SSD unter Windows einrichten: Zehn Tuning-Tipps für Speed und Haltbarkeit

Solid State Drives richtig konfigurieren

von Mirco Lang
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Windows läuft auf einer schlecht konfigurierten SSD kaum schneller, als auf einer HDD. Noch dazu verringern falsche Einstellungen die Haltbarkeit des Flash-Speichers drastisch. Tuning ist also angesagt. Netzwelt zeigt euch, wie ihr eure SSD mit den richtigen Windows-Einstellungen auf Touren bringt.

Netzwelt verrät euch, wie ihr eure SSD unter Windows richtig einrichtet.
Netzwelt verrät euch, wie ihr eure SSD unter Windows richtig einrichtet. (Quelle: netzwelt)

Inhaltsverzeichnis

  1. Grundeinrichtung der SSD
  2. TRIM-Befehl aktivieren
  3. Over Provisioning aktivieren
  4. Ordner auslagern
  5. DOS Filename-Kompatibilität / 8.3-Dateinamen abschalten
  6. Timestamp-Funktion deaktivieren
  7. Limitierung von Arbeitsspeicher als Cache abschalten
  8. Prefetching abschalten
  9. Windows-Indexierungsdienst abschalten
  10. Windows-Auslagerungsdatei abschalten
  11. Automatische Defragmentierung abschalten
  12. Superfetch und Ready Boost deaktivieren
  13. Ruhezustand deaktivieren
  14. Für Einsteiger: Tuning mit Tools

Solid State Drives (SSDs) verdrängen in Windows-Rechnern zunehmend die alten Hard Disk Drives (HDDs) als Systemlaufwerke, da sie deutlich schneller und zudem leiser sind. Aber SSDs sind teuer und haben ein Ablaufdatum. Falsch konfiguriert habt ihr so nur wenig Freude an euer SSD. Wir zeigen euch nachfolgend, wie ihr die SSD unter Windows richtig einrichtet und so nicht nur Platz spart, sondern auch Lebenszeit-verkürzende Zugriffe auf den Flashspeicher minimiert.

Im Folgenden erläutern wir zehn Maßnahmen, die ihr sofort und kostenlos umsetzen könnt. Zu jedem Punkt erläutern wir Rahmenbedingungen, Notwendigkeit und Umsetzung. Im übrigen sind nicht alle Tuning-Maßnahmen von größter Bedeutung, viele haben auch Nachteile oder bedeuten Kompromisse - welche das sind, lest ihr direkt in den einzelnen Tipps.

Hinweis

Wenn ihr Windows auf der SSD frisch installiert habt oder es sich gar um ein Kaufsystem handelt, dürft ihr davon ausgehen, dass sowohl die Grundeinrichtung als auch die Windows-Einstellungen bereits passen. Wenn ihr ein bestehendes System migriert habt, solltet ihr die Einstellungen auf jeden Fall prüfen!

Grundeinrichtung der SSD

Der wichtigste Konfigurationsschritt der SSD ist der richtige hardwareseitige Anschluss: Die SSD muss an einem der schnellen Serial-Advanced-Technology-Anschlüsse (SATA) der dritten Generation hängen, auch SATA 6G genannt. Der 6G-Anschluss muss für optimale Leistung wiederum im Advanced-Host-Controller-Interface-Modus (AHCI) laufen. Beide Werte lest ihr mit Hersteller-Tools oder kostenlosen Programmen wie SSD-Z aus.

Hilfreich ist in diesem Zusammenhang auch ein allgemeines System-Info-Tool wie Sisoft Sandra, das unter anderem zeigt, wie viele 6G-Anschlüsse das Mainboard bietet. Wenn die SSD tatsächlich an einem falschen Anschluss hängen sollte, müsst ihr den Stecker auf dem Mainboard tauschen. Da an den Anschlüssen in der Regel steht, ob es sich um SATA II oder -III handelt, sollte dies kein Problem sein. Den AHCI-Modus müsstet ihr gegebenenfalls im Basic Input Output System (BIOS) ändern. Dieses erreicht ihr zumeist über die Entf-Taste ganz am Anfang des Boot-Vorgangs - eine entsprechende Meldung findet ihr auf dem Monitor.

