Nikon D800 im Test: Vollformat-DSLR mit 36-Megapixel-Sensor

Profimodell unter die Lupe genommen

von Dennis Imhäuser

Die Nikon D800 bietet eine große Auflösung von 36 Megapixeln und einen Vollformat-Sensor. Die DSLR löst die Nikon D700 ab und präsentiert sich mit einer Auflösung, die doppelt so hoch ist wie vom Spitzenmodell Nikon D4S. Wie es sich mit der Nikon D800 fotografiert, lesen Sie im Test auf netzwelt.

"Auflösung pur", das verspricht die Nikon D800. Satte 36 Megapixel sind auf dem Vollformat-Sensor angeordnet. Die D800 ist die Nachfolgerin der D700 und bietet eine mehr als doppelt so hohe Auflösung wie das amtierende Spitzenmodell D4S. Was ein Fotograf mit so hoher Auflösung anstellen kann und wie sich die D800 im Test schlägt, lesen Sie auf netzwelt.

Die D800 stellt sich dem Test mit professionellen Objektiven. Hier im Bild das Weitwinkelzoom AF-S 12-24mm und die Festbrennweite AF-S 35mm.
Die D800 stellt sich dem Test mit professionellen Objektiven. Hier im Bild das Weitwinkelzoom AF-S 12-24mm und die Festbrennweite AF-S 35mm.

Fotoeigenschaften

Die Ansage Nikons an die Konkurrenz war nicht zu überhören. 36 Megapixel gab es bislang noch in keiner DSLR, als die Nikon D800 die D700 ablöste. Die Auflösung nähert sich der einer Mittelformat-Kamera. Als Sensorformat kommt wie bei der Vorgängerin ein 35,9 x 24 Millimeter großer Vollformat-Sensor mit einem Seitenverhältnis von 3:2 zum Einsatz.

Bei der D800 befindet sich vor dem CMOS-Sensor ein Tiefpassfilter, welcher der Moiré-Bildung vorbeugen soll. Dies ist der Unterschied zum Schwestermodell D800E, das über die gleiche Sensorgröße und Auflösung verfügt, jedoch ohne den Filter vor dem Sensor ausgestattet ist. Der fehlende Filter soll die Schärfewirkung verbessern, weil mehr Licht zum Sensor durchgelassen wird. Das macht die D800E aber auch anfälliger für Moiré-Artefakte. Als Nikon-Kunde kann der Fotograf also entscheiden, ob er eine DSLR mit oder ohne den Tiefpassfilter erwerben möchte.

Blick frei auf den Vollformat-Sensor der D800. Die Auflösung von 36 Megapixel ist enorm.
Blick frei auf den Vollformat-Sensor der D800. Die Auflösung von 36 Megapixel ist enorm.

Als Bildprozessor ist der hauseigene Expeed 3 verbaut. Dieser sorgt für eine weitestgehend rauscharme Entwicklung der Aufnahmen. Bis ISO 1600 sind die Aufnahmen auf einem hohen Niveau und Bilddetails bleiben erhalten. Die Serienbildgeschwindigkeit der D800 liegt bei vier Bildern pro Sekunde. Zugegeben keine Rakete, aber die großen Datenmengen, die durch hohe Auflösung erzeugt werden, müssen auch intern verarbeitet werden. Die D800 ist also eher nicht für Sportfotografie geeignet, sondern findet ihr Einsatzgebiet bei Porträt-, Studio- oder Landschaftsfotografie.

Besonderheiten der hohen Auflösung und Pixeldichte

Die hohe Auflösung der D800 erfordert jedoch auch ein sehr präzises Arbeiten des Fotografen, denn unsauberes Arbeiten deckt die DSLR gnadenlos auf. Die Bildgröße von 7.360 x 4.912 Pixeln ermöglicht eine große Flexibilität. Details lassen sich hervorragend aus den Bildern schneiden und vergrößern ohne "grobpixelig" zu wirken. Natürlich sollte die Bildkomposition stimmen, doch unter Zeitdruck entstandene Aufnahmen können so im Nachhinein gerettet werden, indem die Bildkomposition zum Teil in die Nachbearbeitung verlegt wird.

Im Test viel auf, dass die hohe Pixeldichte besonders empfindlich ist. Die D800 reagiert sehr sensibel auf Bewegungsunschärfen. Jede kleinste Bewegung des Fotografen oder des Motivs werden in der Aufnahme festgehalten. Daher empfiehlt es sich, zumindest ein Einbeinstativ und die Spiegelvorauslösung zu benutzen, um sehr gute Ergebnisse zu erhalten. Dies liegt am großen Spiegel und der hohen Auflösung der D800. Die DSLR schwingt nach und die Auflösung tut ihr übriges, um jedes kleinste Detail scharf oder eben unscharf abzubilden.

