Nikon Coolpix P100 im Test: Bridgekamera mit umfangreicher Ausstattung

26-facher Zoom, Full-HD-Videos und beweglicher Bildschirm

von Jan Johannsen

Nikon bietet mit der Coolpix P100 eine Bridgekamera an, die zumindest in Sachen Ausstattung keine Wünsche offen lässt: großer Zoom, lichtempfindlicher Bildsensor und Full-HD-Videos sind nur einige Merkmale. Jetzt müssen nur noch Bildqualität und Bedienung überzeugen.

Nikon bemüht sich bei der Coolpix P100 dem Anspruch an Bridgekameras gerecht zu werden: Sie sollen das Beste von Kompakt- und Spiegelreflexkameras vereinen. Die P100 bietet einen riesigen Brennweitenbereich, nimmt Videos in Full-HD-Auflösung auf und verfügt über einen beweglichen Bildschirm sowie einen lichtstarken Bildsensor. Trotz dieser Ausstattung müssen im Test auch noch die Bedienung und die Bildqualität überzeugen, damit das Fazit positiv ausfällt.

Umgedrehter Bildsensor und großer Zoom

Bei der Coolpix P100 hat sich Nikon für einen neuartigen, rückseitig belichteten CMOS-Bildsensor mit einer Auflösung von 10,3 Megapixeln entschieden. Mit seiner Fläche von 1/2,3 Zoll unterscheidet er sich nicht von den Chips in den meisten Kompaktkameras. Durch die neuartige Konstruktion sollte er jedoch mehr Licht aufnehmen und so auch bei schlechteren Lichtverhältnissen brauchbare Fotos aufnehmen.

Nikon Coolpix P100

Das Objektiv der Coolpix P100 verfügt über einen riesigen Brennweitenbereich, der umgerechnet ins Kleinbildformat von 26 bis 676 Millimetern reicht. Dies entspricht einem 26-fachem Zoom. Die Geschwindigkeit der Brennweitenveränderung bestimmt der Nutzer über die Zoomwippe. Sie reicht von angenehm langsam bis sehr schnell. Der Autofokus arbeitet zügig und präzise.

Wie bei einer Spiegelreflexkamera kann der Fotograf bei der Coolpix P100 neben Programm-, Blenden- und Zeitautomatik die Blende und die Belichtungszeit auch komplett manuell festlegen. Entscheidet er sich dagegen für die Vollautomatik, eines von 16 Motivprogrammen, Sport-Serienaufnahmen, die Motiv-Verfolgung oder ein Smart-Porträt überlässt er der Kamera die Auswahl der Einstellungen.

Nikon Coolpix P100 im Test

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Die P100 bietet darüber hinaus dem Nutzer zahlreiche Hilfsmittel an: Gesichtserkennung, Lächelautomatik, Blinzelprüfung und eine automatische HDR-Funktion. Letztere kombiniert mehrere Belichtungen desselben Motivs zu einer Aufnahme, die im Idealfall besonders farbkräftig ausfällt und einen hohen Dynamikumfang aufweist.

Nikon stattet die P100 mit einem elektronischen Sucher aus, der allerdings so klein ausfällt, dass seine Benutzung die Augen sehr anstrengt. Unter Kunstlicht flimmert das Bild zudem stark. Angenehmer gestaltet sich der Blick auf den drei Zoll großen Bildschirm auf der Rückseite der Kamera. Die Anzeige mit einer Auflösung von 460.000 Pixeln dient als Sucher und zur Bildwiedergabe.

Der Fotograf kann den Monitor um 90 Grad nach oben und um bis zu 82 Grad nach unten kippen. So lässt sich auch bei ungewöhnlichen Blickwinkeln der Bildausschnitt problemlos bestimmen. Die Blickwinkel des Bildschirms liegen zwischen 120 und 130 Grad - fallen also weder übermäßig klein noch extrem groß aus.

Gute Tasten, schlechte Menü-Struktur

Nikon hat die Bedienelemente so an der Coolpix P100 angebracht, dass die Kamera sich fast komplett mit der rechten Hand bedienen lässt. Die linke Hand benötigt der Fotograf nur um den Blitz zu öffnen, zwischen elektronischem Sucher und Bildschirm zu wechseln und zur Stabilisierung der Kamera bei ausgefahrenem Objektiv.

