Im Test: Samsung NV7

Gelingt der Spagat zwischen Kompakt- und Bridgekamera?

von Tobias Heinze

Fotografen, die bereits eine umfangreiche Ausrüstung besitzen, suchen häufig eine kompakte Lösung für den schnellen Einsatz zwischendurch. Jedoch sollte die Kamera dann aber auch ausreichend Möglichkeiten bieten, um die hohen Ansprüche eines Fortgeschrittenen zu erfüllen. Die NV7 von Samsung könnte diese Lösung darstellen. Netzwelt zeigt, ob die Kamera hält, was sie verspricht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Erster Eindruck und Design
  2. Technik
  3. Einstellungen
  4. Fotografieren
  5. Fazit

Erster Eindruck und Design

Ganz schön groß wirkt das Objektiv der Samsung NV7 OPS, wenn man die Kamera das erste Mal sieht. In die Hand genommen, ist dieser Fakt jedoch schnell vergessen, da die Kamera hervorragend in der Hand liegt. Durch das etwas größere Objektiv ist die NV7 sehr gut ausbalanciert und das Gehäuse fühlt sich angenehm hochwertig an. Kühles Metall umgibt die Optik und bietet Griff für die linke Hand zur Unterstützung der Kamerahaltung.

Für die rechte Hand, vor allem für den Daumen, scheinen die Bedienelemente am passenden Platz, lediglich das Moduswählrad wirkt etwas schwergängig. Die gesamte NV-Serie von Samsung, NV steht für New View, besticht durch die Verwendung hochwertiger Materialien und durch ein innovatives Design. Die NV7 ist davon natürlich nicht ausgeschlossen und hinterlässt einen viel versprechenden ersten Eindruck.

Technik

7,2 Megapixel Auflösung schafft die Samsung und bietet mit einem siebenfach-optischen Zoom viel Spielraum bei der Bildausschnittswahl. Die 38 bis 270 Millimeter Brennweite werden bei einer Lichtstärke von 2,8 bis 4,0 realisiert. Mit nur einem Zentimeter Naheinstellgrenze sind Makroaufnahmen in angenehmer Vergrößerung möglich. Der interne Speicher ist mit 19 Megabyte nicht wirklich groß, erweitert werden kann der Speicher mit SD-Speicherkarten bis zwei Gigabyte Kapazität. Das 2,5 Zoll große Display bietet 230.000 Pixel Auflösung und ist auch aus ungünstigen Betrachtungswinkeln noch gut abzulesen.

An der rechten und der Unterseite des Displays befinden sich die Bedienelemente für das Touch-and-Click-Bedienkonzept der NV7. Diese Tasten sind berührungsempfindlich und sind einerseits herkömmliche Tasten, agieren aber in ihrer Gesamtheit zusätzlich als eine Art Touchpad, vergleichbar mit dem eines Notebooks. Ein Knopfdruck öffnet einen bestimmten Menüpunkt, der dann durch vertikales oder horizontales Streichen über die Tastenfelder eingestellt werden kann. Die Bestätigung der Auswahl erfolgt dann wiederum durch einen Tastendruck.

Energie bezieht die Kamera aus einem Lithium-Ionen-Akku, der für etwa 250 Fotos aushält. Geladen wird dieser in der Kamera selbst; eine Dock-Station, wie sie bei der NV10 schon mitgeliefert wird, gehört nicht zum Lieferumfang der NV7. Die Blitzreichweite beträgt in Weitwinkelstellung bis zu 5,8 Meter. Wer ohne Blitz natürliche Lichtstimmungen einfangen möchte, wird dabei von zwei Systemen zur Bildstabilisierung unterstützt.

Ein mechanisches System beschert der NV7 ihren Namenszusatz OPS, der für "Optical Picture Stabilization" steht. Dabei wird der Sensor der Kamera entsprechend gegensätzlich zu Verwacklungen bewegt, um diese zu neutralisieren. Ein zweites System nennt Samsung ASR (Advanced Shake Reduction), das aus zwei kurz hintereinander aufgenommenen Fotos ein optimiertes Bild errechnen kann. Beide Systeme sollen den Fotografen in lichtschwachen Situationen unterstützen.

Einstellungen

Über das große Wählrad der Kamera stehen verschiedene Betriebsmodi zur Auswahl. Neben der Voll- und Programmautomatik findet der Nutzer reichlich Motivprogramme und eine Stabilisierungsautomatik, die besonders für das blitzfreie Fotografieren bei wenig Licht gedacht ist. Hier gilt die Devise "Modus wählen und sorgenfrei Knipsen", denn die Automatik unterstützt gerade den unerfahrenen Benutzer besonders gut. Wer sich jedoch schon besser auskennt, schätzt die vielfältigen manuellen Einstellmöglichkeiten bei der NV7.