Durch den großen Sensor ist die Schärfeebene geringer als beispielsweise bei einem APS-C-Sensor. Fokussiert der Fotograf ein Motiv an und wählt anschließend den Bildausschnitt, kann durch die Bewegung das Motiv schon nicht mehr im Fokus liegen und die Aufnahme wird leicht unscharf. Bei der D800 sollten Fotografen erst den Bildausschnitt wählen und dann fokussieren.

Die D800 ist sehr anfällig für Beugungsunschärfen bei weit abgeblendeten Aufnahmen. Im Test führten Aufnahmen mit einer Blende größer als F11 häufig zu Unschärfe. Dieses auch als Difffraktion bekannte Phänomen tritt bei allen Kameras auf. Ein Teil des durch die Blendenöffnung einfallenden Lichts wird gestreut und führt zu Unschärfe. Die hohe Pixeldichte der D800 ist dafür verantwortlich, dass der Effekt deutlich zum Vorschein tritt.

Der 100-Prozent-Prismasucher und das 3,2 Zoll große Display auf der Rückseite dienen dem Fotografen als Sucher. Auch auf einen eingebauten Aufhellblitz muss beim Profimodell nicht verzichtet werden. Dieser besitzt eine kürzere Synchronisationszeit von 1/320 Sekunde und eine Leitzahl von zwölf bei ISO 100.

Videoeigenschaften

Das 3,2-Zoll-Display dient als Sucher bei Videoaufnahmen. Um vom Fotomodus in den Videomodus zu wechseln, hat Nikon einen Kippschalter verbaut, der auch die Taste, um den Live-View zu aktivieren, umschließt. Neben dem zweistufigen Auslöser auf der Oberseite befindet sich die Taste, mit der eine Videoaufnahme gestartet wird. Die Aufzeichnung erfolgt wahlweise in Full HD (1.920 x 1.080 Pixel) bei maximal 30 Vollbildern pro Sekunde. Die D800 legt die Videos im MOV- oder MPEG4-Codec im H.264 oder AVC-Container auf einer SD- oder CF-Speicherkarte ab. Die Abtastrate beträgt 23 Megabit pro Sekunde.

Neben einem Eingang für externe Aufsteckmikrofone besitzt die DSLR auch einen 3,5-Millimeter-Ausgang für Kopfhörer. Das ermöglicht Störgeräusche schon während einer Aufzeichnung zu erkennen. Die manuelle Kontrolle von Ton und Fokus gelingt auch bei der D800 problemlos. Der Monitor ist sehr gut abgestimmt und auch bei Videoaufnahmen kann der Schärfepunkt sehr genau beurteilt werden. Zudem kann der Pegel auf dem Monitor eingeblendet und in 20 Abstufungen angepasst werden. Im Gegensatz zur Nikon D700 kann die Blende während der Videoaufzeichnung manuell angepasst werden. Um Filme direkt von der DSLR auf einem Fernseher abzuspielen, hat Nikon einen HDMI-Ausgang verbaut.

Bedienung und Verarbeitung

Das Kameragehäuse der D800 fühlt sich sehr wertig an und ist mit vielen Tasten und Einstellrädern versehen. Die Magnesiumlegierung liegt satt in der Hand und bringt knapp ein Kilo inklusive Akku auf die Redaktionswaage. Die Bedienung der D800 ist anders als beispielsweise bei der Vollformat-DSLR D600 oder D610. Nikon verzichtet auf ein Programmwahlrad. Die D800 besitzt nur einen Taster über den der Fotograf in Kombination mit einem Einstellrad zwischen den Modi P, A, S und M wählen kann. Einen Vollautomatiken oder Kreativprogramme sucht man an der D800 vergebens.

Die wichtigsten Parameter lassen sich bequem über dezidierte Tasten verstellen.
Die wichtigsten Parameter lassen sich bequem über dezidierte Tasten verstellen.

Links neben dem Okular befinden sich Zugriffstasten für Weißabgleich, Lichtempfindlichkeit, Belichtungsreihen und Aufnahmequalität. Darunter ein Auswahlrad für Einzelbild- oder Serienbildaufnahmen. Auf der Oberseite befindet sich ein zweites LC-Display, das auch bei starker Sonneneinstrahlung gut abzulesen ist. Hier werden die wichtigsten Kameraparameter angezeigt. Das große Okular sticht hervor und besitzt eine integrierte Abdeckung für Langzeitbelichtungen.

Unter dem Kunststoffdeckel an der rechten Seite befinden sich die beiden Speicherkartenfächer. Zum einen für CF-Speicherkarten und zum anderen für SD-Speicherkarten. Die Rohdaten (RAW) der D800 können bis zu 40 Megabyte betragen und so benötigt man nicht nur große, sondern auch schnelle Speicherkarten, wenn man mit der D800 fotografieren möchte.

