Nikon D7200 Test: Langweiliger D7100-Nachfolger oder Top-DSLR?

Nikons beste APS-C-Kamera

von Dennis Imhäuser
D7200 Teaser

Nikon D7200 im Test. Das neue Spitzenmodell mit APS-C-Sensor löst wie das Vorgängermodell D7100 mit 24 Megapixeln auf, kommuniziert aber nun mit dem Smartphone oder Tablet über ein eingebautes WLAN-Modul. Was Nikon noch verändert hat und ob sich die D7200 im Alltag behaupten kann, lest ihr auf netzwelt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Gehäuse und Bedienung
  2. Foto
  3. Video
  4. Sucher und Display
  5. Bildqualität
  6. Fazit & Alternativen

Die Nikon D7200 tritt die Nachfolge der Nikon D7100 an. Die 7000er-Serie ist derzeit die DSLR-Top-Serie mit APS-C-Sensor des japanischen Herstellers. Die D7200 löst wie bereits die D7100 mit 24 Megapixeln auf, doch setzt Nikon einen stärkeren Aspekt auf die Kommunikation der DSLR mit Smartphones oder Tablets und stattet die D7200 mit WLAN und NFC aus. Ich habe die D7200 vier Wochen lang für euch getestet. Dabei fällt zunächst auf, dass sich nicht viel im Gegensatz zur D7100 verändert hat. Aber wo sich Stärken und Schwächen zeigen, kommt jetzt im Einzelnen:

Nikon D7200 im Test

Gehäuse und Bedienung

Nikon eben: Die D7200 fühlt sich vertraut an, die Tasten und Bedienräder befinden sich dort, wo Nikon-Fotografen diese erwarten würden. Wer den Vorgänger sein Eigen nannte, der wird mit der D7200 auf Anhieb zurechtkommen, denn es hat sich schlichtweg nichts verändert. Die komplette Tastenbelegung sowie die Maße des Gehäuses - alles ist gleich geblieben. Die Verarbeitung ist gut, doch die Abdeckung für die Speicherkarte ist etwas günstig. Die Kunststoffklappe hat Spiel, rastet aber sicher ein. Trotzdem: Das hätte Nikon eleganter lösen können.

Die Anschlüsse liegen sicher hinter gummierten Abdeckungen auf der Seite. Leider sind Mikrofon- und Kopfhöreranschluss nicht unter einer Abdeckung angebracht, sodass während des Filmens der Anschluss für den Fernauslöser und auch der USB-Anschluss offenliegen. Schön wäre es gewesen, wenn Mikrofon- und Kopfhöreranschluss unter einer Abdeckung gewesen wären, wie Canon dies bei der EOS 7D Mark II (Testbericht) gelöst hat. Die größte Neuerung im Gegensatz zur Nikon D7100 ist auf der linken Seite zu sehen. Auf dem Kameragriff ist NFC eintätowiert. Wenn ihr das Smartphone an diese Stelle haltet, könnt ihr das Handy sehr einfach mit der Kamera verbinden. Die App bietet euch dann die Möglichkeit, die DSLR vom Smartphone aus zu steuern.

Auf dem Kameragriff der Nikon D7200 ist das NFC-Symbol angebracht. Wenn Fotografen ein NFC-fähiges Smartphone an diese Stelle halten, stellen DSLR und Handy eine WLAN-Verbindung her.
Auf dem Kameragriff der Nikon D7200 ist das NFC-Symbol angebracht. Wenn Fotografen ein NFC-fähiges Smartphone an diese Stelle halten, stellen DSLR und Handy eine WLAN-Verbindung her. (Quelle: netzwelt)

Auf der Oberseite verfügt die DSLR über ein LC-Display, das die wichtigsten Kameraparameter anzeigt. Das ist stromsparend und auch bei Sonnenlicht immer gut ablesbar. Blitzschuh und Stereomikrofon dürfen beim APS-Top-Modell nicht fehlen, und auch auf einen Boardblitz müsst ihr nicht verzichten. Nikon-like ist die konsequente Auslegung der Tasten auf eine Bedienung mit zwei Händen, und auch das arretierte Moduswahlrad findet sich mittlerweile in zahlreichen Modellen des japanischen Herstellers wieder.

