Kein Spiegel, aber Wechselobjektive: Panasonic G1 im Test

Die erste Digitalkamera ihrer Art hat erstaunlich wenig Kinderkrankheiten

von Jan Johannsen

Eine kleine Revolution ist die Digitalkamera G1 von Panasonic. Trotz Wechselobjektiven ist sie keine Spiegelreflexkamera. Der fehlende Spiegel bietet mehr Vorteile als nur eine kompakte Bauweise.

Mit der Digitalkamera Lumix DMC G1 betritt Panasonic Neuland. Die G1 ist die erste Digitalkamera, die keinen Spiegel besitzt und trotzdem mit Wechselobjektiven sehr variabel ist. Weitere Vorteile des neuen Anschlussstandards Micro Four Thirds sind eine sehr kompakte Bauweise und das Ausbleiben von spiegeltypischen Nachteilen wie Schwingungen oder Geräuschen.

Die zwei Kamerahersteller Panasonic und Olympus nutzen beide den Standard Four Thirds für die Bajonette, die Kamera und Objektiv miteinander verbinden. Micro Four Thirds ist eine gemeinsame Weiterentwicklung. Sie ist nicht nur kleiner als der ältere Standard, sondern erlaubt es auch den Spiegel einer Spiegelreflexkamera wegzulassen und trotzdem Wechselobjektive zu verwenden.

Eine revolutionäre Technik

Außerdem lässt sich eine Kamera mit Micro Four Thirds-Bajonett noch kleiner und mit weniger Gewicht konstruieren als herkömmliche digitale Spiegelreflexkameras. Durch den kürzeren Abstand zum Bildsensor werden auch die Objektive mit Micro Four Thirds-Bajonett kleiner. Für diese Kategorie von Kameras wird teilweise die Bezeichnung Evil-Kameras verwendet. Evil steht dabei für "Electronic Viewfinder, Interchangable Lens", zu deutsch etwa: elektronischer Sucher, auswechselbares Objektiv.

Panasonic Lumix DMC G1 im Test

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Panasonic ist die erste Firma, die mit der G1 eine Digitalkamera mit Micro Four Thirds auf den Markt bringt. In der Werbung für die neuartige Kamera legt Panasonic den Schwerpunkt auf das geringe Gewicht und die schmalen Abmessungen. Dabei liegt das revolutionäre Element der Kamera in dem fehlendem Spiegel. Diesen besitzt zum Beispiel die E-420 von Olympus, die nur unwesentlich größer und schwerer ist als die G1.

Neben der Reduzierung von Größe und Gewicht bietet der fehlende Spiegel noch weitere Vorteile. Bei längeren Belichtungszeiten verwackelt keine Schwingung des Spiegels mehr das Bild. Außerdem fehlt das typische Schnappgeräusch beim Auslösen. Nicht nur Tierfotografen profitieren davon, dass das Motiv nicht sofort hört, dass es abgelichtet wird. Wer nicht auf den Auslöseton verzichten möchte, kann ihn bei der G1 im Menü aktivieren.

Da der G1 ein Spiegel fehlt, übermittelt sie an das große Display und den Sucher ein digitales Bild. Im Sucher ist das Bild so klar und scharf, das kaum ein Unterschied zu einem optischen Sucher auszumachen ist. Nur unter dem künstlichen Licht von Neonröhren flackert das Bild im Sucher so stark, dass bereits nach wenigen Sekunden das Auge schmerzt. Das große Display hat mit Kunstlicht keine Probleme.

Ein bewegliches Display

Das Display der Panasonic G1 misst drei Zoll und ist beweglich. So kann man sich auf ihm bei Porträts selbst betrachten, es nach oben oder unten und natürlich auch auf die Rückseite der Kamera drehen. Ein Sensor schaltet es automatisch ab, wenn sich das Auge dem Sucher nähert und leitet das Bild auf ihn um.

Die G1 von Panasonic zeichnet keine Videos auf, auch wenn diese Funktion bei einer Digitalkamera ohne Spiegel zu erwarten gewesen wäre. Sollte der Micro Four Thirds-Standard nicht innerhalb kürzester Zeit eingestellt werden, dürfte Panasonic in zukünftige Modelle die Möglichkeit Filme aufzunehmen einbauen.

Bedienung mit einer Hand

Die Panasonic Lumix DMC G1 lässt sich gut bedienen. Bis auf die Auswahl der Art des Fokus und den Knopf zum Öffnen des Blitzes sind alle Bedienelemente mit der rechten Hand zu erreichen. Das Rädchen an der Front des Batteriegriffes braucht nur kurz eingedrückt zu werden, um im manuellen Modus zwischen Belichtungszeit und Blende zu wechseln.

