Samsung Gear 360 im Test: Die etwas andere Kamera

Galaxy S7-Accessoire ausprobiert

Gear 360-Titel

Das Galaxy S7 bietet bereits eine exzellente Kamera. Wer die Fähigkeiten des Samsung-Smartphones aber noch erweitern will, findet mit der Gear 360 nun ein passendes Accessoire. Die kugelförmige Samsung-Kamera knipst Bilder und Videos in 360 Grad und lässt euch somit im Nachhinein noch einmal ins Geschehen abtauchen. Lohnt sich der Kauf? Ein Test.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Bedienung
  3. Bildqualität
  4. Preis und Verfügbarkeit
  5. Zubehör
  6. Fazit & Alternativen

Mit ihren zwei riesigen Fischaugen sieht sie eher wie eine Überwachungskamera, denn wie ein trendiges Lifestyle-Gadget aus. Die Rede ist von Samsungs Gear 360 - der ersten Vollsphärenkamera des südkoreanischen Herstellers. Wer mit dem Begriff "Vollsphäre" nichts anfangen kann - darunter versteht man 360-Grad-Videos und -Bilder. Erstmals gezeigt wurde die kleine Kamerakugel Ende Februar auf dem MWC in Barcelona und erhaschte dort trotz der parallelen Präsentation des Galaxy S7 viel Aufmerksamkeit. Nun ist das Produkt marktreif. War der Trubel um die Gear 360 berechtigt?

Design und Verarbeitung

Die Gear 360 ist keine Überwachungskamera, sondern eine Vollsphärenkamera für 360-Grad-Aufnahmen.
Die Gear 360 ist keine Überwachungskamera, sondern eine Vollsphärenkamera für 360-Grad-Aufnahmen. (Quelle: netzwelt)

Geht es rein um die Optik, dann wohl eher nicht. Die Gear 360 sieht unspektakulär aus, Samsung setzt bei seiner Vollsphärenkamera auf ein sehr funktionales Design. Die Kugel besteht aus weißen, matten Kunststoff, der störende Reflexionen vermeidet und ist gegen Staub und Wasser geschützt. Die Schutzklasse fällt mit der Angabe "IP53" aber vergleichsweise niedrig aus.

So könnt ihr zwar beruhigt eure Gear 360 im Regen nutzen, ein Bad im Klo oder Waschbecken solltet ihr aber tunlichst vermeiden. Das würde euch das Gerät wohl nicht verzeihen.

Samsung Gear 360 im Hands-on

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Im Test wurde uns das kugelförmige Design der Gear 360 zudem mehrmals zum Verhängnis. So durften wir die Kamera zum Beispiel nicht in ein EM-Stadion mitnehmen, da sie sich als Wurfgeschoss eignet. Und auch das Sicherheitspersonal am Flughafen beugte die Gear 360 auf dem Röntgenscreen misstrauisch.

Bedienung

Schlicht ist nicht nur die Optik der Gear 360, sondern auch das Bedienkonzept. Ein Druck auf die Aufnahmetaste der Kamera genügt und ihr werdet zum 360-Grad-Regisseur. Über die zwei weiteren Tasten an der Kamera erreicht ihr ein kleines übersichtliches Optionsmenü, das schnellen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen bietet.

Wer stärkeren Einfluss auf die Bildgestaltung nehmen will, kann die Gear 360 mit einem kompatiblen Smartphone verbinden. Dieses fungiert dann als Display und erlaubt Zugriffe auf Weißabgleich, Schärfe und Co. Leider lässt sich die Gear 360 via Bluetooth oder NFC aktuell offiziell nur mit folgenden Samsung-Geräten koppeln:

Ein Entwickler hat jedoch im XDA-Developer-Forum nun eine modifizierte Gear 360-App veröffentlicht. Sie erlaubt es die Kamera mit jedem Android-Smartphone, das mit mindestens Android 5.0 Lollipop läuft, zu koppeln. Eine detaillierte Anleitung zur Installation der App findet ihr im XDA-Forum.

Die Steuerung via Smartphone ist aus bis zu zehn Metern Entfernung möglich, saugt aber auch immens am nicht gerade üppig dimensionierten Akku der Gear 360. Während unseres Tests war der 1.350-Milliamperestunden-Akku binnen knapp drei Stunden leer gespielt. Daher empfiehlt es sich bei längeren Fototouren unterwegs ein Akku-Pack mitzunehmen. Interessanterweise unterbricht die Gear 360 jedoch den Ladevorgang, wenn ihr über das Smartphone die Live-Ansicht der Kamera anzapft. Ein Dauerbetrieb an der Powerbank ist also nicht möglich.

An der Unterseite der Gear 360 befindet sich ein Stativgewinde. Hierüber lässt sich die Gear 360 an Selfiestangen, Monopods und Co. anschließen. Samsung liefert selbst ein kleines Kunststoffstativ mit, das für erste Gehversuche mit der Kamera durchaus brauchbar ist.