Foto

In der Nikon D7200 steckt ein Bildsensor mit 24 Megapixeln ohne Tiefpassfilter, der auch in den aktuellen Modellen D3300 (Testbericht) und Nikon D5500 (Hands-on) verbaut wird. Für die Bildentwicklung ist ein Expeed 4-Bildprozessor verbaut. Dieser sorgt auch für eine zügige Bildverarbeitung.

Die maximale Serienbildgeschwindigkeit von fünf Bildern pro Sekunde hält die D7200 insgesamt zwölf RAW-Aufnahmen lang durch. Danach geht es etwas gemütlicher weiter, aber die Kamera hält eine kontinuierliche Geschwindigkeit von drei Bildern pro Sekunde, bis sich der Speicher der beiden SD-Karten gefüllt hat. Die kürzeste Belichtungszeit beträgt 1/8.000 Sekunde, was neben der Serienbildgeschwindigkeit ein Unterschied zur D5500 und D3300 ist.

Fotografen, die noch ein wenig mehr Geschwindigkeit benötigen, erhalten mit der D7200 die Möglichkeit, die Serienbildgeschwindigkeit auf sieben Bilder pro Sekunde zu steigern. Dafür hat Nikon einen 1,3-fachen Crop-Modus in die D7200 eingebaut, der den Sensor um diesen Faktor beschränkt.

Die Lichtempfindlichkeit der Nikon D7200 reicht von ISO 100 bis ISO 25.600. Darüber hinaus verstecken sich im Menü noch zwei weitere ISO-Empfindlichkeiten. Diese funktionieren jedoch nur, wenn ihr keine Rohdaten, RAW, aufzeichnet, sondern direkt JPG-Bilder aufnehmen möchtet. Diese werden ausschließlich in Schwarz-Weiß der besser monochrom ausgegeben. Daher erreicht die D7200 eine Lichtempfindlichkeit von ISO 100.000, was allerdings wirklich nur zur Not benutzt werden sollte – es handelt sich eher um eine Spielerei.

Nikon D7200 im Test

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Der Phasen-Autofokus ist ziemlich schnell. Knapp 50 Messfelder, von denen 15 mit Kreuzsensoren ausgestattet sind, machen Spaß. Diese lassen sich gruppieren und einzeln auswählen und bietet alles, was auch der Profi von einem Autofokus erwartet. Den Herstellerangaben zufolge soll das neue Autofokus-Modul nun etwas lichtempfindlicher sein. Unterwegs in den Hamburger Frühlingsabendstunden habe ich nie Probleme mit der Nikon bekommen. Auch der kontinuierliche Autofokus ist schnell und hält Motive gut im Fokus, wenn diese nicht zu ruckartig an den Rand des Sucherbilds kommen, wo sich leider keine AF-Messfelder befinden. Die D7200 unterstützt dank eingebautem AF-Motor auch den Autofokus älterer Nikkor-Objektive ((netzwelt-Wissen: Objektiv-Datenbank)

Video

Während die D7100 Full HD nur mit maximal 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen konnte, kann die Nikon D7200 wie die Nikon D5500 jetzt bis zu 60 Bilder pro Sekunde. Warum die Nikon ab 50 Bildern pro Sekunde jedoch den Crop-Modus zwingend aktiviert, ist mir ein Rätsel. Bei 30 oder weniger Vollbildern pro Sekunde verwendet die D7200 den kompletten Sensor.

Ein Stereomikrofon ist auf der Oberseite verbaut, und der Ton kann manuell gepegelt werden. Eure Einstellungen müsst ihr vor der Aufnahme treffen, denn um die Blende zu verstellen, müsst ihr beispielsweise den Life-View-Modus verlassen. Das ist richtig schlecht.

Während der Aufnahme lassen sich also weder Blende noch Zeit verändern, und beim Einsatz eines Zoomobjektivs veränderte die Kamera immer die Blende, auch wenn diese auf die größtmögliche Blendenöffnung von F5,6 im Telebereich eingestellt war. Beim Zoomen in den Weitwinkel-Bereich änderte die D7200 die Blende stets auf F3,5. Ebenfalls nicht gut für den Kameramann.

