Motorola Xoom im Test: Auf Augenhöhe mit Apples iPad

Googles Vorzeigetablet

Motorolas Xoom ist in den USA bereits seit einigen Wochen erhältlich und ging bereits 250.000mal über den Ladentisch. Nun will der Hersteller mit dem Tablet-PC auf Android-Basis auch in Deutschland durchstarten. Die Chancen stehen dafür sehr gut, wie der netzwelt-Test zeigt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kontaktfreudiger Tablet-PC
  2. Wie aus dem iPad gepellt
  3. Viel Touch, wenig Knöpfe
  4. Android-Altlasten
  5. Nvidias Tegra-Chip sorgt für Rechenpower
  6. Android 3.0 ohne Zugabe
  7. Zubehör
  8. Preise, Verfügbarkeit und Versionen
  9. Fazit
  10. Benchmarks

Android-Tablets gibt es mittlerweile in Massen auf dem Markt - und das obwohl Google mit Android 3.0 (Honeycomb) erst jetzt eine für Tablets optimierte Version seines Handy-OS veröffentlicht hat. Motorola bringt mit dem Xoom das erste Gerät mit dieser auf den Markt. Die Erwartungen sind hoch, zumal Google das Gerät als Referenzmodell bei der Vorstellung von Honeycomb nutzte. Und diese hohen Erwartungen werden nicht enttäuscht: Im netzwelt-Test präsentiert sich das Xoom auf Augenhöhe mit Apples iPad.

Der Marktstart des Xoom markiert den Auftakt einer zweiten Welle von Android-Tablets: Während die ersten Modelle mit noch für Smartphones entwickelten Android-Versionen liefen und abgesehen von Samsungs Galaxy Tab sich weitestgehend enttäuschend verkauften, will Google mit Honeycomb nun seinen Erfolgskurs auch im Tablet-Bereich fortsetzen. Die Chancen dafür stehen gut. Das Motorola Xoom zeigt sich im Test in allen Belangen auf Augenhöhe mit dem Branchenprimus iPad und übertrifft dieses teilweise sogar.

Motorola Xoom

Kontaktfreudiger Tablet-PC

Während Apple sein Tablet lediglich mit einer Dock-Connector-Schnittstelle ausstattet und der Nutzer zum Anschluss an HDMI-Bildschirme beispielsweise einen teuren Adapter erwerben muss, zeigt sich das Xoom deutlich kontaktfreudiger. Motorola spendiert dem Tablet eine microUSB- und eine microHDMI-Schnittstelle. Auch der interne Speicher von 32 Gigabyte lässt sich über eine microSD-Speicherkarte erweitern. Kurios: Der Speicherkartenslot wird von Motorola erst nachträglich per Software-Update aktiviert werden. Early Adopter müssen also zunächst mit dem internen Speicher auskommen. Des Weiteren weist das Motorola Xoom einen Anschluss für Kopfhörer und einen Steckplatz für das Netzteil auf.

Die vielen Anschlussmöglichkeiten sind vor allem auch dank der leistungsstarken Kamera auf der Rückseite sinnvoll. Motorola verbaut hier eine 5-Megapixel-Kamera, mit der sich anders als beim iPad 2 dank LED-Fotoleuchte und Auto-Fokus auch durchaus brauchbare Bilder machen lassen. Der Auslöser reagiert dabei sehr schnell, so dass sich das Xoom auch für Schnappschüsse eignet. Videos nimmt das Gerät sogar in HD-Auflösung auf (720p). Auf der Vorderseite steht zudem eine 2-Megapixel-Webcam für Videotelefonate zur Verfügung.

Wie aus dem iPad gepellt

Optisch erinnert das Tablet ganz an das große Vorbild aus Cupertino. Das Gehäuse ist in Schwarz und Silber gehalten und weist dank des leicht gebogenen Metallrückens eine ähnlich gute Haptik wie das iPad auf. Das Display ist mit 10,1 Zoll einen Tick größer als beim iPad - auch wenn dieses aufgrund des Widescreen-Formates nicht so wirkt.

Dank des Formfaktor erscheint das Tablet aber nicht nur kompakter, sondern liegt auch gut in der Hand. Es lässt sich mit einer oder zwei Händen bedienen. Aufgrund des vergleichsweise zum iPad 2 hohen Gewichtes von 730 Gramm empfiehlt es sich aber, das Tablet mit beiden Händen zu halten. Sonst bekommt der Nutzer schnell einen langen Arm.

Viel Touch, wenig Knöpfe

Surfen macht auf dem Xoom dank Flash-Unterstützung richtig Spaß.
Surfen macht auf dem Xoom dank Flash-Unterstützung richtig Spaß.

Was dem Motorola Xoom fehlt sind physikalische Knöpfe. Tasten für den Startbildschirm, die Suche, das Kontextmenü oder die Zurück-Navigation sucht der Nutzer vergebens. Die von Android bekannten Tasten zur Steuerung des Systems sind in Android 3.0 komplett durch virtuelle Buttons ersetzt worden. Der Start- und Zurück-Knopf finden sich dabei als Schaltfläche am unteren Bildschirmrand, die Suche ist über ein Icon auf dem Startbildschirm zugänglich.

