Nextbit Robin im Test: Das Smartphone mit unendlichem Speicher

Crowdfunding-Telefon

von Jan Brack
Das Nextbit Robin im Test

Das ehemalige Kickstarter-Projekt Nextbit Robin befindet sich in Serienproduktion. Das 5,2 Zoll große Android-Smartphone will Käufer nicht nur mit ordentlicher Hardware zum konkurrenzfähigen Preis locken. Der Clou liegt in einer intelligenten Cloud-Lösung, dank derer Speicherengpässe der Vergangenheit angehören sollen. Geht das Gesamtpaket im Test auf?

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Ausstattung, Leistung und Bedienung
  3. Smart Storage-Technologie
  4. Kamera
  5. Sprachqualität und Akkulaufzeit
  6. Preis und Verfügbarkeit
  7. Fazit
  8. Datenblatt

1,4 Millionen US-Dollar konnte Nextbit für das Kickstarter-Projekt "Robin" gewinnen, inzwischen befindet sich das kantige Smartphone in Serienproduktion. Neben auffälligen Farbvarianten wie Mint und Rot hebt sich das Gerät vor allem durch einen angebundenen Cloud-Speicher von der im Preissegment bis 300 Euro nicht unerheblichen Konkurrenz ab.

Design und Verarbeitung

Das kantige Design des Robin sticht neben der zum Teil auffälligen Farbwahl am meisten ins Auge - der ehemals für klassische Telefone verwendete Ausdruck des "Barren-Handy" scheint hier besonders treffend. Gefertigt wird das Robin vollständig aus Plastik, die Oberflächen sind matt und keineswegs rutschig. Die SIM-Karte wird seitlich eingeschoben, da kein Akkuwechsel vorgesehen ist, knarzt und wackelt am Robin nichts. An der Unterseite findet sich ein USB-Anschluss des aktuellen Typs C. Kamera und LED-Blitz stehen nicht hervor - sehr gut.

Wo andere Hersteller einen physischen Home-Button verbauen, befindet sich bei Nextbit ein Frontlautsprecher, dessen Stereo-Pendant die Hörmuschel ersetzt. Ansonsten finden sich auf der Frontseite lediglich Frontkamera und Sensoren. Rechts bringt Nextbit eine Power-Taste an, die wie beim Sony Xperia Z5 Compact gleichzeitig Fingerabdrucksensor ist - eine optimale Position. Auf der linken Seite sitzen Lauter- und Leiser-Tasten, deren Verarbeitung allerdings recht billig wirkt.

Nextbit Robin im Test

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Insgesamt gesehen machen Design und Verarbeitung des Robin jedoch einen soliden Eindruck. Wer mit dem eigenen Gerät aus der großen Android-Masse hervorstechen möchte, ist gut bedient.

Ausstattung, Leistung und Bedienung

Das Display misst 5,2 Zoll und löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf, zum Einsatz kommt ein vielversprechendes IPS-Panel. Unser Testgerät verfügt über einen recht warmen, angenehmen Farbton und bietet eine starke Helligkeit, die auch im Freien ausreichend ist. Kontraste und Farben des Full HD-Screens sind ordentlich, könnten aber etwas satter ausfallen.

Rechenpower bezieht das Gerät aus einem Qualcomm Snapdragon 808-Prozessor, unterstützt von 3 Gigabyte Arbeitsspeicher (GB) und 32 GB internem Speicher. Der Hexacore-Chip kam bereits in Top-Smartphones wie dem LG G4 zum Einsatz und arbeitet entsprechend zügig, die Rechenleistung sollte also keinem Anwendungsgebiet im Wege stehen. Dennoch treten einige softwarebedingte Hänger in der Bedienung des Robin auf - dazu später mehr.

Die eingangs erwähnten Frontlautsprecher liefern eine gute Lautstärke, der Sound fällt allerdings extrem blechern aus - Musikhören macht hier definitiv keinen Spaß. Einzig positiv anzumerken ist ein netter Stereoeffekt, sofern ihr das Gerät im Querformat vor euch haltet.

