Samsung Galaxy Camera im Test

Für 400 Euro erhältlich

von Alexander Zollondz

Android, Touchscreen, Online-Schnittstellen: Die Samsung Galaxy Camera ist eine der ersten Digitalkameras mit Smartphone-Betriebssystem. Das bringt viele Vorteile. Aber nicht alles ist Gold, was glänzt.

Android, Touchscreen, WLAN und Mobilfunk: Die Samsung Galaxy Camera ist eine der ersten Digitalkameras mit Smartphone-Betriebssystem auf dem Markt. Überzeugen die Online-Fähigkeiten und die Bildqualitäten des schicken Hybriden?

Smartphones und Tablets sind schöne Reisebegleiter für die neue Online-Welt, in der wir Fotos via Facebook, Instagram oder anderen Apps teilen, Bilder mal schnell in die Redaktion schicken oder unsere ganze Fotobibliothek in die Cloud verlagern. Aber so richtig warm geworden ist man abseits von echten Foto-Smartphones wie dem Nokia 808 PureView mit der Fotoqualität der Handys nicht wirklich. Für schnelle Schnappschüsse eignet sich ein iPhone, aber hohe Bildqualität darf man nicht erwarten.

Samsung hat mit der Galaxy Camera jetzt einen der ersten Online-Apparate auf den Markt gebracht, die Smartphone-Qualitäten mit den fotografischen Merkmalen besserer Digitalkameras kreuzen. Ob das auch ambitionierte Fotografen zufriedenstellt, wollte netzwelt herausfinden.

Samsung Galaxy Camera

Dropbox-Konto mit viel Gratis-Speicher

Überzeugend jedenfalls ist das installierte Android 4.1 alias Jelly Bean, das Samsung in seiner eigenen Benutzeroberfläche serviert. Hier kann man alles ausprobieren, was man mit Smartphones mit Google-Betriebssystem ebenso machen kann: Spiele installieren, Navigieren dank GPS-Chip, Skype zum Laufen bringen und viele andere Apps einrichten. Nur aufs Telefonieren und SMS schreiben muss man verzichten. Dank Quad-Core-Prozessor mit 1,4 GHz Taktfrequenz laufen die Anwendungen rund und flüssig.

Die Online-Fähigkeit des Gerätes bringt einige benutzerfreundliche und zeitökonomische Vorteile mit sich: Ein Dropbox-Konto, dem Samsung großzügige 50 Gigabyte spendiert, wird zum Beispiel automatisch mit jedem aufgenommenen Foto synchronisiert. Und per Freigabe können auch Freunde und Bekannte direkt darauf zugreifen. Das dürften auch Journalisten oder Pressefotografen zu schätzen wissen, die wie jeder andere Anwender auch stets den umständlichen Zwischenweg über Notebook oder Rechner zum Fotoversand gehen müssen. Eine Alternative boten bisher nur Digitalkamera-Karten mit eingebautem WLAN-Chip - gleichwohl nicht mit demselben Funktionsumfang, wie ihn die Samsung Galaxy Camera bieten kann.

Samsung Galaxy Camera im Test

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WLAN und Mobilfunk

Denn neben Funknetzen nach n-Standard sowohl im 2,4- als auch im 5-GHz-Bereich verbindet sich das Gerät bei Bedarf auch mit Mobilfunknetzen. Dazu lädt ein SIM-Karten-Einschub an der Unterseite der Samsung Galaxy Camera ein - der eingebaute Chip unterstützt HSPA+-Verbindungen bis zu 21 Megabit pro Sekunde.

Für den schnellen Fotoversand muss man aber kein Anhänger des Cloud Computing sein: Bilder lassen sich auch per E-Mail direkt aus der Kamera-App weiterleiten. Oder via Wi-Fi Direkt an andere Samsung-Geräte wie Smartphones und Tablets senden - bei Bedarf auch mit Standort-Informationen, die man als Einstellungsparameter zuschalten kann. Vorinstalliert sind auch Schnittstellen zum Teilen und zum Versand von Bildern via Picasa, Instagram, Google+ oder auch Group Cast. Das Ökosystem von Samsung, bestehend aus den Anwendungen AllShare und Kies, steht natürlich auch zum Synchronisieren von Datenbeständen zur Verfügung.

