt tausende von Anwendungsmöglichkeiten. Doch die Einrichtung ist nicht immer selbst erklärend. Netzwelt verrät euch, worauf es zu achten gilt.

Netzwelt verrät euch, worauf es beim Einrichten eines NAS zu achten gilt.
Netzwelt verrät euch, worauf es beim Einrichten eines NAS zu achten gilt. (Quelle: Andreus/depositphotos.com)

Inhaltsverzeichnis

  1. Aufstellen und verkabeln
  2. Zugriff auf die Oberfläche
  3. Installation und Zugriff auf HybridDesk Station
  4. Nutzer einrichten
  5. Freigaben einrichten und in Windows einbinden
  6. Die wichtigsten Grundeinstellungen
  7. Installation weiterer Software

Für viele Anwender dürfte ein Network-Attached-Storage-System (NAS) die erste Erfahrung mit einem "ausgewachsenen" Server sein - und da ist selbst der Zugriff nicht für jeden selbstverständlich. Aber auch die Oberfläche ist ganz anders als bei Windows oder Mac, Aufgaben wie Nutzerverwaltung und Netzwerkfreigaben kommen hinzu und für zusätzliche Software gibt es ebenfalls eine komplett eigene Infrastruktur. Das klingt alles sehr kompliziert!

Daher nehmen wir im Folgenden alle Einsteiger in die Welt der Heim-Server an die Hand und zeigen die Grundeinrichtung von der Verkabelung und dem Zugriff auf die Oberfläche über die Einrichtung von Nutzern, Festplatten und Freigaben bis hin zu den wichtigsten Einstellungen und der Installation von Apps. Konkret zeigen wir das am Beispiel einer QNAP 251+, die Basics funktionieren aber auch genauso mit der Konkurrenz. Los geht es mit dem Aufstellen und Verkabeln des NAS.

Aufstellen und verkabeln

Am Beispiel des QNAP 251+ zeigen wir euch, worauf es bei der Einrichtung eines NAS zu achten gilt.
Am Beispiel des QNAP 251+ zeigen wir euch, worauf es bei der Einrichtung eines NAS zu achten gilt. (Quelle: qnap)

Worauf gilt es beim Aufstellen des NAS zu achten? Das kommt auf den Einsatzzweck an. Wenn ihr ein Multimedia-NAS mit High-Definition-Multimedia-Interface (HDMI) habt, sollte das Teil freilich neben dem Fernseher stehen - oder zumindest in der Nähe. Ihr bekommt ein HDMI-Kabel zwar mit bis zu 20 Meter Länge, die Erfahrung zeigt, dass ab 10 Metern Übertragungsfehler auftreten können.

Auch eventuelle Universal-Serial-Bus-Schnittstellen (USB) könnten für den Ort relevant sein: Der Front-USB-Anschluss der QNAP kann beispielsweise genutzt werden, um den Inhalt von USB-Datenträgern zu sichern, sobald diese eingesteckt werden - wenn ihr darauf häufiger zurückgreifen wollt, sollte das NAS nicht unbedingt im Keller versteckt sein.

Beachtet aber auch: In der Regel ist so ein NAS-System immer eingeschaltet und mit zwei oder mehr Hard Disk Drives (HDDs) und natürlich einem Lüfter ausgestattet - mit anderen Worten: Es lärmt - vor allem, wenn es im Sommer unter Vollast läuft. Euer Schlafzimmer oder der Platz neben der Couch ist also nicht unbedingt der beste Platz für ein NAS.

Die sonstige Verkabelung ist ziemlich trivial, allenfalls über den Netzwerkanschluss ließe sich noch kurz sinnieren: Ein Anschluss per WLAN ist mit einem kleinen 10-Euro-Stick kein Problem, aber wenn ihr die Möglichkeit habt, solltet ihr auf Kabel setzen. Kabel sind weniger fehleranfällig, bieten besseren Durchsatz und stellen beim Systemstart schneller eine Netzwerkverbindung her.

