NAS einrichten: Das NAS als eigener Webserver

Server einrichten und Tools installieren

von Mirco Lang
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Es ist naheliegend, ein NAS als Webserver zu nutzen - und bei größeren Modellen von QNAP, Synology, Asus & Co. auch super einfach. Wikis, Blogs und Content-Management-Systeme installiert ihr mit wenig Aufwand, selbst wenn der NAS-Hersteller sie nicht selbst anbietet. Und natürlich taugt das NAS auch als echter Server für öffentliche Internetseiten - ganz ohne Webspace-Kosten!

Einen Webserver könnt ihr euch mit eurem NAS selber bauen.
Einen Webserver könnt ihr euch mit eurem NAS selber bauen. (Quelle: Plus69/depositphotos.com)

Inhaltsverzeichnis

  1. Server aktivieren
  2. Der einfache Weg: MediaWiki
  3. Manuelle Installation: TikiWiki
  4. Online gehen

Dass ein Network-Attached-Storage-System (NAS) der perfekte Webserver für daheim ist, ist eigentlich selbstverständlich - schließlich greift ihr ja schon über eine Webserver-Funktionalität auf die NAS-Oberfläche zu. Und da bietet es sich an, auch den allgemeinen Webserver zu aktivieren, den Datenbankserver dazuzuschalten und beliebige Web-Anwendungen zu betreiben. Ihr könnt hier Content-Management-Systeme (CMS) wie Wordpress oder Joomla aufsetzen, Wikis wie die Wikipedia-Grundlage MediaWiki, eLearning-Plattformen, Spiele oder auch ganze soziale Netzwerke hosten.

Wir zeigen, wie ihr die Server aufsetzt und anschließend Anwendungen installiert. Als Beispielgerät dient ein QNAP-251+, aber der Ablauf ist im Grunde bei allen NAS-Systemen ziemlich identisch - zumal ihr zwei unterschiedliche Wege kennenlernt: Zum einen die Installation von Web-Anwendungen, die direkt vom NAS-Hersteller als Apps angeboten werden und dann den "normalen" Weg, über den ihr Anwendungen auf jedem beliebigen Rechner aufsetzt - da unterscheiden sich NAS und normale Rechner nämlich nicht. Als Beispielanwendungen halten MediaWiki für den ersten und TikiWiki für den zweiten Weg her.

Server aktivieren

Zunächst schaltet ihr den Webserver ein - beziehungsweise vergewissert euch, dass dieser läuft, was auf den meisten Systemen Standard ist. Bei QNAP findet ihr die Einstellungen unter "Systemsteuerung/Anwendungen/Webserver". Interessant ist hier die Option ganz unten, wo ihr die Datei php.ini bearbeiten könnt. Das ist die Systemkonfiguration des Servers - die ihr zwar super selten braucht, aber wenn, müsst ihr eben nicht in den Tiefen der Ordnerstrukturen danach suchen. Also: Merken!

Der Webserver läuft per Plug & Play - vor 15 Jahren brauchte es dafür Experten und einige Stunden Zeit
Der Webserver läuft per Plug & Play - vor 15 Jahren brauchte es dafür Experten und einige Stunden Zeit

Wechselt nun in der Systemsteuerung zum SQL Server, um die Datenbank zu aktivieren. Auch hier genügt wieder das Häkchen, die Standardeinstellungen können beibehalten werden. Damit ihr den Datenbankserver verwalten, also Datenbanken anlegen, bearbeiten und löschen könnt, braucht ihr noch ein Verwaltungswerkzeug. Das Standard-Tool hört auf den Namen phpMyAdmin und lässt sich ganz einfach über das AppCenter installieren.

phpMyAdmin dient der einfachen Administration von mySQL-Datenbanken
phpMyAdmin dient der einfachen Administration von mySQL-Datenbanken

Der einfache Weg: MediaWiki

Die meisten populären Web-Anwendungen wie Wordpress, Joomla, MediaWiki oder die Lernplattform Moodle bietet QNAP ganz einfach als Apps. Sucht im AppCenter nach MediaWiki, installiert die App und öffnet sie dann. Ihr landet im Browser auf der Startseite des Wikis und ihr bekommt eine Warnmeldung, dass das System zunächst konfiguriert werden muss, was ihr dann über den Assistenten erledigt.

Interessant ist hier die Adresse im Browser: Wenn euer NAS unter 192.168.178.20 zu erreichen ist, lautet die MediaWiki-Adresse 192.168.178.20/mediawiki. "mediawiki" ist dabei einfach nur der Name des Ordners, in den MediaWiki installiert wurde. Solche Installationsordner liegen immer im so genannten Root-Verzeichnis des Webservers.

Der Webserver ist übrigens ein Apache Server, der auch den größten Teil des Internets auf seinen Schultern trägt. In Standardinstallation heißt das Root-Verzeichnis "htdocs" (für Hyptertext-Dokumente), bei QNAP ist es der Freigabeordner "Web". Ihr könnt auch einfach eine Textdatei test.txt mit ein paar Worten füllen, in den Web-Ordner packen und dann über 192.168.178.20/test.txt aufrufen - wenn alles funktioniert, seht ihr den Inhalt der Datei.

Die populärsten Web-Anwendung lassen sich direkt als App installieren - ein CMS in 20 Sekunden.mwapp
Die populärsten Web-Anwendung lassen sich direkt als App installieren - ein CMS in 20 Sekunden.mwapp

Manuelle Installation: TikiWiki

Die Installation von TikiWiki beschreibt den Weg, wie ihr die mit Abstand meisten Web-Anwendungen mit Datenbankanbindung installiert. Zuerst solltet ihr eine Datenbank anlegen. Das können einige Anwendungen zwar auch selbst, aber das klappt nicht immer. Ruft also phpMyAdmin auf und meldet euch mit den Standarddaten Nutzername "root" und Passwort "admin" an. Klickt dann auf der Startseite auf "Datenbanken". Hier gebt ihr einen beliebigen Namen ein, etwa "tiki", und lasst die Datenbank erstellen - die Voreinstellungen können allesamt so bleiben.