Groß und schwer

Die Samsung Galaxy Camera bringt zwar als eine der ersten Digitalkameras Online-Fähigkeiten wie bei einem Smartphone mit, ist aber leider längst nicht so bequem in der Hosentasche zu verstauen - dafür ist das Modell mit 13 Zentimeter Breite und sieben Zentimeter Höhe einfach zu groß und mit einem Gewicht von rund 300 Gramm auch zu schwer. Hinzu kommt das Objektiv: Selbst eingefahren addiert es die Tiefe der Kamera auf vier Zentimeter. Die Samsung Galaxy Camera will man deshalb eher in die Kameratasche gleiten lassen, zumal das gut bedienbare Touchscreen-Display dort mehr Schutz genießt als in anderen Transportutensilien.

Das Display löst 1.280 x 720 Pixel auf und dient als zentrales Steuerungselement für fast alle Funktionen. Samsung hat allein dem Ein/Aus-Schalter, Zoom, Auslöser und der Blitztaste einen manuellen Knopf beziehungsweise Regler an den Rändern des Gerätes spendiert. Mit seiner satten Bildschirmgröße von 4,7 Zoll, was rund 12 Zentimetern entspricht, nimmt das Display die gesamte Rückseite ein. Das erleichtert die Bedienung, etwa das präzise Ein- und Auszoomen in Fotos. Zwar bringt das Display, von Smartphones bekannt, einen leichten Spiegelungseffekt mit, der jedoch nicht sonderlich stört.

Großer Brennweitenbereich

Die besten Online-Fähigkeiten einer Kamera taugen nichts, wenn das Gerät selbst schon starke Limitierungen in Sachen Bildqualität mitbringt. Hier steht auf dem Papier zunächst ein CMOS-Chip im Kleinbildformat, der stattliche 16 Megapixel auflöst und damit weit über den Fähigkeiten der Fotosensoren moderner Smartphones liegt. Und ein Objektiv, das in Brennweiten im leichten Weitwinkel-Bereich von 23 Millimeter bis in den Telebreich von Brennweiten bis 483 Millimeter reinreicht, alles umgesetzt in Form eines 21-fachen optischen Zoom. Hört sich gut an.

Um sich die Fähigkeiten nutzbar zu machen, greift der Fotograf an die leicht angeraute Gummierungsrundung an der rechten Seite der Samsung Galaxy Camera, die einen sicheren Halt bietet. Die Motivabbildung wird übrigens ausschließlich über den Touchscreen umgesetzt - einen klassischen optischen Sucher gibt es nicht, was die üblichen Nachteile hat: Vorbeigehende sehen alles, was man aufnimmt, durch die Lichtanfälligkeit ist die Fokussierung bisweilen mühsam.

Durchschnittliche Digitalkamera

Immerhin arbeitet der manuelle Zoom, bedienbar durch das von Kompaktkameras gewohnte Drehrad am oberen Rand, angenehm flüssig, allerdings nur in durchschnittlichem Tempo. Ebenso wie der Autofokus, der entweder wie üblich durch leichtes Tippen des Auslösers scharf stellt oder per Fingertipp auf den Touchscreen aktiviert werden kann.

Die Aufnahmen kommen über durchschnittliche Digitalkamera-Qualität nicht hinaus, zeigen aber auch keine auffallenden Mängel - weder Verzeichnungen noch Farbsäume oder heftiges Bildrauschen sind netzwelt bei den Probeaufnahmen aufgefallen. Die kleinste Blende liegt allerdings bei f/2,8, was auf ein nicht sonderlich lichtstarkes Digitalkamera-Objektiv hinweist. Sie sorgt zudem dafür, dass mit der Schärfentiefe kaum gespielt werden kann und das bekannte Unscharf-Stellen des Hintergrunds, etwa bei Porträts oder Personenaufnahmen, kaum möglich ist.

Keine Raw-Format-Unterstützung

Ambitionierte Fotografen dürften auch darüber ihre Nase rümpfen, dass sich keine Aufnahmen im Raw-Format, dem digitalen Pendant zum Bildnegativ aus analogen Zeiten, machen lassen - alle Fotos landen im jpg-Format auf micro SD-Karten bis zu 64 Gigabyte. Eher für Hobbyfotografen sind auch die Spezialprogramme gedacht, die Samsung hinter dem Modus "Intelligent" hübsch verpackt als leicht navigierbare Symbolflächen am rechten Displayrand auflistet. Dazu gehören etwa der Nachtmodus sowie Panorama-Aufnahmen oder auch die Serienaufnahme. Wer stärker eingreifen will, kann zwischen einem manuellen und drei halbautomatischen Einstellungsprogrammen wählen.

