Nikon D3300 im Test: Einsteiger-DSLR ohne Tiefpassfilter

Die dritte Generation

von Dennis Imhäuser

Die D3300 ist das Einsteigermodell ins DSLR-System von Nikon. Die kompakte DSLR löst wie die Vorgängerin D3200 mit 24 Megapixeln auf, jedoch verzichtet Nikon auf einen Tiefpassfilter vor dem Sensor. Die D3300 ist der Einstieg ins F-System, und wie gut Nikon dies gelungen ist, lesen Sie im ausführlichen Test auf netzwelt.

Die Nikon D3300 ist das Einsteigermodell ins F-System von Nikon. Die DSLR verfügt wie das Vorgängermodell Nikon D3200 über eine Auflösung von 24 Megapixeln, allerdings hat der japanische Hersteller beim neuen CMOS-Sensor auf einen Tiefpassfilter davor verzichtet. Ob es der Nikon D3300 gelingt, Anfänger abzuholen und für das F-System zu begeistern, lesen Sie im ausführlichen Testbericht.

24 Megapixel ohne Tiefpassfilter, kleines und leichtes Gehäuse: So definiert Nikon den Einstieg ins F-System.
24 Megapixel ohne Tiefpassfilter, kleines und leichtes Gehäuse: So definiert Nikon den Einstieg ins F-System.

Bedienung und Verarbeitung

Keine großen Veränderungen im Gegensatz zur D3200 (Testbericht) gibt es bezüglich Design und Verarbeitung. Das Kameragehäuse ist komplett aus Kunststoff mit Anteilen von Kohlenstofffasern gefertigt, was die DSLR mit 455 Gramm inklusive Akku und Speicherkarte zu einem leichteren Vertreter macht. Gerade bei Einsteigermodellen ist das Gewicht nicht zu verachten, denn eine DSLR die aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts zu Hause bleibt, ist die schlechteste Lösung. Daher ist es von Vorteil, wenn Einsteigermodelle die Fotografen, die bislang mit dem Smartphone oder mit Kompaktkameras fotografiert haben, nicht mit einer schweren Kamera verschrecken.

Die Verarbeitung ist auf einem hohen Niveau. Es gibt nichts zu bemängeln. Das Kameragehäuse fühlt sich solide an. Der Kunststoff könnte hochwertiger sein, geht aber in Ordnung. Es gibt keine unregelmäßigen Spaltmaße oder knirschende Speicherkartenfächer. Der Kameragriff ist sehr schmal und auch nicht sonderlich tief. Mittelgroße Hände dürften damit noch zurechtkommen, für große Hände ist der Griff definitiv zu klein.

Nikon D3300 im Test

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Die Bedienung der DSLR ist klassisch wie bei den meisten Modellen. Auf der Oberseite rechts neben dem eingebauten Blitz befindet sich ein Moduswahlrad. Dort sind neben der Vollautomatik (einmal mit und einmal ohne Blitz) auch Halbautomatiken (A, S) sowie der manuelle Modus untergebracht. Darüber hinaus gibt es noch weitere Szenemodi für Porträt, Sport und Makro, die direkt über das Wahlrad angesteuert werden können. Auf die Möglichkeit, Belichtungsreihen für HDR-Aufnahmen erstellen zu können, müssen Einsteiger verzichten. Der Kreativfilter HDR-Gemälde ist eine nette Spielerei, doch keine richtige HDR-Aufnahme.

Auf der Rückseite befindet sich ein Daumenrad. Dies ist das einzige Einstellrad der D3300. Hierüber müssen gleich mehrere Funktionen ausgeführt werden. Das ist leider wenig komfortabel, aber auch keine Überraschung bei günstigen Einsteigergeräten. Ähnliche Modelle wie die Canon 1200D (Testbericht) verfügen ebenfalls nur über ein Einstellrad. Generell ist der Fotograf öfter im Kameramenü unterwegs, als es ihm lieb sein kann, doch diese negative Eigenschaft teilen sich die günstigen Modelle allesamt.

Fotoeigenschaften

Bei Nikon löst schon die kleinste DSLR mit 24 Megapixeln auf. Das ist ebenso hochauflösend wie die Modelle D5300 (Testbericht) oder die D7100 (Testbericht). Der neue CMOS-Sensor muss sich nicht mehr hinter einem Tiefpassfilter verstecken. Im Gegensatz zur Nikon D3200 hat Nikon auch beim Einsteigermodell auf den Antialiasing-Filter vor dem Sensor verzichtet. Dadurch erreichen Kamerahersteller eine größere Schärfewirkung in den Aufnahmen, weil mehr Licht auf den CMOS-Sensor fällt und damit mehr Informationen verarbeitet werden können. Dies wiederum führt zu einem etwas höheren Schärfeeindruck in den Fotos. Auf der negativen Seite steht, dass der Sensor anfälliger für Moirés wird.

