Shure SE846 im Test: Die "besten In-Ear-Kopfhörer der Welt"

Zum Preis von 1.000 Euro

Explosionszeichnung der Shure SE846.

Mit vier Treibern, eigenem Subwoofer, transparentem Gehäuse und jeder Menge Zubehör treten die In-Ear-Kopfhörer Shure SE846 zum Test an. Viele Fachmagazine preisen sie vollmundig als die besten In-Ear-Kopfhörer der Welt an. Ob purer Hype oder faszinierendes Klang-Handwerk - wir werden es im Test der nicht gerade günstigen In-Ear-Kopfhörer herausfinden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Technische Daten Shure SE846
  2. Technik: Wie der hohe Preis zustande kommt
  3. Design und Verarbeitung
  4. Passform: Die hohe Kunst des Anlegens
  5. Hörtest: Röhren gehört
  6. Was für ein Wahnsinnsklang - größtenteils zumindest
  7. Fazit

Wenn jemand 1.000 Euro für einen In-Ear-Kopfhörer auf den Tisch legt, kann wohl davon ausgegangen werden, dass es sich um einen professionellen Musiker handelt, der weiß, was er tut. Doch mit dem SE846 richtet sich Shure nicht explizit nur an Musiker, Toningenieure, Bühnentechniker und sonstige Profis sondern auch an Privatnutzer. Denen werden gleich ein paar Steine in den Weg geworfen. Die erste Frage lautet: Wo gibt es Audiomaterial, welches der versprochenen Qualität der SE846 überhaupt gerecht wird. Die zweite Frage lautet: Was hat es mit all dem Zubehör auf sich?

Technische Daten Shure SE846

  • Treiber: Vier MicroDriver mit Subwoofer (3-Wege-System)
  • Empfindlichkeit: 114 dB
  • Impedanz: 9 Ohm
  • Übertragungsbereich: 15 Hertz bis 20 Kilohertz
  • Anschluss: 3,5 Millimeter
  • Besonderheiten: Subwoofer, transparentes Gehäuse, Lieferumfang, auswechselbare Kabel
  • Preis: 999 Euro (UVP)

Technik: Wie der hohe Preis zustande kommt

Klar, dass in einem 1.000-Euro-Kopfhörer mehr Hirnschmalz steckt, als in den zumeist nicht weiter erwähnenswerten In-Ear-Kopfhörern, die zahlreichen Smartphones beiliegen. Ein Großteil der am Markt befindlichen In-Ear-Kopfhörer kommen mit einem Treiber aus, der für die Wiedergabe von Höhen, Mitten und Tiefen verantwortlich ist. Im Shure SE846 stecken gleich vier dieser Treiber samt eigenem Subwoofer! Das weckt nicht nur Begehrlichkeiten, sondern schraubt vor allem die Erwartungen nach oben.

"Der neu entwickelte Tiefpassfilter ermöglicht, ganz einfach und zugleich effektiv, eine deutliche Abgrenzung der einzelnen Frequenzbereiche und eröffnet damit neue Klangwelten. Er erreicht mühelos die Qualitäten eines echten Subwoofers - und das im kompakten In-Ear-Design." Matt Engstrom, Category Director Monitoring Produkte bei Shure

Auch der Blick in den enthaltenen Lieferumfang zeigt, wofür man das viele Geld ausgegeben hat. Neben den Kopfhörern selbst legt Shure unter anderem noch diverse Ohrstöpsel in unterschiedlichen Größen und Formen, Reinigungs- und Wartungswerkzeug, eine abnehmbare Kabelfernbedienung zur Lautstärkeregulierung, verschiedene Kabel und Adapter sowie drei unterschiedliche Schallöffnungseinsätze bei.

Letztere verändern die Frequenzgänge und bestimmen somit den grundlegenden Charakter der In-Ears. Zur Auswahl stehen "Ausgeglichen" (ab Werk montiert), "Hell" und "Warm". Unabhängig eines Equalizers könnt ihr somit eure Kopfhörer selbst physikalisch tunen! Eine feine Sache, beim ersten Mal jedoch ein wenig kompliziert in der Umsetzung. All das verpackt Shure in einem wasserdichten, transparenten Gehäuse, indem auch noch eine kleinere Transportbox für die Kopfhörer selbst Platz findet.

Design und Verarbeitung

Es ist sicherlich nicht ganz einfach, In-Ear-Kopfhörern ein extravagantes Aussehen zu verleihen. Audeze versucht es bei den iSine 10 etwa mit einer, technisch bedingten, Star Wars-Optik. Shure hingegen verpasst dem Testgerät ein transparentes Gehäuse, das euch einen Blick auf die im Inneren verbauten Komponenten erlaubt. Beides hat seinen Reiz.

