Nokia N800 im Test: Das Wohnzimmer-Daumenkino

Ohne Mobilfunkeinheit: Ein Freund des klassischen Couch-Potatoes

von Maximilian Schmitz

Der nur mäßige Erfolg des 770 Internet-Tablets hat Nokia nicht davon abgehalten, das Konzept mit dem N800 erneut aufzunehmen, das Betriebsystem weiter zu verfeinern und der angegrauten Surf-Maschine nicht nur frische Farbe, sondern eine optische Radikal-Kur zu verpassen. Zahlreiche Assistenten greifen dem Nutzer unter die Arme und machen die Inbetriebnahme zu einem Kinderspiel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Gutes Display mit leichten Schwächen in der Helligkeitsverteilung
  2. Funktioneller und optisch attraktiver Startbildschirm
  3. Daumen oder Stift? Der schlaue Touchscreen weiß Bescheid
  4. Verbindungsstrapazen adé
  5. Surfen fast wie zu Hause
  6. Elektronischer Briefverkehr inbegriffen
  7. Aufrüstbar: Maximal vier Gigabyte im preiswerten SD-Format
  8. Erst Skype wird dem N800 zum Durchbruch verhelfen

Metall findet sich zwar nicht mehr auf der Liste der verwendeten Werkstoffe, trotzdem ist das Nokia N800 gut verarbeitet und versprüht durch die klare Formgebung schlichte Eleganz. Dazu trägt der rundherum geführte verspiegelte Rahmen genauso viel bei wie die gekonnt in Szene gesetzte Lochmaske, unter der sich gut klingende Stereolautsprecher verbergen.

Aufgeräumter Startbildschirm, eingebettet in eine elegante Erscheinung.
Aufgeräumter Startbildschirm, eingebettet in eine elegante Erscheinung.

Sobald der Blick hinter die Front schweift, ist es vorbei mit der Schwärmerei. Jetzt dominiert nur noch schwarzer Kunstoff. Der große Akkudeckel muss sich negative Kritik gefallen lassen: Er sitzt einen Tick zu locker und will so gar nicht zur sonst exzellenten und bombenfesten Gehäuseverarbeitung passen. Mit einem schönen Rücken zu entzücken ist aber auch nicht die Hauptaufgabe eines Internet-Tablets.

Gutes Display mit leichten Schwächen in der Helligkeitsverteilung

Das circa 51 Quadratzentimeter große und kontraststarke Display verwöhnt, dank einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln, mit einer gestochen scharfen Darstellung. Die Hintergrundbeleuchtung ist stark genug, um auch in hell beleuchteten Räumen die Oberhand zu behalten. Zum rechten Rand hin fällt die Helligkeit jedoch merklich ab. Dessen ungeachtet empfiehlt sich aus zwei Gründen eine Schutzfolie: Zum einen können entsprechende Folien das Display wohltuend entspiegeln. Zum anderen erhält die sehr dünne Displayschicht, die schon auf geringen Druck mit dunklen Verfärbungen reagiert, zusätzlich Stabilität.

Verantwortlich für die Menüoberfläche ist das auf Linux basierende Betriebssystem "Internet Tablet 2007". Oberstes erklärtes Ziel: Schneller Abruf der am häufigsten benötigten Applikationen und Einstellungen. Den Programmierern ist dieser Auftrag gut gelungen. Die obere Statusleiste zeigt insgesamt sieben Einträge, vom Wecker bis zum Verbindungsstatus. Alle lassen sich je nach Belieben frei anordnen, aktivieren oder deaktivieren.

Der links vertikal befindliche Task-Navigator verpflichtet sich den Haupttugenden Internet und E-Mail. Er enthält weiterhin den Task-Manager sowie den Hauptmenübutton. Letzterer öffnet, ähnlich wie bei einem PC, eine Kombination aus Registern und Drop-down-Menüs. Die einzelnen Einträge dürfen verschoben und in eigens kreierte Ordner umsortiert werden. Der Personalisierung sind also kaum Grenzen gesetzt.

Funktioneller und optisch attraktiver Startbildschirm

Auch optisch stellt sich das Nokia N800 ganz auf die Wünsche des Nutzers ein. Mit Hilfe von Themen und Hintergrundbildern schafft man sich seine ganz eigene Wohlfühlatmosphäre. Die von Apple-Usern schon lang geschätzten so genannten Widgets erfreuen sich steigender Beliebtheit. Grund genug, dass das N800 von Haus aus sechs dieser Widgets mitbringt und damit den Startbildschirm nicht nur optisch, sondern vor allem auch funktionell aufwertet.

