Samsung Galaxy View im Test: Ein Tablet-Fernseher mit Android

Stark verbesserungswürdig

Disney? LegoTV? Kixi? Die Icons samt Dienste lassen sich nicht entfernen.

18,4 Zoll! Dagegen sieht sogar das iPad Pro wie ein Zwerg aus. Mit dem Galaxy View will Samsung eine Nische besetzen. Im Test zeigt sich jedoch: Die Idee ist gut, die Umsetzung lässt in unseren Augen jedoch zu wünschen übrig. Wir finden am Riesen-Tablet einfach zu viele Ungereimtheiten.

Der erste Eindruck

Genau wie beim iPad Pro müssen wir das Samsung Galaxy View erst einmal auf uns wirken lassen. Was für ein riesiges Tablet! Oder doch eher der neue Zweit-Fernseher fürs Schlafzimmer? Mit seinem 18,4 Zoll messendem Bildschirm tendiert das Testgerät ganz klar in Richtung TV.

Samsung Galaxy View im Test

Technische Daten Samsung Galaxy View

  • CPU: Octa-Core (1,6 Gigahertz)
  • Speicher: 32 Gigabyte
  • RAM: 2 Gigabyte
  • Display: 18,4 Zoll (46,92 Zentimeter), Touchscreen
  • Auflösung: Full HD (1.920 x 1.080 Pixel)
  • Akku-Kapazität: 5.700 Milliamperestunden
  • Akkulaufzeit: bis zu acht Stunden
  • OS: Android 5.1.1 (Lollipop)
  • Anschlüsse: microUSB 2.0, Kopfhörer, microSD-Kartenleser
  • Drahtlos: WLAN (a/b/g/n/ac), GPS, Bluetooth 4.1
  • LTE-Modem: nein
  • Kamera: Frontkamera mit 2,1 Megapixeln
  • Gewicht: 2,65 Kilogramm
  • Preis Testgerät: 650 Euro

Samsung fertigt das Galaxy View vollkommen aus Kunststoff. An der Tablet-Oberseite entdecken wir ein kleines, aber unkritisches Spaltmaß. Mit der Zeit könnte sich hier Dreck ansammeln. Mit 2,1 Zentimetern fällt der Bildschirmrand vergleichsweise groß aus. Angesichts der schieren Größe des Galaxy View fällt die jedoch kaum ins Gewicht.

Samsung Galaxy View im Test

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Stichwort Gewicht: Das bislang größte Samsung-Tablet bringt 2,65 Kilogramm auf die Waage und disqualifiziert sich damit, neben den sperrigen Abmessungen, für den täglichen Rucksack-Transport. Aber dafür ist es ja auch nicht erdacht worden.

Diese Stütze geht gar nicht

Als Hardware-Ästheten empfinden wir die von Samsung rückseitig verbaute Stütze fast schon als Frechheit. Der Plastik-Ständer mit eingebauter Griffmulde erlaubt das Positionieren des Galaxy View in zwei unterschiedlichen Winkeln: sehr steil oder sehr flach. In Zeiten eines Microsoft Surface ist es für uns völlig unverständlich, wieso sich Firmen wie Apple oder eben Samsung beharrlich weigern, einen Ständer an Tablets zu heften, der einen frei einstellbaren Winkel erlaubt.

Noch dazu sieht die labbrige View-Stütze aus, wie ein überdimensionierte Wäscheklammer. Die Krönung ist das Geräusch, das die Stütze hinterlässt, wenn man sie bestimmungsgemäß "bedient" und sie in ihrer Endposition durch starke Magneten arretiert wird. Schaut euch das Spektakel am besten im Video an und bildet euch selbst ein Urteil. Gerne würden wir das Galaxy View jetzt jedenfalls an einen angestammten Platz stellen - und nie wieder anfassen.

Wirkt nicht zu Ende gedacht - und fühlt sich auch so an.
Wirkt nicht zu Ende gedacht - und fühlt sich auch so an. (Quelle: netzwelt)

Denn in diesem Fall bereitet uns das Anfassen, unabhängig von der Größe, generell keine Freude. Auf dem Touchscreen sammeln sich schneller als gewohnt Fingerabdrücke. Drücken wir etwas fester mit dem Finger auf den Bildschirm, wölbt sich dieser bis auf die darunter liegende Schicht durch. Ist das Tablet eingeschaltet, hinterlassen wir dabei hässliche "Halo-Spuren". Jedes Mal, wenn wir das Galaxy View in die Hände nehmen, knarzt entweder das Gehäuse oder die rückseitige Stütze. Zu diesem Zeitpunkt des Testberichtes sind wir froh, dass wir ein Rezensionsgerät vor uns haben, welches wir nach diesem Bericht wieder an Samsung zurückschicken können, ohne dafür 650 Euro bezahlt zu haben.

Bildschirm

Runterkommen, durchatmen. Denn das Galaxy View hat auch positive Seiten. Inzwischen haben wir ein festes Plätzchen für das Riesen-Tablet auf einem Nachttischchen neben dem Bett gefunden. Da bleibt es jetzt. Jetzt sitzen wir da und starren aus einiger Entfernung auf den Bildschirm, der von der Größe her die meisten Notebook-Displays in die Tasche steckt.