An der generellen Verarbeitungsqualität der Shure SE 846 haben wir nichts auszusetzen. Mit Blick auf das Preisschild hätten wir - ja, was eigentlich - etwas edlere Materialien erwartet? Nicht unbedingt. Aber eine Kabelhilfe in der Transportbox wäre nett gewesen, damit sich die ebenfalls transparenten Kabel nicht dauernd verheddern. Die billig wirkende Styropor-Einlage, auf der die Shure-Kopfhörer ab Werk drapiert sind, lässt sich auf Reisen leider kaum wiederverwenden.

Shure In-Ear Kopfhörer SE846 in Bildern

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Und wer einen etwas genaueren Blick auf die im Lieferumfang enthaltene Kabelfernbedienung, mit ihren kratergroßen Spaltmaßen blickt, darf zurecht mehr Sorgfalt vom US-Hersteller einfordern. Hier hat sich seit dem Shure E500, den wir vor mehr als zehn Jahren getestet haben, leider kaum etwas getan.

Passform: Die hohe Kunst des Anlegens

Der Autor musste bereits mehrfach feststellen, dass seine Ohren offenbar nicht der Norm entsprechen. Dies zeigt sich erneut - obwohl laut Shure "mehr als 90 Prozent aller Nutzer" mit den ab Werk montierten Silikon-Aufsätzen perfekt klarkommen. Doch an Aufsätzen mangelt es im Lieferumfang glücklicherweise nicht und auch der Austausch stellt sich einfach dar. Wem alle Aufsätze nicht taugen, greift wie der Autor zu den gelben, leider nicht sehr langlebigen Schaumstoff-Stücken, die erst zusammengedrückt werden und sich nach einiger Zeit im Ohr wieder ausdehnen. Dann sitzen die SE846 sehr sicher in den Ohren.

Das ist auch gut so, denn wirklich Freude bereitet uns das Aufsetzen nicht. Dem ist sich offenbar auch Shure bewusst - uns Redakteuren legt der US-Hersteller ein Extra-Merkblatt zum korrekten Einsetzen der Ohrstöpsel bei. Demnach ist am besten folgendermaßen vorzugehen:

  • Mit dem durch Kevlar verstärkten Kabelende eine Schlaufe formen.
  • Die Schlaufe von oben über das Ohr führen.
  • Nun die Ohrstöpsel vorsichtig ins Ohr einführen.
  • Alternativ lässt sich das Kabel auch hinter dem Körper wegführen.

Das klingt zunächst einfach. In der Praxis ist es kniffliger, da sich das starre Kabelende beim Zusammenwickeln der Kopfhörer von alleine verformt. Ist das Prozedere erst einmal abgeschlossen, sitzen die In-Ear-Kopfhörer über Stunden hinweg sehr angenehm. Das gilt für Brillenträger, deren Gestell oft mit dem starren Kabel kollidiert, jedoch nur eingeschränkt.

Die gelben Schaumstoff-Aufsätze dichten das Ohr gegenüber Umweltgeräuschen sehr stark ab. Shure spricht von einer Filterung von bis zu 37 db. Auch wenn keine Musik eingelegt ist, bewegt ihr euch mit ihnen wie mit klassischem Gehörschutz durch die Stadt. Mal eben beim Bäcker einen Kopfhörer herausnehmen, Bestellung entgegennehmen und weiter Musik hören, ist nicht ohne weiteres möglich, da der Schaumstoff erneut angepasst werden muss. Das geht bei diesen Sennheiser-Kopfhörern wesentlich einfacher.

Hörtest: Röhren gehört

Wir waren überrascht, wie unterschiedlich sich die verschiedenen Schallöffnungseinsätze auf die Klangcharakteristik der Shure-Kopfhörer in unserem Hörtest, den wir am PC mit dem Kopfhörer-Röhrenverstärker InLine AMP-USB (Test folgt), zuhause an einem Yamaha RX-V 2065-Receiver und unterwegs am HiRes-Walkman NWZ-A15 von Sony durchführten, auswirken.

"Hell" etwa löst die Höhen wunderbar auf. Wer gerne klassische Musik hört, wird die Röhrchen für "warmes" und "ausgeglichenes" Hören (standardmäßig installiert) wahrscheinlich überhaupt nicht beachten. Wobei zu allererst sind wir überrascht, dass wir erst jetzt, nach knapp 1.000 Wörtern zum ersten Mal das formulieren, was diese Kopfhörer wirklich ausmacht:

Was für ein Wahnsinnsklang - größtenteils zumindest

Phänomenal, wie dieser Shure-Kopfhörer die Instrumente im imaginären Raum platziert. Die Zuordbarkeit ist phantastisch und übertrifft die des (zugegeben, grundlegend anders aufgebauten) Audeze EL-8 Titanium noch einmal ein gutes Stück. Vor allem bei purer Klassik, aber auch die wie alle Test-Tracks als AIFF-Datei vorliegende Rudimentärversion von Björks Stonemilker lässt uns den Atem stocken. Wir vergessen sofort, dass wir In-Ear-Kopfhörer aufhaben. Und für kurze Zeit vergessen wir auch das Preisschild.