Getreu der scheinbar grenzenlosen Personalisierung lassen sich die kleinen Applikationen frei anordnen. So steht beispielsweise unten rechts eine kleine Eingabemaske bereit, die zu den besten Suchergebnissen von Google führt. Der unten links befindliche RSS-Reader zeigt auf einen Blick die neuesten Meldungen. Eine musikalische Begleitung ist nur ein Stifthieb auf das Web-Radio-Applet oben rechts entfernt. Was, wo und in welcher Fenstergröße erscheint, bleibt freilich dem Nutzer überlassen.

Daumen oder Stift? Der schlaue Touchscreen weiß Bescheid

Dass ein Touchscreen auch mal gerne mit den Fingern bedient wird, stößt Putzteufeln sauer auf, ist aber bittere Realität. Einzig die Menüsymbole müssen schlicht die entsprechende Größe haben, damit Daumeneingaben überhaupt gelingen. Für ein überschaubares und gezieltes Navigieren per Stift sind daumengerechte Symbole jedoch eher hinderlich. Diesem Zwiespalt entgegnet Nokia mit einer raffinierten List.

Der schlaue Touchscreen erkennt automatisch, ob dort ein Finger oder ein Stift den Bildschirm berührt. Dementsprechend öffnen sich große oder kleine Symbole. Im Test ließ sich der mitdenkende Screen nicht austricksen. Auch wenn der Fingernagel zum Einsatz kam, interpretierte der Nokianer die Eingabemethode richtig. In weiten Teilen lässt sich das N800 aber auch mittels der links vom Display vorhandenen Tasten steuern. Darunter befinden sich in Reihe: ein Zurück-Schalter, eine Options-Taste, die immer die verfügbaren Einstellungen zur ausgewählten Anwendung anzeigt, und zuletzt der direkte Weg zum Task-Manager.

Spätestens im Texteingabemodus kommt der Touchscreen wieder zum Einsatz. Hier entscheidet das N800 ebenfalls selbstätig, welche Größe die virtuelle Tastatur annimmt. Fällt die Entscheidung zugunsten der Finger, tippt es sich am angenehmsten mit dem so genannten Zwei-Daumen-Prinzip, bei dem man das Internet-Tablet wie ein Lenkrad hält. Die virtuelle Tastatur im Großformat spricht sicher an, nur der fehlende Druckpunkt ist nicht jedermanns Sache. Zu Anfang ist die akkustische Untermalung eine gute Unterstützung. Sie gibt Gewissheit, die Tasten getroffen zu haben.

Verbindungsstrapazen adé

Wenn es innerlich trällert: "Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich" bestätigt sich, dass das N800 kein Mobiltelefon ist. Bedauerlicherweise erschwert dies den mobilen Abruf von E-Mails oder Informationen über das Mobilfunknetz. Denn nicht überall ist ein WLAN-Netz verfügbar. Nokia schafft Abhilfe und lädt gleich zu Beginn zu einem vierschrittigen Installationsassistenten ein, dessen Ziel es ist, ein geeignetes Daten-Handy per Bluetooth einzubinden.

Wir nehmen die Einladung an: Der Assistent erkennt automatisch das benachbarte Handy und führt im nächsten Schritt eine Bluetooth-Kopplung durch. Dann folgt die Auswahl aus unzähligen verfügbaren Interneteinstellungen der unterschiedlichsten Netzbetreiber. Vor nicht allzu langer Zeit galt es, komplizierte Einstellungen vorzunehmen. Das Vorhaben endetete oft ohne Ergebnis - mal von der wirren Frisur abgesehen. Die Zeiten sind vorbei. In wenigen Minuten ist das Internet-Tablet einsatzbereit.

Surfen fast wie zu Hause

Der von Opera beigesteuerte Internet-Browser blockiert Pop-Ups, speichert Kennwörter, Bilder und sogar ganze Websites. Ferner unterstützt er Plug-Ins, verfügt über einen Downloadmanager und zeigt Flash-Inhalte an. Bleibt die Frage, was das Surfen von zu Hause unterscheidet. Die Antwort lautet: fast nichts. Der Browser öffnete anstandslos alle getesteten Internetseiten mit einer zufriedenstellenden Geschwindigkeit. Die breite Ausrichtung des Displays macht Querscrollen überflüssig und der verfügbare Vollbildmodus nutzt diese Architektur voll aus.

Besonders komfortabel, wie auch schon bei Operas Browser im Sony Ericsson P990i, fährt man mit dem Daumen fort. Finger auflegen, unter anhaltendem Druck in die gewünschte Richtung führen, schon folgt die Internetseite brav der Richtungsansage und auch der angelegten Blättergeschwindigkeit. Bei zu schnellem Blättern neigt der Inhalt zum Ruckeln. Die Internetseite bleibt aber stets beherrschbar und driftet nicht etwa unkontrollierbar in alle Richtungen.