Beim manuellen Scharfstellen vergrößert die Kamera automatisch einen Ausschnitt des Bildes. In vielen Momenten ist dies hilfreich, aber eben nicht immer. Befindet sich das Motiv, das fokussiert werden soll, nicht in der Bildmitte oder Fotograf und Motiv stehen nicht beide ruhig da, kann es sehr kompliziert sein, manuell die richtigen Einstellungen zu finden.

Der Bildmodus (Einzelbild, Serienbild, Selbstauslöser) wird über ein Schieberegler direkt am Moduswahlrad ausgewählt. Dies ist sehr praktisch, aber auch gefährlich. Denn man kann den Schalter bewegen, ohne es zu bemerken. Die Szenenmodi auf dem Moduswahlrad bieten, sobald sie ausgewählt sind, eine weitere Unterteilung an. Der Porträtmodus zum Beispiel bietet neben "Normal" noch "Schöne Haut" sowie "Innen" und "Außen" an.

Gute Bildqualität, Nachholbedarf beim Blitz

Die G1 nimmt Bilder in drei verschiedenen Seitenverhältnissen auf. Mit 3:2, 4:3 und 16:9 kann der Fotograf so für jeden Verwendungszweck schon bei der Aufnahme das passende Seitenverhältnis auswählen.

Mit der Auswahl des Seitenverhältnisses kann die FN-Taste auf der Kamerarückseite belegt werden. Sie kann mit dem direkten Aufruf einer von mehreren Einstellungsmöglichkeiten belegt werden, die man sonst nur über lange Wege im Menü erreicht. Neben der Tasten befinden sich noch weitere über die sich schnell die Lichtempfindlichkeit, der Weißabgleich oder das Gitternetz auf dem Display ändern lassen.

Bis zu einer Lichtempfindlichkeit von ISO 400 ist die Bildqualität der Panasonic G1 sehr gut. Erst bei ISO 800 setzt leichtes Rauschen ein, das aber selbst bei ISO 1600 nicht stark stört, wenn man das Bild nicht in Originalgröße betrachtet. Angesichts einer Auflösung von zwölf Megapixeln oder 4.000 x 3.000 Pixeln wird dies eher selten der Fall sein. Auf den meisten Wiedergabegeräten wird man eine verkleinerte Darstellung erhalten. Erst bei ISO 3200 ist das Bildrauschen so stark, dass dieses auch bei einer Verkleinerung des Bildes stört.

Der Blitz der G1 gibt keine Aufhellblitze ab. Im Dunkeln stellt die Kamera ihm nur ein rotes Hilfslicht zur Seite, um Objekte zu fokussieren. In unserem Test leuchtete der Blitz die Ecken der Aufnahmen nur unzureichend aus. Das Objektiv warf trotz seiner kurzen Abmessungen Schatten, wenn sich das Motiv nah an der Kamera befand. Über den Zubehörschuh lassen sich aber externe Blitzgeräte mit der G1 verwenden.

Panasonic Lumix DMC G1 Testbilder: London

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Panasonic verkauft die G1 im Kit mit einem Objektiv mit einer Brennweite von 14 bis 45 Millimetern für 749 Euro. Online ist sie derzeit nur bei wenigen Händlern zu bekommen. Der Preis für das von netzwelt getestete Set aus Kamera und einem Objektiv fällt im Netz auf bis zu 700 Euro. Für 1.049 Euro ergänzt Panansonic das Kit noch um ein Objektiv mit einer Brennweite von 45 bis 200 Millimetern.

Fazit

Panasonic liefert mit der G1 einen soliden Erstling ab, der ein ganz neues Gefühl des Fotografierens vermittelt. Trotz einer komplett neuen Technik weist die Kamera nur wenige Kinderkrankheiten auf. Wer es mit dem Kauf eilig hat, kann auch vor Weihnachten schon zugreifen. Alle anderen sollten noch auf einen Nachfolger warten, der dann hoffentlich komplett ohne Kinderkrankheiten wie dem fehlenden Film-Modus oder dem flackerndem Sucher auskommt. Anspruchsvolle Fotografen schreckt die noch sehr kleine Auswahl an Micro Four Thirds ab. Panasonic hat für die Zukunft aber weitere Modelle angekündigt und weist darauf hin, dass auch Objektive mit Four Thirds an der G1 verwendet werden können - sofern ein Adapter beim Anschluss hilft.

Panasonic G1
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