Strom, Netzwerk, HDMI - mehr braucht es gar nicht, um loslegen zu können.
Strom, Netzwerk, HDMI - mehr braucht es gar nicht, um loslegen zu können. (Quelle: netzwelt)

Letzteres ist nicht ganz unwichtig: Bei Netzwerkgeräten kommt es bisweilen vor, dass beim Systemstart Programme gestartet werden, die eine stehende Netzwerkverbindung benötigen. Bei WLAN kann es aber eben passieren, dass dies ein wenig dauert und die Verbindung erst nach Start des betroffenen Programms aufgebaut wird - folglich "denkt" das Programm es sei offline und funktioniert nicht richtig. Das dürfte zwar gerade bei Standardnutzung moderner NAS äußerst selten vorkommen, aber es ist doch eine lästige Fehlerquelle.

Die Festplatten werden bei der 215+ schlicht hinter die Abdeckung gesteckt, bei anderen Modellen, etwa dem Vorgänger 219+, werden sie auf Schlitten geschraubt - beides hat Vorteile: Das Verschrauben mit dem Schlitten macht den Einbau von kleinen 2,5-Zoll-Platten einfacher, ohne Schlitten lassen sich Platten schneller wechseln - dafür sind die kleinen Datenträger mit ein wenig Frickelei verbunden.

Zugriff auf die Oberfläche

Wenn Ihr nun meint, der HDMI-Anschluss würde via TV Zugriff auf die normale NAS-Oberfläche gewähren, werdet ihr leider enttäuscht, über HDMI wird lediglich das Bild der App "HybridDesk Station" (kurz HD Station) ausgegeben, eine Art Subsystem, das eigene, TV-taugliche Apps anzeigt. Aber dazu später. Das normale Graphical User Interface (GUI) erreicht ihr genau wir euren Router über den Browser und die Internet-Protocol-Adresse (IP).

Die Adresse des NAS erfahrt ihr vom Router.
Die Adresse des NAS erfahrt ihr vom Router. (Quelle: netzwelt)

Um die IP herauszufinden, ruft ihr am besten die Router-Oberfläche auf und schaut dort bei den Geräten im Heimnetz nach. Die meisten Router, auch die Fritz!Box, bietet dann auch die Möglichkeit, dem Gerät immer dieselbe IP zuzuordnen - und dort solltet ihr auf jeden Fall ein Häkchen setzen! Ansonsten kann es passieren, dass das NAS nach einem Neustart oder einem Neustart des Routers eine andere IP bekommt und damit wären eure Netzwerkfreigaben futsch. Anschließend ruft ihr die NAS-GUI über die IP auf und startet mit der Installation.

Tipp

Für die NAS-Oberfläche solltet ihr einen Bookmark im Browser anlegen, am besten direkt mit eigenem Icon in der Favoritenleiste.

Installation und Zugriff auf HybridDesk Station

Beim ersten Zugriff werdet ihr von der Installationsroutine begrüßt, denn genau wie Windows oder Linux, muss auch das NAS-eigene Betriebssystem erst einmal installiert werden. Bei QNAP heißt das System QTS und die Installation besteht eigentlich nur darin, ein Dutzend mal auf "OK" zu klicken, Nutzernamen und Passwort zu setzen und die Festplatte für das System festzulegen - wenn ihr zweimal dieselbe Platte verbaut habt, spielt das im Grunde keine Rolle, ansonsten solltet ihr die schnellere Platte wählen. Alle Installationsschritte zeigen wir euch in der nachfolgenden Galerie:

NAS Installation - Schritt für Schritt

11 Bilder
Zur Galerie

Damit das NAS komplett funktioniert, solltet ihr als nächstes den HybridDesk installieren, auf dem TV seht ihr bislang nämlich nur einen Hinweistext. Ihr findet die Einstellung unter "Systemsteuerung/Anwendungen/HybridDesk Station". Über "Jetzt loslegen" startet ihr das Programm, das euch auch gleich allerlei Apps zur Installation anbietet - ihr könnt hier ruhig dem Spieltrieb nachgeben und alle installieren. Nochmal: Diese Apps laufen nicht unter QTS, sondern unter dem HybridDesk!

