QNAP 251+: Multimedia-NAS im Test

Heim-Server für's Wohnzimmer

QNAP QNAP 251+

Wer ein NAS mit Multimediafähigkeiten sucht, landet schnell bei den Modellen von QNAP wie dem 251+: HDMI-Ausgang, Media-Center, Fernbedienung und dazu leistungsstarke Hardware mit Quad-Core-Prozessor und aufrüstbarem RAM, die sogar für Virtualisierung von Betriebssystemen genügt. Hinzu kommen Dutzende Apps vom Online-Shop bis zur Überwachungsstation. Auf den Papier hat das QNAP 251+ viel zu bieten, doch hält das Multi-Talent im Test, was es verspricht?

Inhaltsverzeichnis

  1. Verarbeitung und Hardware-Features
  2. Performance
  3. Einrichtung und Verwaltung
  4. Software-Ausstattung
  5. Multimedia-Fähigkeiten
  6. Fazit

QNAP bietet mit dem 251+-NAS für rund 300 Euro ein gutes Beispiel dafür, dass Network Attached Storage (NAS) häufig kein passender Begriff mehr ist. Das QNAP 251+ ist viel mehr als nur ein Datenspeicher, den man über das Netzwerk erreicht. Das 251+ ist ein ausgewachsener Rechner mit 2-Gigabyte-Celeron-Quad-Core-Prozessor, in der Grundausstattung zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, High Definition Multimedia Interface (HDMI), einer eigenen Oberfläche für den Fernseher, einem Dutzend vorinstallierter Server und über 150 weiterer Apps im AppCenter.

Die Oberfläche der QNAP-NAS ist einem gewöhnlichen Desktop nachempfunden und lässt sich super bedienen.
Die Oberfläche der QNAP-NAS ist einem gewöhnlichen Desktop nachempfunden und lässt sich super bedienen. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Ihr könnt mit dem Gerät Filme auf dem Wohnzimmer-TV schauen oder im Spanien-Urlaub auf euer Tablet streamen, eine Videoüberwachung einrichten, Webseiten betreiben, Dateien mit Freunden teilen und so weiter. Auch für professionelle Anwender bietet der Heim-Server allerhand: eigener Mail-Server, Online-Shops, Kundenmanagement, Virtual Private Networks (VPN) und sogar ein simples Office.

Als besonderes Highlight warten auch Container Station und Virtualization Station - bei QNAP heißt fast alles Station - darauf zeigen zu dürfen, was sie können: In (Docker-) Container lassen sich Programme samt aller Abhänigkeiten verpacken, sodass sie unabhängig vom Betriebssystem laufen - beispielsweise Wordpress samt Web- und Datenbankserver. Und über die Virtualization Station stellt Ihr virtuelle Maschinen über das Netzwerk zur Verfügung - praktisch etwa für Testsysteme oder, um von jedem Rechner im Haus immer auf dasselbe System zugreifen zu können. Auf dem Papier bietet das QNAP 251+ schon mal allerhand, doch können die Funktionen des NAS auch in der Praxis überzeugen?

Verarbeitung und Hardware-Features

Direkt beim Auspacken gibt es eine Überraschung, zumindest für Besitzer des Vorgängers 219+: Während das alte Modell mit Metallgehäuse und -festplattenschlitten punktete, gibt es heute nur noch Kunststoff. Allerdings ist dieser sehr gut verarbeitet. Der schlichte, schwarze Kubus verfügt über je zwei Universal-Serial-Bus-2- (USB) und USB-3-Anschlüsse, zwei Netzwerk-Ports, eine HDMI-Buchse und einen Knopf, um Sofort-Backups auf einen frontal angeschlossenen USB-Datenträger zu kopieren. Die Schlitten funktionieren einwandfrei, der vordere USB-Anschluss ist praktisch, äußerlich ist also erst einmal alles in bester Ordnung - selbst die ständig aktiven Blinklichter an der Front lassen sich dimmen, um im Wohnzimmer nicht zu sehr zu stören. Apropos Wohnzimmer: Eine simple Fernbedienung liegt auch bei.