Für eine optimale Geschwindigkeit muss zudem die Partition korrekt ausgerichtet sein. Hier kommt es darauf an, dass Partition und Speicherblöcke günstig aufeinander ausgerichtet sind. Diese Information bezieht ihr etwa per AS SSD Benchmark.

Mit dem Partition Wizard Free lassen sich Partitionen ganz einfach ausrichten.
Mit dem Partition Wizard Free lassen sich Partitionen ganz einfach ausrichten. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Auch hier dürftet ihr nur sehr selten auf Probleme stoßen. Wenn doch, hilft das kostenlose Mini-Tool Partition Wizard Free: Ruft das Programm auf und macht einen Rechtsklick auf das SSD-Laufwerk. Wählt aus dem Kontextmenü den Punkt "Align", um die Partition korrekt auszurichten.

TRIM-Befehl aktivieren

Alle halbwegs aktuellen SSDs unterstützen TRIM, zu überprüfen beispielsweise mit SSD-Z.
Alle halbwegs aktuellen SSDs unterstützen TRIM, zu überprüfen beispielsweise mit SSD-Z. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Um SSD-Speicher auf Ebene der Zellen effizient zu nutzen, wird auf Seiten des Betriebssystems über den so genannten TRIM-Befehl und auf Controller-Seite über die Garbage Collection (wörtlich: Müll-Sammlung) Speichermanagment betrieben. Ob die SSD den TRIM-Befehl unterstützt, zeigt etwa SSD-Z.

Ob der TRIM-Befehl aktiv ist, überprüft ihr unter Windows in der Eingabeaufforderung (Win+R -> cmd.exe). Tippt dazu folgendes ein:

fsutil behavior query DisableDeleteNotify

Wird hier als Ergebnis eine "1" ausgegeben, ist TRIM deaktiviert. Aktiviert es, indem ihr den Wert auf "0" ändert.

Over Provisioning aktivieren

Eine weitere übliche Option findet sich in einigen, allerdings nicht allen Hersteller-Tools: Per Over Provisioning gebt ihr Teile des Speichers für Speichermanagment frei - das führt zu weniger Speicherplatz, im Tausch für bessere Performance und Haltbarkeit. Beim Samsung Magician findet ihr das Feature etwa direkt im Hauptmenü unter "System Management". Allerdings solltet ihr bei kleinen SSDs gründlich überlegen, ob ihr von den für Windows-Verhältnisse mageren 120 Gigabyte wirklich noch etwas abknappen wollt.

Ordner auslagern

Einige Ordner haben lediglich die Aufgabe, Dateien vorzuhalten - etwa Downloads- oder Foto-Ordner. Anderer Ordner wiederum müssen für den System-Betrieb regelmäßig gelesen und beschrieben werden. Nur zum Speichern genutzte Ordner könnt ihr getrost auf eine angeschlossene HDD verschieben, ohne Performance-Abstriche machen zu müssen. Alternativ kommt eine RAM-Disk infrage. So nutzt ihr wertvollen SSD-Speicher besser für geschwindigkeitsrelevante Daten.

Besonders einfach gelingt das bei Bibliotheksordnern, also "Eigene Dateien", "Downloads" oder "Eigene Bilder". Öffnet im Explorer den Bibliotheksbereich, ruft das Kontextmenü etwa von "Downloads" auf und ändert im Pfad-Reiter den Speicherort - und schon landen Downloads standardmäßig auf der HDD.

Auch beim Anlegen eines neuen Profils in Firefox könnt ihr den Pfad für den Profil-Ordner manuell eingeben. Um ein vorhandenes Profil zu verschieben, müsst ihr zunächst den Profil-Ordner selbst verschieben. Gebt in Firefox die Adresse "about:support" ein - über den Button "Ordner anzeigen" gelangt ihr zum richtigen Ordner. Kopiert diesen auf die HDD; das Original solltet ihr aus Sicherheitsgründen zunächst behalten.