Der HybridDesk über HDMI am Fernseher - ein eigenes Subsystem für die Fernbedienung.
Der HybridDesk über HDMI am Fernseher - ein eigenes Subsystem für die Fernbedienung. (Quelle: netzwelt)

Nutzer einrichten

Ob ihr erst Nutzer oder erst die Freigaben einrichtet, ist im Grunde egal, da ihr sowohl bei der Nutzereinrichtung Ordner, als auch bei der Ordnereinrichtung Nutzer zuordnen könnt. Um weitere Nutzer einzurichten, navigiert nach "Systemsteuerung/Privilegieneinstellungen/Benutzer" und klickt auf den Erstellen-Link. Hier vergebt ihr wieder Name und Passwort sowie die Berechtigungen für Ordner. Vorsicht: QNAP erstellt einige Standardordner wie "Public" und "Multimedia" - soll der neue Nutzer darauf keinen Zugriff haben, müsst ihr das explizit unterbinden.

Über den Bearbeiten-Link unter "Freigabeordnerrecht" ordnet ihr dem Nutzer dann Rechte für Ordner ein, bei QNAP stehen dort nur Abkürzungen: RO für Read Only (nur lesen), RW für Read Write (lesen und schreiben) sowie Deny, um gar keinen Zugriff zu gestatten. Auch die Berechtigungen für Apps solltet ihr konfigurieren, wenn etwa die Kinder zwar auf die Medien-Apps, nicht aber auf den FTP-Server zugreifen dürfen sollen.

Freigaben einrichten und in Windows einbinden

Ordner auf dem NAS sollten natürlich über das Netzwerk erreichbar sein, am besten direkt auf dem Windows-Desktop. Zunächst kommt die Freigabe unter QTS: Öffnet wieder die Privilegieneinstellungen und dort den Bereich Freigabeordner - und Überraschung, es geht wieder über den Erstellen-Link weiter. Hier habt ihr zwei Möglichkeiten: Entweder ihr vergebt nur den Namen für die Freigabe und lasst einen neuen Ordner mit gleichem Namen erstellen; dies geht über die Option "Pfad automatisch angeben". Oder ihr nutzt die Option "Pfad manuell eingeben" und wählt dann aus dem Drop-Down-Menüs darunter den gewünschten Ordner - der dann auch anders heißen darf als die Freigabe.

Im Dialog für neue Freigabeordner lassen sich auch gleich Nutzer zuordnen.
Im Dialog für neue Freigabeordner lassen sich auch gleich Nutzer zuordnen. (Quelle: netzwelt)

Neben der Ordnerwahl gibt es noch ein paar Optionen, allen voran die Berechtigungen. Hier bekommt ihr im Grunde dieselbe Oberfläche wie eben bei der Nutzerkonfiguration, nur genau umgekehrt. Daneben lassen sich aber auch noch Synchronisation, Verschlüsselung und diverse Sicherheitsoptionen einstellen. Hier kommt es aber sehr darauf an, wie eure Nutzerstruktur aussieht.

Sollen die Kinder zum Beispiel keine Möglichkeit haben, Dateien endgültig zu löschen, könnt ihr den Zugang zum Papierkorb nur für Admins freigeben. Umgekehrt ließe sich der Papierkorb auch ganz abschalten, damit auf dem NAS gelöschte Dateien auch wirklich sofort verschwinden und Platz freigeben und nicht im Mülleimer zwischengespeichert werden.