Bildqualität

Zum biederen Äußeren der Kamera nicht passen, wollen die Spezifikationen. Die sind nämlich sehr beeindruckend. Samsung verbaut in der Gear 360 zwei 15-Megapixel-Kameras, die Bilder zusammen mit bis zu 30 Megapixeln und Videos in Ultra HD aufnehmen können. Aktiviert ihr nur ein Fischauge beträgt die maximale Fotoauflösung fünf Megapixel, Videos lassen sich mit einer Linse maximal in 2K aufnehmen. Die Konkurrenz in Form der Ricoh Theta S bietet dagegen nur zwei 12-Megapixel-Kameras - dementsprechend geringer lösen die Aufnahmen auf. Andere 360-Kameras bieten zwar eine ähnliche Auflösung, kosten jedoch noch einmal deutlich mehr.

Nicht immer läuft das Zusammenfügen der Aufnahmen reibungslos. Gerade bei den Endbildern hat die Gear 360 Probleme.
Nicht immer läuft das Zusammenfügen der Aufnahmen reibungslos. Gerade bei den Endbildern hat die Gear 360 Probleme.

Die Gear 360 glänzt in Sachen Bildqualität jedoch nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis. Die Samsung-Kamera macht zum Teil traumhaft schöne Bilder und Clips und das nicht nur bei Tageslicht, sondern auch unter widrigen Bedingungen - etwa in Innenräumen. Zwar ist hier ein leichtes Rauschen sichtbar - allerdings noch nicht so stark, dass es störend wäre.

Allerdings produziert die Gear 360 gerne Fehler an den Schnittstellen der Endbilder. Statt zu überlappen schneiden die Bilder einander. Die Stitching-Probleme sind jedoch Software bedingt und könnten mit einem zukünftigen Firmware-Update gelöst werden. Derzeit verteilt Samsung einen ersten 320 Megabyte großen Patch, der bereits an der Bildqualität der Kamera schrauben soll. Dies werden wir in den nächsten Tagen noch einmal ausgiebig prüfen.

Hinweis

In Kürze findet ihr hier einige Kamera-Samples. Wir arbeiten noch daran, diese in unser System einzubauen.

Ohne Speicherkarte geht nichts

Das größte Manko der Kamera kann Samsung jedoch erst mit einer Neuauflage beheben: Der Gear 360 fehlt nämlich ein eigener Speicher. Um Bilder oder Videos aufzunehmen, ist das Einlegen einer microSD-Karte Pflicht. Ohne macht die Gear 360 keine Aufnahmen, selbst, wenn ihr die Kamera mit eurem Smartphone koppelt. Die Bilder können nicht direkt im Handyspeicher abgelegt werden.

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Beim Kauf einer Speicherkarte solltet ihr darauf achten, dass diese eine für die Gear 360 ausreichende Übertragungsgeschwindigkeit erreicht. Netzwelt hat die Samsung-Kamera für den Test mit der microSD-Karte Extreme Pro UHS-II von SanDisk bestückt. Sie bietet eine Lese- und Schreibgeschwindigkeit von 250 Megabyte pro Sekunde.

Aufnahmen betrachten und bearbeiten

Anschauen könnt ihr die 360-Grad-Aufnahmen in der Mediengalerie eures Samsung-Smartphones. Wahlweise ladet ihr die Inhalte auch bei Facebook, YouTube oder Google Street View hoch. Beachtet hier bitte, dass bei YouTube offenbar noch eine Konvertierung stattfindet, die die Qualität der Aufnahmen senkt.

Besitzer einer Gear VR können sich ihre Bilder und Clips zudem aus Samsungs VR-Brille anschauen und somit bewegende Momente noch einmal hautnah nacherleben. Samsung bietet zudem mit dem "Gear 360 Action Director" eine Software zur Bearbeitung der Aufnahmen am Rechner an. Sie steht aktuell nur für Windows zum Download bereit.

Tipps für bessere Bilder

1 von 5
  • Die richtige Platzierung

    Für mitreißende 360-Grad-Aufnahmen solltet ihr die Gear 360 mitten im Geschehen platzieren. Seid ihr etwa auf einen Konzert platziert die Kamera so, dass sie sowohl Publikum als auch Bühne aufzeichnet. Achtet darauf, dass auf allen Seiten etwas passiert, sonst werden die Aufnahmen schnell langweilig.

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Preis und Verfügbarkeit

Die Gear 360 kann ab sofort im Samsung Online-Shop vorbestellt werden. Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) lautet 349 Euro. Hierzu kommen noch die Kosten für eine microSD-Karte von mindestens 40 Euro. Preislich liegt die Gear 360 damit noch im Einstiegspreis für Vollsphärenkameras.

Günstiger ist nur die LG Cam 360 (knapp 300 Euro). Der Preis geht also in Ordnung, und ist nicht zu hoch. Das kennt man von Samsung ja eigentlich anders - Stichwort: Galaxy Tab.

Zubehör

Abgesehen vom beiliegenden Stativ und einer Tragetasche bietet Samsung derzeit kein Zubehör für die Gear 360 an. Der südkoreanische Hersteller denkt aber über eine Schutzhülle nach, die die gesamte Kamera wasserfest machen würde. Ob und wann das Accessoire erscheint, bleibt abzuwarten. Durch den Stativanschluss besteht immerhin Kompatibilität zu Produkten von Drittanbietern.