Und auch innerlich gibt es einen dicken Pluspunkt: Der magere Arbeitsspeicher lässt sich problemlos aufrüsten, zwei Steckplätzen sei Dank. Ein Tipp an dieser Stelle: Die 251+ gibt es natürlich auch direkt mit mehr Arbeitsspeicher - allerdings kostet die 8-GB-Variante rund 140 Euro mehr, zwei 4-GB-Module gibt es aber schon für 70 Euro. Das gesparte Geld könnt ihr dann zum Beispiel in Solid State Drives (SSDs) investieren und als teure, aber dafür lautlose Laufwerke in der NAS verbauen. Und weniger Lautstärke schadet nicht - die produziert der Lüfter nämlich schon genug. Er springt im Test doch recht häufig an, obwohl mit einer SSD und einem Hard Disk Drive (HDD) reichlich Platz freier Platz im Innern ist. Übrigens, just in diesem Moment springt der Lüfter wieder an - ohne, dass irgendetwas auf dem Server passiert.

Schlichtes Design, das auch ins Wohnzimmer passt - im Gegensatz zum Vorgänger gibt es Metall leider nur noch an der Rückseite.
Schlichtes Design, das auch ins Wohnzimmer passt - im Gegensatz zum Vorgänger gibt es Metall leider nur noch an der Rückseite. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Performance

Mit einem Celeron-Quad-Core lässt sich schon viel anfangen. Die QNAP-Oberfläche läuft im Browser extrem flüssig und für Hintergrunddienste wie Dateifreigaben, Cloud-Speicher, Web- oder Mail-Server reichen die Ressourcen allemal. Aber auch die Medienwiedergabe lässt nichts zu wünschen übrig, der flotte Plex-Server erlaubt sogar flüssiges Hin- und Herspringen in 1080p-Videos. Um an die Grenzen der Leistungsfähigkeit zu kommen, gibt es natürlich dennoch ein paar Wege: Aufwändige Aufgaben wie das Indexieren von Mediensammlungen lasten den Prozessor freilich genauso aus, wie Web-Server, die Hunderte Besucher gleichzeitig bewältigen sollen - aber das würde auch den Rahmen eines Heim- und Kleinbüro-NAS sprengen. Beim normalen Heimbetrieb ist aber auch Multitasking kein Problem.

Der Arbeitsspeicher ist mit zwei Gigabyte in der kleinsten Version allerdings für einige Apps recht knapp, allem voran die Virtualisierung - denn dann müssen die zwei Gigabyte plötzlich für zwei oder gar mehr Rechner genügen. Und auch wenn davon auszugehen ist, dass häufig mehrere User parallel mit der NAS arbeiten, schadet mehr Speicher nicht. Andererseits: Sechs laufende Container und zwei 1080p-Videos auf zwei Ausgabegeräten lasten Arbeitsspeicher und Prozessor gerade mal zur Hälfte aus - da gibt's noch reichlich Platz nach oben. Aber wie gesagt, Aufrüsten ist hier günstiger, als eine gleich eine größere Version zu kaufen. Insofern spricht nichts dagegen, zunächst mal zu schauen, ob der Arbeitsspeicher für die eigenen Bedürfnisse genügt.

Einrichtung und Verwaltung

Sowohl die Ersteinrichtung als auch die weitere Verwaltung des 251+ sind wirklich tadellos: Gerät vernetzen, die IP-Adresse im Browser aufrufen und wenige Minuten später steht die Oberfläche zur Verfügung. Und das ganz ohne irgendwelche komischen Einstellungen, hier dürften selbst absolute Computer-Neulinge keine Schwierigkeiten haben. Anschließend stehen zahlreiche Verwaltungswerkzeuge zur Verfügung, mit denen ihr Festplatten, Freigaben und Nutzer einrichtet, Updates einspielt, Backups zieht, den Energieverbrauch optimiert und so weiter. Die ganze Oberfläche ist wie ein Desktop gestaltet, samt Fenstern, Taskleiste, Tray, und lässt sich ebenso einfach bedienen.

