Im Test: Leica Digilux 3

Kamera für Individualisten

von Tamar Z. Stern

Mit der Leica Digilux 3 hat der Fotograf das Gefühl, eine Kamera aus längst vergangenen Tagen vor Augen zu haben. So deutlich unterscheidet sich der kantige, vom Objektiv dominierte Bolide optisch von den meisten aktuellen, digitalen Spiegelreflexmodellen anderer Hersteller. Doch unter dem Edelstahlgehäuse verbergen sich keineswegs nur altmodische Features, sondern eine Mischung aus bewährten und innovativen Elementen.

Anders als die weit verbreitete Form mit dem charakteristischen Buckel des Pentaprismas hat die Digilux 3 eher die Form eines Quaders, mit elegant abgerundeten Ecken und einer wohl ausgeformten und trotzdem dezenten Griffwulst an der rechten Vorderseite. Der Strahlengang wird seitlich durch die Kamera geführt und ermöglicht so diese puristisch anmutende Formgebung. An der Vorderseite findet sich der Knopf zum Lösen des Wechselobjektivs, ansonsten fällt der Blick frei auf das lichtstarke und sehr hochwertig gearbeitete Vario-Elmarit-Objektiv, das zum Kit gehört. Auf der Rückseite zeigen sich die Bedienelemente wesentlich zahlreicher und lassen erkennen, dass die Kamera vielseitige Einstellungen ermöglicht.

Der FourThirds-Standard

Die Rückseite der Digilux 3 wird dominiert von zahlreichen Knöpfen. Dafür hat der Fotograf keine Doppelbelegungen.
Die Rückseite der Digilux 3 wird dominiert von zahlreichen Knöpfen. Dafür hat der Fotograf keine Doppelbelegungen. (Quelle: Leica)

Leica ist Mitglied im FourThirds-Konsortium, dem auch die Kamerahersteller Fuji, Kodak, Olympus, Panasonic, Sanyo und Sigma angehören. Der FourThirds-Standard wurde speziell für die digitale Fotografie entwickelt, arbeitet mit einem kleineren Bildkreis als die meisten anderen Hersteller und ermöglicht so die Konstruktion kompakter und leichter Objektive, die trotzdem hohe Lichtstärken bieten.

Durch die Standardisierung des Bajonetts und des Auflagemaßes können FourThirds-Objektive auch an Kameras eines anderen Herstellers verwendet werden, solange die Kamera dem Standard entspricht. So können an die Digilux 3 beispielsweise Objektive des Olympus E-Systems angesetzt und verwendet werden oder das Leica Vario-Elmarit der Digilux an eine Olympus E-Kamera. Die Diagonale des FourThird-Sensors ist circa halb so lang wie die Diagonale eines 35-Millimeter-Films, sodass ein Verlängerungsfaktor von 2 berücksichtigt werden muss: Eine 14-Millimeter-Brennweite resultiert in kleinbildäquivalenten 28 Millimetern.Die Ausstattung der Digilux 3

Der FourThirds Live-MOS-Sensor der Digilux 3 hat physikalische Abmessungen von 17,3 x 13 Millimetern und bietet 7,5 Millionen effektive Pixel. Das Seitenverhältnis kann vom Fotografen auf 3:2 oder 16:9 umgeschaltet werden, allerdings nur unter Verwendung des Live View auf dem Kameradisplay, da der Sucher bei Spiegelreflexkameras optisch und nicht elektronisch ist. Beim Umschalten des Seitenverhältnisses wird die Auflösung in der Höhe reduziert und resultiert in maximal 6,5 (3:2) beziehungsweise 5,5 (16:9) Megapixeln pro Aufnahme. Die Bildkomposition nimmt der Fotograf wahlweise klassisch durch den Sucher vor oder mit Hilfe eines Live-Bildes auf dem 2,5 Zoll großen LC-Monitor, der mit 207.000 Pixeln eine angemessene Auflösung hat.

