Dell Streak: Das Riesen-Smartphone im Kurztest

5-Zoll-Zwitter aus Tablet und Smartphone

von Markus Franz

Seit der Veröffentlichung des Apple iPad im Januar dieses Jahres buhlen zahlreiche Hersteller um die Gunst verärgerter Netbook-Nutzer: Die Tablets sollen sehr einfach bedienbar sein und auf dem Sofa das Notebook ersetzen. Netzwelt hat das neuen Dell Streak getestet, das Kunden von Billig-Tablets weglocken will.

Apple verkauft jeden Tag tausende iPads, obwohl es für das Tablet noch nicht einmal das aktuelle iOS 4.0 mit Multitasking gibt. Die anderen großen PC-Bauer wie Dell, Hewlett Packard, aber auch Microsoft basteln fleißig an Konkurrenten für das iPad. Mit dem Dell Streak gibt es seit diesem Monat ein Gerät im Handel, das vom texanischen Unternehmen über das Internet verkauft wird. In Deutschland können Interessierte das Riesen-Smartphone auch bei Media Markt ausprobieren und erwerben. Das Streak-Tablet soll der Einstieg von Dell in das Tablet-Segment werden und an glorreiche Zeiten anknüpfen, als Dell noch kleine PDA-Taschencomputer produziert hat, die längst von Smartphones ersetzt sind.

Kleines Paket mit viel Inhalt

Das Dell Streak kostet auf der Dell-Webseite mindestens 600 Euro, derzeit ist der Versand kostenlos. Mit den Farben Rot und Schwarz ist Dell etwas sparsam, für andere Produkte wie Notebooks gibt es eine größere Auswahl. Die Verpackung des Geräts ist erstaunlich schlank: Dell hat beim Streak auf das gewohnte Styropor für die Polsterung verzichtet, im Karton herrscht Ordnung. Nachdem man das Tablet und den QuickStart-Guide aus der Verpackung genommen hat, kommt die Zubehör-Box ans Licht. Neben dem obligatorischen Akku, ein Lithium-Polymer-Speicher mit einer Kapazität von 1530 mAh, kommt das Dell Streak mit hochwertigen In-Ear-Kopfhöhrern sowie einem USB-Anschlusskabel.

Dell Streak

Letzteres sieht dem Dock-Kabel des iPhone sehr ähnlich und ist genauso breit, hat aber natürlich ganz anders strukturierte Kontakte. Der Standard-USB-Anschluss passt nicht nur in den PC oder Mac, sondern auch an das Netzteil. Auf dieses muss der Benutzer wie gewohnt einen Dell-Netzadapter stecken, für Großbritannien und Deutschland liegen diese standardmäßig bei. Im Lieferumfang sucht man eine Speicherkarte vergeblich - eine 16-GB-Karte im Micro-SD-Format ist bereits im Dell Streak eingelegt. Das ist praktisch, da Kunden so nur noch den Lithium-Polymer-Akku einlegen.

Die Verriegelung der Akku-Klappe ist erstaunlich schwerfällig, sodass beim Öffnen und Schließen der Druck auf das Display versehentlich sehr groß werden kann. Das ist ärgerlich, da die MicroSD- und SIM-Karte nicht von außen zugänglich ist. Im Test machte das Dell Streak aber keine Probleme: Die Verarbeitung wirkt hochwertig, das kratzfeste 5-Zoll-Display gibt nur an den Ecken bei starkem Druck leicht nach.

Multitouch aber altes Android

Das Dell Streak ist eines der wenigen Tablets, die wie das Apple iPad einen kapazitiven Bildschirm besitzen. Auf dem 5-Zoll-Display machen Multitouch-Gesten beinahe soviel Spaß wie beim iPad, in jedem Fall setzt sich das Dell Streak damit positiv von günstigeren Tablets wie dem Archos 9 ab. Alleine über den Bildschirm selbst kann man diskutieren: Mit einer Diagonale von 5 Zoll und der Auflösung von 800 mal 480 Pixeln ist das Dell Streak eigentlich kein Tablet, für eine Platzierung als Smartphone ist das Gerät dagegen viel zu klobig und mit knapp 220 Gramm auch viel zu schwer. Einzig die die Dicke ist noch akzeptabel.

