Windows auf SSD: So gelingt ein reibungsloser Umzug

Einbauen, klonen, einstellen

von Mirco Lang
Teilen

Der Umzug auf eine schnelle SSD lohnt sich immer - und keine Angst vor dem Umzug, das geht schnell und ohne Datenverlust. Wir zeigen euch Schritt für Schritt, wie ihr die neue Platte einbaut, das alte Windows aufspielt und welche Einstellungen ihr beachten solltet. Außerdem gibt es noch Tipps, wenn mal etwas nicht klappt. Und mit der praktischen Checkliste könnt ihr sicher sein, nichts vergessen zu haben.

Der Umzug von Windows auf eine SSD ist gar nicht so schwer.
Der Umzug von Windows auf eine SSD ist gar nicht so schwer. (Quelle: netzwelt)

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorbereitungen
  2. Einbau und einrichten der SSD
  3. Klonen des Systems
  4. Das neue System hochfahren
  5. Ein paar sinvolle Umstellungen
  6. Troubleshooting
  7. Checkliste

Wer hasst ihn nicht, den Systemstart von Windows - es dauert ewig bis zum Login-Screen, und dann wird noch fleißig weiter gerödelt. Bei älteren Systemen kann das Prozedere auch schnell sechs, sieben Minuten dauern. Das liegt an den vielen Lese- und Schreibzugriffen, die Software In- und Deinstallationen, Nutzer-Verknüpfungen und so weiter verlangen. Der Schwachpunkt ist also die langsame alte Festplatte - ein hin und her rasender Magnetlesekopf ist für Systemspeicher einfach nicht mehr zeitgemäß. Mit einem Solid State Drive (SSD) könnt ihr eurem alten Rechner nochmal richtig Beine machen.

Das Beste wäre dafür natürlich, nochmal ganz von vorne anzufangen und Windows komplett neu auf der SSD zu installieren. Ein komplex eingerichtetes System mit etlichen Programminstallationen wächst einem aber über die Jahre doch ans Herz und eine Trennung fällt schwer - und nebenbei macht es ganz unemotional einen Haufen Arbeit, alles neu einzurichten. Wenn ihr also kein langes Wochenende in die Neueinrichtung stecken wollt, macht es euch einfach: Zieht mit der kompletten Windows-Installation um und ihr sitzt nach ein paar Stunden vor einem Rechner, der genauso aussieht wie vorher - aber deutlich schneller ist.

Das grundsätzliche Prozedere ist ganz simpel: Ihr bereitet euer altes System vor, baut und richtet die SSD ein, klont das alte Hard Disk Drive (HDD) auf die SSD und nehmt anschließend ein paar wichtige Einstellungen für einen perfekten Betrieb vor. Also los ab ans Werk. Beginnen wir mit den Vorbereitungen.

Vorbereitungen

Schon vor dem Kauf einer SSD solltet ihr schauen, wie groß eure Windows-Installation ist. Auch Desktops mit einigen Jahren auf dem Buckel haben häufig 1-Terabyte-HDDs im Gehäuse, und 500 Gigabyte werden es wohl mindestens sein. Nun sind SSDs aber verhältnismäßig teuer, so dass ihr zumeist mit einer 250- oder maximal 500-Gigabyte-Versionen auskommen müsst. Daher gilt es erstmal: Aufräumen. Ihr müsst die alte Platte soweit freischaufeln, dass auf der Systempartition weniger Gigabyte liegen, als die SSD fassen kann. Anfangen solltet ihr mit Daten - denn reine Daten gehören partout nicht auf SSDs, dafür ist der Speicher zu teuer. Die meisten lösch- oder verschiebbaren Dateien werdet ihr in den Nutzerordnern "Eigene Dokumente", "Eigene Bilder", "Downloads" und so weiter finden. Verschiebt diese einfach auf einen zusätzlichen Datenträger. Zudem gibt es viele Programme, die nicht unbedingt auf der SSD installiert sein müssen. Alltags-Tools wie Office oder Spiele mit ausufernden Ladezeiten machen sich gut auf der SSD, aber gerade selten genutzte oder einfach besonders große Software lässt sich gut deinstallieren, um Platz zu gewinnen.