Dabei sind nahezu 100 Prozent des Bildfeldes sichtbar und der Fotograf kann in diesem Modus mit Hilfe einer Abblendtaste, rechts vom Display, die Schärfentiefe überprüfen. Die Kamera lässt sich auf ganze ISO-Werte zwischen 100 und 1600 einstellen und verfügt über eine Automatik. Statt einer Filmwahl trifft der Fotograf bei der Digilux 3 die Entscheidung zwischen fünf Voreinstellungen für den Weißabgleich, kann sich auch hier einer Automatik bedienen und zwei individuelle Weißpunkte sowie eine Farbtemperatur in Grad Kelvin einstellen. Hier steht ihm eine Skala mit ungefähren Angaben je Beleuchtungssituation zur Verfügung, die akkurat arbeitet und eine praktische Hilfe ist.

Klassisches Design nicht nur für Leica-Fans. Die Digilux 3 liefert 7,5 Megapixel Auflösung und deckt mit dem Kit-Objektiv 28-100 Millimeter ab.

Im Vorfeld der Aufnahmen stellt der Fotograf den Farbraum ein, in dem die Kamera aufzeichnet. Hier hat er die Wahl zwischen dem in der Bildbearbeitung weit verbreiteten Adobe RGB und sRGB - einem gängigen Farbraum für die meisten Arbeiten am Bildschirm. Neben dem JPEG-Format bietet die Kamera auch das Aufzeichnen im RAW-Modus an. Diese Dateien sind um ein Vielfaches größer, bieten sich aber je nach Einsatz des Fotos und Schwierigkeit der Lichtsituation an, da Parameter wie der Weißabgeich und die Belichtung im Nachhinein umfangreich und nahezu verlustfrei geändert werden können.

Der Schlitzverschluss der Leica Digilux 3 liefert Verschlusszeiten zwischen 1/4000 und 60 Sekunden, im Bulb-Modus bis zu acht Minuten. Wird ein Selbstauslöser verwendet, kann der Fotograf den Vorlauf im Menü auf zwei oder zehn Sekunden festlegen. Neben einer Programmautomatik, sowie beiden Halbautomatiken und einer Programmshift-Funktion stehen dem Fotografen bei der Digilux 3 keine Motivprogramme zur Verfügung - eine konsequente Entscheidung der Ingenieure, die auch die wichtigsten Bedienelemente zur Steuerung der Belichtungsparameter, wie das Zeitenrad und den Blendenring, klassisch gehalten haben. Hier muss der Fotograf Grundkenntnisse der Fotografie mitbringen.

Das Kit-Objektiv

Das Leica D Vario-Elmarit der Digilux 3 ist gemeinsam mit Panasonic entwickelt worden und bietet flexible Bildgestaltung durch die variable Brennweite.
Das Leica D Vario-Elmarit der Digilux 3 ist gemeinsam mit Panasonic entwickelt worden und bietet flexible Bildgestaltung durch die variable Brennweite. (Quelle: Leica)

Mit dem Leica D Vario-Elmarit 1:2,8-3,5/14-50 Millimeter ASPH wird dem Fotografen ein profundes Instrument mit an die Hand gegeben. Anders als bei den meisten Sets hat dieses Objektiv eine Güte und Klasse, die der Kamera entspricht, mit der es verkauft wird. Häufig kostet eine Kit-Linse um die 100 Euro und hat keine besonders gute Abbildungsleistung. Seit einiger Zeit hat es sich etabliert, die objektivseitigen Anschlüsse an das Bajonett aus Kunststoff zu fertigen. Kit-Objektive sind häufig lichtschwach und die meisten Käufer ersetzten die Linse nach kurzer Zeit durch ein hochwertigeres Objektiv. Das Vario-Elmarit der Digilux 3 ist jedoch eine sehr rühmliche Ausnahme dieses Trends.

Es ist qualitativ hochwertig gefertigt, bietet eine Lichtstärke von f2,8 bis f3,5 und eine durchgängige Nahgrenze von 29 Zentimetern. Mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 28 bis 100 Millimetern ist es für vielerlei Einsätze geeignet. Ein weiterer Bonus: der optische Bildstabilisator. Im Objektiv ist eine Linsengruppe flexibel gelagert und kann Kamerabewegungen ausgleichen. Der Zugewinn an Belichtungszeiten durch das künstliche "ruhige Händchen" kann auf bis zu drei Blendenwerte beziffert werden. Das Objektiv ist aus 16 Linsen in zwölf Gruppen aufgebaut, von denen zwei Elemente asphärisch geschliffen sind. Die optische Leistung ist sehr gut: Hier zeigt sich die langjährige Erfahrung von Leica, die das Objektiv gemeinsam mit Panasonic entwickelten.