Elektronischer Briefverkehr inbegriffen

Was nützen alle Informationen dieser Welt, wenn persönliche Nachrichten von Freunden und Bekannten außen vor bleiben? Ebenso für den geschäftlichen Austausch kann das Nokia N800 mit einem E-Mail-Klienten dienen. Bei der Einrichtung eines E-Mail-Kontos steht der passend benannte "Kontoeinrichtungsassistent" zur Seite. So muss der Nutzer nur die entsprechenden Daten mitbingen, den Rest erledigt der freundliche Assistent.

Das Postfach verwöhnt mit vielen Funktionen wie man sie auch vom heimischen Computer kennt. Auf Wunsch haftet jeder E-Mail eine persönliche Signatur an. Die Schriftart lässt sich von verspielt bis klassisch, je nach Empfänger, anpassen. Einem E-Mail-Archiv steht nichts im Wege - die praktische Such-Funktion fischt stets den abverlangten Schriftverkehr heraus. Das Programm empfängt Anhänge bis zu einer frei wählbaren Größe. Die Anzeige von Word- und Excel- Dokumenten beherrscht das N800 nicht, nur ein PDF-Reader ist im Auslieferungszustand mit an Bord.

Aufrüstbar: Maximal vier Gigabyte im preiswerten SD-Format

Mit gleich zwei Speicherkarteneinschüben, im preiswerten SD-Format, eignet sich das N800 auch als multimedialer Alleinunterhalter. Jeder Schacht verkraftet maximal zwei Gigabyte, hinzukommen 256 Megabyte interner Speicher. Bei voller Ausreizung ist genügend Platz für Musik, Fotos und Filme. Der Media-Player spielt alle gängigen Audio-Formate in Stereo und verfügt über einen erstaunlich ausgeglichenen Frequenzgang - obgleich kein Equalizer integriert ist.

Der Lautstärke-Regler landete im Test nur selten im Anschlag, so kräftig tönt es aus den Kopfhörern, die ohne Umwege per 3,5 Millimeter-Klinke Anschluss finden. Videos flimmern unter anderem im MPEG4 und AVI-Format über das Display. Das vorinstallierte Demo-Video im AVI-Format lieferte bis in die Ecken scharfe Bilder. Die Bildqualität kann locker mit dem Gros der erhältlichen Video-Player mithalten.

Von der Seite betrachtet: Schlank und standfest.
Von der Seite betrachtet: Schlank und standfest.

In WLAN-Netzen ist das N800 befähigt, Gespräche über VoIP abzusetzen. Jabber und Google Talk sind vorinstalliert und dienen auch als Chat-Tool. Die beiden Messenger sind allerdings nicht sonderlich verbreitet. Mit Spannung erwarten Nutzer die von Nokia versprochene Implementierung von Skype. Dank der versenkbaren VGA-Kamera sind selbst Videotelefonate nicht ausgeschlossen. Dabei muss das mit 209 Gramm schwer beladene Tablett nicht in der Hand gehalten werden. Ein rückseitiger Ständer stellt das N800 bequem und stabil auf eigene Beine.

Das Betriebssystem erweist sich ähnlich standfest, es sind keine Hänger und keine Abstürze zu beklagen. Zudem arbeitet das Internet Tablet recht flott. In 30 Sekunden ist das System hochgefahren. Beim Abruf von Anwendungen bleiben einige Warten-Hinweise zwar nicht aus, die erforderliche Geduld bleibt aber in einem erträglichen Rahmen.

Erst Skype wird dem N800 zum Durchbruch verhelfen

Für circa 400 Euro erhält der geneigte Käufer ein hübsch anzusehendes Internet-Tablet, das sich, mittels eines Navigation-Kit von Nokia, auch zum Navigationssystem ausbauen lässt. Der komplette Lieferumfang mit Stereokopfhörer, Datenkabel und Tasche, stimmt ebenfalls gnädig. Nur das die Hintergrundbeleuchtung sich nicht zur dauernden Aktivität bewegen lässt, will nicht zu einem Mini-PC passen. Auf kurz oder lang können eventuell Programme helfen, die sich dank dem offenen Betriebssystem Linux problemlos nachinstallieren lassen.

Die dahingehenden Fähigkeiten zeigt bereits das nachinstallierte FM-Radio, welches gute Dienste leistet. Die Hardware ist zu vielem im Stande, ohne Software unterscheidet sie sich aber nur wenig von einem Briefbeschwerer. Erst das weit verbreitete Chat- und Internettelefonie-Tool Skype kann dem N800 zum Durchbruch verhelfen. Bis heute konnte Nokia keinen Veröffentlichungstermin nennen. Bleibt zu hoffen, dass der Marktführer keine leere Versprechungen gemacht hat und das beliebte Programm möglichst schnell hinterherschießt.

Nokia N800

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