Ricoh GR im Test: Premium-Kompaktkamera mit guter Bildqualität

Scharfe 28 Millimeter

von Dennis Imhäuser

Die Ricoh GR bietet Fotografen mit ihrem großen CMOS-Sensor und einer lichtstarken Festbrennweite die Voraussetzung für eine gute Bildqualität an. Im Test auf netzwelt zeigt sich, ob die GR nicht nur auf dem Datenblatt eine gute Bildqualität verspricht, sondern diese auch im Alltag umsetzt.

Die Ricoh GR sucht den Kompromiss zwischen guter Bildqualität und kompaktem Gehäuse. Die Digitalkamera ist mit einem CMOS-Sensor in APS-C-Größe ausgestattet. Davor hat der japanische Hersteller eine lichtstarke Festbrennweite gebaut. So weit so gut, im Test auf netzwelt zeigt die kleine Ricoh, ob sie mit der Bildqualität von DSLRs oder Systemkameras mithalten kann.

Die Ricoh GR besitzt einen großen CMOS-Sensor und eine lichtstarke Festbrennweite.
Die Ricoh GR besitzt einen großen CMOS-Sensor und eine lichtstarke Festbrennweite.

APS-C CMOS-Sensor

Die Sensorgröße und Auflösung der Ricoh GR unterscheidet sich nicht von der moderner Systemkameras oder DSLRs. Der APS-C-Sensor der Ricoh GR misst 23,7 mal 15,7 Millimeter. Diese Fläche bietet insgesamt 16,9 Megapixeln Platz, wobei abzüglich der Pixel für den Kontrastautofokus und die Belichtungsmessung eine effektive Auflösung von 16,2 Megapixeln am Ende übrigbleibt. Der CMOS-Sensor der Ricoh GR verfügt über eine größere Fläche und eine moderate Auflösung. Die Folge: Das Bildrauschen wird erst bei wesentlich höheren Lichtempfindlichkeiten bemerkbar, als dies bei kleinen 1/2,3 Zoll-Sensoren der vieler Kompaktkameras der Fall ist.

Ricoh GR im Test

Bildrauschen

Die Ricoh GR bietet eine sehr gute Bildqualität bis ISO 800, und auch darüber hinaus macht sich das Bildrauschen nur moderat bemerkbar. Die Details werden gut erhalten, sodass bei der Nachbearbeitung am PC Details trotz Rauschreduzierung erhalten bleiben. Die Ricoh GR ist bis ISO 1600 sehr ausgewogen.

Erst darüber hinaus nimmt das Bildrauschen merklich zu. Ab ISO 6400 verschwimmen dann auch Details in den Aufnahmen. Die Rauschunterdrückung kann ausgeschaltet oder manuell konfiguriert werden. Dadurch erhält der Fotograf eine sehr gute Kontrolle darüber, ab welcher Lichtempfindlichkeit und wie stark die Rauschunterdrückung in die Bildentwicklung eingreift. Die maximale Lichtgeschwindigkeit lässt sich bis ISO 25.600 einstellen.

Der CMOS-Sensor und die Bildverarbeitung der GR arbeiten auf einem hohen Niveau, wie Fotografen es auch von Einsteiger- oder Mittelklasse-DSLRs gewohnt sind. Digitale Spiegelreflexkameras, wie die Nikon D5300 oder die Canon EOS 100D, liefern ähnliche Ergebnisse.

Objektiv

Ricoh hat sich bei der GR zugunsten der Bildqualität für eine Festbrennweite und gegen ein Zoomobjektiv entschieden. Diese bieten, weil sie leichter zu berechnen sind, meist eine bessere Abbildungsleistung. Die GR besitzt ein 28-Millimeter-Weitwinkelobjektiv (Kleinbild äquivalent) mit einer Lichtstärke von Blende 1:2.8. Im Test konnte das Objektiv durch eine gute Grundschärfe über den gesamten Objektivbereich überzeugen. Im Bildzentrum erreicht die Ricoh eine knackige Schärfe bereits bei F4. Im Vergleich zum Objektiv der Fujifilm X100S, ebenfalls eine Premium-Kompaktkamera, kann das Objektiv der Ricoh vollends überzeugen.

Das Objektiv ist mit einer Blendenstärke von F2,8 lichtstark und besitzt eine Brennweite von 28 Millimetern. Auf einen Bildstabilisator wurde allerdings verzichtet.
Das Objektiv ist mit einer Blendenstärke von F2,8 lichtstark und besitzt eine Brennweite von 28 Millimetern. Auf einen Bildstabilisator wurde allerdings verzichtet.