Die Systemsteuerung der 251+ ist besser als bei vielen Linux-Distributionen und auch für Laien kein Buch mit sieben Siegeln.
Die Systemsteuerung der 251+ ist besser als bei vielen Linux-Distributionen und auch für Laien kein Buch mit sieben Siegeln. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Zu vermissen gibt es hier vor allem Kleinigkeiten (eine Lüftersteuerung wäre toll ...), allerdings dürfte die Masse an Einstellungen für manch Nicht-Experten etwas erschlagend sein. Und auch wenn es überall kontextsensitive, brauchbare Hilfe gibt, ist nicht alles wirklich selbsterklärend. Dennoch: Vom ersten Start über die Grundeinrichtung bis zum Alltagsbetrieb, die QNAP-Firmware löst das vorbildlich. Zu den beklagenswerten Kleinigkeiten gehört zum Beispiel der Zugriff auf die NAS über das Internet: Es gibt eine Reihe vorgegebener Anbieter für Dynamic Domain Name Services (Dynamic DNS) - wer einen anderen Dienst bevorzugt oder ein eigenes Skript einsetzt, ist aufgeschmissen (beziehungsweise muss es über den Router realisieren).

Software-Ausstattung

Alle wichtigen Server und Apps sind vorinstalliert und müssen meist nur aktiviert und mit Freigaben oder Nutzern versorgt werden. Das AppCenter präsentiert dann hübsch übersichtlich rund 150 weitere Apps, die mit einem Klick installiert werden. Damit ihr euch eine Vorstellung machen könnt, hier ein paar Highlights: Azure Storage, McAfee, Google Cloud Storage, WebDAV, Wordpress, Plex, TwonkyMedia, osCommerce und sogar der gute alte aMule. Noch mehr Software gibt es über Entware, eine Paketverwaltung für den Terminal. Darüber lassen sich über hundert Linux-Tools für die Kommandozeile installieren, die allerdings hauptsächlich Power-User ansprechen dürften. Andererseits gibt es dort auch so clevere Dinge wie den Musik-Server mpd, der ohne grafische Oberfläche auskommt.

So reichhaltig das Angebot auch sein mag, zumindest ein Tool wird schmerzlich vermisst - Kodi.

Auch NAS-Systeme brauchen heute App-Stores - und bei QNAP gibt es über 150 Anwendungen für Profis und Heimanwender.
Auch NAS-Systeme brauchen heute App-Stores - und bei QNAP gibt es über 150 Anwendungen für Profis und Heimanwender. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Multimedia-Fähigkeiten

Ein NAS mit HDMI-Anschluss und 7.1-Sound kauft man sich wohl meist unter anderem als Medien-Abspielgerät für den Fernseher. Und hier verfolgt QNAP ein Konzept namens HybridDesk Station (HD Station). Über die HDMI-Buchse landet nicht die normale Web-Oberfläche auf dem TV, sondern die der HD Station, eine Art Sub-System, auf dem Apps für den TV installiert werden können. Und leider gibt es ausgerechnet hier etwas zu meckern. Serverseitig hat QNAP mit Plex, TwonkyMedia und weiteren Servern alles richtig gemacht. Aber als Player ist die Plex-App nicht der große Wurf. Sie sieht hübsch aus, es lässt sich mit der Fernbedienung stöbern und zum Anstoßen eines Films genügt es selbstverständlich dicke. Aber es fehlen eben Dinge wie "Serie ab hier abspielen", Sortierfunktionen und allerlei Kleinkram, bis hin zum dicken Klops: Verlässt man das laufende Videobild, um etwa in der Mediensammlung zu stöbern, läuft das Video zwar weiter, aber man kommt nicht mehr zum Videobild zurück! Das wäre ein dermaßen großer Bug, dass der Verdacht aufkam, der Tester müsste einen Sehschaden haben ... Aber siehe da, noch bevor dieser Artikel fertig war, wurde diese Macke durch ein Update behoben. Immerhin.

