PlayStation im Eigenbau: NAS als Spielekonsole nutzen - so geht's

Steam und mehr im Wohnzimmer

von Mirco Lang
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Ein NAS-Server zum Spielen? Ist das nicht zu schwach? Von wegen - selbst ausgewachsene Blockbuster Games lassen sich flüssig auf dem Fernseher im Wohnzimmer spielen. Und dazu gibt es noch etliche Möglichkeiten, wie ihr Browser-Spiele, Arcade- und Adventure-Klassiker zocken könnt. Netzwelt zeigt euch, wie ihr euer NAS zur PlayStation ausbaut.

Ein NAS eignet sich auch als Videospielkonsole.
Ein NAS eignet sich auch als Videospielkonsole. (Quelle: belchonock/depositphotos.com)

Wer einen Netzwerkspeicher (NAS) mit HDMI-Anschluss sein Eigen nennt, kann sich die Spielekonsole sparen: Geräte wie unser Beispiel-NAS QNAP 251+ können weit mehr als nur Daten speichern - selbst aufwändige Titel laufen über das Gerät flüssig auf dem großen Fernseher. Und für kleinere Knobel- oder Arcarde-Spiele gibt es gleich mehrere Ansätze. Wenn ihr wissen wollt, wie ihr Steam zum Laufen bekommt und wie ihr noch zocken könnt, seid ihr hier richtig.

Inhaltsverzeichnis

  1. Original NAS-Spiele
  2. Webserver-Spiele
  3. Terminal-Spiele
  4. Steam installieren
  5. Steam Big Picture

Der eigentliche Hammer ist natürlich Steam im Wohnzimmer, aber zur Einstimmung gibt es erst einmal ein paar Optionen für das Spielchen zwischendurch. Von den Hersteller-eigenen Spielen für das NAS abgesehen, laufen übrigens alle Tipps auf so ziemlich allen Geräten in der Klasse um 300 Euro. Voraussetzung für TV-Ausgabe ist natürlich ein HDMI-Anschluss. Also, was genau kann ein NAS im Gaming-Bereich leisten?

Original NAS-Spiele

Supertux ist ein Super Mario Klon.
Supertux ist ein Super Mario Klon. (Quelle: Screenshot)

Im AppCenter von QNAP finden sich bisweilen auch Spiele ein. Wie es bei QNAP leider regelmäßig so ist: Mal sind sie drin, dann wieder nicht, mal für diese Hardware, mal für jene Betriebssystemversion. Manchmal findet ihr Apps auch auf den AppCenter-Seiten der QNAP-Homepage, aber nicht über die NAS-Oberfläche. Unter Umständen müsst ihr ein wenig suchen - und auch das bringt nicht viel zu Tage. Im AppCenter findet ihr derzeit scheinbar nur Supertux, den klassischen Linux-Super-Mario-Klon.

Und auch für Super Mario lässt sich im Netz noch hier und da ein QNAP-Paket finden - allerdings scheinbar kein offizielles Nintendo-Produkt, da es im AppCenter nicht mehr auftaucht. Wenn ihr eines der wenigen Spiele als App findet: Ein Klick auf Start genügt und ihr könnt im Browser zocken.

Webserver-Spiele

Das Web ist voller Browser-Spiele - und wo laufen die? Genau, auf Webservern. Wie ihr ein NAS zum Webserver macht, erklären wir euch in einem separaten Artikel. Anschließend ist es dann ganz einfach: Sucht im Netz nach Browser-Spielen, beispielsweise nach JavaScript- oder HTML5-Apps. In unserer Spielhalle findet ihr zum Beispiel ein Dutzend ordentlicher HTML5-Spiele, unter anderem (Klone von) BoulderDash, Outrun, Snake, Tetris oder Pong, die sich auch direkt im Browser testen lassen.

Die Installation fürs Heimnetz ist denkbar simpel: Nachdem ihr den Webserver aktiviert habt, kopiert ihr schlicht das entpackte Spiel in einen eigenen Ordner in den Wurzelordner des Servers; unter Windows legt QNAP diesen auch als Freigabe namens "Web" an. Ruft das Spiel anschließend im Browser über, beispielsweise, 192.168.178.20/MeinSpiel auf. Da ist zwar auch alles nur Arcade für zwischendurch, aber für fünf Minuten Ablenkung beim Arbeiten genügt es alle mal.

Terminal-Spiele

Geht es noch ein wenig nerdiger? Aber sicher: Zocken im Terminal. Zunächst benötigt ihr wieder Zugriff auf einen Terminal. Am besten erledigt ihr das mit einer Secure-Shell-Sitzung (SSH). Einfacher ist der Weg über die AppCenter-Anwendung shellinabox: Installieren, starten und schon habt ihr eine Eingabeaufforderung direkt im Browser. Noch finden sich hier aber keine Spiele, dafür braucht es noch Entware-ng.

Auch über das Terminal lässt es sich zocken.
Auch über das Terminal lässt es sich zocken. (Quelle: Screenshot)

Einmal installiert, sucht nach Spielen, beispielsweise mit "opkg list | grep game". opkg listet hier alle verfügbaren Tools auf und mit grep sucht ihr nach dem Wort "game". Hier tauchen allerlei Kandidaten auf, zum Beispiel - was für ein Wunder - wieder mal ein Tetris-Klon, hier vitetris. Versucht euer Glück einfach mal mit "opkg install vitetris" und ruft es anschließend mit "vitetris" auf. Und wenn ihr mal ganz tief in die Historie der Videospiele abtauchen wollt, probiert doch mal den Ur-Klassiker Zorg - wer noch nie ein Text-Adventure gespielt hat, hat wirklich was verpasst!

