Erfolgsverwöhnt: Canon Ixus 75 im Test

Traditionelles Design trifft neue Technik

von Tobias Heinze

Die Ixus-Kameras von Canon brauchen keine Vorstellung, gehört die Kameraserie doch zu den meistverkauften überhaupt. Neuster Sprössling ist die Digital Ixus 75, die mit riesigem Display und leistungsfähigerem Bildprozessor für anhaltenden Erfolg sorgen soll. Ob sie das Zeug dazu hat, erfahren Sie im netzwelt-Test.

Hochwertige Verarbeitung, innovative Technologien und faszinierende Erscheinungen: So beschreibt Canon die eigenen Kameras aus der kompakten Ixus-Klasse. Der Erfolg gibt Canon Recht und auch die neuesten Ixus-Modelle streben dem Verkaufsstart mit hohen Erwartungen entgegen. Für netzwelt aber kein Grund, die aktuelle Drei-Zoll-Ixus nicht auch aufs Genauste zu prüfen.

Erster Eindruck und Design

Wer eine alte Ixus aus APS-Zeiten besitzt, also als noch mit Film fotografiert wurde, hat nach dem Auspacken bei der Digital Ixus 75 ein klares Déjà-vu. Das Design der Kamera ist mit einer Mischung aus Schwarz und Silber stark an das der alten Kameragenerationen angelehnt. Die gesamte Objektiveinheit und die Rückseite sind von Schwarz umhüllt und ergeben mit der metallenen Front eine edle Gesamterscheinung.

Die Verarbeitung wirkt insgesamt gewohnt solide, lediglich die Akkufachabdeckung ist aus leichtem Kunststoff. Die Bedienelemente sind gut zu erreichen und geben eine klare Rückmeldung bei der Betätigung. Neu ist eine Taste, die den Wechsel in den Wiedergabemodus direkt ermöglicht, ohne dass der Schieber betätigt werden muss. Im Vergleich zur Vorgängerin, der Ixus 65, sind sonst keine neuen Bedienelemente dazugekommen. Die neue Ixus bietet dafür ein klares Plus bei den inneren Werten.

Technik

Canon Digital Ixus 75
Canon Digital Ixus 75

Ein Hingucker ist das drei Zoll große Display auf der Rückseite mit 230.000 Pixeln Auflösung. Das neue Pure Color Display soll nun noch intensivere Farben und eine verbesserte Ablesbarkeit ermöglichen. Dazu ist es speziell beschichtet, um Reflexionen zu vermeiden und besser vor Kratzern geschützt zu sein. Die Fotos, die das Display zeigt, können mit einer maximalen Auflösung von 7,1 Megapixeln geschossen werden. Das dreifache Zoomobjektiv deckt 35 bis 105 Millimeter ab und ist mit einer Blende von 2,8 bis 4,9 angenehm lichtstark.

Stellt sich dem netzwelt-Test: die Canon Digital Ixus 75. Drei Zoll Display, Gesichtserkennung und vieles mehr laden zum Fotografieren ein.

Mit drei Zentimetern Naheinstellgrenze ist die Ixus sehr gut für Makroaufnahmen geeignet. Durch die hohe Auflösung kommen Details ebenfalls gut zur Geltung. Die Stromversorgung übernimmt der gleiche Lithium-Ionen-Akku wie bei der Vorgängerin, der für etwa 160 Bilder reicht. Auch die Speicherkarte ist vom gleichen Format, nur das nun auch SDHC-Karten zum Einsatz kommen können, um bei längeren Ausflügen für das extra-lange Fotovergnügen zu sorgen. Die Blitzreichweite von 3,5 Metern ist für Innenräume sicher ausreichend, trotzdem ein wenig schwach.

Wer lieber ohne Blitz unterwegs ist, wird über die ISO-Erweiterung bis ISO 1600 erfreut sein. Diese ist durch den neuen DIGIC III-Bildprozessor möglich, der weitere Funktionen mitbringt. So etwa die automatische Retusche von roten Augen und eine Gesichtserkennung. Dazu sollen Speichervorgänge und Autofokus deutlich schneller geworden sein. Eine ISO-Automatik ist nun auch bei der Ixus-Reihe mit an Bord und sichert in Situationen mit bewegten Motiven scharfe Fotos durch ein automatisches Erhöhen der ISO-Empfindlichkeit. Die höhere ISO-Empfindlichkeit realisiert eine kürzere Verschlusszeit und sorgt so für scharfe Bildergebnisse bei bewegten Motiven.

Einstellungen

Ein kleiner Schieber auf der Oberseite des Kameragehäuses befiehlt der Ixus, in welchem Betriebsmodus sie arbeitet. Es besteht die Wahl zwischen Kamera-, Scene- und Filmmodus. In der Betriebsart Kamera gelangt der Fotograf über ein Untermenü zur Auswahl zwischen Automatik- oder manuellem Modus. Wer manuell arbeiten möchte, kann an vier Einstellungen Veränderungen vornehmen: eine Belichtungskorrektur für maximal plus oder minus zwei Stufen, verschiedene Weißabgleiche, Farbeffekte und die drei Arten der Belichtungsmessung.