Sucher und Bildschirm

Die Fujifilm besitzt die ungewöhnlich gute Bedienung aber vor allem den besseren Sucher. Bei der Ricoh GR muss der Fotograf das auf der Rückseite verbaute Display als Sucher verwenden. Es ist fest verbaut, misst drei Zoll und bietet eine Auflösung von 1,23 Millionen Bildpunkten. Die Aufnahmen lassen sich sehr gut beurteilen, vorausgesetzt keine direkte Sonneneinstrahlung trifft auf den Bildschirm, denn dann spiegelt das Display wie bei den meisten anderen Digitalkameras stark.

Besonders hilfreich ist das Live-Histogramm der GR. Dieses zeigt nicht nur die Belichtung des Motivs an, sondern auch Veränderungen, die der Fotograf an Blende oder Zeit vornimmt, werden im Histogramm in Echtzeit grafisch umgesetzt.

Optionale optische Sucher

Während die Fujifilm neben dem Display noch einen elektronischen und optischen Sucher besitzt, kann letzterer optional zur Ricoh GR hinzugekauft werden. Der Hersteller bietet mit dem GV-1 und dem GV-2 gleich zwei optische Sucher für die Modelle GXR und GR an. Letzterer bietet ein quadratisches Sucherbild. Der GV-1 hingegen besitzt ein Sucherbild im 3:2-Seitenverhältnis, was dem APS-C-Sensor der GR entspricht. Um nun optimal mit dem GV-2 zu arbeiten, kann man das Seitenverhältnis im Menü der Ricoh GR anpassen und folglich ein Seitenverhältnis von 1:1 auswählen. Daneben gibt es noch die Option, ein Seitenverhältnis von 4:3 einzustellen, welches sich gerade bei Porträts im Hochformat eignen kann – je nach Vorliebe des Fotografen.

Autofokus und Auslöseverzögerung

Auch in Situationen, in denen es schnell gehen muss, ist auf die GR verlass. Die Einschaltzeit beträgt circa eine Sekunde, und die Auslöseverzögerung liegt bei 0,03 bis 0,04 Sekunden. Das sind sehr gute Werte für eine Digitalkamera. Der Autofokus der GR arbeitet sehr schnell und findet meist das richtige Motiv. Einziges Manko ist, dass die Autofokusmessfelder ausschließlich im Zentrum angeordnet sind.

Body und Design

Nur 243 Gramm wiegt die Ricoh GR inklusive Akku und Speicherkarte. Beides befindet sich für eine Kompaktkamera typisch unter einem Deckel auf der Unterseite der Digitalkamera. Der Akku besitzt eine Kapazität von 1.250 Milliamperestunden und muss nach circa 300 Bildern wieder geladen werden. Die Ricoh GR unterstützt SDXC-Speicherkarten mit bis zu 64 Gigabyte Speicher.

Die Ricoh GR speichert auf SD-Karten, besitzt aber zur Not noch einen internen Speicher von 54 Megabyte.
Die Ricoh GR speichert auf SD-Karten, besitzt aber zur Not noch einen internen Speicher von 54 Megabyte.

Das Gehäuse ist aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung gefertigt. Die raue Oberfläche bietet zum einen genügend Grip in allen Lebenslagen, auf der anderen Seite fühlt sie sich allerdings nicht so wertig an wie beispielsweise die glatte, auf Hochglanz polierte Metalloberfläche einer Sony RX100 II. Für den Test und den Alltagsgebrauch ist letzten Endes ausschlaggebend, dass die Kamera nicht leicht aus der Hand rutscht, und somit hat Ricoh bei dem Gehäuse alles richtig gemacht.

Bedienung

Eine Hand, mehr benötigt der Fotograf nicht, um mit der Ricoh zu arbeiten. Alle Bedienelemente befinden sich auf der rechten Seite. Über ein Einstellrad auf der Vorderseite und eine Wippe samt Schalter auf der Rückseite, kann der Fotograf im manuellen Modus Blende und Zeit verstellen. Das ist sehr gut gelöst. Über einen integrierten Schalter wird ein Menü auf dem Display aktiviert, in dem man beispielsweise das Seitenverhältnis oder die Bildqualität verändern kann. Dies erlaubt einen schnellen und bequemen Zugriff.