Der CMOS-Sensor in APS-C-Größe löst mit 24 Megapixel und besitzt keinen Tiefpassfilter.
Der CMOS-Sensor in APS-C-Größe löst mit 24 Megapixel und besitzt keinen Tiefpassfilter.

Für die Bildentwicklung hat Nikon der D3300 den Bildprozessor Expeed 4 spendiert. Dieser sorgt für eine rauscharme Entwicklung der Fotos bis ISO 3200. Darüber hinaus macht sich Helligkeitsrauschen in den Aufnahmen bemerkbar. Die Lichtempfindlichkeit kann bis maximal 25.600 eingestellt werden. Damit sollte der Fotograf jedoch nur im Notfall fotografieren, weil die Bildqualität bei der hohen Empfindlichkeit stark leidet. Im Gegensatz zu einem Smartphone oder einer Kompaktkamera mit 1/2,3 Zoll großem Sensor zeigt der APS-C-Sensor auch bei höheren Empfindlichkeiten bessere Ergebnisse.

Der Bildprozessor Expeed 4 ist auch für die schnelle Signalverarbeitung zuständig. Die Auslösegeschwindigkeit liegt knapp unter 0,5 Sekunden - ein guter Wert. Einzig der Autofokus bremst die Kamera aus. Gerade im Live-View-Betrieb. Dort benötigt die D3300 auffällig lange, um ein Objekt scharf zu stellen. Bis zu zwei Sekunden können vergehen - das ist zu langsam.

Der Phasen-Autofokus beim Blick durch den optischen Sucher funktioniert hingegen ausreichend schnell. Allerdings ist die Lichtempfindlichkeit des Kreuzsensors in der Mitte ausreichend, doch unter schwachen Lichtbedingungen muss man trotz schnellem Phasen-AF auf den Fokus warten. Die restlichen zehn Autofokus-Messfelder sind lineare Sensoren. Unterm Strich ist die Autofokus-Leistung für ein Einsteigermodell gut.

Videoeigenschaften

Die D3300 kann Full HD-Videos bei einer Bildwiederholungsrate von maximal 50 Vollbildern pro Sekunde oder wahlweise 25 Bildern pro Sekunde in PAL aufnehmen. Die Qualität kann zwischen normal und hoch ausgewählt werden und Umgebungsgeräusche durch eine Windgeräuschreduzierung vermindert werden. Letztere funktionierte im Test erstaunlich gut. Darüber hinaus kann die DSLR komplett manuell im Videomodus gesteuert werden. Ob Blende, Zeit oder die Pegelanpassung - alles kein Problem. Der Videographer hat mit der D3300 alle kreativen Möglichkeiten.

Über einen 3,5mm-Klinkenstecker können auch externe Mikrofone für eine bessere Tonqualität angeschlossen werden. zudem gibt es HDMI- und AV-Ausgang.
Über einen 3,5mm-Klinkenstecker können auch externe Mikrofone für eine bessere Tonqualität angeschlossen werden. zudem gibt es HDMI- und AV-Ausgang.

Negativ fällt auch hier der langsame Kontrast-Autofokus während der Videoaufnahme auf. Er ist schlichtweg überfordert. Daher empfiehlt es sich, stets manuell bei Videoaufnahmen zu filmen und den Fokus manuell mitzuziehen. Dazu benötigt der Videographer ein wenig Erfahrung und Übung, aber erreicht manuell bessere Ergebnisse, als sich auf den Autofokus der D3300 zu verlassen.

Sucher und Display

Canon und Nikon geizen bei der Suchergröße. Sowohl Canons 1200D als auch die Nikon D3300 können mit ihren Suchern nicht überzeugen - zu klein, zu dunkel. Gerade bei Spiegelreflexkameras, die als Besonderheit über einen optischen Sucher verfügen, sollten die Kamerahersteller umdenken.

Die Konkurrenz aus dem Lager der Systemkameras bietet elektronische Sucher, die 100 Prozent des Bildfelds abdecken. Bei der Nikon D3300 sind es magere 95 Prozent. Hinzu kommt eine Vergrößerung von 0,85, die den Sucher zum dunklen Guckloch machen. Ausnahme auf dem DSLR-Markt ist Ricoh. Das Einsteigermodell K-500 bietet einen 100-Prozent-Sucher und eine Vergrößerung von 0,92 für einen ähnlichen Preis. Wenn Kunden von einer DSLR überzeugt werden sollen, dann sollte das Alleinstellungsmerkmal, der optische Sucher, schon stimmen.

Leider nicht so hell: Die D3300 besitzt einen relativ kleinen Sucher.
Leider nicht so hell: Die D3300 besitzt einen relativ kleinen Sucher.