Wie erwähnt kombiniert Nextbit die Power-Taste mit einem Fingerabdrucksensor, diese Positionierung ist für ein Gerät dieser Größe optimal. Die Sensorfläche ist positionsbedingt recht schmal, sodass immer nur ein kleiner Teil des Daumens gelesen wird. Landet man gleich mit der richtigen Stelle auf dem Sensor, arbeitet er sehr schnell und zuverlässig. Nicht selten müssen wir die Position allerdings um einige Millimeter korrigieren, bevor das Telefon entsperrt ist.

Smart Storage-Technologie

Das Robin arbeitet mit Android 6.0 Marshmallow, wichtigster Unterschied zu Googles Standard-Ausgabe ist "Smart Storage". Jeder Käufer erhält 100 Gigabyte kostenlosen Cloud-Speicher, ist der 32 Gigabyte große Gerätespeicher voll, lagert Smart Storage automatisch Inhalte in die Cloud aus. Konkret handelt es sich bei derart verschobenen Daten um Fotos und Apps.

Mit zunehmendem Füllstand des 32 Gigabyte großen internen Speichers beginnt das Robin, Daten in die Cloud zu transferieren. Ausgelagerte Apps erscheinen dann ausgegraut auf dem Homescreen, mit einem Tipps lassen sie sich wieder herunterladen - Internetverbindung vorausgesetzt. App-Daten und -Konfigurationen bleiben dabei vollständig bestehen. Bei größeren Apps und Spielen kostet ein Download unterwegs nicht nur Zeit, sondern belastet natürlich auch euer integriertes Datenvolumen.

Smart Storage-Einstellung des Nextbit Robin.
Smart Storage-Einstellung des Nextbit Robin. (Quelle: Screenshot)

Fotos komprimiert das Robin auf Full-HD-Auflösung, sodass sich diese unvergrößert verlustfrei betrachten lassen, die Originale liegen in der Cloud. Das ist ein Prinzip, das auch Google Fotos und Apples iCloud-Fotomediathek seit längerem unterstützen. Letztere Dienste können zusätzlich mit Videos umgehen, Nextbit beherrscht das nicht.

Mit zunehmender Nutzungsdauer soll das Nextbit Cloud-System zudem von eurem Verhalten lernen und dann zuverlässig die Inhalte in die Cloud verschieben, die ihr zu gegebener Zeit am unwahrscheinlichsten nutzt. Wann immer ein Datenabgleich zwischen Smartphone und Cloud stattfindet, blinken vier weiße LED-Lichter auf der Geräterückseite - ein gleichermaßen praktischer und schicker Indikator.

Wer das Robin verliert, kann leider nicht auf eine 1:1-Wiederherstellung auf Basis des Backups hoffen, wie etwa vom iPhone in Verbindung mit der iCloud bekannt. Denn trotz ausreichend großer 100-Gigaybyte-Cloud werden immer nur einzelne Daten abgeglichen. Nextbit verspricht eine hohe Datensicherheit in der Cloud, macht allerdings keine expliziten Angaben zur Verschlüsselung oder zum Standort der Server.

Ohne Frage ist Smart Storage ein toller Ansatz, der in seiner aktuellen Form auch gut funktioniert. Der Nutzen ließe sich allerdings deutlich steigern, würde man Backup und Komprimierung zumindest auf Videos ausweiten. Optimal wäre eine 1:1-Sicherung.

Abseits von Smart Storage handelt es sich beim Betriebssystem um eine simple Ausführung von Android Marshmallow. Das sogenannte "Nextbit OS" verzichtet auf den App-Drawer; alle Anwendungen liegen auf dem Homescreen. Insgesamt sieht die Nutzeroberfläche schick aus, alle Funktionen sind zügig erreicht. Neben Google- und Stock-Apps findet sich keine nervige Bloatware auf dem Telefon. Ihr müsst euch allerdings mit sporadischen Rucklern abfinden - die wohl eher der Android-Programmierung, als dem Prozessor zuzuschreiben sind.