Schnell gelingen im Konfigurationsmenü Korrekturen der Aufnahmeeinstellungen. Die Ixus 75 gehört zu den Schnappschusskameras und bietet leider nicht viel an manuellen Eingriffsmöglichkeiten, was sicher nicht jedem gefällt.
Schnell gelingen im Konfigurationsmenü Korrekturen der Aufnahmeeinstellungen. Die Ixus 75 gehört zu den Schnappschusskameras und bietet leider nicht viel an manuellen Eingriffsmöglichkeiten, was sicher nicht jedem gefällt.

Die Möglichkeit Blende oder Verschlusszeit frei zu wählen, wird vergeblich gesucht. Wenigstens ist die ISO-Empfindlichkeit von ISO 80 bis ISO 1600 veränderbar. Im Scenemodus stehen dem Fotografen zehn Motivprogramme zur Verfügung, die situationsabhängig für bessere Ergebnisse sorgen sollen: Es gibt Einstellungen für Porträt-, Nacht- und Innenaufnahmen sowie einen Modus, der das Fotografieren von Kindern und Haustieren besonders erfolgreich gestalten soll. Für das Ablichten von allem unter der Wasseroberfläche gibt es einen speziellen Unterwassermodus, der Farben und Belichtung optimiert.

Ein Druck der Menütaste öffnet das Hauptmenü der Kamera, das in allen Betriebsarten zugänglich ist. Schnell blättert man durch drei klar strukturierte Untermenüs und stellt die Ixus ganz nach seinem persönlichen Geschmack ein. Hier findet sich auch die Möglichkeit, die neue Gesichtserkennung der Kamera zu aktivieren und es besteht Zugriff auf die Displayhelligkeit. Zuschaltbar ist auch die Einblendung von Gitterlinien für das genaue Fotografieren von Architektur oder Landschaften und eine 3:2-Formathilfe. Mit dieser kann der Fotograf Bilder so aufnehmen, dass ein späteres Beschneiden in das traditionelle Bildformat einfacher gelingt.

Der iPod lässt grüßen: Fährt der Daumen um den Vier-Wege-Controller, öffnet sich ein Menü zum Durchblättern der Motivprogramme. In der Wiedergabe scrollt der Nutzer so seine Bildersammlung durch.
Der iPod lässt grüßen: Fährt der Daumen um den Vier-Wege-Controller, öffnet sich ein Menü zum Durchblättern der Motivprogramme. In der Wiedergabe scrollt der Nutzer so seine Bildersammlung durch.

Leider steht keine gesonderte Auflösung für das Fotografieren im 3:2-Seitenverhältnis zur Verfügung, dafür jedoch eine für die optimale Wiedergabe im 16:9-Breitbildformat. Die Ixus 75 liefert im Filmmodus eine maximale Auflösung von 640 x 480 Pixeln bei 30 Bildern pro Sekunde. Der Sportmodus für Filme mit erhöhter Bildrate schafft 60 Bilder pro Sekunde bei 320 x 240 Pixeln. Letzterer ist auf eine Gesamtlänge von drei Minuten begrenzt, der Standard-Filmmodus ist in der Laufzeit nur durch die Kapazität der Speicherkarte limitiert. Ton wird von der Ixus ebenfalls aufgezeichnet. Im Wiedergabebetrieb zeigt das drei Zoll große Display Fotos automatisch gedreht an, je nachdem, ob die Kamera im Hoch- oder Querformat gehalten wird.

Ebenfalls wie bei der Vorgängerin ist der Vier-Wege-Controller der Kamera berührungsempfindlich und blättert alle Fotos im Schnelldurchlauf durch, wenn dieser sanft mit dem Finger umfahren wird. Dazu lassen sich Ordner erstellen und Fotos auf verschiedene Arten sortieren. Zur Standardausstattung einer heutigen Digitalkamera gehört natürlich auch die Möglichkeit, Bilder in einer Diashow darzustellen. Bei der Ixus ist das mit diversen Überblendeffekten möglich und macht auf dem großen Display richtig Spaß. Der Anschluss an den Fernseher ist jedoch der bessere Weg, um die eigenen Fotos effektvoll dem Freundeskreis zu präsentieren.

Fotografieren

Einsatzbereit ist die Ixus nach nur etwa 1,5 Sekunden. Einen kurzen Moment später landet bereits das erste Foto auf der Speicherkarte. Die Kamera fokussiert innerhalb einer halben Sekunde. Im vorfokussierten Zustand löst das Gerät dann ohne spürbare Verzögerung aus. Ohne festgelegten Fokus wird ein Schnappschuss nach knapp 0,6 Sekunden aufgenommen. Foto für Foto speichert die Ixus zügig weg, die Bildfolgezeit liegt bei etwa zwei Sekunden. Der Serienbildmodus schafft laut Hersteller 1,7 Bilder pro Sekunde, was im Test bestätigt werden konnte.