Bedienung

Das Menü der Digilux 3 trägt die Handschrift der Panasonic Lumix-Kameras und ist übersichtlich und gut strukturiert. Aufgeteilt in vier Karteikarten scrollt der Fotograf durch die Einstellungen. Auf dem Display werden die wichtigsten Einstellungen angezeigt und auch beim Blick durch den Sucher hat der Fotograf die Belichtungsparameter gut vor Augen. Der Blitz sitzt mittig oben auf der Kamera und hat eine Leitzahl von 10 bei ISO 100. Er wird durch Knopfdruck aktiviert und klappt in zwei Stufen hoch: Die erste Arretierung bringt den Blitz in eine Position, mit der indirekt nach oben geblitzt werden kann.

Ein weiterer Druck auf den Flash-Button klappt den Blitz komplett heraus, sodass der Fotograf parallel zur optischen Achse blitzt. Ein Blitzschuh zum Anschließen externer Blitzgeräte steht ebenfalls zur Verfügung. Mit einem Schiebeschalter wählt der Fotograf die Art der Scharfstellung aus: statisch, kontinuierlich oder manuell. Der Autofokus arbeitet mit drei Messfeldern, die auf einer horizontalen Linie angeordnet sind. Das zentrale Feld ist ein Kreuzsensor. Im Vergleich zu anderen DSLRs ihrer Klasse bietet die Digilux 3 einen relativ langsamen Autofokus, der aber akkurat arbeitet.

Manuell ist es eine Freude, mit dem großen Objektiv zu fokussieren und dabei mit dem Live-View auf dem hellen Display die unmittelbare Kontrolle zu haben. Rechts vom Bildschirm kann die Wiedergabe aktiviert, Fotos gelöscht und die Anzeigen auf dem Display angepasst werden. Außerdem ist die Abblendtaste in dieser Reihe von Bedienelementen zu finden. Insgesamt hat die digitale Leica 16 Knöpfe auf der Rückseite, was ungewöhnlich viel ist und Doppelbelegungen vermeiden soll. Soweit gut gedacht, der Fotograf braucht allerdings beide Hände zum komfortablen Bedienen der Kamera.

Aufnahmequalität

Die Digilux 3 liefert Fotos, die insgesamt als sehr gut zu bezeichnen sind. Das gute Zusammenspiel mit dem Kit-Objektiv resultiert in ausgewogenen Bildern, die durch kräftige Farben und angenehme Kontraste voll überzeugen können. Teilweise wirken Fotos jedoch etwas zu weich und Detailschärfe fehlt. Dies ist aber auf die weniger aggressive Scharfzeichnung in der Kamera zurückzuführen, die Fotos eher für die spätere Nachbearbeitung am PC vorsieht, als ein direktes Drucken aus der Kamera zu begünstigen. Das RAW-Format lässt Raum für nachträgliche Korrekturen und die als JPEG komprimierten Bilder werden von der Kamera gut aufbereitet.

Fazit

Mit der Digilux 3 hat Leica die erste FourThirds-Kamera im Angebot und unterstützt dieses junge System für digitale Fotografie mit weitreichender Kompabilität. Mit dem hochwertigen Zoom-Objektiv im Gepäck präsentiert sich die Qualitäts-Combo mit klassischer Bedienführung und ohne viel Programm-Schnickschnack. Vielmehr gibt Leica dem Fotografen ein Werkzeug für seine Bildideen an die Hand, das mit wertvollen Extras, wie dem Live-View und dem optischen Bildstabilisator, ausgestattet ist.

Einziges Manko neben dem hohen Kaufpreis von deutlich über 2.000 Euro ist der überholte Autofokus: Mit drei Feldern und nur einem Kreuzsensor ist dieser für eine aktuelle Spiegelreflexkamera zu langsam. Andererseits will die Kamera kein Arbeitsgerät für Sportfotografen sein, die auf hohe Geschwindigkeit angewiesen sind. Wenn die Geschwindigkeit ein Entscheidungskriterium ist, wird der Fotograf mit der Digilux 3 nicht unbedingt glücklich. Allen anderen bietet Leica hier eine qualitativ hochwertige Kamera mit modernen Elementen und dem Charme der alten Reportagefotografie.

Leica Digilux 3
9
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