Nextbit verspricht zügige Updates auf neue Android-Versionen - gut möglich, dass sich dieses Ziel mit derzeit nur einem Gerät im Lineup einhalten lässt.

Kamera

Die 13-Megapixel-Kamera hinterlässt im Test einen geteilten Eindruck. Helle Aufnahmen bei Tageslicht gelingen sehr gut, auch gegen die Sonne entstehen brauchbare Fotos. Treffen starke Kontraste und unterschiedliche Lichtverhältnisse in einem Bild aufeinander, gelingt die Belichtung leider nicht gut - allzu sehr konzentriert die Kamera sich auf dunkle Inhalte, sodass helle Szenen hoffnungslos überbelichtet sind. Auch nach dem Ertönen des Auslösers sollte die Kamera für einen Extra-Moment auf dem Motiv verweilen - Fotos werden andernfalls schnell unscharf.

Robin-Beispielaufnahmen

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Die Kamera-App ist sowohl per Homescreen, als auch über den Lockscreen sehr schnell einsatzbereit - wenn sie sich nicht aufhängt. Im Test streikte die Anwendung mehrmals so sehr, dass wir sie über den Task-Manager beenden mussten. Als stabile Alternative lässt sich etwa die kostenlose Camera MX nachinstallieren.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität des Nextbit Robin überzeugt im Test, Hintergrundgeräusche werden zuverlässig gefiltert, die Stimme wird dafür allerdings leicht dumpf. Gesprächspartner klingen klar und deutlich.

Die Akkulaufzeit fällt leicht unterdurchschittlich aus, das Robin sollte bei leichter bis moderater Nutzung einen Tag überstehen. Auffällig hoch ist allerdings insbesondere der Verbrauch im Standby - selbst wenn keine Cloud-Backups durchgeführt werden.

Preis und Verfügbarkeit

Zum Preis von 299 US-Dollar (aktuell etwa 265 Euro) wird das Robin SIM-Lock-frei über nextbit.com vertrieben. Der Versand nach Deutschland ist kostenlos. Im Preis enthalten sind 100 Gigabyte Speicher in der Nextbit-Cloud.

Ausgeliefert wird das Smartphone nur mit einem USB-A-auf-C-Kabel, Netzteil oder Kopfhörer bleiben vermisst.

Nextbit Robin: Fazit

Attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis 6.9/10

Nextbit liefert mit dem Robin ein solides Smartphone zum äußerst fairen Preis ab. Das angepasste Android 6 samt Smart Storage-Funktion überzeugt - wenngleich wir festhalten müssen, dass ähnliche Features von Apple und Google existieren. Das Backup sollte Nextbit konsequenter auf das gesamte System ausweiten.

Das hat uns gefallen

  • Gute Verarbeitung
  • Cloud-Integration
  • Preis

Das hat uns nicht gefallen

  • Kamera und Akku mittelmäßig
  • Cloud-Konzept wird nicht konsequent umgesetzt
Testnote 6,9 von 10
Jan Brack
Bewertet von Jan Brack
7,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

7,0 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

6,0 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

6,0 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde von netzwelt erworben.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

9
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Bestenlisten

Nextbit Robin wurde in folgende Smartphone-Bestenlisten einsortiert.

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Nextbit Robin - Specs: Die technischen Daten im Überblick

Die nachfolgende Tabelle zeigt euch die wichtigsten technischen Daten des Nextbit Robin im Überblick. Eine detaillierte Auflistung findet ihr im technischen Datenblatt, um das Nextbit Robin mit anderen Smartphones zu vergleichen besucht unseren Handy-Vergleich.

Prozessor Qualcomm MSM8992
Display LCD IPS Color (16M) 1080x1920px (5.2") 424ppi
RAM 3 GB
Gerätespeicher 32 GB
Akku 2.680 Milliamperestunden
Hauptkamera 13 Megapixel
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