Das gilt jedoch nicht für die Auflösung, die auf dem Papier ein wenig mickrig wirkt. In der Tat lassen sich bei näherer Betrachtung einzelne Pixel mit bloßem Auge und ohne Mühe erkennen. Uns stört dieser Umstand weniger. Sitzen wir in einem gesunden Fernseh-Abstand, etwa 60 Zentimeter vor dem Gerät, sind kaum mehr Pixel auszumachen.

Die nicht entspiegelte Anzeige könnte jedoch mehr Maximal-Helligkeit vertragen. Drehen wir den Regler in den Einstellungen ganz nach rechts, ist es bei ungünstigem Lichteinfall bisweilen schwierig, Inhalte zu erkennen. Dann hilft nur, einen anderen Platz aufzusuchen. Aus oben genannten Gründen schließen wir lieber die Rollläden.

Leistung und Akkualufzeit

Der von Samsung verbaute Prozessor mit acht Rechenkernen in Verbindung mit zwei Gigabyte RAM sorgt bei uns im Test für ein durchweg hohes Arbeitstempo. An die schnellsten Tablets reicht das Galaxy View aber nicht heran. Das bestätigen Benchmarktests.

Unter Geekbench 3 erzielt das Rezensionsgerät 723 Single-Core-Punkte. Nach Abschluss des Multi-Core-Tests stehen 3.553 Punkte auf der Uhr. Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy Tab S2 erzielte im gleichen Test 1.266 beziehungsweise 4.471 Punkte. Apples iPad Pro führt aktuell die Benchmark-Liste mit 3.241 Single-Score- und 5.415 Multi-Core-Punkten an.

Überraschung: In der Menüleiste findet sich der TV-Button fest verdrahtet. Wirklich sinnvoll ist das nicht.
Überraschung: In der Menüleiste findet sich der TV-Button fest verdrahtet. Wirklich sinnvoll ist das nicht. (Quelle: netzwelt)

Doch versteifen wir uns nicht allzu sehr auf die Benchmark-Ergebnisse: Im Alltag kommt selten der Wunsch nach mehr Leistung auf. Apps öffnen zügig, Videos laufen ruckelfrei. Weil es zu einem unserer Referenz-Titel gehört, spielen wir eine Runde Asphalt 8. Dabei fallen zwei Dinge auf: Zum einen ruckelt der Titel in manchen Abschnitten mehr als gewohnt.

Zum anderen fällt die Steuerung durch Neigen flach - das Samsung Galaxy View verfügt nicht über einen Lagesensor. Dies wirkt sich auch auf andere Bereiche abseits des Spielens aus. Sämtliche Inhalte, etwa Webseiten, können nicht im Hochformat dargestellt werden. Die eingebaute Stütze verhindert aber ohnehin das bequeme Halten in dieser Position.

Zufrieden sind wir mit der Akkulaufzeit. Die von Samsung versprochene Laufzeit von acht Stunden erreichen wir zwar nur, wenn wir die Bildschirmhelligkeit deutlich reduzieren. Ein so schweres und unhandliches Gadget wird unserer Meinung nach ohnehin selten steckdosenfreie Landstriche zu Gesicht bekommen.

Multimedia

Das Betrachten von Filmen hat uns während der Testphase viel Freude bereitet. Doch auch hier gibt es Einschränkungen. Nicht immer ist der Ton, der aus den beiden rückseitig verbauten Lautsprecher kommt, kräftig genug, um Nebengeräusche zu übertönen. Spielen wir Video-Material über die YouTube-App ab, gibt es keinerlei Probleme. Netflix-Inhalte hingegen sind generell zu leise.

Unabhängig der Lautstärke, sind wir mit dem Klang der Mini-Speaker nicht zufrieden. Auf Maximallautstärke neigen sie zum Übersteuern. Besser, ihr schließt tragbare Bluetooth-Lautsprecher an und spendiert auch diesen ein festes Plätzchen.

Eine rückseitige Hauptkamera gibt es nicht. Samsung stattet das Riesen-Tablet lediglich mit einer Frontkamera für die Videotelefonie aus. Bei einem testweise durchgeführten Anruf via Skype bemängelte die Gegenstelle eine verzerrte Stimme und ein körniges Bild.

Software

Samsung installiert eine Handvoll Apps auf dem Galaxy View ab Werk vor. Dazu gehört etwa Skype, Microsoft Office Apps (Word, Excel, PowerPoint, OneNote, OneDrive), SideSync oder Family Square (eine Art digitales Familien-Album). Bei uns verlangte jede einzelne dieser Apps vor dem ersten Ausprobieren ein Software-Update.

Darüberhinaus offenbart der Blick auf die Softkey-Leiste eine Überraschung. Hier gibt es neben den bekannten Schaltflächen noch einen extra TV-Button. Betätigt man diesen, öffnet sich eine Übersichtsseite mit Streaming-Anbietern. Im Werkszustand sind es streng genommen lediglich Verknüpfungen zu den jeweiligen Angeboten im Play Store. Jede App will also zunächst heruntergeladen werden und legt eine zusätzliche Verknüpfung auf dem Startbildschirm an.