Das Dell Streak läuft mit dem Google-Betriebssystem Android in Version 1.6. Der Hersteller hat versprochen, im Herbst ein Update auf Android 2.2 nachzureichen. Seit einigen Wochen gibt es Gerüchte, noch vorher im September werde ein Update auf Android 2.1 herausgegeben - Dell hat zu den Updates bisher noch keinen exakten Zeitplan veröffentlicht. Positiv ist, dass ein Branding ebenso fehlt wie jegliche andere Dell-Werbung.

Die Steuerung des Tablets erfolgt wie bei anderen Android-Geräten über drei Knöpfe am rechten Rand. Der Home-Button bringt den Anwender auf den Desktop des Betriebssystems zurück, der Menü-Knopf ist für die Anzeige von Optionen im jeweiligen Kontext zuständig. Der dritte Button bringt den Benutzer zu dem vorher betrachteten Android-Fenster zurück. Alle Knöpfe sind wie das Display kapazitiv, bieten also keinen echten Druckpunkt. Das Mikrofon und der Kopfhöhrer für Telefonie befinden sich an den üblichen Stellen.

3G und der 1GHz-Prozessor

Tatsächlich lässt sich mit dem Dell Streak erstaunlich gut telefonieren: Im GSM- sowie UMTS-Netzwerk der Deutschen Telekom war die Gesprächsqualität sehr gut, allerdings ermüdet der Arm mit dem sehr schweren Tablet schnell. Im Inneren des Geräts werkelt ein Qualcomm-Prozessor mit einem Gigahertz Taktfrequenz. Dieser reicht für alle gängigen Aufgaben aus, Android reagiert mit der CPU und den 512 Megabyte Speicher sehr flüssig. Das Surfen im Web ist mit GPRS wie erwartet langsam, schneller kommt der Nutzer mit UMTS voran. Das Streak empfängt theoretisch bis zu 7,2 MBit/s (HSDPA) und sendet 5,6 MBit/s (HSUPA).

Hersteller Dell bietet für einen Aufpreis spezielle Zubehör-Pakete etwa für die Verwendung des Streaks als Navigationsgerät an.
Hersteller Dell bietet für einen Aufpreis spezielle Zubehör-Pakete etwa für die Verwendung des Streaks als Navigationsgerät an.

Leider fehlt dem Tablet die Unterstützung für schnelle WiFi-Netzwerke nach dem 802.11N-Standard, aber in B- und G-Netzen findet das Testgerät problemlos Anschluss. Bluetooth 2.1 EDR ist ebenfalls an Bord. Auf der Vorderseite befindet sich eine Kamera mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln, die für Videokonferenzen im Web gedacht ist. Für ordentliche Bilder gibt es eine 5-Megapixel-Kamera auf der Rückseite mit Autofokus und doppeltem LED-Blitz. Die Kamera reagiert beim Filmdreh erstaunlich zügig auf Wechsel der Helligkeit, kann aber keine Filme mit über 640 x 480 Pixeln aufnehmen - ein klarer Schwachpunkt. Abgespeichert werden Videos als MPEG-4 oder als H.263-Datei.

GPS-Sensor und Dell-Zubehör

Damit sich der Anwender auch in ungewohntem Terrain zurechtfindet, hat Dell einen GPS-Sensor spendiert. Sofern er für die Nutzung durch Google Maps freigegeben ist, kann der Käufer mit dem Tablet auch Routen fürs Auto berechnen. Im Test funktionierte dies mit Bordmitteln aufgrund der veralteten Maps-Version zunächst nicht. Nach einem Update des Kartenmaterials auf die Version 4.4.0 steht dem Nutzer die Google Maps Navigation in der Beta-Version zur Verfügung. Für den Einsatz im Auto bietet Dell ein sogenanntes "Car Dock Kit", das knapp 60 Euro kostet und neben der Halterung für die Windschutzscheibe auch einen Anschluss am Zigarettenanzünder mitliefert. Genau wie das Home Dock, das dem Streak einen HDMI-Anschluss verpasst, sollte jeder Käufer das Zubehör direkt bei der Bestellung kaufen: Dann kosten beide Stationen einen Aufpreis von jeweils nur 30 Euro.