Einmal angelegt, müsst ihr die Ordner noch in Windows einbinden, folgt dazu diesem Tutorial:

Windows 10 Heimnetzwerk: NAS-Server einrichten und ins Netzwerk einbinden
Windows 10 Heimnetzwerk: NAS-Server einrichten und ins Netzwerk einbinden Artikel Zentraler Netzwerkspeicher im Heimnetzwerk Wie ihr euren NAS-Server im Windows-Heimnetzwerk einbindet, lest ihr in diesem Teil unseres Heimnetzwerk-Ratgebers. Jetzt lesen

Die wichtigsten Grundeinstellungen

Ein NAS wie das QNAP-Modell ist ein kompletter Rechner mit etlichen vorinstallierten Servern und Anwendungen - und entsprechend viele Einstellungen gibt es, da müsst ihr euch einfach durchschlagen. Zum Einstieg solltet ihr euch die fünf folgenden Optionen in der Systemsteuerung eures NAS anschauen.

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  • 1. Systemeinstellungen/Hardware

    Hier könnt ihr beispielsweise die LEDs vorne am Gerät ausschalten oder dimmen, auf Wunsch auch per Zeitsteuerung. Und da die LEDs im Grunde dauernd blinken, ist das gerade im Wohnzimmer eine gute Sache. Gleiches gilt für die Lüftersteuerung. Die Standardeinstellung "Intelligenter Lüfter" sollte zwar meistens passen, aber zumindest wenn das NAS in eurer Nähe steht, kann es schon hilfreich sein, die Geräuschkulisse ein wenig zu regulieren.

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Installation weiterer Software

Auch ein NAS hat mittlerweile einen eigenen App-Store - und QNAPs Appcenter bietet wirklich reichlich Spielzeug!
Auch ein NAS hat mittlerweile einen eigenen App-Store - und QNAPs Appcenter bietet wirklich reichlich Spielzeug! (Quelle: netzwelt)

Jetzt fängt endlich der eigentliche Spaß an - die Installation von Apps. Basisdienste wie Medienserver, FTP, Webserver, Datenbank, Antivirus oder Dateiverwaltung sind selbstverständlich bereits vorhanden und müssen meist lediglich aktiviert werden. Im AppCenter findet ihr aber etliche weitere Spielzeuge. Die Installation ist dabei erfreulich einfach, ein Klick auf "Installieren" genügt. Nach der Installation taucht unter dem App-Symbol meist direkt der "Starten"-Button auf - alles andere liegt dann an den Apps selbst.

Eine Anwendung möchten wir euch zum Schluss noch ganz explizit ans Herz legen: Die Virtualization Station - oder wie auch immer das Virtualisierungs-Tool auf eurem NAS heißt. Leistungsfähigere Geräte bieten nämlich häufig die Möglichkeit, virtuelle Maschinen mit beliebigen Betriebssystemen zu betreiben.

Lubuntu läuft hier als virtuelle Maschine auf dem NAS und wird unter Windows per UltraVNC angezeigt.
Lubuntu läuft hier als virtuelle Maschine auf dem NAS und wird unter Windows per UltraVNC angezeigt. (Quelle: netzwelt)

Einmal eingerichtet, könnt ihr auf diese Systeme entweder - für den schnellen Zugriff zwischendurch - über den Browser zugreifen oder besser über eine Remote-Desktop-Lösung wie UltraVNC. Damit könntet ihr beispielsweise ein kindgerechtes Linux aufsetzen, das sich dann auf jeden beliebigen Rechner streamen lässt.

Apropos: Jetzt könnt ihr endlich loslegen und den Server auch wirklich nutzen - bis ihr wisst, was ihr genau damit anstellen wollt und das dann alles korrekt eingestellt ist, vergeht vermutlich einige Zeit. Wenn irgendwann alles final läuft, denkt daran, die Einstellungen nochmals zu sichern!

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Informationen zum Artikel

Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten Computer, Anleitung, Fernwartung & Fernzugriff, Backup & Datensicherung und NAS versehen.

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