Samsung Galaxy Tab im Test: Mit Flash, Android und Doppel-Kamera

Samsung kann Apple nicht überholen

Samsung präsentierte auf der IFA Anfang September mit dem Galaxy Tab seinen iPad-Rivalen. Rund einen Monat später kommt das Gerät nun in die Läden. Netzwelt prüfte das Galaxy Tab zum Verkaufsstart auf Herz und Nieren und fand einige Schwachstellen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Verarbeitung: Klein, leicht, oft verschmutzt
  2. Bedienung: Handlich aber nicht perfekt
  3. Software: Android ist noch kein Tablet-System
  4. Funktionalität: Videotelefonie und Augmented-Reality
  5. Leistung und Laufzeit: Etwas träger als das iPad
  6. Fazit: Würdiger Herausforderer
  7. Benchmarks

Auf der IFA Anfang September in Berlin präsentierten zahlreiche Hersteller ihre Tablet-Computer. Doch nur wenigen Geräten wurde eine ähnliche Aufmerksamkeit wie Samsungs Galaxy Tab zu Teil. Seitdem erste Gerüchte und Bilder durch die Blogosphäre geisterten, zählt der Tablet-Computer des südkoreanischen Herstellers zu den stärksten iPad-Rivalen. Nicht zuletzt deshalb, weil er mehr Funktionen als Apples iPad bietet. Im ausführlichen Testbericht von netzwelt schlägt sich das Galaxy Tab wacker, zeigt aber auch deutliche Schwächen.

Verarbeitung: Klein, leicht, oft verschmutzt

Das Galaxy Tab ist mit einem lediglich sieben Zoll großen Display deutlich kleiner als Apples iPad, das ein 9,7 Zoll Display bietet. Mit einer Dicke von rund zwölf Millimetern ist es zudem kaum dicker als ein Smartphone. Auch in Sachen Gewicht hat das Tab mit 380 Gramm deutlich die Nase vor Apples iPad, das in der leichtesten Variante 680 Gramm auf die Waage bringt.

Optisch wirkt das iPad aber dank eines Gehäuses aus Aluminium deutlich edler. Das Galaxy Tab dagegen steckt in einem reinem Kunststoffgehäuse und wirkt daher deutlich schlichter. Wie bei anderen Samsung-Produkten auch, etwa dem Galaxy 3, verschmutzt das Gehäuse zudem sehr schnell. Vorder- und Rückseite sind schon nach wenigen Minuten mit Fingerabdrücken übersät. Neben dem Tablet sollten Nutzer also auch immer ein Tuch zum Reinigen bei sich tragen. Gegenüber dem Vorserienmodell auf der IFA wirken aber nun die Schutzhüllen für SIM-Karten Schacht und micro-SD Kartenschacht deutlich stabiler. Ebenfalls praktisch: Die Abdeckungen lassen sich auch mit kurzen Fingernägel leicht öffnen. Wer neben dem Surfen via WLAN sein Galaxy Tab auch im mobilen Internet nutzen will, kann zudem eine handelsübliche SIM-Karte einsetzen. Eine spezielle Micro-SIM Karte wie für Apples iPad wird nicht benötigt.

Bedienung: Handlich aber nicht perfekt

Dank der kompakten Abmessungen und dem geringen Gewicht liegt das Galaxy Tab angenehm in der Hand. Auch längere Zeit kann das Tablet mit nur einer Hand bedient werden. Tippen ist auf der Tastatur auch mit zwei Fingern möglich. Die Buchstaben in der Mitte der virtuellen Tastatur erreicht der Nutzer aber nur, wenn er sich etwas streckt. Im Zweifel ist er deshalb mit eingeschalteter Swype-Eingabetechnologie schneller. Bei aktiviertem Swype wischt der Nutzer nur über einzelne Buchstaben und das Tablet generiert daraus das richtige Wort. Das klappte im netzwelt-Praxistest ausgezeichnet. Mit etwas Übung lassen sich mit dieser Technik sogar Geschwindigkeitsrekorde aufstellen.

Samsung Galaxy Tab im Test

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Gegenüber dem iPad auffällig langsam sind die Sensoren des Galaxy Tab. Neigungs-, Bewegungs- und Helligkeitssensor reagieren nicht so schnell auf Nutzereingaben wie beim Konkurrenzprodukt von Apple. Teilweise dauert es sehr lange bis das Samsung Galaxy Tab den Bildschirminhalt beim Drehen des Displays mitdreht. Zudem fehlt ein Schalter, der das Display wie beim iPad auf die derzeitige Position feststellt.

