SSD-Basics: Alles Wichtige über die flinken Laufwerke

Funktion, Technologien, Anschlussarten

von Mirco Lang
Teilen

« Zurück zur ersten Seite

Wie große sind die Unterschiede?

Die theoretischen Lese- und Schreibgeschwindigkeiten schwanken natürlich immer von Modell zu Modell. Bei HDDs hängt diese unter anderem von der Drehgeschwindigkeit ab, üblich sind 5.400 und 7.200 Umdrehungen pro Minute, bei SSDs von Controller, Firmware und verwendeter Flash-Technologie. Da die Theorie sowieso nur mäßig hilfreich ist, eine Vorstellung zu entwickeln, hier mal ein Beispiel vom hiesigen Testrechner: Beim sequentiellen Schreiben kommt die lokale HDD von Western Digital auf 131 Megabyte pro Sekunde (MB/s) beim Schreiben und 138 MB/s beim Lesen (sequentieller Test mit AS SSD Benchmark). Der gleiche Test zeigt bei der Kingston-SSD 484 beziehungsweise 223 MB/s. Mit anderen Worten: Der Unterschied ist enorm. In der Praxis bedeutet das beispielsweise, dass ein normaler Windows-Start locker doppelt oder dreifach so schnell ist. Und es handelt sich nicht einmal um eine sonderlich schnelle SSD. Bei einem neuen System könnt Ihr durchaus beobachten, wie Windows innerhalb von 20 Sekunden nach Eurem Passwort verlangt - und eine ähnliche Beschleunigung erfahrt ihr auch beim Laden von Programmen und Dateien.

Auch wenn es sich hier um eine auch für HDD-Verhältnisse langsame Hardware handelt, sind die enormen Unterschiede zur SSD offensichtlich.
Auch wenn es sich hier um eine auch für HDD-Verhältnisse langsame Hardware handelt, sind die enormen Unterschiede zur SSD offensichtlich.

Aber es gibt ja nicht nur Geschwindigkeit: Wie erwähnt sind SSDs leichter, robuster, in aller Regel lautlos und verbrauchen tendenziell auch weniger Strom. Im Vergleich zu den enormen Performance- und Preisunterschieden kann man den Unterschied beim Verbrauch aber vernachlässigen. Lediglich im Mobilbereich, wo es auf jedes kleine Wattlein ankommt, könnten die paar Minuten mehr Laufzeit, die eine sparsame SSD ermöglicht, wirklich wichtig sein.

Der liebe Preis...

Genau, der Preis - hier liegt ein wesentlicher Unterschied: Eine 1-Terrabyte-HDD von Samsung gibt es zum Beispiel ab ca. 55 Euro, die aktuelle SSD Samsung Evo 850 in gleicher Größe kostet euch mindestens 280 Euro. Und damit ist auch schon klar, warum HDDs so schnell nicht vom Markt verschwinden werden, denn zum Speichern von Daten genügen HDD-Geschwindigkeiten allemal, SSDs sind derzeit nur als Systemlaufwerke interessant (und eben für Mobilgeräte).

Ganz ehrlich? Im Grunde dürfte das Wissen bis hierhin den meisten Nutzern völlig ausreichen, um zu wissen, was es theoretisch mit einer SSD auf sich hat - aber bevor wir drei Kapitel weiter zu den Pros und Cons, den Anschlussarten und dem praktischen Glossar kommen, muss es nochmal etwas technischer werden. Und sei es, um eine weitere wichtige Frage beantworten zu können: Warum gibt es bei SSDs so enorme Preisunterschiede beim Programm einzelner Hersteller?

Welche Technologie sollt's sein? SLC, MLC oder TLC?

Wie gute eine SSD funktioniert, wie schnell sie ist und wie lange sie hält, hängt ganz wesentlich von der verwendeten Firmware und dem Controller ab - beides Punkte, die sich nicht aus einer Packungsbeschriftung auslesen lassen, zumal die Firmware auch immer wieder mal Updates bekommt. Den größten Unterschied macht aber die verwendete Flash-Technologie, hier gibt es unterschiedliche Zellen: SLC steht für Single Level Cell und bedeutet, dass jede Zelle genau zwei Zustände haben kann, so dass genau 1 Bit gespeichert wird, also eine 1 oder eine 0. Entsprechend stehen MLC und TLC für Multi beziehungsweise Triple Level Cell, es können also mehrere Zustände und somit mehrere Bits pro Zelle gespeichert werden. In der Praxis wird die Bezeichnung MLC übrigens meist für Zwei-Level-Zellen genutzt und auch Bezeichnungen wie 3-Bit-MLC (statt TLC) sind gängig.