Firefox-Profile lassen sich auch nachträglich über einen simplen Eintrag an einem anderen Speicherort verwalten.
Firefox-Profile lassen sich auch nachträglich über einen simplen Eintrag an einem anderen Speicherort verwalten. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Schließt Firefox und öffnet dann die Konfigurationsdatei für Profile unter "BENUTZERNAME/Data/Roaming/Mozilla/Firefox profiles.ini" und tragt dort den neuen Speicherort ein. Beim nächsten Neustart wird Firefox das Profil dann aus dem neuen Speicherort nutzen. Funktioniert alles, löscht den Original-Ordner.

Zu guter letzt lassen sich auch noch die Windows-eigenen Temp-Ordner auslagern: Öffnet den Dialog für die Umgebungsvariablen über "Systemsteuerung/System/Erweiterte Systemeigenschaften/Umgebungsvariablen/Benutzervariablen". Bei den Benutzervariablen könnt ihr nun absolute Pfade für die Variablen TMP und TEMP vergeben, also die temporären Ordner, die Tools unter Windows standardmäßig nutzen.

DOS Filename-Kompatibilität / 8.3-Dateinamen abschalten

Die 8.3-Konvention wandelt lange Dateinamen wie etwa "HalloNetzwelt.txt" in kurze und großgeschriebene um, hier "HALLON~1.TXT". 8.3-Dateinamen werden nur noch für uralte 16-Bit-Programme benötigt, wer keine DOS-Programme verwendet, kann die Unterstützung für 8.3-Dateinamen abschalten und so der SSD unnötige Schreibzugriffe ersparen. Geht dazu wie folgt vor:

  • Öffnet den Registry Editor, in dem ihr den Befehl "regedit" in die Windows-Eingabeaufforderung eintippt.
  • Macht sicherheitshalber ein Backup der Registry über "Datei/Exportieren".
  • Navigiert dann zum Schlüssel "HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM \CurrentControlSet\Control\FileSystem"
  • Setzt hier den Wert "NtfsDisable8dot3NameCreation" auf "1".

Timestamp-Funktion deaktivieren

Die Funktion "Timestamp" sorgt dafür, dass sich Windows jeden Dateizugriff mit Datum und Uhrzeit merkt. Einerseits ist das eine nützliche Option, da ihr so nachvollziehen könnt, wann eine Datei zuletzt geöffnet oder bearbeitet wurde. Andererseits sorgt diese Option wiederum für unnötige Schreibzugriffe auf einer SSD. Wenn ihr diese Information nicht benötigt, könnt ihr sie über die Registry Editor abschalten.

  • Ruft dafür den Schlüssel "HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM \CurrentControlSet\Control\FileSystem" auf
  • Setzt den Wert "NtfsDisableLastAccessUpdate" auf "1".

Limitierung von Arbeitsspeicher als Cache abschalten

Es empfiehlt sich auch, die Limitierung von Arbeitsspeicher als Cache für das Dateisystem ausschalten und so wiederum die SSD zu entlasten. Geht dazu wie folgt vor:

  • Öffnet den Registry Editor über den Befehl "regedit".
  • Navigiert zu "HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM \CurrentControlSet\Control\FileSystem".
  • Setzt den Wert "NtfsMemoryUsage" auf 2.

Prefetching abschalten

Die nächste Maßnahme betrifft das Vorausladen oder strategisch gute Platzieren von Daten, auf die häufig zugegriffen wird, das so genannte Prefetching. Dies ist bei SSDs unnötig - die Speicher sind auch so schnell genug, also lassen sich Zugriffe einsparen. Ihr schaltet das Prefetching wie folgt ab:

  • Öffnet den Registry Editor über den Befehl "regedit".
  • Navigiert zum Schlüssel "HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM \CurrentControlSet\Control\Session Manager\Memory Management\PrefetchParameters".
  • Setzt dort die Werte der Schlüssel "EnableBootTrace", "EnablePrefetcher" und "EnableSuperfetch" auf 0.