Neben Start- und Zurück-Knopf findet sich zudem eine weitere Schaltfläche, die eine Übersicht mit den zuletzt geöffneten Apps aufruft. Der Nutzer kann hier schnell zu einer anderen App wechseln, leider aber keine Anwendungen schließen. Auch werden nicht alle geöffneten Apps angezeigt sondern nur so viele, wie Platz auf dem Display finden. Bei Bedarf wird in der unteren Leiste auch eine Kontextmenü-Taste eingeblendet.

An physikalischen Tasten weist das Xoom lediglich zwei kleine Drücker zur Lautstärkeregelung an der Gehäuseecke und einen Einschalter auf. Die Power-Taste hat Motorola auf der Rückseite neben der Digitalkamera versteckt. Das kann beim Nutzen des Gerätes nervig sein, lässt der Nutzer das Xoom beispielsweise auf dem Tisch liegen und geht kurz weg, muss er es erst vom Tisch wieder hoch heben, um es zu entsperren. Auch der Lautstärkeregler ist etwas ungünstig platziert und war im Test nur schwer zu erreichen.

Android-Altlasten

Das Display eignet sich dank der hohen Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln und seinem Widescreen-Format perfekt zum Filme gucken. Im Test zeigte das Motorola Xoom zudem eine geringe Blickwinkelabhängigkeit. Das Surfen im Web bereitet auf dem großen Display viel Freude, zumal das Xoom mit installiertem Flashplayer auch Flash-Inhalte wiedergeben kann. Allerdings muss der Nutzer mit Android-Altlasten kämpfen. Einige Webseiten erkennen das Xoom offenbar noch als Smartphone und leiten den Nutzer direkt auf die mobile Webseite weiter. Dort muss er die Ansicht manuell umstellen.

Das Angebot an nativen Honeycomb-Apps ist noch gering.
Das Angebot an nativen Honeycomb-Apps ist noch gering.

Positiv dagegen: Nahezu alle für Android-Smartphone produzierte Apps sind unter Honeycomb lauffähig - und zwar überwiegend sogar im Vollbildmodus. Die Apps werden dabei natürlich hochskaliert, weshalb die Bildqualität etwas leidet. Speziell auf Honeycomb optimierte Apps gibt es dagegen bislang nur eine Hand voll. Google selbst hat etwa eine 3D-Version von YouTube für Tablets entwickelt und den digitalen Anatomie-Atlas Google Body.

Mit DrawFree, AccuWeather und CNN stehen weitere Anwendungen bereit. Auch das Jump-and-Run "Cordy" und das Billard-Spiel "Pool Break" sind in einer Honeycomb-Version bereits im Android Market erhältlich. Insgesamt wollen laut Google über 30 Entwickler demnächst optimierte Apps anbieten. Im Vergleich zu den 65.000 nativen iPad-Apps ein noch überschaubares Angebot, das aber bei entsprechenden Verkaufserfolgen schnell wachsen dürfte.

Nvidias Tegra-Chip sorgt für Rechenpower

Im Inneren des Motorola Xoom werkelt Nvidias Tegra 2-Chip. In Verbindung mit dem ein Gigabyte großen Arbeitsspeicher bietet das Tablet damit ordentlich Rechenpower. Im Test reagiert das Xoom trotz einer Vielzahl parallel laufender Apps ohne Verzögerung auf Eingaben. Chip-Hersteller Nvidia verweist über seine kostenlose App Tegra Zone auch auf speziell für den Chip optimierte Spiele, etwa Dungeon Defenders, die auf dem Tablet eine konsolenähnliche Grafik bieten.

Dank Stromsparfunktionen soll der Akku dabei auch nicht zu stark beansprucht werden. Motorola verspricht sogar bis zu zehn Stunden Videogenuss. Auch surfen soll je nach Verbindung bis zu zehn Stunden ohne Unterbrechung möglich sein. Im Test konnte netzwelt diese Werte nachvollziehen, das Tablet lud sich zudem vergleichsweise schnell auf.

Android 3.0 ohne Zugabe

Anders als bei seinen Smartphones auf Android-Basis bietet das Motorola Xoom keine speziellen Motorola-Funktionen. Auf den umfangreichen Musik-Player oder die Synchronisationsfunktionen der Motoblur-Oberfläche müssen Nutzer also verzichten - schade.

Auch wenn die eigenen Nutzeroberflächen der Hersteller im Android-Bereich nicht unumstritten sind, verpasst Motorola hier eine Chance sich von der kommenden Konkurrenz abzuheben. Samsung etwa hat bereits angekündigt, die Honeycomb-Oberfläche mit eigenen Funktionen anzureichern.

Zubehör

An Zubehör stellt Motorola zum Marktstart die nötigen Accessoires bereit: Etwa eine Dockingstation mit Lautsprechern zum bequemen Schauen von Filmen, eine Bluetooth-Tastatur und eine Schutzhülle, die sich ähnlich wie das Smartcover von Apple auch als Ständer für das Tablet nutzen lässt. Auch Drittanbieter haben bereits Zubehör für das Xoom, etwa Schutzhüllen, im Angebot. Im Vergleich zu der Vielzahl an iPad-Accessoires ist das Angebot aber noch überschaubar.

