Mythos SSD-Haltbarkeit: Wie lange halten Flash-Speicher wirklich?

Netzwelt klärt auf

von Mirco Lang
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Der Mythos, dass Solid State Drives eine kurze Lebenserwartung haben, hält sich hartnäckig. Dass diese alte Weisheit heute nicht mehr stimmt, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel. Dennoch gibt es ein Ablaufdatum.

Wie lange hält eine SSD? Netzwelt verrät es euch.
Wie lange hält eine SSD? Netzwelt verrät es euch. (Quelle: Intenso)

Inhaltsverzeichnis

  1. Woher der Mythos kommt
  2. Die Situation heute
  3. Spezialfall Gaming

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Solid State Drives (SSD) haben eine relativ kurze Lebensdauer. Viele Sorgen rühren sicherlich daher, dass sich viele vor allem vor ein paar Jahren ein Bild von den schnellen Speichern gemacht haben, als sie zunehmend auf den Markt drangen und in den Medien viel berichtet wurde. Denn damals war die kurze Lebensdauer nicht nur ein Gerücht, sondern traurige Realität. Aber eben nur damals.

Woher der Mythos kommt

SSDs bauen auf Flash-Zellen als Speicher auf und diese vertragen nur eine bestimmte Menge an Schreibzyklen - irgendwann verliert die Hardware schlicht die Fähigkeit, Daten sicher zu speichern, sie nutzt sich ab. Je mehr also geschrieben wird, desto eher stellt die SSD den Betrieb ein. Und leider wird in Flash-Speichern sehr viel geschrieben.

Etwas vereinfacht gesagt, können Inhalte in den kleinsten Speichereinheiten nicht einfach überschrieben werden, daher werden bei Änderungen ständig neue Speichereinheiten belastet. Und gelöscht wird auch nicht direkt, sondern erst, wenn die nächst größeren Speicherbereiche voll sind.

Die Folge: Wenn man SSDs "falsch" genutzt hat, sprich so, wie die alten Hard Disk Drives (HDDs), konnte eine SSD tatsächlich binnen Monaten dahinscheiden. Und genau um diese Schreibzugriffe zu minimieren, drehen sich auch die meisten Tuning-Tools, beispielsweise Tweak SSD.

Die Situation heute

SSDs und Windows unterstützen seit Jahren Mechanismen wie Garbage Collection oder TRIM, Speichermanagement-Tools, die die Zugriffe auf die SSD deutlich reduzieren. Und ihr selbst könnt auch eine Menge dazu beitragen, indem ihr Ordner, die nur zum Speichern von Dateien gedacht sind, auf eine zweite HDD auslagert - etwa Ordner wie "Downloads" oder "Eigene Dokumente".

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  • TRIM

    ATA-Befehl, um dem SSD-Controller mitzuteilen, welche Blöcke freigestellt sind.

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Doch selbst, wenn ihr nur eine Platte zur Verfügung habt, könnt ihr bei SSDs mit mehreren Jahren Laufzeit rechnen. Hersteller beschränken die maximale Anzahl von Schreibzyklen, so dass die SSDs nicht irgendwann physisch defekt sind, sondern schlicht und ergreifend den Schreibbetrieb einstellen - lesbar sind sich auch weiterhin! Dass die SSD lesbar bleibt, wenn sie physisch "verbraucht" ist, ist dagegen ein Mythos.

Samsung spendiert der 500er 850 EVO 150 TBW Garantie, die PRO-Version liegt sogab bei 300 TBW.
Samsung spendiert der 500er 850 EVO 150 TBW Garantie, die PRO-Version liegt sogab bei 300 TBW. (Quelle: netzwelt)

Die Lebensdauer wird über die Total Bytes Written (TBW) ermittelt. Samsung gibt für die 850 EVO mit 500 Gigabyte beispielsweise eine Garantie von fünf Jahren mit maximal 150 TBW an. Was diese theoretischen Werte in der Praxis bedeuten, könnt ihr ganz lebensnah am hiesigen Rechner sehen: Hier werkelt eine günstige SSD von Kingston aus dem Jahr 2012, in Betrieb seit Dezember 2014. Windows wurde hier frisch eingerichtet, ebenso rund ein Dutzend Standardprogramme wie Office, Mail, Browser und so weiter - was einen Großteil der bisherigen Schreibzugriffe ausmacht. Die "Eigenen Dateien" sowie sonstige Programminstallationen liegen auf einer zweiten HDD.

Kingston gibt für die SSDNow V300 mit 480 Gigabyte einen maximalen TBW-Wert von 256 Terabyte an (kein Garantie-Wert). Und die V300 liegt nach einer Betriebszeit von 177 Tagen und 22 Stunden bei 17 TBW - und könnte somit weit über 20 Jahre halten. Ihr dürft davon ausgehen, dass dieser theoretische Wert in der Praxis eher selten erreicht wird. Aber der TBW-Wert ist eben nur ein Indikator. Ihr könnt die Lebensdauer eurer SSD über das hervorragende, kostenlose SSD-Z überprüfen oder die Hersteller-Software zu Rate ziehen.

Bei gleichbleibender Auslastung würde die Kingston-SSD nach dem TBW-Wert noch über 20 Jahre laufen.
Bei gleichbleibender Auslastung würde die Kingston-SSD nach dem TBW-Wert noch über 20 Jahre laufen. (Quelle: netzwelt)

Spezialfall Gaming

Am Schluss noch ein Spezialfall des Mythos: SSDs taugen nicht für Spiele. Natürlich profitieren Spiele mehr oder weniger von SSDs, denn die Ladezeiten sind kürzer. Das Spiel selbst wird aber nicht flüssiger, dafür sind immer noch Prozessor, Grafikkarte und Arbeitsspeicher zuständig. Natürlich verursachen Spiele einigermaßen viele Zugriffe, aber ihr seht es ja an der Beispielrechnung, es gibt jede Menge Puffer, gönnt euch also die Vorteile.

Nichtsdestoweniger: Spiele, die keine so langen Ladezeiten wie etwa Open-World-Titel haben, sollten nach Möglichkeit auf eine zweite HDD - nicht nur wegen der Schreibzugriffe, sondern auch, weil SSD-Speicher im Grunde zu teuer ist, um ihn mit Dutzenden Gigabyte Spiel-Daten zu belasten.

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Informationen zum Artikel

Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten Computer, Netzwelt-Wissen, SSD und Externe Speichermedien versehen.

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