Für Videoaufnahmen ist die Samsung Galaxy Camera auch geeignet, wobei die Filme in Full HD (1080p) bei 30 Frames pro Sekunde aufgezeichnet werden. Die Bildrate erhöht sich um das Doppelte bei 720p-Aufnahmen und nochmal um das Doppelte bei Auflösungen von 768 x 512 Pixeln - ein Modus, der für Zeitlupen-Videos gedacht ist. Beim Test in 1080p verzeichnete netzwelt einige Wackler in den Aufnahmen und der Videozoom führte regelmäßig zu Verzögerungen.

Samsung Galaxy Camera: Fazit

Mehr Smartphone als Kamera 4/10

Gute Smartphone-Qualitäten, durchschnittliche Digitalkamera: Die Samsung Galaxy Camera bringt leider nicht das Beste aus beiden Welten zusammen. Deswegen eignet sie sich nicht als ideale Ergänzung zur Spiegelreflexkamera - da passen günstige Systemkameras schon besser. Wer schon ein Smartphone besitzt und eine ordentliche Digitalkamera mit Online-Anschluss sucht, kann dagegen zugreifen. Auch Einsteiger in die Digitalfotografie dürften mit dem Modell warm werden. Die Samsung Galaxy Camera kostet 600 Euro (UVP), ist aber schon zu Straßenpreisen von rund 400 Euro in Deutschland erhältlich.

Das hat uns gefallen

  • 3G-Unterstützung
  • Android

Das hat uns nicht gefallen

  • schlechte Bildqualität
  • Bildrauschen
  • mehr Smartphone
Testnote 4,0 von 10
Alexander Zollondz
Bewertet von Alexander Zollondz
4,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

3,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

5,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

4,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

4,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

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Samsung Galaxy Camera im Zeitverlauf
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  • Samsung Galaxy Camera: Special Edition mit Flip-Cover und zweitem Akku

    30.09.2013 Samsung bringt die bereits bekannte Galaxy Camera als Special Edition mit WLAN in den Handel. Der südkoreanische Hersteller legt der Kompaktkamera erweitertes Zubehör bei. So bietet die Special Edition ein Flip-Cover zum Schutz des Displays und einen zusätzlichen Akku samt Ladeschale. Weiterhin verfügt die Kamera über einen 16-Megapixel-Sensor und ein 21-fach-Zoomobjektiv.

    Das in der Special Edition enthaltene weiße Flip-Cover schützt den 4,8 Zoll großen Bildschirm der Galaxy Camera. Die Pixeldichte des Touch-Displays beträgt insgesamt 308ppi. Darüber hinaus umschließt die Hülle das Gehäuse der Galaxy Camera größtenteils und bietet so zusätzlichen Schutz vor Macken und Kratzern. Des Weiteren legt Samsung der Galaxy Cam eine farblich passende weiße Handschlaufe bei.

    Um die Einsatzzeit der Kamera zu erhöhen, fügt Samsung der Special Edition einen zweiten Akku hinzu. Dieser kommt inklusive einer Ladeschale. Damit wird Samsung einem Kritikpunkt an der Galaxy Camera gerecht. Die Akku-Leistung kann gerade bei eingeschaltetem WLAN und, 3G-Version vorausgesetzt, eingeschalteter Mobilfunkverbindung nicht überzeugen.

    Der zusätzliche Akku kann durchaus als Verbesserung der Kamera durch den Hersteller gewertet werden. Bislang war die schlechte Akku-Leistung einer der größten Kritikpunkte seitens der Redaktion an der Kamera. Für eine längere Akku-Laufzeit empfiehlt es sich, die Galaxy Camera im Flugmodus zu betrieben.

    Im Inneren der Kompaktkamera bleibt alles beim Alten. Nach wie vor hat die Galaxy Camera einen 16-Megapixel-Sensor und ein 21-fach-Zoomobjektiv. Als Betriebssystem setzt Samsung auf Googles Android in der Version 4.2. Die Special Edition mit dem erweiterten Zubehör ist ab sofort für 499 Euro (UVP) im Handel erhältlich.

    Weitere Neuigkeiten aus dem Resort digitale Fotografie lesen Sie hier auf netzwelt.

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