Samsung-SSDs im Vergleich: 850 EVO vs. 850 PRO und T1 vs. T3

Teuer oder billig?

von Mirco Lang
Teilen
Samsungs SATA-SSDs EVO (rechts) und PRO sowie die USB-Varianten T1 (links) und T3.

Ein Hersteller, mehrere Modellreihen - wer macht das Rennen: Samsungs Standard-SSD 850 EVO oder die teurere PRO-Ausführung? Die aktuelle USB-SSDS T3 oder der günstigere Vorgänger T1? Wir vergleichen und schauen, was sich für Otto Normalverbraucher wirklich lohnt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Testaufbau
  2. 850 EVO 250 Gigabyte vs. 850 PRO 256 Gigabyte
  3. T1 vs. T3
  4. Fazit: Lohnt sich der Mehrpreis?

Einige Solid-State-Drive-Hersteller (SSD) bieten mehrere Modellreihen, die dann entweder eher auf Privat- oder Geschäftskunden zielen. Lohnt es sich hier auch für Otto Normalverbraucher, ein paar Euro mehr zu investieren? Die gleiche Frage stellt sich bei Modellen, deren Vorgänger/Nachfolger parallel im Handel angeboten wird.

Ein gutes Beispiel, um diese Frage einmal durchzuexerzieren, ist Samsung: Die beiden 2,5-Zoll-SSDs 850 EVO und 850 PRO, jeweils mit Serial-Advanced-Technology-Attachement-Anschluss (SATA), kämpfen um die Gunst der Desktop- und Laptop-Nutzer im privaten beziehungsweise professionellen Bereich.

Daneben streiten sich Samsungs Portable SSD T1 und der aktuelle Nachfolger T3 um Interessenten an Universal-Serial-Bus-Festplatten (USB).

Testaufbau

Alle vier SSDs müssen sich diversen Aufgaben stellen: Den Benchmarks AS SSD Benchmark, CrystalDiskMark und Samsung Magician sowie Windows-Kopiervorgängen, jeweils auf einem Windows-10- und einem Windows-7-Testsystem. Daneben blicken wir natürlich auch auf Unterschiede bei Technik, Support oder Ausstattung. Es handelt sich insgesamt um 36 Messwerte - diese alle im Text zu erwähnen wäre wenig hilfreich, für alle Details schaut einfach in die Screenshots, der Text konzentriert sich auf die Aussagen.

Damit ihr den Faden nicht verliert: Zunächst kommen EVO und PRO zu ihrem Recht, dann T1 und T3. Beide Vergleiche folgen dem gleichen Muster: Allgemeine Infos, Samsung Magician, AS SSD und CrystalDiskMark, Windows-Kopiervorgänge und letztlich ein Zwischenfazit. Am Ende soll die Frage beantwortet werden, ob sich teurere Modelle für normale Nutzer auf normalen Systemen lohnen - nicht, welche Platte unter Laborbedingungen Spitzenwerte erzielt.

Testergebnisse hängen immer auch vom System ab, daher hier die wichtigsten Infos in Kürze. System 1: Windows 10 auf einem Asus P8H61-M Pro mit Intel Core i7 2600K und 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher. System 2: Windows 7 auf einem MSI Z97-G43 mit Intel Core i7 und 16 GB Arbeitsspeicher.

Beide Systeme sind "echte" Systeme, also keine neu aufgesetzten "Labor"-Rechner, allerdings sind beide Rechner aufgeräumt und es laufen keine Hintergrundprogramme, die die Tests großartig stören könnten. Die SSDs sind jeweils an denselben und korrekt konfigurierten SATA-III- beziehungsweise USB-3-Ports angeschlossen.

Und noch ein paar Worte zu Benchmarks: Es ergibt wenig Sinn, die Benchmarks aus diesem Vergleich mit anderen Benchmarks zu vergleichen - sie weichen von System zu System ab, selbst wenn alles korrekt konfiguriert wurde. Und unterschiedliche Benchmark-Programme auf demselben System weichen auch schon wieder voneinander ab. Alle hier erstellten Werte lassen sich untereinander aber sehr wohl vergleichen, da jeweils nur ein Faktor geändert wurde, nämlich die SSD selbst.