Neben dem eingebauten Blitz und einem Blitzschuh für ein externes Blitzgerät oder Mikrofon besitzt die DSLR auch einen Anschluss für Studioblitzanlagen auf der Vorderseite. Darunter befindet sich der Steckplatz für den Fernauslöser.

Sucher und Display

Das große einladende Okular bietet den Blick durch einen Pentaprismasucher, der 100 Prozent des Bildfelds abdeckt. Der Sucher ist groß und hell und Motive können gut erfasst und beurteilt werden. Bei der D700 deckte der Sucher lediglich 95 Prozent des Bildfelds ab. Auch in diesem Bereich ist Nikon eine deutliche Verbesserung gelungen. Wahlweise können Gitterlinien im Sucher angezeigt werden.

Die D800 besitzt einen Pentaprismasucher und ein 3,2 Zoll großes Display.
Die D800 besitzt einen Pentaprismasucher und ein 3,2 Zoll großes Display.

Auffällig sind die 51 Autofokusmessfelder, die ausgewählt werden können. Sie verteilen sich über große Teile des Suchers und reichen auch bis zum Rand, was häufig bei günstigeren Modellen nicht der Fall ist. Der Autofokus arbeitet sehr zuverlässig. Dafür hat Nikon in der D800 insgesamt 15 Kreuzsensoren verbaut. Die Messfelder lassen sich wahlweise auch zu Gruppen zusammenfassen.

Der 3,2 Zoll große Monitor auf der Rückseite löst mit 921.000 Bildpunkten auf und bietet eine ausreichende Pixeldichte, um auch die Schärfe und Details einer Aufnahme mithilfe der Lupenfunktion beurteilen zu können. Das Display ist fest verbaut und nicht dreh- oder schwenkbar. Nikon hat sich aber sichtlich Mühe gegeben, ein Panel zu wählen, das auch noch aus extremeren Blickwinkeln gut einzusehen ist. Die Helligkeit ist gut, aber bei direkter Sonneneinstrahlung darf man auch vom Display der D800 keine Wunder erwarten. Zum Glück besitzt die DSLR ein zweites LC-Display auf der Oberseite und einen sehr guten Sucher.

Bildqualität

36 Megapixel sind eine enorme Auflösung und die D800 produziert hervorragende Aufnahmen mit einer für eine DSLR bislang unbekannte Detaildichte. Die Dynamik ist sehr gut. Ähnlich wie die Sony Alpha 7R verhält es sich auch mit der D800 - mit dem Unterschied, dass der Expeed 3-Bildprozessor weniger hart in die Rauschunterdrückung eingreift. Dies hat den Vorteil, dass Details in Bildern erhalten bleiben, das Rauschen aber etwas stärker zum Vorschein tritt. Bis ISO 800 ist die Bildqualität hervorragend und bis ISO 1600 sehr gut. Auch bei 6400 lassen sich noch ordentliche Aufnahme erzielen, jedoch ist das Bildrauschen deutlich erkennbar.

Nikon D800: Fazit

Auflösung pur 7.8/10

Im Netz als Diva verschrien wird die D800 ihrem Ruf auch im netzwelt-Test gerecht. Gewusst wie bekommt man die Vollformat-DSLR jedoch gut in den Griff und will sie nicht mehr loslassen. Die hohe Auflösung und die hervorragende Bedienung in Kombination mit einem zuverlässigen Autofokus machen die D800 zu einem Arbeitstier. Sportfotografie ist aufgrund der hohen Datenmengen und der niedrigen Serienbildgeschwindigkeit nicht das Metier der D800. Die richtige DSLR für ambitionierte und professionelle Fotografen, die viel Landschaftsfotografie betreiben oder im Studio arbeiten. Eine Systemkamera-Alternative zur Nikon D800 könnte die Sony Alpha 7R sein. Den ausführlichen testbericht lesen Sie hier auf netzwelt. Einen Überblick über aktuelle Vollformat-Kameras finden Sie in unserer Kaufberatung.

Das hat uns gefallen

  • Ausstattung
  • sehr gute Bildqualität
  • Auflösung
  • sehr gute Videofunktionen

Das hat uns nicht gefallen

  • kein klappbares Display
  • Serienbildrate
Testnote 7,8 von 10
Dennis Imhäuser
Bewertet von Dennis Imhäuser
7,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

8,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

7,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

8,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

9,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

10
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Nikon D800 selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 10 von 10 möglichen Punkten bei 32 abgegebenen Stimmen.
Vielen Dank für deine Bewertung!

Das könnte dich auch interessieren

Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Foto, Testbericht, Digitalkamera, Nikon und Nikon D800.

Links zum Thema
zur
Startseite

zur
Startseite