Jedem Menüpunkt auf dem Display ist modusabhängig eine Taste aus dem berührungssensitiven Bedienfeld zugeordnet.
Jedem Menüpunkt auf dem Display ist modusabhängig eine Taste aus dem berührungssensitiven Bedienfeld zugeordnet.

Im Modus ASM können Blende, 2,8 bis 7,3, und Verschlusszeit, 1/1500 bis 15 Sekunden, frei gewählt werden. Dazu ist ein manueller Fokus und Weißabgleich möglich. Als Belichtungsmessarten stehen drei verschiedene Methoden zur Verfügung. Spot-, Mittenbetont- und Mehrfeldmessung sollen jegliche Situation meistern. Die Bildschärfe lässt sich in drei Stufen einstellen. Leider fehlt eine Blenden- oder Verschlusszeitenautomatik, in der der Nutzer einen der beiden Parameter bestimmt und die Kamera den anderen passend für eine richtige Belichtung selber wählt.

Dafür entschädigt das Touch-and-Click-Bedienkonzept, das Einstellungen an der Kamera schnell und einfach gelingen lässt. Zahlreiche Farbeffekte, wie etwa Sepia- oder Schwarz-Weiß-Tonung des Bildes, sowie einige verspielte Bilderrahmen, die man bislang eher von Mobiltelefonen mit Fotofunktion kannte, erweitern die kreativen Möglichkeiten mit der Kamera. Dazu bietet eine Montagefunktion eine Option, um mehrere Bilder in interessanten Anordnungen nebeneinander oder übereinander in einer Bilddatei aufzunehmen.

So funktionieren die meisten Einstellungen an der NV7. Ein Tastendruck öffnet das Menü, eine sanfte Fahrt über die gesamten Tasten ermöglicht die Auswahl einer Einstellung und ein finaler Tastendruck bestätigt die Wahl.
So funktionieren die meisten Einstellungen an der NV7. Ein Tastendruck öffnet das Menü, eine sanfte Fahrt über die gesamten Tasten ermöglicht die Auswahl einer Einstellung und ein finaler Tastendruck bestätigt die Wahl.

Animierte Gif-Dateien lassen sich aus Einzelbildern erstellen und landen fertig auf der Speicherkarte. Freunde des bewegten Bildes können Filme mit 30 oder 15 Bildern pro Sekunde in 640 x 480 oder 320 x 240 Pixeln aufzeichnen. Der MPEG4-Codec sorgt dabei für Platz sparendes Filmen. Die ISO-Empfindlichkeit lässt sich manuell von ISO 100 bis ISO 1000 anwählen. Ein Serienbildmodus liefert bei voller Sieben-Megapixel-Auflösung eine Geschwindigkeit von einem Bild pro Sekunde, bis die Speicherkarte voll ist.

Drei Bilder in einer Sekunde nimmt Serienmodus zwei auf, danach muss jedoch ein kleiner Moment pausiert werden, bis weitere Aufnahmen möglich sind. Serienbildmodus Nummer drei schießt Fotos in einer auf einen Megapixel reduzierten Auflösung mit etwa zehn Bildern pro Sekunde. Ideal für Bewegungsstudien beim Sport oder das Erstellen von Gif-Animationen direkt in der Kamera. Das Wiedergabemenü liefert die übliche Standardausstattung für Diashows und das nachträgliche Bearbeiten von Fotos. So können Bilder in der Auflösung runtergerechnet werden, neu beschnitten oder coloriert werden. Die Diashow bietet diverse Überblendungen und lässt sich in Bildwechselzeit und Dauer konfigurieren.

Fotografieren

Knapp zwei Sekunden vergehen und die NV7 ist einsatzbereit. Die Fokussiergeschwindigkeit ist angenehm hoch, etwa eine halbe Sekunde benötigt der Autofokus maximal. In lichtschwachen Situationen kommt ein Autofokushilfslicht zum Einsatz, das grenzwertig hell ist. Es stört aber nicht so stark, wie das der Sony DSC T10 zum Beispiel. Der Fokussiervorgang ist in lichtschwacher Umgebung ausreichend schnell. Hier macht sich die hohe Lichtstärke der Schneider-Kreuznach-Optik positiv bemerkbar. Eine Auslöseverzögerung im fokussierten Zustand ist nicht spürbar. Die NV7 ist als absolut schnappschusstauglich zu bewerten.

Die Bildverarbeitungszeit ist erfreulich kurz und so kann der Fotograf nach einer guten Sekunde jeweils ein weiteres Foto aufnehmen. Lediglich im ASR-Modus, dem elektronischen Verwacklungsschutz, benötigt die Kamera etwa drei Sekunden, damit das optimierte Foto berechnet werden kann. Die optische Bildstabilisierung funktioniert erwartungsgemäß gut und ermöglichte im Test zum Beispiel einwandfreie Aufnahmen bei 200 Millimeter Telestellung mit einer Verschlusszeit von 1/50 Sekunde. Zwei Belichtungsstufen kann die Bildstabilisierung ausgleichen, wenn es sich nicht um bewegte Motive handelt.