Steam installieren

Nun aber genug der frickeligen Arcade-Spielereien für Nerds, Steam bringt auch populäre Mainstream-Titel auf den Fernseher. Und wenn jetzt jemand unkt, so ein popeliger Celeron-Prozessor könne doch wohl keine Spiele betreiben und von Grafikkarte sei eh keine Spur zu finden, nun, der hat völlig recht. Aber es geht eben doch: Über Steam In-Home Streaming könnt ihr Spiele auf eurem Gaming-Rechner laufen lassen und an beliebige Geräte mit Steam-Installation streamen - und das funktioniert erstaunlicherweise ganz hervorragend, zumindest beim hiesigen Test gab es weder Ruckler noch Verzögerungen.

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NAS kaufen: Das gilt es zu beachten Einkaufsberater Preise, Features und Nutzen im Überblick Kaum noch ein Heimnetz ohne NAS: Ob reiner Speicher für 80 Euro oder komplettes Multimedia-Center für 300 Euro, ein NAS ist nützlich. Aber was sind NAS eigentlich genau? Was können sie? Und worauf sollte man beim Kauf achten? Jetzt lesen

Dafür benötigt ihr vorne weg die Linux Station. Standardmäßig gibt QNAP über den HDMI-Anschluss die HD Station aus. Diese müsst ihr durch die im AppCenter zu findende Linux Station ersetzen, die schlicht ein ganz normales Ubuntu 14 oder 16 am TV ausgibt. Kleiner Knackpunkt: Die Linux Station benötigt mindestens 4 Gigabyte Arbeitsspeicher - Käufer der günstigen 2-Gigabyte-Variante müssen entsprechend aufrüsten (30 Euro und 10 Minuten schrauben). Nach der Installation ruft ihr die Einstellungen auf und installiert eines der drei vorgegebenen Linuxe, vorzugsweise das normale Ubuntu 16, wenn es nicht läuft, tut es aber auch die ältere Langzeit-Support-Version Ubuntu 14.04 LTS.

Meldet euch mit den normalen NAS-Login-Daten an, ruft einen Terminal auf und aktualisiert zunächst die Paketquellen mit "sudo apt-get update". Startet dann die Installatin von Steam mit "sudo apt-get install -y steam" - das "-y" sorgt dafür, dass Fragen automatisch mit Yes beantwortet werden. Natürlich ließe sich Steam auch über Ubuntus Software-Center einrichten, aber zumindest hier wollte das nicht funktionieren, da irgendwelche Bibliotheken nicht korrekt installiert wurden.

Steam Big Picture

Jetzt geht es endlich ans Zocken: Startet Steam auf eurem Gaming-Rechner, der selbstverständlich im selben Netz wie das NAS hängen muss, und dem NAS. Am besten stellt ihr direkt auf den Big-Picture-Modus um, damit Steam einfacher zu bedienen und für TV-Ausgabe optimiert ist. Ihr seht wie gewohnt eure Spielebibliothek. Wählt ihr nun einen Titel aus, könntet ihr ihn lokal installieren, sofern es eine Linux-Version gibt - allerdings ist ein NAS nun wirklich zu schwach, um hier irgendetwas reißen zu können, also lasst das lieber. Aber die Titel lassen sich eben auch streamen, was euch Steam auch direkt mitteilt, sobald eine andere Steam-Installation gefunden wurde.

Endlich modernes Gaming im Wohnzimmer dank Steam In-Home Streaming.
Endlich modernes Gaming im Wohnzimmer dank Steam In-Home Streaming. (Quelle: Screenshot)

Letztlich macht Steam In-Home Streaming nichts weiter, als den gesamten Windows-Desktop zu streamen. Bisweilen seht ihr auch Taskleiste & Co., wenn ein Spiel gestartet wird. Es kann immer wieder mal vorkommen, dass das Streaming nicht ohne weiteres klappt, etwa wenn Steam erst noch Spiele-Manager von Drittanbietern startet, etwa Uplay für die FarCry-Titel. Auch die Bildqualität ist nicht hundertprozentig wie beim lokalen Spiel auf dem Computermonitor, aber immer noch ziemlich gut. Das ganze Setup ist sicherlich nur ein leidlicher Ersatz für eine echte Konsole, aber wer eher gelegentlich auch mal im Wohnzimmer zocken will, dürfte damit völlig zufrieden sein.

Falls sich euch die Gamepad-Frage stellt: Ein Gamepad lässt sich häufig direkt am NAS betreiben. Wenn das nicht geht, etwa aus Mangel an Linux-Treibern, bleiben zwei Optionen: Entweder ihr schließt es am Gaming-Rechner an, schließlich läuft das gestreamte Spiel auch hier (!), was natürlich nur geht, wenn die Basisstation vom Gamepad und das NAS in Empfangsreichweite laufen. Oder ihr konfiguriert das NAS als Universal-Serial-Bus-Server (USB). Damit schließt ihr das Gamepad zwar physisch am NAS an, aber das Signal wird zum Gaming-Rechner durchgeschleift - Problem gelöst. Wie das mit dem USB-Server funktioniert, zeigen wir euch im Artikel "NAS als USB-Server im LAN nutzen: So geht's"

Übrigens: Mit Nvidia Shield TV gibt es auch eine Luxus-Alternative zum Steam-Streaming über das NAS - mit rund 220 Euro nicht ganz günstig, läuft hier zumindest alles flüssig, einfach und mit einem sehr guten Gamepad. Wer eine Alternative zur Spielekonsole sucht, sollte sich das Gerät mal anschauen.

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Informationen zum Artikel

Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten Gaming, Konsole, Heimnetzwerk und NAS versehen.

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