Windows-Indexierungsdienst abschalten

Eine weitere typische Tuning-Maßnahme für SSDs ist das Abschalten des Windows-Indexierungsdienstes. Dieser liest all eure Dateien ein und sorgt dafür, dass sie schneller gefunden werden - und verursacht dadurch CPU- und SSD-Zugriffe. SSDs sind schnell genug, um darauf zu verzichten. Das Abschalten geht erfreulich einfach: Öffnet das Kontextmenü der SSD im Arbeitsplatz und entfernt das Häkchen bei "Zulassen, dass Dateien auf diesem Laufwerk ...".

Windows-Auslagerungsdatei abschalten

Dies ist eine ebenso populäre wie fragwürdige Tuning-Maßnahme: Das Deaktivieren der Auslagerungsdatei (pagefile), die Windows zum Auslagern nutzt, wenn der Arbeitsspeicher voll ist. Natürlich nimmt diese riesige Datei einige Gigabyte Platz auf der SSD ein und es wird viel geschrieben, aber sie ist eben doch sinnvoll und die Auswirkung auf die Lebenszeit der SSD dürfte gering sein. Wenn ihr aber 16 oder mehr Gigabyte Arbeitsspeicher verbaut habt und ihn selten auslastet, könnt ihr die Auslagerungsdatei deaktivieren oder in ihrer Größe limitieren. Ein vollständiges Abschalten empfehlen wir nicht.

  • Öffnet die Systemsteuerung.
  • Wählt nun System.
  • Klicht nun auf "Erweiterte Systemseigenschaften" und nochmals auf "Erweitert".
  • Hier klickt ihr auf Leistungsoptionen.
  • Wählt dann "Erweitert".
  • Klickt nun auf "Virtueller Arbeitsspeicher und im nächsten Fenster auf "Ändern".

Automatische Defragmentierung abschalten

Defragmentierung schadet SSDs - und wird daher von Windows selbst deaktiviert, allerdings nicht, wenn ihr Windows von einer HDD migriert habt.
Defragmentierung schadet SSDs - und wird daher von Windows selbst deaktiviert, allerdings nicht, wenn ihr Windows von einer HDD migriert habt. (Quelle: Screenshot / netzwelt)

Im Gegensatz von HDDs profitieren SSDs nicht von einer Defragmentierung - schaltet die automatische Defragmentierung deshalb getrost ab. Allerdings: Auch diese Einstellung stimmt automatisch, wenn ihr Windows auf der SSD installiert habt. Ansonsten startet ihr die Defrag-Einstellungen über den Befehl "dfrgui", klickt auf "Zeitplan konfigurieren", im nächsten Fenster auf "Datenträger auswählen" und setzt die Häkchen nur bei Nicht-SSD-Laufwerken.

Superfetch und Ready Boost deaktivieren

Superfetch-Dienst lädt oft verwendete Programme in einen Windows-Cache-Speicher, um den Start dieser Anwendungen zu beschleunigen. Das ist bei SSDs nicht notwendig, die Speicher sind auch ohne diese Maßnahme schnell genug. Ihr könnt diesen Systemdienst über den Task-Manager deaktivieren. Auch den Ready Boost-Dienst braucht ihr bei einer SSD als Systemlaufwerk nicht. Deaktiviert ihn ebenfalls über den Task-Manager

Ruhezustand deaktivieren

SSDs verbrauchen nur wenig Strom, daher macht das Versetzen von Windows in den Ruhezustand keinen Sinn und verursacht noch dazu unnötige Schreibzugriffe, denn Windows schreibt den gesamten Arbeitsspeicher in eine Datei auf die SSD. Geht dazu wie folgt vor:

  • Öffnet die Eingabeaufforderung.
  • Gebt dann den Befehl powercfg -H off und bestätigt ihn mit "Enter".

Für Einsteiger: Tuning mit Tools

Wer sich Eingriffe in die Registry und das Abschalten von System-Diensten nicht selbst zutraut, kann für dieses Fein-Tuning auch ein Tuning-Tool wie SSD Tweaker verwenden. Diese sind allerdings zumeist kostenpflichtig.

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Informationen zum Artikel

Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten Download, SSD, Systemoptimierung und System versehen.

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