Nikon D300s im Test: Erschwingliche Profi-DSLR

Spiegelreflexkamera mit umfangreicher Ausstattung

von Jan Johannsen

Hochwertige Spiegelreflexkameras sind erschwinglich geworden. Auch Nikons neuestes Profimodell D300s wechselt zum vergleichsweise günstigen Preis von rund 1.350 Euro den Besitzer. Die Kamera bietet eine gute Bildqualität und eine umfangreiche Ausstattung, allerdings wirkt die Bedienung teilweise sehr kompliziert.

Kaum Bildrauschen, aber Vignettierung

Der 23,6 x 15,8 Millimeter große CMOS-Sensor der Nikon D300s liefert bei einer maximalen Auflösung von 12,3 Megapixeln ansprechende Fotos mit natürlich wirkenden Farben. Die Aufnahmen überzeugen außerdem durch hohen Kontrastumfang und viele, gut zu erkennenden Details. Allerdings tritt bei Verwendung des zum Test-Kit gehörenden 16-bis-85-Millimeter-Objektivs eine kleine, aber sehr deutliche Vignettierung in den Bildecken auf.

Die Aufnahmen der D300 lassen erst ab einer Lichtempfindlichkeit von ISO 1.600 leichtes Bildrauschens erkennen, das die Bildqualität aber kaum beeinflusst. Selbst mit ISO 3.200 aufgenommenen Fotos eignen sich noch problemlos für Abzüge im Posterformat.

Nikon D300s Testbilder

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Videos zeichnet die Nikon D300s maximal in HD-Auflösung mit 1.280 x 720 Pixeln auf. Qualitativ bewegen sich die Filme auf dem gleichen hohen Niveau wie die Fotos: natürliche Farben, deutliche Kontraste, viele Details. Allerdings arbeitet der Autofokus während der Videoaufzeichnung sehr träge. Das integrierte Mikrofon liefert einen angenehmen Klang und gut zu verstehenden Ton.

Livebild für Fotografen mit Erfahrung

Der drei Zoll große Bildschirm auf der Rückseite der Nikon D300s zeigt ein Livebild an und kann auch alternativ zum optischen Sucher für die Motivwahl verwendet werden. Die nur wenig spiegelnde Anzeige mit einer Auflösung von 920.00 Pixeln gefällt durch große Betrachtungswinkel. Die Helligkeit der Anzeige lässt sich nach Bedarf anpassen.

Nikon D300s

Die D300s bietet eine Programmautomatik, Zeit- und eine Blendenvorwahl sowie einen manuellen Modus. Eine Vollautomatik steht ebenso wenig zur Verfügung wie fest eingestellte Werte für verschiedene Szenen.

Bedienung: Von unsinnig bis angenehm

Die Anordnung der Bedienelemente der D300s von Nikon überzeugt nicht - die Handhabung fällt teilweise sehr verwirrend und kompliziert aus. So muss der Nutzer zum Beispiel Tasten mit den Fingern der linken Hand gedrückt halten, um mit der rechten Hand über ein Drehrad Weißabgleich, Lichtempfindlichkeit oder Aufnahmequalität zu verändern. Da die linke Hand aber typischerweise das Objektiv hält, wäre es deutlich praktischer die Werte alleine mit der rechten Hand verstellen zu können - wie es bei vielen anderen Spiegelreflexkameras üblich ist.

Ebenfalls zu kompliziert fällt die Bedienung des Drehschalters für die Auswahl von Einzelbild, Serienbild oder Selbstauslöser aus: Parallel zur Drehbewegung muss der Anwender einen Sicherungsknopf herunter drücken. Das verhindert zwar ungewolltes Verstellen des Bedienelements, macht die Nutzung der Kamera aber unbequem.

Alle anderen Bedienelemente der gut in der Hand liegenden Nikon D300s geben wenig Anlass zu Kritik. Mit seinen zwei Händen erreicht der Fotograf die Tasten und Knöpfe ohne Probleme, lediglich die Druckpunkte fallen teils etwas schwammig aus und liegen zu tief. Vor allem Personen mit größeren Händen erschwert das die Nutzung der DSLR.