Der Kontrast-Autofokus, auf den die DSLR bei hochgeklapptem Spiegel im Videomodus zurückgreift, ist langsam. Das kann jede neue Systemkamera deutlich besser, und auch die Canon EOS 70D (Testbericht) ist deutlich schneller als die Nikon.

Positiv aufgefallen sind die gute Qualität des eingebauten Stereomikrofons sowie der Anschluss für ein externes Mikrofon und der Kopfhöreranschluss. Irgendwie schade, dass die Nikon dem Kameramann dann doch nicht komplett das Steuer überlässt, gerade wegen der guten Bildqualität des 24-Megapixel-Sensors und des flachen Profils, das euch bei der Nachbearbeitung viele Möglichkeiten eröffnet.

Sucher und Display

Das Display auf der Rückseite ist fest verbaut. Das Nikon auch Klappdisplays verbauen kann, zeigt der Hersteller bei der 5000er-Serie und bei der Vollformat-DSLR Nikon D750 (Testbericht). Auch auf eine Touchfunktion verzichtet Nikon, wobei diese gerade in der D5500 mir viel Freude gemacht hat und die Bedienung mit dem Kameramenü sehr gut funktioniert. Der Monitor selbst ist 3,2 Zoll groß und löst mit über einer Millionen Bildpunkte auf. Das ist sehr guter Standard, und die feine Auflösung erlaubt eine genaue Beurteilung der Fotos.

Das Display löst mit über einer Millionen Bildpunkte auf und misst 3,2 Zoll bei einem Seitenverhältnis von 3:2. Der Sucher bildet 100 Prozent des Bildfeldes ab und ist hell.
Das Display löst mit über einer Millionen Bildpunkte auf und misst 3,2 Zoll bei einem Seitenverhältnis von 3:2. Der Sucher bildet 100 Prozent des Bildfeldes ab und ist hell. (Quelle: netzwelt)

Das Alleinstellungsmerkmal von DSLRs gegenüber DSLMs ist der optische Sucher, und in den Modellen D3300 und D5500 kann dieser nicht überzeugen. Dunkle und kleine Spiegelsucher mit einem beschnittenen Bildfeld sind dort verbaut. Bei dem teuersten APS-C-Modell im Nikon-Portfolio bietet der Sucher eine Bildfeldabdeckung von 100 Prozent. Er ist deutlich größer als der Sucher der D5500 und macht Spaß. Ihr könnt euch im Sucher Gitterlinien sowie die Fokusmessfelder einblenden lassen.

Bildqualität

Die Bildqualität der Nikon D7200 kann im Test begeistern. Diese ist auf einem sehr hohen Niveau. Die D7200 überzeugt mit einem guten Dynamikumfang von bis zu 14 Blendenstufen und einem niedrigen Bildrauschen bis ISO 1.600. Auch Aufnahmen bei ISO 3.200 sehen noch gut aus. Wer mehr möchte, sollte auf eine Vollformat-Kamera oder eine Kamera mit X-Trans II-Sensor zurückgreifen.

Die JPG-Entwicklung in den Werkseinstellungen ist ordentlich aufgepeppt und nicht neutral. Im Test unter Alltagsbedingungen hat die DSLR jedenfalls überzeugt und Nikon kitzelt eine sehr gute Bildqualität aus dem Sensor die meiner Meinung nach noch knapp vor der EOS 7D Mark II liegt.

Nikon D7200: Fazit

Unspektakuläre Austattung - sehr gute Bildqualität 8/10

Die Nikon D7200 ist eine D7100, die nur leicht modifiziert wurde. Der leicht verbesserte Videomodus und das verbaute WLAN sowie die leicht erhöhte Serienbildgeschwindigkeit sind die einzigen Verbesserungen. Will man es positiv deuten, zeigt die D7200, wie gut die D7100 noch heute ist. Besonders enttäuschend ist nach wie vor die schwache Autofokus-Leistung im Videomodus. Die Bildqualität ist sehr gut und überzeugt mit einem bestechenden Dynamikumfang. Der Phasen-Autofokus ist sehr schnell und lichtempfindlich. Aber wie ich es auch drehe und wende, die D7200 ist einfach ein unspektakuläres Update. Nikon D7100-Nutzer brauchen diese Kamera jedenfalls nicht. Wer eine 5000er oder 3000er Nikon sein Eigenen nennt und eine hochwertige DSLR sucht, der wird erhält mit der D7200 eine sehr gute Kamera. Alternativen zur D7200 sind die Canon EOS 70D in Sachen Video und die Canon EOS 7D Mark II, die aber nochmal deutlich teurer ist.