Vor dem Klonen: Aufräumen - SSD-Platz ist teuer und meist knapp.
Vor dem Klonen: Aufräumen - SSD-Platz ist teuer und meist knapp. (Quelle: netzwelt)

Alternativ könnt ihr eure alte HDD auch partitionieren: Mit einem Tool wie dem EasUS Partition Wizard teilt ihr die HDD einfach in zwei Teile auf und verschiebt die Daten dann von der Windows- (also C:\) auf die Daten-Partition. Das funktioniert natürlich nur, wenn die HDD nicht sowieso schon voll ist. Nach dem Löschen oder Verschieben eurer Dateiberge solltet ihr einen System-Aufräumer wie die bekannte Freeware CCleaner über das System laufen lassen, um temporäre Dateien und ähnlichen Müll loszuwerden.

Einbau und einrichten der SSD

In einem Desktop-Rechner ist der SSD-Einbau extrem simpel, da die Anschlüsse dieselben wie bei einer HDD sind und die SSD kaum Platz benötigt. Dennoch gibt es einiges zu beachten. Zunächst mal solltet ihr euch die Serial-Advanced-Technology-Attachement-Anschlüsse (SATA) auf eurem Mainboard genauer anschauen: Meistens findet ihr dort zwei SATA-III- und mehrere zusätzliche SATA-II-Ports. Hängt die SSD unbedingt an eine der schnellen SATA-III-Buchsen. Hängt dort bereits eine andere Platte als euer Systemlaufwerk, etwa eine reine Daten-HDD oder auch das DVD-Laufwerk, steckt diese um. Habt ihr nur einen einzigen SATA-III-Bus zur Verfügung, steckt ihr die SSD einfach nach dem Klonvorgang um - ansonsten bringt euch die ganze SSD-Performance herzlich wenig.

In neueren Gehäusen gibt es häufig bereits Einbauplätze für die kleinen 2,5-Zoll-Laufwerke, seien es separate Verschraubungen auf dem Gehäuseboden oder Adapter für die großen Einbauschächte. Letztlich ist das aber auch egal: Da die SSD keine beweglichen Teile hat, könnt ihr sie zur Not auch einfach verkabeln und lose ins Gehäuse legen - da passiert nichts. Nach dem Einbau geht es dann ans Einrichten der SSD und hier gibt es zwei Ausgangslagen: Entweder die SSD wird direkt von Windows erkannt und wie üblich als Laufwerk eingebunden oder sie wird nur erkannt. Meistens wird ersteres der Fall sein, aber falls nicht, öffnet die Systemsteuerung und navigiert dort über die Computerverwaltung zur Datenträgerverwaltung. Dort seht ihr das neue Laufwerk, allerdings ohne Laufwerksbuchstaben. Klickt mit rechts auf den SSD-Eintrag und erstellt ein neues Volume. Alternativ könnt ihr das auch mit dem bereits erwähnten EasUS Partition Wizard erledigen - oder jedem beliebigen Partition Manager.

SSDs sind klein, leicht und können zur Not sogar lose im Rechner betrieben werden.
SSDs sind klein, leicht und können zur Not sogar lose im Rechner betrieben werden. (Quelle: netzwelt)

Klonen des Systems

Jetzt kommt der eigentliche Umzug - und mit dem kostenlosen AOMEI Backupper ist das ein Kinderspiel. Nun, erst einmal muss aber eine kleine Hürde genommen werden. In der kostenlosen Version müsst ihr - zumindest zum Zeitpunkt der hiesigen Installation - zunächst das Klon-Feature freischalten. Und das hat AOMEI besonders kreativ gelöst: Ihr müsst einen vorgegebenen Text bei Twitter, Facebook oder einem eigenen Blog posten, die Adresse bei AOMEI eingeben und nach der Bestätigung, dass der AOMEI-Text dort zu finden ist, bekommt ihr die Freischaltung. Das ist durchaus clever wie lästig, funktionierte hier aber mehrfach einwandfrei. Wenn euch das nicht gefällt: Es gibt natürlich viele weitere Klon-Lösungen, AOMEI ist aber besonders komfortabel.