Preise, Verfügbarkeit und Versionen

Das Motorola Xoom ist in zwei Varianten erhältlich: Als UMTS- und als reine WLAN-Variante. Beide Versionen verfügen jeweils über 32 Gigabyte internen Speicher und sollen im Laufe des zweiten Quartals erscheinen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 629 Euro für die WLAN-Variante und 699 Euro für die UMTS-Version. Die UMTS-Version ist in Deutschland zunächst nur über die Telekom erhältlich. Der Netzbetreiber hat bereits mit der Auslieferung der ersten vorbestellten Modelle begonnen.

Fazit

Die hohen Erwartungen an das erste Tablet mit Honeycomb hat das Motorola Xoom im Test erfüllt. Endlich gibt es eine ebenbürtige Alternative im Tablet-Bereich für alle diejenigen, die dem Apfel-Universum kritisch gegenüber stehen. Die Freude am Xoom wird aber ein wenig dadurch getrübt, dass das Gerät stellenweise noch unfertig erscheint. Warum der Speicherkartenslot etwa erst nach einem Software-Update nutzbar ist, wird wohl Motorolas oder Googles Geheimnis bleiben. Der Preis liegt zwar zudem nicht in astronomischen Höhen wie bei manchen anderen Android-Tablets, günstig ist das Xoom aber nicht. Die WiFi-Variante liegt beispielsweise 50 Euro über dem Preis eines vergleichbaren iPad 2-Modells.

Motorola Xoom
7
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Motorola Xoom Benchmarks
Passmark-Benchmark Ergebnis
Gesamt 1554
Prozessor (CPU Mark) 3,765
Speicher (Mem Mark) 1,208
Festplatte (Disk Mark) 2,703
2D (2D Mark) 2,091
2D (3D Mark) 590

Das für die Passmark-Benchmarks genutzte Motorola Xoom hat ein ARMv7 Prozessor rev 0 (v7l) mit 2 Kernen und 715.7 MB RAM.

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Testbericht, Mobile Computing, Android, Motorola, Smartphone, Tablet-PC und Motorola Xoom.

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Motorola Xoom im Zeitverlauf
1 von 5
  • Motorola Xoom: Auslieferung des Updates auf Android 3.1 hat begonnen

    22.06.2011 Das Motorola Xoom kam als erstes Tablet auf den Markt, das mit Android 3.0 alias Honeycomb läuft. Von Anfang an enthielt es auch einen SD-Kartenslot, der sich bislang allerdings nicht nutzen ließ. Das wird sich nun ändern - dank des Updates auf die Version 3.1.

    Wie Motorola Europe über Facebook mitteilt, habe die Auslieferung des Updates außerhalb der USA begonnen. Allerdings wird die Aktualisierung nicht überall ab sofort verfügbar sein: Das Android-Update für das Xoom wird erst innerhalb der nächsten Wochen in Europa verbreitet. Gut möglich also, dass Nutzer hierzulande noch ein wenig warten müssen.

    Weitere Informationen, was die Neuerung neben der Aktivierung des Speicherkartenslots bringt, liegen noch nicht vor. Im Facebook-Eintrag wird ganz allgemein von "vielen Verbesserungen" gesprochen. Unter den Neuerungen, die Google für Android 3.1 bereits bekannt gegeben hat, befindet sich unter anderem die Möglichkeit, durch die Liste der kürzlich aufgerufenen Apps zu scrollen. Außerdem lassen sich Widgets skalieren.

    Die neue Version bietet auch eine Reihe an überarbeiteten Anwendungen, zum Beispiel des Browsers und der E-Mail-App. Verbessert wurde zudem die WLAN-Anbindung; die Unterstützung von Peripheriegeräten wurde erweitert.

    In Deutschland ist das Motorola Xoom erst knapp zwei Monate auf dem Markt. Seit Ende April ist es über die Telekom verfügbar. Ohne Vertrag bieten Online-Händler das Tablet in der reinen WLAN-Version ab etwa 555 Euro an, die 3G-Variante kostet derzeit etwa 600 Euro.

    Das Motorola Xoom bietet einen 10,1 Zoll großen Touchscreen und wird von einem Tegra 2-Chip von Nvidia angetrieben. Das Display bietet eine Auflösung von 1.280 x 800 Pixel und unterstützt HD-Inhalte in 720p. Zu der Ausstattung des Tablets zählen eine Fünf-Megapixel-Kamera auf der Rückseite sowie eine Zwei-Megapixel-Frontkamera für Videochats. Es bietet außerdem einen Mini-HDMI-Anschluss. Wie bei Android-Geräten üblich, unterstützt das Xoom Flash - auf das Nutzer eines iPad oder iPad 2 verzichten müssen.

    Inzwischen sind neben dem Xoom noch weitere Honeycomb-Tablets auf dem Markt: das Samsung Galaxy Tab 10.1V sowie das Acer Iconia A500. Mit dem LG Optimus Pad ist außerdem das erste 3D-Tablet mit Honeycomb angekündigt.

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