Funkende Outdoorkamera: Ricoh G700SE im Test

Wasserdichte und robuste Digitalkamera mit WLAN, Bluetooth und GPS

von Jan Johannsen

Die Ricoh G700SE ist nicht die erste Kamera, die über WLAN-, Bluetooth- oder GPS-Module verfügt. Doch als erster dieser Geräte übersteht sie auch Stürze und Tauchgänge ohne dabei Schaden zu nehmen.

Eine Kamera für Spezialeinsätze: Die Ricoh G700SE übersteht nicht nur Stürze und Tauchgänge unbeschadet, sondern funkt auch per WLAN und Bluetooth - und ermittelt ihren Standort über GPS-Satelliten. Allerdings spart der Hersteller an wichtigen Punkten wie dem Sensor oder dem Objektiv.

Ricoh G700SE

Robuste Kamera verzichtet auf zahlreiche Standards

Nach Angaben von Ricoh übersteht die G700SE Stürze aus einer Höhe von bis zu zwei Metern ohne Schaden zu nehmen. Tauchgänge bis maximal fünf Meter Wassertiefe sollen zwei Stunden andauern können, ohne dass Wasser ins Innere eindringt. Staubdicht ist die Kamera natürlich auch und selbst bei Minusgraden von bis zu zehn Grad unter Null soll sie ohne Einschränkungen funktionieren. Da sie beständig gegen Chemikalien ist, kann sie mit Natriumhypochlorit und Ethanol desinfiziert werden.

Ricoh baut in die G700SE einen CCD-Bildsensor mit einer Auflösung von 12,1 Megapixeln ein. Mit seiner Fläche von 1/2,3 Zoll fällt er so groß aus, wie die Sensoren in den meisten Kompaktkameras. Er liefert Fotos im 4:3-Format, Videos nimmt die Kamera nur versteckt über die Szenenprogramme auf.

Das Objektiv der Ricoh G700SE verfügt über einen fünffachen Zoom. Umgerechnet ins Kleinbildformat reicht die Brennweite von 28 bis 140 Millimeter. Seine Brennweite verändert das Objektiv zügig und auch der Autofokus stellt Motive schnell scharf. Der Fotograf muss allerdings auf einen optischen Bildstabilisator verzichten, denn die Kamera nutzt nur einen Stabilisator in digitaler Form, der in der Regel nur die Lichtempfindlichkeit erhöht um die Belichtungszeit zu verkürzen. Als Folge verstärkt sich allerdings das Bildrauschen.

In der Automatik der G700SE kann der Fotograf zahlreiche Einstellungen wie Lichtempfindlichkeit, Belichtungskorrektur oder den Weißabgleich verändern oder alle Entscheidungen der Kamera überlassen. Blende und Belichtungszeit bleiben für den Nutzer immer unerreichbar. Auf zwei Speicherplätzen kann der Anwender eigene Einstellungen abspeichern. Sechs, teilweise exotische, voreingestellte Szenenprogramme wie zum Beispiel ein "Feuerwehrmodus" stehen zur Auswahl.

Ricoh G700SE im Test

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Auf der Rückseite der Ricoh G700SE befindet sich ein drei Zoll großer Bildschirm, der als Sucher fungiert und zur Bildwiedergabe dient. Der Monitor mit einer Auflösung von 920.000 Pixeln zeigt ein detailliertes Bild an und verfügt über große Blickwinkel. Erst nach jeweils rund 80 Grad je Blickrichtung lässt sich der Inhalt der Anzeige deutlich schlechter erkennen.

Fotos einfach aufzunehmen, weitere Einstellungen zu kompliziert

Fotos lassen sich mit der Ricoh G700SE leicht aufnehmen. Die weitere Bedienung der Kamera gestaltet sich dagegen teilweise sehr umständlich und kompliziert. Das Moduswahlrad zeigt sich etwas schwergängig, aber ansonsten bieten die anderen Tasten klare und deutliche Druckpunkte.

Über die "Adj."-Taste kann der Fotograf bei der G700SE vergleichsweise schnell die Belichtungskorrektur, den Weißabgleich, die Lichtempfindlichkeit oder die Bildgröße verstellen. Über das Vier-Wege-Steuerkreuz hat der Nutzer ebenfalls direkten Zugriff auf das Blitzlicht und die Fokusart, Ricoh lässt hier allerdings zwei Tasten ohne Belegung, dabei hätte für weitere Direktwahltasten noch Bedarf bestanden.

Alle anderen Einstellungen nimmt der Fotograf im umfangreichen und nur bedingt übersichtlichen Menü der G700SE vor. Vor allem Foto-Neulinge verlieren hier schnell den Überblick. WLAN, GPS und Bluetooth muss der Nutzer umständlich und sehr genau in diesem Menü einstellen. Tasten zum schnellen Ein- und Ausschalten sind ebensowenig vorhanden, wie eine Anzeige im Bildschirm, dass das entsprechende Modul aktiv ist.