Alle Tasten und Räder verfügen über deutliche Druckpunkte - so weiß der Fotograf immer, ob seine Eingabe erfolgreich war oder nicht. Die Entriegelung des Blitzlichts bildet die Ausnahme, sie sollte mit dem Fingernagel und nicht der weichen Fingerspitze gedrückt werden. Die Videoaufzeichnung startet der Anwender über eine eigene Taste.

Selbstauslöser, Blitzlicht, Belichtungskorrektur und Fokusart verstellt der Nutzer mit Hilfe von Direktwahltasten sehr schnell. Alle andere Aufnahme- und Grundeinstellungen muss der Fotograf umständlich im Hauptmenü vornehmen. Ein eigenes Bildschirmmenü zur schnellen Anpassung der Aufnahmeeinstellungen fehlt.

Lichtstarker Sensor führt nicht automatisch zu besseren Bildern

Der rückseitig belichtete Bildsensor macht sich weniger bei der Bildqualität bemerkbar, sondern vielmehr bei der Belichtungszeit, die kürzer ausfällt als bei herkömmlich aufgebauten Chips.

Die Fotos der Nikon Coolpix P100 weisen einen leichten Rotstich auf, bieten davon abgesehen aber eine hohe Detailgenauigkeit, angenehme Konturen und deutliche Kontraste. Allerdings treten mitunter auch ohne Blitzlicht deutlich erkennbare Vignettierungen auf.

Ein Bildrauschen ist bereits bei einer Lichtempfindlichkeit von ISO 200 zu erkennen, wenn der Nutzer die Bilder in Originalgröße betrachtet. Bei ISO 1.600 fallen die Störungen so stark aus, dass die Fotos auch verkleinert auf ein viertel der ursprünglichen Größe nicht mehr zu gebrauchen sind. Insgesamt bewegt sich die Bildqualität im großen Mittelfeld der kompakten Digitalkameras.

Nikon Coolpix P100 Testbilder

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Die Aufnahme von Videos in Full-HD-Auflösung, wie sie die Coolpix P100 bietet, ist unter Bridge- und Kompaktkameras noch die Ausnahme. Die Filme mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln weisen zwar natürlich wirkende Farben und ausreichend viele Details auf, allerdings treten teilweise Zeilenverschiebungen auf und der automatische Weißabgleich arbeitet vergleichsweise träge.

Der Autofokus findet nicht immer ein Motiv zum scharf stellen und wenn sich das Objektiv bewegt verursacht es nicht nur hörbare Geräusche, sondern versetzt die gesamte Kamera in Schwingungen. Die P100 verfügt zwar über ein Stereo-Mikrofon, trotzdem klingt der Ton sehr breiig.

Kunststoffgehäuse mit HDMI-Anschluss

Nikon versieht die Coolpix P100 mit einem Gehäuse aus Kunststoff, dass trotzdem gut verarbeitet wirkt. Selbst der bewegliche Bildschirm erweckt den Eindruck sehr oft auf und zu klappbar zu sein. Durch den mit rutschfestem Gummi bezogenen Batteriegriff liegt die Kamera sicher in der Hand.

Die P100 übertragt Daten sowohl über einen HDMI-Anschluss als auch über eine kombinierte USB- und AV-Schnittstelle. Die Stromversorgung stellt ein Lithium-Ionen-Akku sicher und als Speichermedien akzeptiert die Kamera SD- und SDHC-Speicherkarten.

Fazit: Zu viele störende Kleinigkeiten

Auf den ersten Blick überzeugt die Nikon Coolpix P100 als Bridgekamera mit umfangreicher Ausstattung, doch auf den zweiten Blick trüben zu viele störende Kleinigkeiten den Gesamteindruck. So fehlt ein eigenes Menü zur schnellen Veränderungen der Belichtungseinstellungen und die Bildqualität hebt sich nicht von Kompaktkameras ab. Ein großer Zoom alleine macht noch keine gute Kamera.

Nikons unverbindliche Preisempfehlung für die Coolpix P100 beträgt 399 Euro. Im Internet verkaufen Händler die Kamera bereits für rund 340 Euro.

Nikon Coolpix P100
9
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