Ein weiterer Nachteil: Die Sensortasten unterhalb des Displays erlöschen schnell und sind bei ungünstigen Lichtverhältnissen kaum zu sehen. Gerade wenn der Nutzer das Tablet waagerecht hält, erwischt er oftmals die falsche Taste. Die bei Android integrierte Sprachsuche bereitet dagegen keine Probleme. Auch das Touchdisplay reagierte zügig auf Eingaben und unterstützt auch Multitouch-Befehle.

Software: Android ist noch kein Tablet-System

Auch wenn zahlreiche Hersteller Android-Tablets angekündigt haben - laut Google ist keine der derzeitig erhältlichen Versionen des Betriebssystems für den Einsatz auf Tablet-Computern geeignet. Der Internetkonzern unterscheidet daher im Android-Market auch nicht zwischen Apps für Smartphones und Tablets. Zwar liefen im netzwelt-Test alle ausgesuchten Applikationen aus dem Android-Market auch auf dem Galaxy Tab. Jedoch nur in der Smartphone-Auflösung, für die sie programmiert sind. Der Rest des Bildschirms bleibt einfach dunkel. Angepasste Apps gibt es schon in Samsungs eigenem App Store. Zum Testzeitpunkt standen hier aber nur eine Applikation vom Nachrichtensender n-tv und ein Programm von Samsung, mit dem das Tab auch als Fernbedienung für Samsung Fernseher genutzt werden kann, zur Auswahl. Mittlerweile haben aber Blogger herausgefunden, wie auch nicht optimierte Apps auf Vollbild skaliert werden können.

Die Kamera auf der Rückseite des Gerätes ermöglicht Augmented Reality Anwendungen.
Die Kamera auf der Rückseite des Gerätes ermöglicht Augmented Reality Anwendungen.

Zwar bietet der Android-Market eine große Anzahl an Spielen und Programmen; was dem Galaxy Tab aber noch fehlt sind spezielle Applikationen von Zeitschriften und Verlagen, wie sie es beispielsweise bereits Reihenweise für das iPad gibt. Samsung hat auf dem Gerät neben einem eBook-Reader auch eine Anwendungen namens Readers Hub installiert. Zum Start des Gerätes sollen hierüber zwei Millionen Bücher, darunter aktuelle Bestseller, mehr als 2.500 Magazintitel in 20 Sprachen und mehr als 1.600 Zeitungen in 47 Sprachen erhältlich sein. Im netzwelt-Test war jedoch nur die Buchrubrik zugänglich. Hierüber gelangt der Leser in den Kobo Store, in dem im Test aber nur englischsprachige Bücher zur Verfügung standen.

Ebenfalls nicht ganz gelungen ist die Synchronisation des Tablets mit dem heimischen Computer. Unter Window steht hierfür die Samsung Software Kies bereit. Eine Mac-Version der Software gibt es bislang nicht. Auf Mac-Rechnern kann das Galaxy Tab daher nur als USB-Massenspeicher angeschlossen werden - kritisch, gerade in Hinblick auf kommende Android-Aktualisierungen, die nicht "Over the Air" eingespielt werden können. Ein gewichtiger Pluspunkt ist hingegen der Browser, er bietet volle Unterstützung von Adobe Flash 10.1.

Funktionalität: Videotelefonie und Augmented-Reality

Samsungs Galaxy Tab bietet dank zweier integrierter Digitalkameras und Telefon-Funktionalität deutlich mehr Anwendungsmöglichkeiten als Apples iPad. So ist zum Beispiel Videotelefonie möglich. Auch Fotos und Videos lassen sich mit der Kamera auf der Rückseite anfertigen beziehungsweise drehen. Die geringere Auflösung von drei Megapixeln und die fehlende Auslösertaste am Gerät deuten jedoch daraufhin, dass dies nur ein nettes Gimmick ist. Selbst für Schnappschüsse taugt die Qualität der Bilder oft nicht.

Vielmehr soll die Kamera für Augmented Reality-Zwecke verwendet werden. Im netzwelt-Test klappte dies jedoch nur bedingt. Das Tablet erkannte Geschäfte in der Nähe nicht immer unmittelbar und blendete sie auch nach einiger Wartezeit nicht im Bild mit ein.