Und genau an dieser Stelle fragt man sich, warum das Media-Center Kodi nicht mehr dabei ist - mit Kodi und früher XBMC wurde nämlich auch großzügig geworben. Plex ist ein hervorragender Server, aber als Player ist Kodi um Welten besser. Und jedem, der nicht nur ab und an einen Film oder einzelne Serienepisoden schauen, sondern eine große Mediensammlung mit Spaß verwalten, durchstöbern und auch mal kreuz und quer abspielen will, muss man an dieser Stelle dringend empfehlen, sich die Player-Fähigkeiten in der HD Station näher anzuschauen. Wer Kodi-verwöhnt ist, wird hier nicht unbedingt glücklich. Der Vollständigkeit halber: Geht man nach den Foren, lässt sich Kodi manuell installieren - das ist dann allerdings nicht mehr ganz so trivial und eben nicht offiziell unterstützt.

Als Media-Server ist Plex eine Wucht - als Player kann es Kodi leider nicht das Wasser reichen.
Als Media-Server ist Plex eine Wucht - als Player kann es Kodi leider nicht das Wasser reichen. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Aber es gibt ja noch mehr HD-Apps, unter anderem Chrome, Facebook, Firefox, LibreOffice, Skype, Spotify und YouTube. Leider sind die meisten Apps, selbst die Musik-Apps, nicht für die Nutzung per Fernbedienung ausgelegt - lediglich Plex scheint dafür ausgelegt. Und selbst da gibt es nicht alle Funktionen, die eine Tastatur bietet. Mit anderen Worten: Wenn ihr im Wohnzimmer auf der Couch surfen oder durch die Musiksammlung klicken wollt, braucht ihr eine Tastatur, vorzugsweise samt Maus oder Touchpad. Schade, dass QNAP damit eine recht hohe Hürde auflegt.

QNAP 251+: Fazit

Leistungsstarkes Multitalent mit leichten Multimedia-Schwächen 8/10

Die QNAP 251+ hat im Test im Grunde nur zwei Schwächen gezeigt: Der häufig anspringende laute Lüfter sowie die etwas schwächelnde Umsetzung der TV-Darstellung über die HybridDesk Station. Der kürzlich eingestellte Kodi-Support ist ein echter Rückschlag. Dafür punktet sie mit einfacher Aufrüstbarkeit, sehr guter Oberfläche, sehr guter Performance, reichhaltiger Software-Ausstattung und Highlights wie der Virtualization Station.

Das hat uns gefallen

  • vielseitiges NAS
  • einfache Einrichtung und Verwaltung

Das hat uns nicht gefallen

  • Kodi wird offiziell nicht unterstützt
  • viele Apps nicht auf die Nutzung mit der Fernbedienung ausgelegt
  • lauter Lüfter
Testnote 8,0 von 10
Bewertet von Mirco Lang
7,0 / 10
Performance

Performance Wie schnell kann auf den Speicher geschrieben beziehungsweise von ihm gelesen werden? Dies testen wir mit diversen Benchmark-Tools.

8,0 / 10
Verarbeitung und Handhabung

Verarbeitung und Handhabung Wie steht es um die Qualität von Gehäuse und Steckern? Gibt es bei der Einrichtung Probleme?

9,0 / 10
Sicherheit und Datenschutz

Sicherheit und Datenschutz Wie werden die Daten verschlüsselt?, etc.

9,0 / 10
Software & Extras

Software & Extras Legt der Hersteller Software bei? Bietet das System "Extras" gegenüber anderen Lösungen?

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

9
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Bestenlisten

QNAP 251+ wurde in folgende NAS-Bestenlisten einsortiert.

Netzwerkspeicher im Vergleich: NAS-Systeme im Test
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