Ladet euch nun TikiWiki herunter und entpackt es in einen Ordner "tiki" im besagten Root-Verzeichnis. Die Standardfreigabe findet ihr unter Windows im Explorer unter "Netzwerk" und dort unterhalb eures NAS. In den meisten Fällen geht es jetzt schon in den Browser, wo die eigentliche Installation der Anwendungen abläuft.

Bei TikiWiki, und einigen anderen Tools, kommt noch ein kleiner Zwischenschritt: Wie ihr in der Datei "INSTALL" im TikiWiki-Ordner nachlesen könnt, sollt ihr noch die Datei "setup.sh" ausführen. Diese setzt ein paar Rechte und erstellt Ordner. Das ist praktisch, weil Ordnerrechte das wohl häufigste Problem bei der Installation von Web-Anwendungen sind. Um die Datei auszuführen, benötigt ihr einen Terminal auf dem NAS. Dafür könnt ihr entweder eine Secure-Shell-Verbindung (SSH) aufbauen oder die App "shellinabox" nutzen, die ihr im AppCenter findet. Öffnet den Terminal und navigiert dann in den TikiWiki-Ordner, unter QNAP etwa mit "cd /share/Web/tiki". Hier führt ihr das Skript mit dem Befehl "sh setup.sh" aus - es folgen allerlei Meldungen, die ihr einfach alle mit Return bestätigen könnt.

Jeder Ordner im Root-Verzeichnis entspricht einer aufrufbaren Adresse im Browser
Jeder Ordner im Root-Verzeichnis entspricht einer aufrufbaren Adresse im Browser

Damit sind alle Vorarbeiten geleistet und ihr könnt die TikiWiki-Installation im Browser aufrufen - die Adresse ist euch vermutlich klar: 192.168.178.20/tiki. Ab hier erwarten euch dann je nach Anwendungen unterschiedliche Installationsroutinen. In der Regel werden hier aber drei Dinge immer abgerufen: Name und Ort der Datenbank sowie Login-Daten. Als Ort funktioniert hier in aller Regel "localhost", alternativ auch 127.0.0.1, was einfach das lokale NAS (oder "diesen Rechner") meint. Den Namen habt ihr selbst vergeben und als Login funktioniert wieder root/admin. Am Ende landet ihr meistens auf einer Seite, die euch einerseits zur fertigen Anwendung weiterleitet und andererseits den Tipp gibt, das Installationsskript zu löschen.

Der Hintergrund: Einmal eingerichtet, braucht ihr das Installationsskript nicht mehr - und solltet es möglichen Angreifern nicht zu Verfügung stellen. Und damit wäre die Einrichtung auch schon abgeschlossen und die beiden Wikis sind über den Browser verfügbar.

Die Installer variieren von Tool zu Tool - sind aber fast immer selbsterklärend
Die Installer variieren von Tool zu Tool - sind aber fast immer selbsterklärend

Online gehen

Wenn eure Wikis oder sonstigen Web-Anwendungen nicht nur für euch selbst im heimische Netzwerk, sondern auch für den Rest der Welt via Internet gedacht sind, müsst ihr noch ein paar Dinge erledigen. Zum einen solltet ihr dann natürlich nicht mit dem vorgegebenen Root-Konto des SQL-Servers arbeiten, sondern extra für die Web-Anwendung ein Konto mit phpMyAdmin einrichten. Dann müsst ihr von außen über eine fixe Adresse erreichbar sein - wir zeigen euch in einem separaten Artikel, wie ihr das mit einem Dynamischen Domain Name Service (DDNS) realisiert..

Und zu guter Letzt fehlt dann noch die gute alte Portfreigabe, um Anfragen aus dem Internet auf den neu eingerichteten Webserver weiterzuleiten. Bei der Fritzbox geht das unter "Internet/Freigaben/Portfreigaben". Hier könnt ihr einfach die voreingestellte Portfreigabe "HTTP-Server" nehmen und als Ziel-Computer das NAS - und schon werden alle Webserver-Anfragen, sprich alles über Port 80, von der Fritzbox an das NAS geleitet, wo wiederum Apache darauf wartet, antworten zu dürfen.

Zum Schluss noch ein Tipp: Viele nutzen den NAS-Webserver vor allem zum Testen und Ausprobieren von Web-Anwendung. Wenn ihr aber einmal 20 Ordner in das Root-Verzeichnis gepackt habt, wird es lästig, sich die ganzen Namen zu merken und ständig im Browser eingeben zu müssen. Legt in das Root-Verzeichnis eine simple Textdatei, beispielsweise "links.htm", und ruft sie in einem Texteditor auf. Ihr benötigt hier kein komplettes Hyper-Text-Markup-Language-Gerüst (HTML) um einen Link anzulegen, sondern nur ein einfaches Snippet wie "<a href="/tiki">TikiWiki</a>".

NAS: Das müsst ihr über Netzwerkspeicher wissen
NAS: Das müsst ihr über Netzwerkspeicher wissen Thema Netzwerkspeicher, auch NAS oder NAS-Sytem genannt, dienen als Datenspeicher im Netzwerk. Jetzt lesen

Ruft 192.168.178.20/links.htm im Browser auf und ihr seht einen Link "TikiWiki", der - offensichtlich - TikiWiki öffnet. Damit habt ihr immer eine schöne einfache Übersicht über alle installierten Tools.

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