AOMEI Backupper: So kopiert ihr ein bestehendes Windows auf einen neuen Datenträger
AOMEI Backupper: So kopiert ihr ein bestehendes Windows auf einen neuen Datenträger Anleitung Umzug von Festplatte auf SSD Der Umzug von einer Festplatte auf eine SSD muss nicht zwingend mit der Neuinstallation von Windows verbunden sein. Wir zeigen euch in dieser Anleitung, wie ihr euer bestehendes Windows auf einen neuen Datenträger kopiert. Jetzt lesen

Um nun das System zu klonen, ruft den Backupper auf und wechselt in den "Klonen"-Reiter. Wählt die SSD als Zielpartition, klickt auf den Weiter-Button und bestätigt anschließend die Warnmeldung, dass alle Daten auf dem Zieldatenträger gelöscht werden. Anschließend bekommt Ihr nochmal eine Zusammenfassung und eine nicht ganz unwichtige Option: Über "Partition zur Optimierung für SSD ausrichten" sorgt AOMEI dafür, dass die Partition so auf der SSD ausgerichtet ist, dass der Flash-Speicher optimal genutzt wird. Mehr zum Thema Ausrichtung/Alignment findet ihr in unserem SSD-Grundlagen-Artikel. Sobald ihr euch überzeugt habt, dass die Daten alle stimmen, startet den Klon-Vorgang - und sucht euch eine sinnvolle Beschäftigung. Bei dem hiesigen aufgeräumten System müssen rund 160 Gigabyte geklont werden und da darf man dann schon mal zwei Stunden warten.

Das neue System hochfahren

Nach dem Klonen könnt ihr das neue System testen. Startet den Rechner neu und unterbrecht den Startvorgang, um in den Boot-Manager zu gelangen. Das ist nicht auf jedem System gleich, häufig könnt ihr ganz am Anfang via F8 auswählen, von welchem Datenträger gestartet werden soll. Alternativ gelangt ihr fast immer mit der Entf-Taste ins Unified Extensible Firmware Interface (UEFI) beziehungsweise in das ältere Basic Input Output System (BIOS). Hier könnt ihr entweder direkt einen Boot-Manager starten oder bei älteren Systemen zumindest die Boot-Reihenfolge festlegen.

Startet das System also von der neuen SSD-Installation. Wenn Windows normal startet, testet anschließend, ob Programme, Verknüpfungen und dergleichen funktionieren. Wenn alles in Ordnung ist, solltet ihr die HDD abklemmen und noch einmal neu starten, dieses mal ohne Boot-Manager - nur um ganz sicher zu gehen. Sofern immer noch alles funktioniert, klemmt die alte Platte wieder an und formatiert die alte Windows-Partition oder partitioniert die ganze HDD nach Belieben neu.

Ein paar sinvolle Umstellungen

Wenn Windows auf eine SSD installiert wird, nimmt es automatisch einige SSD-spezifische Einstellungen vor, die ihr jetzt manuell vornehmen müsst. Welche das sind, erfahrt ihr in unserem SSD-Tuning-Guide.

Defragmentierung ist für SSDs nur schädlich - schaltet sie direkt nach dem Klonen ab!
Defragmentierung ist für SSDs nur schädlich - schaltet sie direkt nach dem Klonen ab! (Quelle: netzwelt)

Gewöhnt euch zudem in Zukunft an, Programme nicht zwangsläufig unter Laufwerk C:\ zu installieren. Zwar starten Programme von der SSD schneller, aber für den Programm-Betrieb bringt es häufig kaum Vorteile; allenfalls bei Programmen, die viele Speicherzugriffe generieren, etwa Spiele. Und mit der Installation auf einem zweiten HDD-Laufwerk spart ihr eben kostbaren SSD-Speicher. Der wesentliche SSD-Vorteil liegt eben im Betrieb von Windows selbst.