SLC-Speicher ist beim Schreiben rund dreimal so schnell wie MLC-Speicher und um ein Zehnfaches haltbarer, dafür aber auch doppelt so groß und gut 30 Prozent teurer. Folglich kommt SLC in haushaltsüblichen SSD-Festplatten eher selten vor - zumindest als eigentlicher Speicher. Dennoch spielt SLC auch bei normalen Endnutzer-Platten eine Rolle: Samsung etwa spendiert seinen Evo-Modellen die "TurboWrite"-Technologie. Dabei wird ein Teil des TLC-Speichers im SLC-Modus angesprochen (es wird also nur 1 Bit pro Zelle genutzt) und als Puffer genutzt. So landen Schreibzugriffe zunächst im schnellen Pseudo-SLC-Bereich und werden dann in den normalen TLC-Bereich geschrieben. Nach Samsung-Angaben werden damit je nach Modell 1,6 (500 GB SSD) bis 3 (120 GB SSD) mal schnellere Schreibvorgänge erreicht.

Die Haltbarkeit

Die Frage, ob SLC oder MLC/TLC stellt sich in der Praxis weniger, eher ob MLC oder TLC. Hier ist zwar der Geschwindigkeitsunterschied weniger relevant, dafür aber die Lebensdauer. Flash-Zellen vertragen nur eine bestimmte Anzahl an Schreibvorgängen, als grobe Größenordnung: MLC rund 3.000, SLC rund 100.000. Wie das in der Praxis aussieht, lässt sich ganz gut an den Samsung-Modellreihen sehen: Die eher für Otto Normalverbraucher gedachte Evo-Reihe setzt auf TLC (3-Bit-MLC genannt), die Pro-Serie auf MLC.

Für die Evo-Modelle ab 512 GB wird eine Lebenserwartung 150 Terabyte TBW (Total Bytes Written) angegen, was bei der fünfjährigen Garantiezeit 80 GB pro Tag entspricht - was bei kaum einem Heimanwender auch nur annähernd der Fall sein dürfte. Die Pro-Modelle kommen auf einen TBW-Wert von 300 TB und Samsung gibt entsprechend 10 Jahre Garantie.

Samsungs EVO- und PRO-Modelle unterscheiden sich deutlich, aber nur innerlich. Und da tut sich deutlich mehr als nur 6 MB Größenunterschied.
Samsungs EVO- und PRO-Modelle unterscheiden sich deutlich, aber nur innerlich. Und da tut sich deutlich mehr als nur 6 MB Größenunterschied.

Daraus könnt ihr nun zwei wichtige Punkte herauslesen: Zum einen, dass große Preisunterschiede unter den Produkten eines Herstellers sehr häufig auf unterschiedliche Flash-Technologien zurückzuführen sind, die wiederum die Lebensdauer maßgeblich beeinflussen. Zum anderen: Schreibzugriffe nutzen SSDs ab. Bestimmt habt ihr schon häufiger gehört, dass SSDs nicht so lange "leben" wie HDDs, dass Defragmentierung schädlich ist und überhaupt, peinlichst auf unnötiges Schreiben zu achten ist. Grundsätzlich ist das auch richtig und Windows beispielsweise schaltet, wird es auf einer SSD installiert, Dinge wie Defragmentierung automatisch ab, aber letztlich ist das alles halb so wild - bei normaler Nutzung halten selbst günstige, aktuelle SSDs viele Jahre ohne Weiteres zutun. Nichtsdestoweniger gibt es allerlei sinnvolle Tuning-Maßnahmen, die ihr durchführen könnt - aber dazu ein andermal mehr. Dennoch sollten wir das Thema Verschleiß noch etwas gründlicher beleuchten - schließlich fallen mindestens drei Fachbegriffe in diesem Zusammenhang ständig: Alignment, TRIM und Garbage Collection.

Inhaltsverzeichnis

Bei neuen Artikeln zu SSD benachrichtigen? Nein, Danke

Das könnte dich auch interessieren

Informationen zum Artikel

Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten Computer, Notebook, Netzwelt-Wissen, SSD und Externe Speichermedien versehen.

zur
Startseite

zur
Startseite