Der Autofokus der Nikon D300s arbeitet bei Verwendung des optischen Suchers sehr schnell und präzise. Bei aktiver Livebild-Anzeige fokussiert die Kamera allerdings erst, wenn der Auslöser komplett gedrückt wurde. Solange der Monitor auf der Kamerarückseite als Sucher dient, kann der Nutzer den Fokus vor der Aufnahme nur umständlich kontrollieren: Während die "AF-ON"-Taste gehalten wird, aktiviert der halb gedrückte Auslöser den Autofokus und schaltet dabei kurzzeitig das Livebild aus.

Nikon D300s im Test

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In das Gehäuse der D300s baut Nikon, wie bei all seinen anderen DSLR-Kameras, keinen Bildstabilisator ein. Der japanische Hersteller stattet aber einen Teil seiner Objektive mit der hauseigenen "Vibration Reduction"-Technik (VR) aus, die Verwacklungen bei längeren Belichtungszeiten ausgleicht. Im Test konnten mit einem VR-Objektiv Freihand-Aufnahmen bei Belichtungszeiten von 1/20 Sekunde ohne Verwacklungen aufgenommen werden - normalerweise liegt die Grenze hierfür bei 1/60 Sekunde.

Zwei Speicherkarten und viele Anschlüsse

Ungewöhnlich, aber praktisch: Nikon stattet die D300s mit Schächten für zwei Arten von Speicherkarten aus. Die Kamera speichert auf SD(HC)- und CF-Karten ab. Entweder legt sie ihre Fotos zur Sicherheit auf beiden Speichermedien ab, oder die Kamera nutzt die zweite Karte erst, wenn die erste voll ist. Der Fotoapparat kann auch auf einer Karte Aufnahmen im komprimierten JPEG-Format und auf der anderen im Rohdatenformat NEF ablegen.

Das Gehäuse der D300s wirkt stabil und sauber verarbeitet. Die gummierten Flächen sorgen für einen sicheren Griff. Die Kamera verfügt über zahlreiche Schnittstellen, die - wie AV-Ausgang, USB- und HDMI-Anschluss - zur Datenübertragung oder Stromversorgung sowie zum Anschluss externer Geräte wie GPS-Empfänger, Fernbedienungen oder Mikrofonen dienen.

Nikon D300s: Fazit

Gut, aber nicht perfekt 7/10

Die Nikon D300s eignet sich nur für Fotografen mit Erfahrung. Der Fotoapparat bietet keine Hilfsmittel für den Nutzer, sondern lässt ihm viele Freiräume bei den Einstellungen und der Bildgestaltung. Die Bildqualität bewegt sich auf dem bei Spiegelreflexkameras üblichen hohem Niveau. Die Bedienung der D300s gestaltet sich allerdings deutlich komplizierter als bei anderen DSLRs. Für das getestet Kit, das aus einem D300s-Gehäuse und einem 16-bis-85-Millimeter-Objektiv besteht, empfiehlt Nikon einen Verkaufspreis von 2.369 Euro. Im Internet bieten Händler das Set aber bereits für rund 1.800 Euro an. Das Gehäuse alleine steht schon für etwa 1.350 Euro zum Verkauf. Eine ähnlich gute Bildqualität wie die Nikon D300s bieteen bei deutlich angenehmerer Bedienung und abweichender Ausstattung die günstigere Nikon D5000 oder die im gleichen Preisbereich angesiedelte Canon EOS 7D.

Das hat uns gefallen

  • Abgedichtetes Gehäuse
  • Serienbildgeschwindigkeit

Das hat uns nicht gefallen

  • Videofunktion
  • Steuerrad schwammig
Testnote 7,0 von 10
Bewertet von Jan Johannsen
7,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

8,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

5,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

7,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

8,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

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10
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