Troubleshooting

"Ich habe nur einen SATA-III-Port und da hängt die HDD dran."
"Zum Klonen ist das egal, auch wenn der Vorgang etwas länger dauern sollte. Ihr müsst nur daran denken, die SSD später umzustecken."
"Ich sehe keinen Boot-Manager."
"Um in den Boot-Manager oder das BIOS/UEFI zu kommen, müsst ihr direkt nach dem Start des Rechners auf unterschiedlichste Tasten drücken - ihr seht auch entsprechende Hinweise am Bildschirm, allerdings meist nur sehr kurz. Die üblichen Verdächtigen: Für BIOS/UEFI sind es vor allem ENTF, ESC und manchmal auch F2 oder F11 und Boot-Manager bekommt ihr in der Regel via F8 - auch aus dem UEFI heraus. Wenn alles nicht klappt, müsst ihr die HDD eben doch abklemmen - dann bootet der Rechner zwangsläufig von der SSD."
"Der Klonvorgang bricht ab."
"Während des Klonens solltet ihr den Rechner - natürlich! - nicht nutzen und möglichst alle Programme schließen, ansonsten kann es schnell zu Abbrüchen kommen. Wenn es dennoch irgendwann stoppt: Einfach nochmal probieren, beim Kopieren von unter Umständen Hunderten Gigabyte Daten kann das schlicht mal passieren, ist aber meistens nicht reproduzierbar."
"Nach dem Neustart von der SSD funktionieren einige Programme nicht."
"Wenn Programme auf der HDD nicht nur die C-Partition genutzt, sondern Daten auf anderen Partitionen abgelegt haben, starten sie unter Umständen nicht mehr - beispielsweise Firefox, wenn der Profilordner ausgelagert wurde. Die einfachste Hilfe ist in solchen Fällen stets die Neuinstallation. "
"Der Rechner scheint nach dem Umbau kaum schneller."
"Die SSD hilft vor allem, Ladezeiten zu reduzieren - Programme laufen aber nicht unbedingt schneller. Hier sind in der Regel Arbeitsspeicher, Prozessor und Grafikkarte verantwortlich. Sollte auch das Laden kaum schneller erscheinen, testet mit einem Benchmark-Programm wie AS SSD Benchmark, ob die Schreib-/Lese-Performance stimmt. Falls nicht, überprüft mit AS SSD Benchmark, ob die SSD an einem SATA-III-Anschluss hängt, der im BIOS/UEFI als Advanced Host Controller Interface (AHCI) konfiguriert ist und ob die Partition korrekt ausgerichtet ist."

Checkliste

Materialien:

  • Desktop mit mindestens einen zweiten SATA-Anschluss.
  • SATA-Kabel!
  • SSD mit genügend Platz für die alte Windows-Partition.
  • System-Aufräumer zum Säubern des alten Systems (CCleaner).
  • Klon-Programm (AOMEI Backupper).
  • Rund drei bis sechs Stunden Zeit für Einbau, Vorbereitung, Klon-Vorgang, Tuning und Tests.

Vorbereitung:

  • Die SSD wird als Laufwerk im Arbeitsplatz erkannt.
  • Original-Windows-Partition ist kleiner als die SSD.
  • Die Windows-Installation ist von temporären Dateien und sonstigem Müll befreit.
  • Reine Daten wurden auf einen anderen Datenträger verschoben.
  • Große Programm-Installationen wurden gegebenenfalls deinstalliert.
  • Wichtige Dateien wurden vor dem Klonen gesichert.
  • Ihr habt euch mit dem Klon-Programm vertraut gemacht.

Nachbereitung:

  • Die SSD hängt an einem SATA-III-Anschluss.
  • Der SATA-III-Anschluss ist als AHCI konfiguriert.
  • Die Partition ist für den SSD-Einsatz korrekt ausgerichtet.
  • Der Boot-Vorgang von der SSD klappt einwandfrei.
  • Programme lassen sich starten.
  • Der TRIM-Befehl ist aktiviert.
  • Defragmentierung ist deaktiviert.
  • Benutzer-Bibliotheksordner sind gegebenenfalls ausgelagert.

Für alle Fälle solltet ihr ein paar Tage mit dem System arbeiten, bevor ihr die alte Windows-Partition auf der HDD endgültig formatiert und einem neuen Zweck zuführt - sicher ist sicher.

Bei neuen Artikeln zu SSD benachrichtigen? Nein, Danke

Das könnte dich auch interessieren

Informationen zum Artikel

Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten SSD, Windows, Internet beschleunigen & optimieren, Backup & Datensicherung und Wie kann ich mein bestehendes System auf einen anderen Datenträger kopieren? versehen.

zur
Startseite

zur
Startseite