Wie es sich für eine Premium-Kompaktkamera gehört, hat der Fotograf die Möglichkeit, sämtliche Einstellungen manuell vorzunehmen. Sei es der Weißabgleich, die Lichtempfindlichkeit oder Belichtungskorrektur. Diese erreicht der Fotograf über einen zusätzlichen Schalter auf der Rückseite auch direkt mit dem Daumen. Die GR ist gespickt mit Funktionen und Einstellmöglichkeiten. So können RAW-Dateien auch in der Kamera entwickelt werden, inklusive Tonwertkorrektur. Die Möglichkeit, Rohdaten auf der Kompaktkamera abzulegen, ist ebenfalls eine Eigenschaft, die sich die GR mit DSLRs oder Systemkameras teilt. Aber auch mit anderen Premium-Kompaktkameras, wie der Fujifilm X100S, der Sony  RX100 II oder mit Nikons Coolpix A.

Das Kameramenü ist überfrachtet mit Funktionen, und dies ist auch der größte Kritikpunkt an der Ricoh GR. Die Kamera besitzt drei Menüpunkte mit zahlreichen Unterpunkten. Hier könnte der Hersteller ein wenig mehr Ordnung ins Menü bringen.

Ricoh GR: Fazit

Beeindruckende Bildqualität im kompakten Gehäuse 6.2/10

Die Ricoh GR bietet eine sehr gute Bildqualität, die auf Augenhöhe mit DSLRs oder Systemkameras ist. Objektiv und Bildsensor sind gut aufeinander abgestimmt. Live-Histogramm, Wasserwaage, frei belegbare Speicherplätze und Funktionstasten sind nur einige Highlights, über die sich ambitionierte Fotografen freuen dürfen. Verbesserungswürdig sind der schwache Blitz und das unübersichtliche Menü. Mit der GR ist der Fotograf auf die Brennweite von 28 Millimetern festgelegt, erhält dafür aber eine leichte Kompaktkamera mit sehr guter Bildqualität, die in jeder Jackentasche Platz findet. Die Ricoh GR ist derzeit für circa 650 Euro (Stand 02/2014) im Handel erhältlich. Alternative Premium-Kompaktkameras zur Ricoh GR finden Sie in unserer Kaufberatung auf netzwelt.

Das hat uns gefallen

  • sehr gute Bildqualität
  • schneller Autofokus
  • Verarbeitung

Das hat uns nicht gefallen

  • kein WLAN, GPS
  • starres Display
Testnote 6,2 von 10
Dennis Imhäuser
Bewertet von Dennis Imhäuser
6,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

7,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

5,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

5,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

8,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

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10
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Ricoh GR im Zeitverlauf
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  • Ricoh GR: Sonderedition der Kompaktkamera mit Handgriff in Holzoptik

    22.10.2013 Die Premium-Kompaktkamera Ricoh GR erscheint pünktlich zum Weihnachtsgeschäft in einer besonderen Ausführung. Die Kamera wird in einer grünen Gehäuselackierung und mit ledernem Kameragurt samt Schutzhülle ausgeliefert. Das Sondermodell ist auf 5.000 Stück limitiert. Die edle Kompaktkamera verfügt über eine lichtstarke Festbrennweite und einen APS-C-Sensor.

    Die Ricoh GR besitzt für eine Kompaktkamera einen ausgesprochen großen Sensor. Dieser hat die Größe von Einsteiger- und Mittelklasse-DSLRs oder Systemkameras. Lediglich die Kompaktkameras Sony Cyber-shot RX1 oder RX1R verfügen über einen noch größeren Sensor im 35mm-Kleinbild-Format. Die Auflösung des CMOS-Sensors beträgt 16,2 Megapixel und die 28-Millimeter(Kleinbild)- Festbrennweite hat eine maximale Lichtstärke von F2,8. Beides Zutaten für eine sehr gute Bildqualität im kleinen Gehäuse einer digitalen Kompaktkamera.

    Die Sonderedition der Ricoh GR wird mit Handgriff in Holzoptik ausgestattet. Die Lackierung ändert Ricoh von Schwarz in Grün. Das Zubehörset umfasst eine Streulichtblende samt Filteradapter und eine braune lederne Schutzhülle. Ebenfalls aus Leder gefertigt ist der Kameragurt des Sondermodells der Ricoh GR. Wann die auf 5.000 Stück limitierte Kamera genau auf den Markt kommt, war dem Hersteller, ebenso wie der Preis für die Kamera, nicht zu entlocken. Auf der englischsprachigen Webseite kann die Ricoh GR Sonderedition für 899 US-Dollar vorbestellt werden.

    Weitere Kamera-News lesen Sie hier auf netzwelt.

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