Zudem muss der Nutzer bei der G700SE GPS, Bluetooth und WLAN fast komplett manuell einstellen, was unnötig kompliziert ist. Bei anderen Kameras mit WLAN oder GPS funktioniert dies deutlich einfacher und nutzerfreundlicher, da die Kameras zum Beispiel selbst erkennen, mit welcher Technik das drahtlose Netzwerk verschlüsselt ist. Ohne Handbuch oder Fachwissen ist die Nutzung der Kamerafunktionen kaum möglich.

Bildqualität kein Kaufargument

Mit ihrer Bildqualität bleibt die Ricoh G700SE deutlich hinter den meisten anderen Kompaktkameras zurück. Die Farben wirken zwar bei einer niedrigen Lichtempfindlichkeit noch natürlich, doch bereits bei ISO 100 ist ein deutliches Bildrauschen zu erkennen, wenn der Fotograf die Aufnahmen in Originalgröße betrachtet.

Unter den Bildstörungen leiden auch die Detailgenauigkeit und die Konturen, die beide nicht sonderlich deutlich ausfallen. Einziger Lichtblick: Verkleinert der Nutzer die Größe der Fotos auf ein Viertel der ursprünglichen Größe fallen die Störungen bis ISO 400 nicht störend auf. Ab ISO 800 fällt das Bildrauschen auch auf verkleinerten Aufnahmen deutlich auf und mit ISO 1.600 eignen sich die Fotos nur noch bedingt für den privaten Gebrauch.

Ricoh G700SE Testbilder

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Videos nimmt die Ricoh G700SE in HD-Auflösung mit 1.280 x 720 Pixeln auf. Der Nutzer muss die Filmaufzeichnung allerdings erst einmal finden, um sie zu aktivieren. Der Hersteller versteckt sie unter den Szenenprogrammen.

Die Filme weisen eine für bewegte Bilder noch ausreichende Detailgenauigkeit auf. Die Farben sind aber verfälscht und erinnern an ein Amateurvideo aus den Siebziger Jahren. Der optische Zoom steht nicht zur Verfügung, sondern nur ein digitaler Ersatz. Das interne Mikrofon nimmt Ton sehr leise auf, Autofokus und Weißabgleich arbeiten ebenfalls nicht optimal.

Klobiges Gehäuse mit geschützten Anschlüssen

Das Gehäuse der Ricoh G700SE wirkt klobig und die Kamera bringt auch 316 Gramm auf die Waage, trotzdem lässt sie sich mit der leichten Wölbung an der Vorderseite sicher greifen. Im Test hinterließen Stürze keine erkennbaren Schäden am Gehäuse, unter Wasser hielt es dicht und das empfindliche Innenleben der Kamera blieb trocken.

Die Stromversorgung der G700SE übernimmt standardmäßig ein Lithium-Ionen-Akku. Der Nutzer kann aber auch zwei AAA-Batterien in die Kamera einlegen und sie so - als kurzzeitigen Ersatz - mit Energie versorgen. Als Speichermedien kommen SD- und SDHC-Karten zum Einsatz.

Wie die Einschübe für Akku und Speicherkarte befinden sich auch die zwei Anschlüsse der G700SE hinter einer verriegelbaren Abdeckung. Die Kamera überträgt ihre Daten sowohl über ein USB- als auch über ein AV-Kabel.

Ricoh G700SE: Fazit

Eine Kamera für Spezialeinsätze 4.6/10

Die Ricoh G700SE ist keine Kamera für den Alltag, sondern ein Gerät für Spezialeinsätze. In Sachen Bildqualität und Bedienung - auch der drahtlosen Technologien - lässt sie zu wünschen übrig. Nur bei ihren robusten Outdooreigenschaften überzeugt die G700SE. Andere Kompaktkameras liefern allerdings überwiegend bessere Bilder und lassen sich auch als Outdoor- oder GPS-Geräte in der Regel angenehmer und leichter bedienen. Online-Händler verkaufen die Ricoh G700SE derzeit für den stolzen Preis von rund 650 Euro. Die ebenfalls robuste Variante G700 ohne WLAN, Bluetooth und GPS kostet deutlich weniger - aber immer noch rund 480 Euro. Ebenfalls wasserdicht und stoßfest sowie deutlich günstiger als die Ricoh G700SE sind zum Beispiel diese Outdoorkameras: Panasonic Lumix FT2, Pentax Optio W90 oder Samsung WP10. Die Panasonic Lumix TZ10, die Canon Powershot SX230 HS, die Samsung WB650, die Casio Exilim EX-H20G oder die Sony Cybershot HX5V sind zwar nicht wasserdicht, ermitteln ihren Standort aber per GPS und kosten auch deutlich weniger als die G700SE.

Das hat uns gefallen

  • WLAN- und Bluetooth-Konnektivität
  • Stoßfest und wasserdicht

Das hat uns nicht gefallen

  • Bildqualität
  • Bedienung
Testnote 4,6 von 10
Bewertet von Jan Johannsen
5,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

6,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

4,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

4,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

4,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

6
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