Doch das Aushängeschild dieser Kopfhörer ist (auch) der Bass. Wer Gelegenheit hat, die Shure SE846 einmal Probe zu hören, der besorge sich bitte eine verlustfreie Version von Dub Me Tender von Dub Colossus, lehne sich zurück und bereite sich auf ein markerschütterndes Bassfundament ab Sekunde 42 vor. Wo andere Kopfhörer hier nur ein Padada..dammdamm-padadabrrrrrrrrm hinrotzen, gelingt dem Shure ein lupenreines Padada..dammdamm-padadaDaaaaaaa. Klingt geschrieben blöd, in echt gar wunderbar.

Wer anschließend unbeeindruckt mit der Schulter zuckt: Glückwunsch, viel Geld gespart. Denn Musikliebhaber kratzen spätestens jetzt die letzten Groschen zusammen. Die Kinder wollen studieren? Es muss ja nicht unbedingt die Privat-Uni sein ...

Damit wir uns nicht falsch verstehen - die Shures sind keine stupiden Effekthascher. Mit dem Bass dieser Kopfhörer haben die 1.000-Euro-In-Ears in etwa so viel am Hut, wie die Elbphilharmonie mit einem heruntergekommenen Jugendzentrum im Problemviertel. Gleich zehn kleine Metallplättchen setzen sich zu einem mechanischen Tiefpassfilter zusammen, der Verzerrungen überhaupt gar nicht erst zulässt. Respekt!

Shure SE846: Fazit

Schämet euch nicht! 9.7/10

Wer jetzt Lust auf die Shure SE846 bekommen hat und mit seinem Gewissen hadert, knapp 1.000 Euro für In-Ear-Kopfhörer auszugeben dem sei unsere Standard-Antwort auf Fragen dieser Art empfohlen: Einfach machen! (Vorher bitte mit den eigenen Lieblingssongs Probe hören). Denn wer einen solchen Sound mit einer klassischen Stereo-Anlage reproduzieren will, wird es weder mit 1.000 Euro noch mit 10.000 Euro schaffen. Ob Shure die besten In-Ear-Kopfhörer der Welt produziert hat, wissen wir nicht. Dazu fehlen uns ein paar Vergleiche. Aber wir können mit Gewissheit sagen, dass es die besten In-Ear-Kopfhörer sind, die wir bislang im Ohr hatten.

Das hat uns gefallen

  • Klang
  • Lieferumfang
  • Austauschbare Filter
  • Ingenieurskunst

Das hat uns nicht gefallen

  • Auf- und Absetzen
  • Verarbeitung im Detail (Fernbedienung)
Testnote 9,7 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
10 / 10
Klang

Klang Von Elektronik über Jazz, Pop und Rock bis hin zu klassischer Musik: Unsere Playlists enthält Musikstücke der unterschiedlichsten Richtungen. Beim Hörtest achten wir nicht nur auf die lauten sondern gezielt auch auf die ganz leisen (Zwischen)-Töne.

7,0 / 10
Tragekomfort und Verarbeitung

Tragekomfort und Verarbeitung Der schönste Kopfhörer ist nutzlos, wenn er sich falsch anfühlt oder droht, binnen kurzer Zeit auseinanderzubrechen. Drücken Bügel oder Ohrmuscheln? Gibt es keine oder nur unzureichende Verstellmöglichkeiten? Fühlt es sich nach kürzester Zeit an, wie in einer Sauna? All dies führt zu Punktabzug.

9,0 / 10
Ausstattung

Ausstattung Wie lang ist das Kabel, gibt es eine Anbindung ans Smartphone, lässt sich die Lautstärke direkt am Kopfhörer regeln und ist vielleicht sogar der Titelsprung möglich? Solche Kriterien nehmen wir im Punkt „Ausstattung“ genau unter die Lupe.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde uns von Shure Deutschland leihweise für einen Zeitraum von einem Monat zu Verfügung gestellt. Nach Testende werden die Shure SE846 wieder an den Hersteller zurückgeschickt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

9
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Shure SE846 selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 9 von 10 möglichen Punkten bei 27 abgegebenen Stimmen.
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Bestenlisten

Shure SE846 wurde in folgende Kopfhörer-Bestenlisten einsortiert.

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

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