Das hat uns gefallen

  • gute Bildqualität
  • hoher Dynamikumfang
  • professioneller Autofokus
  • WLAN und NFC
  • sehr gute Akkulaufzeit

Das hat uns nicht gefallen

  • eingeschränkter manueller Videomodus
  • kein Touchscreen
  • Autofokus im Videomodus
  • Full HD-Videos ab 50 BpS nur im 1,3-Crop-Modus
  • rudimentäre iOS- und Android-App
Testnote 8,0 von 10
Dennis Imhäuser
Bewertet von Dennis Imhäuser
8,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

9,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

6,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

8,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

9,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

Die Nikon D7200 wurde netzwelt von Nikon Deutschland für einen Testzeitraum von vier Wochen zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

9
Leserwertung

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Foto, Testbericht, Digitalkamera, Nikon und Nikon D7200.

Nikon D7200 im Zeitverlauf
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  • D7200 Unboxing: Nikons neue Top-DSLR ausgepackt

    07.04.2015 Nikon hat uns ein Testgerät der Nikon D7200 zugeschickt. Wir packen die DSLR für euch aus und zeigen euch das neue APS-C-Top-Modell in Bildern. Der japanische Hersteller hat viel Technik aus der Vollformat-Klasse in die D7200 integriert und den Pufferspeicher deutlich erhöht. Auch der Autofokus wurde überarbeitet.

    Die Verarbeitung ist gut und nicht zu beanstanden. Der Kunststoff ist rau und matt wie bei allen Nikon-DSLRs. Die Kamera ähnelt dem Vorgängermodell Nikon D7100 sehr. Die Neuerungen wir WLAN, NFC, Autofokus und großer Pufferspeicher liegen im Inneren des Gehäuses.

    Die Nikon D7200 kommt im gewohnten gold-schwarzen Karton. Bei unserem Testgerät handelt es sich um das Kit mit dem AF-S 18-105mm F3,5-5,6 VR-Objektiv. Das Set ist für eine unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers von 1.399 Euro im Handel erhältlich. Im Lieferumfang befinden sich ein externes Ladegerät für den Akku und natürlich der Akku selbst. Der EN-EL15 besitzt eine Kapazität von 1.900 Milliamperestunden. Das äußere Erscheinungsbild dürfte den meisten Nikon-Fotografen vertraut sein.

    Das Moduswahlrad und das Programmrad für die Serienbildgeschwindigkeit sitzen auf der linken Seite und sind beide arretiert, damit sich die Einstellungen nicht versehentlich verstellen. Wie bei anderen Nikon-DSLRs üblich, mit Ausnahme der D5500 (Hands-on), befinden sich links und rechts neben dem Display allerhand Tasten. Das bedeutet, die Nikon ist am besten mit zwei Händen zu bedienen. Auf der Oberseite besitzt die DSLR ein LC-Display, das die wichtigsten Kameraparameter anzeigt, ohne viel Strom zu verbrauchen - ein Vorteil von DSLR-Kameras gegenüber der Systemkamera-Konkurrenz.

    Im Lieferumfang sind neben einer Okularabdeckung für Langzeitbelichtungen ein Tragegurt und ein USB-Kabel enthalten. Das Objektiv wird mit Streulichtblende und einer passenden Objektivtasche geliefert. Einzig ein HDMI-Kabel für die Verbindung zum Fernseher ist nicht enthalten.

    Nach dem Auspacken wird die Nikon einige Tage im Praxiseinsatz verbringen, bevor der ausführliche Testbericht erscheint. Habt ihr bis dahin Fragen zum neuen Nikon-Top-Modell? Oder soll netzwelt auf einen bestimmten Aspekt besonders eingehen? Dann teilt uns das in den Kommentaren unter dem Unboxing mit.

    Den Testbericht zum Vorgängermodell Nikon D7100 lest ihr auf netzwelt. Was das APS-C-Spitzenmodell von Canon kann, lest ihr im ausführlichen Test zur EOS 7D Mark II.

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