Ricoh GXR im Test: Kompaktkamera mit Wechselmodulen

Objektiv und Bildsensor zusammen austauschen

von Jan Johannsen

Kompakte Systemkamera mit Lego-Prinzip: Bei der Ricoh GXR wechselt der Nutzer nicht das Objektiv, sondern ein Aufnahmemodul, das neben der Linse auch den Bildsensor enthält. So könne nach Aussagen des Herstellers der Chip passend zur Optik gewählt werden. Zusätzlich gelangt beim Objektivwechsel kein Staub auf den Sensor.

Kompakte Systemkamera mit Lego-Prinzip: Bei der Ricoh GXR wechselt der Nutzer nicht das Objektiv, sondern ein Aufnahmemodul, in dem neben der Linse auch der Bildsensor steckt. Nach eigenen Aussagen wählt der Hersteller den Chip passend zur Optik. Zusätzlich soll so beim Objektivwechsel kein Staub auf den Sensor gelangen.

Zwei unterschiedliche Aufnahmemodule

Ricoh bietet derzeit zwei Aufnahmemodule, in denen je ein Objektiv und ein Bildsensor stecken, für die GXR an. Das Aufnahmemodul S10 besteht aus einem 24-bis-72-Millimeter-Objektiv sowie einem 1/1,7 Zoll großen CDD-Sensor mit einer Auflösung von zehn Megapixeln. Dagegen verfügt das Modul A12 über ein Objektiv mit einer Festbrennweite von 50 Millimetern und einem CMOS-Chip mit einer Auflösung von 12,3 Megapixeln. Mit einer Größe 23,6 x 15,7 Zentimetern entspricht er den APS-C-Bildsensoren, die auch in Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommen. Für dieses Jahr kündigte Ricoh noch ein drittes Aufnahmemodul mit einem Teleobjektiv an.

Ricoh GXR

Beide aktuellen Aufnahmemodule der GXR eignen sich nur bedingt für Schnappschüsse, da ihr Autofokus lange braucht, bis er das Motiv scharf gestellt hat. Er probiert fast immer erst den gesamten Fokusbereich durch, anstatt direkt die richtige Schärfe zu finden. Immerhin bewegt sich beim S10-Modul das Objektiv schnell durch seinen dreifachen Zoombereich.

Die Ricoh GXR stellt dem Anwender drei Speicherplätze für eigene Einstellungen zur Verfügung. Zusätzlich bietet die Kamera neben dem manuellen Betrieb auch Zeit-, Blenden-, Programm- und Vollautomatik sowie sechs Motivprogramme, wozu auch die Videoaufzeichnung zählt. Hilfsmittel wie Bildstabilisator, Gesichtserkennung oder Lächelautomatik sind nicht vorhanden.

Auf der Rückseite des GXR-Gehäuses befindet sich ein drei Zoll großer Bildschirm, der als Sucher sowie zur Bildwiedergabe dient. Mit einer Auflösung von 920.000 Pixeln bietet er ein angenehm detailliertes und scharfes Bild. Die Anzeige leuchtet stark genug, um auch bei Sonnenlicht für den Nutzer gut zu erkennen zu sein.

Unkomplizierter Modulwechsel, einfache Bedienung

Der Wechsel der Aufnahmemodule der Ricoh GXR gestaltet sich ähnlich unkompliziert wie der Wechsel eines Objektivs an einer Spiegelreflex- oder Micro-Four-Thirds-Kamera. Der Fotoapparat lässt sich auch mit einer Hand bedienen, deutlich angenehmer gestaltet sich die Bedienung jedoch, wenn der Nutzer beide Hände verwendet. Mit der linken Hand kann er nicht nur den Blitz öffnen und den Bildschirm ausschalten, sondern auch das praktische Direktwahlmenü aufrufen.

Über die "Adj."-Taste kann der Anwender ebenfalls sehr schnell wichtige Bildeinstellungen wie Weißabgleich, Lichtempfindlichkeit oder die Auflösung und das Dateiformat verändern. Zwei Richtungen des Steuerkreises stehen dem Fotografen zur Belegung mit einer Funktion aus einer langen Liste zur Verfügung. Die Druckpunkte der Tasten fallen angenehm deutlich aus. Das Moduswahlrad lässt sich leicht drehen, wenn der Nutzer den Sicherungsstift eindrückt.