Samsung Gear 360: Fazit

Einfache Bedienung, gute Bildqualität, fairer Preis 7.6/10

Einfache Bedienung, gute Bildqualität, fairer Preis - die Samsung-Kamera Gear 360 hinterlässt im Test einen guten Eindruck. Der positive Gesamteindruck wird jedoch durch den Verzicht auf einen Gerätespeicher und die Beschränkung der Nutzung auf wenige Samsung-Smartphones geschmälert. Diese Mankos verhindern eine höhere Wertung.

Das hat uns gefallen

  • gute Bildqualität
  • wechselbarer Akku
  • einfache Bedienung

Das hat uns nicht gefallen

  • Stitching-Probleme
  • kein Gerätespeicher
  • nur mit ausgewählten Samsung-Smartphones nutzbar
  • nur Spritzwasserschutz
Testnote 7,6 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
7,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

8,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

8,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

7,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

8,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

Netzwelt konnte die Gear 360 auf einer Presseveranstaltung von Samsung ausprobieren. Die Veranstaltung beinhaltete einen Besuch des EM-Spiels Deutschland - Ukraine.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

8
Leserwertung

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Bestenlisten

Samsung Gear 360 wurde in folgende Digitalkamera-Bestenlisten einsortiert.

Vergleich: Die besten 360-Grad-Kameras
Vergleich: Die besten 360-Grad-Kameras Bestenliste Welche 360-Grad-Kamera kommt für mich in Frage? Wir haben eine Auswahl an Kameras für den Rundumblick für euch getestet und in unserer Bestenliste miteinander verglichen. Zur Bestenliste

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Testbericht, Digitalkamera, Samsung, Smartphone und Samsung Gear 360.

Links zum Thema
Samsung Gear 360 im Zeitverlauf
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  • Samsung Gear 360: Vollsphärenkamera für die eigene virtuelle Realität

    22.02.2016 Die 360-Grad-Panorama-Kamera besitzt zwei sich gegenüberliegende Kameralinsen, die mit jeweils 15 Megapixeln auflösen. Die Fischaugen-Aufnahmen werden anschließend via Smartphone zu einem 360-Grad-Foto oder -Video zusammengerechnet. Die 360-Grad Videos haben eine Auflösung von 3.830 x 1.920 Bildpunkten bei 30 Bildern pro Sekunde. Wie unser Testbericht der vergleichbaren Ricoh Theta S gezeigt hat, ist diese Auflösung auch nötig, um Gefallen an den Videoaufnahmen zu finden. Die ersten Bewegtbildaufnahmen der Gear 360 sehen deutlich besser aus, als die Full HD-Videos der Theta S.

    Fotos zeichnet die Gear 360 mit einer Auflösung von 30 Megapixeln auf. Samsung sieht die Gear VR vor allem als Lieferanten für die eigene virtuelle Realität. Die Aufnahmen der Gear 360 können nach der Übertragung auf das Smartphone direkt mit der Samsung Gear VR angeschaut werden. Als Funkstatndards stehen WLAN, Bluetooth und NFC zur Verfügung. Der Nutzer hat zudem die Möglichkeit nur jeweils eine Linse der Kamera für 180-Grad-Videos zu verwenden. Eine Offenblende von f/2.0 verspricht brauchbares Bildmaterial auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Zudem steht ein HDR-Modus sowie ein ISO-Limit zur Verfügung.

    Via MicroUSB-Karte könnt ihr den internen Gerätespeicher um bis zu 128 Gigabyte erweitern. Zudem ist die Kamera nach IP53 zertifiziert - sie ist demnach gegen das Eindringen von Spritzwasser und Staub geschützt. Die Gear VR verfügt über ein kleines Display auf der Oberseite, welches über die aktuellen Aufnahmeeinstellungen informiert sowie ein kleines dreibeiniges Stativ. Aufnahmen können wie schon bei der Theta S via Smartphone in verschiedene soziale Netzwerke übertragen werden - darunter Facebook oder Google Street View. Diese unterstützen die Ansicht von 360-Grad-Fotos oder -Videos am PC.

    Samsung will in den kommenden Wochen weiteres kompatibles Zubehör veröffentlichen. Zunächst gewährleistet Samsung allerdings nur eine Kompatibilität zu aktuellen Smartphone-Modellen aus eigenem Haus. Zu diesen zählen das Galaxy S7 (Edge), Galaxy S6 (Egde), Galaxy S6 Edge+ und Galaxy Note 5. Eine Nutzung mit weiteren Android-Smarthones ist durchaus denkbar. Genaue Angaben dazu machte Samsung dazu allerdings noch nicht.

    Die Gear 360 soll laut Samsung im zweiten Quartal 2016 in den Handel gehen. Detaillierte Angaben zum Release-Termin und einer Verfügbarkeit hierzulande und den geplanten Preisen blieb der Hersteller bis dato aber noch schuldig.

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