Die Telefonfunktion an für sich ist ebenfalls nett gemeint. Die Sprachqualität ist aber sowohl bei Telefonaten ins Festnetz als auch über Skype lediglich befriedigend. Um es ans Ohr zu halten ist das Gerät zudem deutlich zu groß. Telefonieren lässt sich am besten mit einem Headset und dem Tablet in der Hand. Allerdings fängt das Mikrofon, das seitlich angebracht ist, dabei natürlich Störgeräusche mit ein. Wer plant, das Galaxy Tab als Handy-Ersatz zu nutzen, sollte sich am besten ein Bluetooth-Headset kaufen und den Tablet-Computer in der Jackentasche lassen.

Der eingebaute Lautsprecher reicht aus, um gelegentlich Musik zu hören, kann es aber vom Klang weder mit dem iPad noch mit einem Küchenradio aufnehmen. Schade ist in diesem Zusammenhang, dass Samsung keinen UKW-Empfänger für "normalen" Radio-Empfang im Galaxy Tab integriert hat.

Leistung und Laufzeit: Etwas träger als das iPad

Bei den Startzeiten erzielte das Galaxy Tab ähnliche Startzeiten wie Smartphones auf Android-Basis, nach rund 30 Sekunden war das Tablet betriebsbereit. Die Konkurrenz von Apple meldete sich dagegen nach etwa 25 Sekunden zum Dienst. Applikationen startete das Tablet dagegen ohne größere Verzögerungen.

Das Samsung Galaxy Tab wirkt nicht ganz so edel wie Apples iPad, bietet dafür aber den handlicheren Formfaktor.
Das Samsung Galaxy Tab wirkt nicht ganz so edel wie Apples iPad, bietet dafür aber den handlicheren Formfaktor.

Der GPS-Empfänger brauchte im Test dagegen sehr lange um ein Signal zu finden. Ähnliche Probleme hatte netzwelt auch im Test des Galaxy 3 Smartphones. Der Akku hielt im netzwelt-Test rund einen Tag im Dauereinsatz durch. Der Hersteller gibt als Akkulaufzeit eine Sprechzeit von rund 1.000 Minuten und eine Standby-Zeit von 1.500 Stunden an.

Fazit: Würdiger Herausforderer

Gemessen an der Funktionalität ist das Galaxy Tab Apples iPad deutlich überlegen. Das Galaxy Tab kann alles, was das Apple-Tablet kann und noch ein wenig mehr. Allerdings erfüllt es die einzelnen Aufgaben nicht immer ganz so souverän. Auch geht die Bedienung des iPads etwas geschmeidiger von der Hand. Fraglich, ob die Funktionen wie Videotelefonie oder Augmented Reality dies aufwiegen können. Zudem krankt das Galaxy Tab am Android-Betriebssystem, das zum jetzigen Zeitpunkt klar auf Smartphones ausgelegt ist. Hier soll die demnächst erscheinende Version 3.0 voraussichtlich Abhilfe schaffen.

Samsung will ein entsprechendes Update für das Galaxy Tab laut Medienberichten bereitstellen. Erst dann werden wirklich passende Tablet-Inhalte für das Gerät verfügbar sein. Ob auch größere Verlage dann ihre iPad-Versionen für Android portieren bleibt jedoch abzuwarten und hängt wohl auch vom Erfolg der ersten Android-Tablets ab.

Dem Vergleich mit Apples iPad kann das Samsung Galaxy Tab nicht ganz standhalten.
Dem Vergleich mit Apples iPad kann das Samsung Galaxy Tab nicht ganz standhalten.

Samsung ist mit dem Galaxy Tab eine gelungenes Debüt im Tablet-Markt geglückt. Der ganz große Wurf ist das Gerät jedoch nicht. Das liegt zum Einen an den im Testbericht genannten Mängeln, zum Anderen auch am hohen Verkaufspreis. Samsung gibt für die Version mit 16 Gigabyte Speicher eine unverbindliche Preisempfehlung von 799 Euro aus. Für diesen Preis erhalten Käufer aber auch Apples bestes iPad-Modell, dass mit 64 Gigabyte einen viermal so großen Speicher bietet wie der des Galaxy Tab. Letzterer lässt sich zwar per microSD Karte um bis zu 32 Gigabyte erweitern, reicht mit 48 Gigabyte dann aber immer noch nicht an Apples Speicherkapazität heran.

Mittlerweile ist der Straßenpreis für das Galaxy Tab zwar schon deutlich gesunken, liegt aber mit derzeit rund 600 Euro immer noch auf iPad-Niveau. Viele Käufer dürften deshalb allein aufgrund des Kultstatus von Apple zum "Original" aus Cupertino greifen. Richtig günstig ist das Galaxy Tab derzeit nur über die Netzbetreiber zu erhalten. Vodafone bietet es mit Vertrag zum Beispiel für 299 Euro an. In diesem Preissegment stellt das Galaxy Tab eine echte Alternative zum iPad dar. Interessierte sollten jedoch noch einige Monate warten, bis weitere Android-Tablets auf dem Markt sind und eine Tablet-optimierte Android-Version erhältlich ist.