Wir sehen den Mehrwert dieser so prominent platzierten Funktion nicht, denn zum einen lassen sich die Dienste ja einfach separat herunterladen und auf dem Startbildschirm platzieren, zum anderen können die Einträge nicht editiert werden. Ihr müsst also mit den von Samsung vorgeschlagenen Diensten vorlieb nehmen, und die sind ein wenig ... exotisch. Neben Netflix, MagineTV und maxdome listet Samsung hier noch vidzone, YouTube, RTL Now, Disney Channel, Lego TV und Kixi auf.

Samsung Galaxy View: Fazit

Fazit: Gut gemeint, schlecht umgesetzt 5.2/10

Die Idee ist gut: Ein Android-Fernseher auf Tablet-Basis. Doch an der Umsetzung hapert es. Ein Gerät wie das Galaxy View muss zwingend mit einer Hardware-Fernbedienung, besseren Lautsprechern, frei einstellbaren Blickwinkeln und mit einem Display auflaufen, welches eine höhere Helligkeit bietet. Und auch der preisliche Abstand zu einem „echten“ Fernseher darf nicht so hoch ausfallen. Unterm Strich können wir damit das Galaxy View nicht empfehlen.

Das hat uns gefallen

  • Konzept
  • SD-Kartenleser

Das hat uns nicht gefallen

  • Stütze auf der Rückseite
  • Auflösung
  • Lautsprecher
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
Testnote 5,2 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
4,0 / 10
Design

Design Verarbeitung, Materialwahl und Ergonomie eines Tablets werden unter dem Punkt Design zusammengefasst.

5,0 / 10
Display

Display Auflösung, Helligkeit, Kontrast, Farbtreue, Oberfläche und Blickwinkel einer Tablet-Anzeige werden unter dem Punkt Display bewertet.

7,0 / 10
Leistung

Leistung Benchmark-Ergebnisse, Alltagsgeschwindigkeit, Software-Angebot und Akkulaufzeit eines Tablets werden unter dem Punkt Leistung bewertet.

5,0 / 10
Ausstattung

Ausstattung Zahl und Art der vorhandenen Schnittstellen, Speicher und weitere Optionen werden unter dem Punkt Ausstattung bewertet.

5,0 / 10
Multimedia

Multimedia Die Qualität von Lautsprechern und Kameras bewerten wir unter dem Punkt Multimedia.

Informationen zum Leihgerät

Das Galaxy View wurde uns von Samsung Deutschland für eine Dauer von zwei Wochen zur Verfügung gestellt. Nach Testende wird es wieder an den Hersteller auf eigene Kosten zurückgeschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

7
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Samsung Galaxy View im Zeitverlauf
1 von 3
  • Galaxy View: Samsung verrät Preis des Riesen-Tablets

    29.10.2015 Seit Wochen ranken sich Gerüchte um ein Monster-Tablet von Samsung. Erste Bilder des 18,4-Zoll-Flachcomputers tauchten bereits im Netz auf. Nun hat der südkoreanische Hersteller das Galaxy View offiziell vorgestellt - es soll das größte Android-Tablet auf dem Markt sein. Das Galaxy View ist dabei auf den Genuss von Entertainment ausgelegt. Es soll dabei mit einem eigenem Media-Interface und einem ausdauernden Akku punkten.

    Das 18,4-Zoll-Touch-Display löst in Full HD auf und verfügt über einen Formfaktor von 16:10. Für ein entsprechendes Klangerlebnis sollen Stereolautsprecher mit 4 Watt Ausgangsleistung sorgen. Mit dem integrierten 5.700-Milliamperestunden-Akku sind laut Samsung bis zu acht Stunden Videoplayback möglich. Über einen Ständer mit integriertem Tragegriff kann der Bildschirm komfortabel in zwei Positionen aufgestellt oder das 2,65 Kilogramm schwere Tablet bequem transportiert werden.

    Die weiteren technischen Spezifikationen im Überblick: Im Inneren werkelt ein Octa-Core-Prozessor mit 1,6 Gigahertz-Taktfrequenz, den ein zwei Gigabyte großer Arbeitsspeicher unterstützt. Der interne Speicher ist 32 Gigabyte groß. Über einen microSD-Slot könnt ihr diesen um bis zu 128 Gigabyte erweitern. Eine für Videotelefonie geeignete Frontkamera löst mit schlanken 2,1 Megapixeln auf.

    Als Schnittstellen stehen WLAN, Bluetooth 4.1 und ein LTE-Mobilfunkmodem zur Verfügung, welches Nano-SIM-Karten schluckt. Als Betriebssystem kommt Android 5.1 Lollipop zum Einsatz.

    Das Samsung Galaxy View wird ab November 2015 zu einem Preis von 649 Euro in den Farben Schwarz und Weiß angeboten. Allerdings handelt es sich in Deutschland um die Wi-Fi-Variante - ob oder wann es auch ein Modell mit Mobilfunkmodem hierzulande geben wird, ist nicht bekannt.

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