Das große Display ist eine echte Bereicherung. Verbessert wurden Helligkeit und der Betrachtungswinkel. Dazu wirken Farben auf dem Bildschirm nun noch realitätsgetreuer.
Das große Display ist eine echte Bereicherung. Verbessert wurden Helligkeit und der Betrachtungswinkel. Dazu wirken Farben auf dem Bildschirm nun noch realitätsgetreuer.

Ähnlich flink gelingen auch sämtliche Einstellungen mit den Bedienelementen der Kamera, die gut mit dem rechten Daumen zu erreichen sind. Lediglich die Taste für den Wiedergabemodus ist ein wenig zu tief im Gehäuse versenkt. Der Hintergedanke dabei ist klar, aber ein versehentliches Betätigen der Taste zu verhindern, indem man sie schwer erreichbar platziert, stellt nicht ganz die optimale Lösung dar. Zoomwippe und Auslöser lassen den Fotografen durch eine deutliche Rückmeldung nicht im Unklaren über sein Handeln. Beide sind angenehm zu betätigen.

Für die schnelle Auswahl der Betriebsart zeigt der Vier-Wege-Controller ganz in iPod-Manier seine wahre Stärke. Durch ein leichtes Umfahren der Kreisform öffnet sich ein Auswahlmenü, das auf die gleiche Art und Weise durchgeblättert werden kann. Die Gesichtserkennung des neuen DIGIC III-Bildprozessors arbeitet zuverlässig und ist eine wirkliche Erleichterung. Der Fokus sucht sich zielsicher Gesichter im Bildausschnitt und markiert diese mit einem weißen Viereck. Sobald Personen jedoch zur Seite blicken, hat die Erkennung Schwierigkeiten. Im Test wurden vier Gesichter schnell erkannt und waren auf den Fotos durchgehend scharf und gut belichtet. Das gelang auch, wenn die Personen leicht hintereinander versetzt aufgestellt wurden.

Die Gesichterkennung der Canon Ixus 75 hält auch die zappeligsten Kinder im Fokus, solange diese in die Kamera schauen - eine wirkliche Hilfe für Partyschnappschüsse oder das Porträt mit zusätzlichem Landschaftsblick. Die Schärfe ist da, wo sie hingehört.
Die Gesichterkennung der Canon Ixus 75 hält auch die zappeligsten Kinder im Fokus, solange diese in die Kamera schauen - eine wirkliche Hilfe für Partyschnappschüsse oder das Porträt mit zusätzlichem Landschaftsblick. Die Schärfe ist da, wo sie hingehört.

Das Display der Canon ist auch in direktem Sonnenlicht gut ablesbar. Hier sollte die Displayhelligkeit dann aber auch auf maximale Leistung gestellt werden, was etwas an der Akkulaufzeit zerrt. Insgesamt hält der Akku jedoch ein wenig länger durch als bei der Ixus 65: Im Test lief die neue Ixus für rund 160 Fotos und etwa zehn Minuten Video. Leider meldet sich die Warnanzeige erst, wenn es fast schon zu spät ist. Bei blinkendem Batteriestand bleiben dem Fotografen zwischen zehn und zwanzig Bilder Restlaufzeit. Etwas unangenehm fiel das Fokusgeräusch der Kamera auf. Ein helles, leicht metallisches Klacken ist bei jedem Fokussieren deutlich zu hören.

In den Videoaufnahmen stört das aber nicht, da die Kamera während des Films nicht mehr nachfokussiert. Die neue High-ISO-Automatik hilft in lichtschwachen Situationen, die stimmungsecht ohne Blitzlicht aufgenommen werden sollen. Sie verändert die ISO-Empfindlichkeit auf bis zu ISO 800, um für verwacklungsfreie Fotos zu sorgen. Sinnvoll ist dies manchmal auch im Makromodus, wenn durch die starke Vergrößerung ein Verwackeln droht. Die Makrofähigkeit ist bei der Ixus 75 vollkommen überzeugend. Detailreiche und scharfe Fotos eröffnen die Welt der kleinen Dinge und sollten für lange andauernden Makrospaß sorgen.

Fazit

Die Canon Digital Ixus 75 ist eine solide Fortführung des Erfolgskonzepts Ixus. Hochwertige Verarbeitung, einfache Bedienung und sehr gute Bildqualität unter Normalbedingungen überzeugen auf ganzer Linie. Punktabzüge gibt es lediglich für die schwache Akkuleistung und die fehlenden manuellen Eingriffsmöglichkeiten. Dazu sind die Bildergebnisse in den höchsten ISO-Empfindlichkeiten noch nicht ganz zufriedenstellend.

Wer seine Fotos aber sowieso nicht größer als in 10 x 15 Zentimetern drucken lässt, der bekommt auch von ISO 800- und ISO 1600-Bildern stimmungsvolle Ergebnisse auf Papier. Wie schon beim Vorgängermodell gilt auch diesmal: Wer nicht knapp 300 Euro für die Ixus 75 ausgeben möchte, der greift zum kleineren Modell Ixus 70 und spart etwa 50 Euro, muss dafür aber auf das große Display verzichten und mit 2,5 Zoll Bildschirmdiagonale auskommen.

Canon Ixus 75: Testbilder

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Canon Ixus 75
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