Samsung Galaxy Tab
7
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Samsung Galaxy Tab Benchmarks
Passmark-Benchmark Ergebnis
Gesamt 1016
Prozessor (CPU Mark) 1,387
Speicher (Mem Mark) 1,069
Festplatte (Disk Mark) 1,573
2D (2D Mark) 1,235
2D (3D Mark) 531

Das für die Passmark-Benchmarks genutzte Samsung Galaxy Tab hat ein ARMv7 Prozessor rev 2 (v7l) mit 1 Kernen und 456.7 MB RAM.

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Testbericht, Mobile Computing, Android, Apple, Gigabyte, Apple iPad, Samsung, Smartphone, Tablet-PC, Samsung Galaxy Tab und Peripherie.

Das Samsung Galaxy Tab wurde ursprünglich mit Android 2.2 "Android Froyo" ausgeliefert. Mittlerweile ist für das Samsung Galaxy Tab die Version 2.3 "Android Gingerbread" verfügbar.

Samsung Galaxy Tab im Zeitverlauf
1 von 9
  • Samsung Galaxy Tab: Neues Modell ohne 3G im November? (Update)

    11.02.2011 Samsungs Galaxy Tab ist in Europa seit kurzer Zeit erhältlich. Der Verkaufsstart in den USA soll in den nächsten Tagen beginnen. Bereits jetzt bewerben US-Händler den Tablet-Computer. In den Werbeanzeigen ist dabei eine neue Modellvariante des Gerätes aufgetaucht, die nur über einen WLAN- Zugang verfügt.

    Wie der US-amerikanische Technikblog Engagdet berichtet wird das Modell für rund 500 US-Dollar (circa 355 Euro) voraussichtlich ab Mitte November erhältlich sein. Damit würde der Tablet-PC genauso viel kosten wie Apples iPad in der Variante mit 16 Gigabyte internen Speicher und ohne Mobilfunkanschluss. Zudem listen die Hersteller Modelle in Verbindung mit Laufzeitverträgen von US-Netzbetreibern, die sich farblich vom bislang bekannten Modell unterscheiden. So soll es eine Variante mit schwarzer Rückseite und eine mit silbernen Rückseite geben. Das in Europa erhältliche Tablet hat dagegen eine weiße Rückseite. Ob die Modellvarianten auch in Europa erhältlich sein werden, ist bislang nicht bekannt.

    Samsungs Galaxy Tab gilt als erster ernstzunehmender Konkurrent für Apples iPad. Denn der Tablet-Computer bietet gegenüber dem Tablet aus Cuptertino mehr Funktionen. So ist es mit dem Gerät auch möglich zu telefonieren, inklusive Videokonferenzen, Fotos und Videos zu machen oder Augmented Reality-Anwendungen zu nutzen.

    Als Hemmschwelle für einen Verkaufserfolg gilt allerdings der relativ hohe Preis. Samsung veranschlagt in Europa für das Modell mit WLAN und 3G-Zugang einen Preis von 799 Euro. Der Straßenpreis liegt derzeit bei rund 650 Euro. Günstiger ist das Gerät nur über Netzbetreiber in Verbindung mit einem Laufzeitvertrag zu bekommen. Eine günstigere Variante, die nur WLAN Zugang bietet, erscheint daher nicht unrealistisch. Überraschenderweise wird in der Anzeige als Display ein Super-AMOLED als Merkmal genannt. In Europa wird das Gerät mit einem Super LCD-Display ausgeliefert. Es bleibt abzuwarten, ob es sich hierbei um einen Fehler handelt oder Samsung das Modell für den US-Markt weiter abgewandelt hat.

    Auf der CES in Las Vegas hat Samsung bereits für den US-amerikanischen Markt eine WiFi-Variante seines Galaxy Tabs angekündigt. Nun bringt der Hersteller das Modell auch nach Deutschland. Es unterscheidet sich vom Vorgänger lediglich durch den fehlenden SIM-Karten-Schacht. Die Galaxy Tab-Variante soll ab März für 499 Euro in Deutschland erhältlich sein. Gleichzeitig senkt Samsung den Preis für das Modell mit WLAN- und 3G-Unterstützung von 799 Euro auf 599 Euro.

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