Bildqualität: Von Kompakt- bis Spiegelreflexkamera

Die Bildqualität der Ricoh GXR hängt von dem verwendeten Aufnahmemodul ab. Der CMOS-Sensor des A12-Moduls liefert zusammen mit dem Festbrennweitenobjektiv Aufnahmen auf Spiegelreflexniveau, während der nicht mal ein Viertel so große CCD-Sensor des S10-Moduls sich nur leicht oberhalb der durchschnittlichen Qualität von Kompaktkameras bewegt.

Ricoh GXR Testbilder mit S10-Modul mit CCD-Sensor und 24-72mm-Objektiv

7 Bilder
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Die Bilder des A12 weisen im direkten Vergleich zu den Aufnahmen des S10 kräftigere Farben, angenehmere Kontraste, mehr Details und ein geringeres Bildrauschen auf. Während auf den Fotos des CCD-Sensors schon bei einer Lichtempfindlichkeit von ISO 800 die Störungen deutlich zu Tage treten, sind die Aufnahmen des CMOS-Chips selbst mit ISO 3.200 noch sehr gut zu gebrauchen.

Während das Aufnahmemodul A12 Videos in HD-Auflösung mit 1.280 x 720 Pixeln aufzeichnet, erreichen die Filme des S10-Moduls maximal VGA-Auflösung mit 640 x 480 Pixeln. In beiden Fällen überzeugt die Ricoh GXR mit einem gut funktionierendem automatischen Weißabgleich. Aufgrund des fehlenden Bildstabilisators bewegt sich der Bildausschnitt bei der Aufzeichnung aus der Hand sehr stark. Die Bildqualität der Videos liegt auf dem Niveau eines Mittelklasse-Camcorders der jeweiligen Auflösung.

Ricoh GXR Testbilder mit A12-Modul mit CMOS-Sensor und Festbrennweite

6 Bilder
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Stabiles Gehäuse und Datenübertragung per HDMI

Je nach Aufnahmemodul bringt die GXR zwischen 367 Gramm und 461 Gramm auf die Waage. Der gummierte Batterieschacht bietet ausreichend freie Fläche, um die Kamera sicher und fest im Griff zu haben. Die Stromversorgung der Kamera übernimmt ein Lithium-Ionen-Akku, als Speichermedium kommen SD- und SDHC-Karten zum Einsatz. Über einen Zubehörschuh kann der Nutzer unter anderen ein Blitzgerät oder einen elektronischen Sucher anschließen. Zur Datenübertragung verfügt die GXR über drei Schnittstellen: Neben einem AV-Ausgang handelt es sich um einen HDMI- und einen Mini-USB-Anschluss.

Ricoh GXR: Fazit

Überzeugendes und ausbaufähiges System 5.6/10

Ricoh legt mit der GXR ein überzeugendes Konzept für eine Systemkamera vor. Die Bedienung und der Wechsel der Module gestaltet sich ähnlich einfach wie bei den kompakten Micro-Four-Thirds-Kameras. Die Bildqualität hängt stark von dem verwendeten Aufnahmemodul und seinem Bildsensor ab. Das S10-Modul liefert Aufnahmen auf höherem Kompaktkamera-Niveau, das A12-Modul bewegt sich dagegen im Bereich von Spiegelreflexkameras. Mit bisher nur zwei Aufnahmemodulen bietet die Ricoh GXR Fotografen nicht den Spielraum wie andere Kameras mit Wechselobjektiven, aber der Hersteller verspricht bereits für dieses Jahr weitere Module. Die unverbindliche Preisempfehlung von Ricoh für das Gehäuse der GXR beträgt 459 Euro. Das Aufnahmemodul S10 mit CCD-Sensor und 24-bis-72-Millimeter-Objektiv soll 370 Euro und die Einheit aus CMOS-Chip und 50-Millimeter-Festbrennweite 670 kosten. Bei Händlern im Internet sind die Geräte derzeit nicht günstiger erhältlich. Aufgrund von Versandkosten kosten sie im Schnitt sogar zehn Euro mehr.

Das hat uns gefallen

  • Bildqualität
  • Staubschutz bei Modulwechsel

Das hat uns nicht gefallen

  • Teuer
  • Eingeschränktes Modulangebot
Testnote 5,6 von 10
Bewertet von Jan Johannsen
5,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

5,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

6,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

6,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

6,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

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8
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