Das drei Zoll große Display auf der Rückseite löst mit 921.00 Bildpunkten auf. Die Wiedergabe ist sehr gut. Die Farbabstimmung ist neutral, was im Gegensatz zur JPG-Entwicklung nicht behauptet werden kann. Doch dazu später mehr. Der Monitor ist fest verbaut und kann nicht nach oben oder unten geklappt werden.

Bildqualität

Generell hat sich der fehlende Tiefpassfilter positiv auf den hochauflösenden Sensor ausgewirkt. Die Bilder scheinen scharf, und im RAW-Modus erhält der Fotograf hervorragendes Bildmaterial für die Nachbearbeitung. Im Zusammenspiel mit einem hochwertigen Objektiv muss sich die kleine DSLR nicht vor Mittelklassemodellen wie der D5300 oder D7100 verstecken.

Die Farbwiedergabe in JPG-Fotos hingegen ist nicht neutral. Die Farben weichen fast alle ab. Rot- und Blautöne werden auffällig stark entwickelt und stechen bei den Fotos heraus. Ob dies dem Fotografen gefällt, liegt, wie das Sprichwort sagt, im Auge des Betrachters. Die Entwicklungsparameter können je nach Vorlieben angepasst werden, oder der Fotograf nutzt RAW-Dateien. Bis zu einer Lichtempfindlichkeit von ISO 3200 liefert die D3300 gute Ergebnisse.

Fazit zur Nikon D3300

Nikon D3300: Fazit

Neuer Sensor überzeugt 5.8/10

Nikon hat ein gutes Gesamtpacket geschnürt. Einsteiger können sich auf eine leichte und kompakte DSLR freuen, die mit vielen Automatiken den Nutzer an die Fotografie heranführt. Die Menüführung und Darstellung samt Hilfefunktion sind sehr gut gelöst. Autofokus und Sucher können im Test nicht vollends überzeugen, und auch die eingesparten Belichtungsreihen sind ein Minuspunkt. Bei der Bildqualität leistet sich die D3300 keine Schwächen. Daher kann netzwelt die DSLR für einen Preis von derzeit circa 420 Euro (Stand: August 2014) jedem Einsteiger empfehlen. Eine Alternative zur D3300 wäre die Canon 1200D. Den ausführlichen Testbericht lesen Sie hier.

Das hat uns gefallen

  • Bildqualität
  • Guide Modus
  • guter Akku
  • kompaktes Gehäuse

Das hat uns nicht gefallen

  • keine Belichtungsreihen
  • langsamer Autofokus im Live-View
  • Farbwiedergabe nicht Neutral
Testnote 5,8 von 10
Dennis Imhäuser
Bewertet von Dennis Imhäuser
5,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

6,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

6,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

4,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

8,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

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9
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Bestenlisten

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Nikon D3300 im Zeitverlauf
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    07.02.2014 Auch Nikon nutzt die wenigen verliebenen Tage bis zum Start der Fotomesse CP+ in Yokohama zur Ankündigung mehrerer neuer Kameras. Mit dabei ist die Nikon D3300, die bereits zur CES angekündigt wurde. Die Spiegelreflexkamera ist nun im Onlineshop des Herstellers erhältlich.

    Bei der D3300 bringt Nikon ein bisschen Farbe ins Spiel. Neben Schwarz und Grau ist die neue Spiegelreflexkamera auch in Rot erhältlich. Alle drei Modelle bieten einen CMOS-Sensor mit einer maximalen Auflösung von 24,2 Megapixeln ohne Tiefpassfilter. Die Lichtempfindlichkeit des Sensors beträgt maximal ISO 12.800. Als Bildprozessor kommt die Expeed 4 Engine zum Einsatz. Serienaufnahmen mit fünf Bildern pro Sekunde sind möglich. Videos zeichnet die Kamera in Full HD mit einer Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde auf.

    Das AF-System besitzt elf Messfelder und einen Kreuzsensor in der Mitte. Der optische Sucher bietet eine 0,85-fache Vergrößerung. Alternativ steht ein drei Zoll großer LCD-Monitor zur Überprüfung des Motivs zur Auswahl. Das Gewicht gibt Nikon mit 410 Gramm an. Die Abmessungen belaufen sich auf 98 x 124 x 75,5 Millimeter.

    Speziell für Anfänger ist die Kamera mit dem Guide-Modus von Nikon ausgestattet, der Schritt für Schritt zu besonderen Fotos verhelfen soll. Erhältlich ist die Nikon D3300 ab sofort und lässt sich bereits über den Onlineshop von Nikon bestellen. Ohne Objektiv-Kit kostet das Gerät 550 Euro, mit Kit 650 Euro. Die D3300 wird im Set mit dem AF-S DX Nikkor 18-55 mm angeboten.

    Informationen zu den weiteren Neuankündigungen des Herstellers finden Sie hier.

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