Leider ist der Bildstabilisator, besonders im daueraktiven Modus, durch ein deutlich hörbares Summen zu stark bemerkbar. Das kann empfindliche Fotografen auf Dauer ein wenig nerven, gerade wenn man häufig in Kirchen oder anderen ruhigen Umgebungen fotografiert. Das Display ist stets gut abzulesen und fällt durch einen angenehm großen Betrachtungswinkel auf. Die Displayhelligkeit lässt sich nach Wunsch einstellen. Einstellen ist das Stichwort für die Touch-and-Click-Bedienung der Kamera, die überzeugen kann. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase fragt man sich nur zu gerne, was sich alles an der Kamera verstellen lässt.

Ein Tastendruck öffnet ein Menü und die Daumen gleiten sanft über die berührungsempfindlichen Tastenreihen, um die Auswahl vorzunehmen. Eine Belichtungskorrektur zum Beispiel führt der Benutzer um plus oder minus zwei Stufen aus, indem er in Richtung der gewünschten Korrektur über die Tastenreihe streicht. Eine elegante und clevere Lösung, die zudem auch noch schnell erledigt ist. Einziges Manko: Die Bedienung streikt, wenn Handschuhe die Finger bei kaltem Wetter schützen. Das Blitzlicht, das durch seine Positionierung auf der Kamera, weit weg von der Optik, in Testfotos keine roten Augen verursachte, überzeugte im Test. Es ist angenehm leistungsstark und kann eine wirkliche Bereicherung sein.

Kann die Samsung NV7 aber wirklich eine Kompaktkamera sein, die den hohen Ansprüchen erfahrener Fotografen gerecht wird? Leider fehlen der Kamera einige Merkmale, die dazu nötig wären. So ist eine manuelle Schärfeeinstellung nicht über ein mechanische Lösung möglich. Viele Klassenkonkurrenten bieten einen Scharfstellring an der Optik bereits. Dazu sind 38 Millimeter für Weitwinkelfans nicht brauchbar, auch wenn der große Zoombereich bis 270 Millimeter ein wenig entschädigen kann. Das Fehlen der Blenden- und Zeitautomatik ist nur schwer zu verstehen.

Gerade spontane Situationen sind nur zu fotografieren, wenn der Fotograf schnell reagieren kann und nach kurzer Zeit einsatzbereit ist. Wer zu der nötigen Verschlusszeit dann erst noch die passende Blende anwählen muss, hat die Situation in der Regel verpasst. Die Zielgruppe, die die NV7 ansprechen soll, fotografiert hin und wieder auch gerne mit Stativ. Die Samsung hat zwar ein Stativgewinde, jedoch ist die untere Tastenreihe des Touch-and-Click-Systems kaum mehr zu bedienen, wenn die Kamera erst einmal auf das Stativ geschraubt ist. In der bloßen Hand ist die NV7 wohl am besten aufgehoben.

Testbilder Samsung NV7

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Der ASR-Modus der NV7 arbeitet ähnlich dem Antishake DSP von Casio eine Bildstabilisierung auf Kosten der Bildqualität aus. Immerhin realisierte das System eine Verschlusszeit von 1/15 Sekunde aus der Hand, die Qualität leidet jedoch stark. Bei Langzeitbelichtungen fällt auf, dass die Kamera Schwierigkeiten mit hellen Lichtquellen hat. Diese werden nicht überzeugend abgelichtet. Die Tageslichtaufnahmen zeigen stets leichtes Farbrauschen, überzeugen aber in Schärfe und Farbwiedergabe. Hohe ISO-Werte werden für die Kompaktkameraklasse gut ermöglicht, kommen an die Ergebnisse von Bridgemodellen der Konkurrenz jedoch nicht heran.

Fazit

Das gesteckte Ziel war hoch und das Vorhaben ein wirklich viel versprechendes. Jedoch kann die Samsung NV7 die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Es bleiben einfach zu viele Dinge, die das Gerät eher in die Kompaktklasse als in die leistungsstärkere Bridgeklasse einordnen. Pluspunkte sind ganz klar die lichtstarke Optik und das Blitzlicht, dazu die Verarbeitung und die angenehme Geschwindigkeit. Die Bedienung ist innovativ und macht Spaß.

Doch beim wichtigsten, der Bildqualität, erhält die NV7, ähnlich wie die NV10, klare Abzüge. Hier entstehen im Vergleich zur Klassenkonkurrenz nur befriedigende Bildergebnisse. In der Gesamtheit ist die NV7 eine überzeugende Kompaktkamera, die für Zoomfans und Freunde des Extravaganten eine Empfehlung wert ist. Wer jedoch höhere Ansprüche an Bildqualität und Leistung hat, greift zu deutlich größeren, aber dafür auch leistungsstärkeren Modellen der Konkurrenz.

Samsung NV7
9
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