Fazit

Das Dell Streak hat schon vor seiner Veröffentlichung für einige Aufregung gesorgt: In Großbritannien bietet O2 das Tablet exklusiv an und erfreut sich stetiger Beliebtheit durch die Kunden. Die Verarbeitung ist extrem besser gelungen als bei kaum billigeren Alternativen von Archos und Co, das Betriebssystem Android 1.6 mit seinem großen App-Marktplatz bietet alle wichtigen Funktionen. Dass Dell eine Speicherkarte, eine Hülle für den Schutz des Gerätes sowie schöne In-Ear-Kopfhöhrer beilegt, spiegelt das Engagement des Herstellers für das neue Gerät wieder. Dem Dell Streak fehlen nur Kleinigkeiten wie die Unterstützung für schnelle Wi-Fi-Netzwerke, insgesamt ist Dell aber ein solider Einstieg in das Tablet-Segment gelungen.

Dell Streak
9
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Dell Streak Benchmarks
Passmark-Benchmark Ergebnis
Gesamt 800
Prozessor (CPU Mark) 1,253
Speicher (Mem Mark) 971
Festplatte (Disk Mark) 2,597
2D (2D Mark) 1,321
2D (3D Mark) 300

Das für die Passmark-Benchmarks genutzte Dell Streak hat ein ARMv7 Prozessor rev 2 (v7l) mit 1 Kernen und 387.9 MB RAM.

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

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Dell Streak im Zeitverlauf
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  • Riesen-Smartphone: Dell Streak ab sofort in Deutschland erhältlich

    05.08.2010 Das Smartphone Dell Streak ist ab sofort in Deutschland erhältlich. Für einen Preis von 599 Euro (ohne Vertrag) soll das Mobiltelefon mit 5-Zoll-Display (12,7 Zentimeter) bequemes Surfen auch unterwegs ermöglichen. Mit dem Streak will Dell dabei nicht nur Geschäftskunden ansprechen, sondern auch Multimediaanwender.

    Das Android-Handy wird angetrieben von einem ein 1-Gigahertz-Prozessor, verfügt über zwei Gigabyte internen Speicher und hat auch GPS-, Bluetooth-, UMTS- und WLAN-Unterstützung mit an Bord. Highlight ist aber der für ein Smartphone riesige Bildschirm, mit dem das Dell Streak schon fast in die Klasse der Tablet-Computer vorstößt. Das Betrachten von Webseiten soll damit Dell zufolge ohne lästiges Zoomen wie bei anderen Smartphone-Modellen möglich sein. Dank der Kratzfestigkeit des verwendeten "Gorilla-Glas" soll der MultiTouch-Bildschirm den Widrigkeiten eines Transports auch ohne nennenswerte Schäden überstehen.

    Dells Streak bietet Nutzern Zugriff auf Googles Android-Market. Vorinstalliert sind auf dem Gerät bereits die Applikationen Facebook, YouTube, Twitter und Google Maps. Mit letzteren ist dank des eingebauten GPS-Moduls auch eine Echtzeit-Navigation möglich.

    Der interne Speicher lässt sich via Micro-SD-Karte aufstocken. Im Lieferumfang enthalten ist bereits eine 16 Gigabyte große MicroSD-Karte. Somit steht reichlich Platz für Bilder zur Verfügung, die der Nutzer mit der eingebauten Fünf-Megapixel-Kamera aufzeichnen kann. Erhältlich ist das Dell Streak in den Farben rot und schwarz.

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