Und damit lässt sich die Eingangsfrage, ob sich teurere Modelle eines Herstellers für Otto Normalverbraucher lohnen, prima beantworten. Zumal ihr die SSDs vermutlich auch nicht nur in topaktuellen, ganz frischen Highend-Systemen verwendet.

850 EVO 250 Gigabyte vs. 850 PRO 256 Gigabyte

Die EVO richtet sich eher an Konsumenten und ist in der 250-GB-Variante derzeit ab 89 Euro zu bekommen. Die Business-Version PRO ist mit mindestens 118 Euro um einiges teurer. Allerdings zeigt schon ein Blick in die Spezifikationen, dass es hier offenbar enorme Unterschiede gibt.

Zwar setzen beide auf denselben Speichertyp, aber die PRO hat einen anderen Controller, ist mit 66 Gramm rund 20 Gramm schwerer, was auf bessere Bauteile hindeutet, verbraucht im Leerlauf 0,1 Watt weniger Strom und etwas bessere Performance wird ihr ebenso zugedacht. Wichtig und vor allem konkret ist aber eines: Die EVO hat eine Garantie für 5 Jahre mit 150 Terabyte Written (TBW), während die PRO 300 TBW bis 10 Jahre zugesteht! In der Handhabung unterscheiden sich die beiden ansonsten überhaupt nicht, Haptik und Verarbeitungsqualität sind identisch.

Benchmarks

In Samsungs SSD-Software Magician ist ein Leistungstest integriert, der auch gleich die theoretischen Fähigkeiten anzeigt - so könnt ihr schnell sehen, ob die SSD auf eurem System auch tatsächlich so schnell läuft, wie sie können sollte. Unter Windows 10 zeigen PRO und EVO nahezu identische Werte von 404 MB/s Lese- und 385 MB/s Schreibgeschwindigkeit, mal mit einem MB mehr oder weniger. Unter Windows 7 liegt die PRO tatsächlich über den maximalen Werten von 550 Megabyte pro Sekunde (MB/s) lesen und 520 MB/s schreiben. Die EVO wiederum hat hier einen Ausfall nach unten und liest nur noch mit 296 MB/s - scheint allerdings auch nicht korrekt erkannt zu werden, da die Grenze für den theoretischen Wert nicht eingeblendet wird. Dies muss also nicht unbedingt ein typisches Resultat sein. Schlussfolgerung: Auch wenn die PRO hier auf dem Win-7-Rechner deutlich besser abschneidet wird schnell klar, dass systembedingte Unterschiede mehr ausmachen, als das Modell.

Samsung 850 EVO 250 Gigabyte vs. 850 PRO 256 Gigabyte

14 Bilder
Zur Galerie

Die Ergebnisse von AS SSD Benchmark sind wirklich interessant: Die EVO bekommt auf beiden Systemen ganz leicht bessere Gesamtwerte (im einstelligen Prozentbereich) als die PRO, wobei insbesondere die Zugriffszeiten schlechter ausfallen. Auf der anderen Seite sind aber auch hier die Unterschiede zwischen den Systemen deutlich größer: Auf dem älteren Win-10-Rechner liegen die Werte im 700er Bereich, auf dem Win-7er bei 1066 beziehungsweise 1123.

CrystalDiskMark bestätigt die Ergebnisse: Wieder gibt es minimale Vorteile für die EVO und deutliche Vorteile für das neuere Win-7-System. Bleibt noch der simple Kopiertest. Unter Windows 7 verlief zunächst alles wie erwartet: PRO und EVO weisen Schreibraten von meist rund 500 MB/s auf - plus/minus 20 MB/s in der Windows-Anzeige - und kommen somit etwa auf den zu erhoffenden Wert.

Merkwürdig wurde es dann unter Windows 10. Hier kamen nur Raten von jeweils rund 106 MB/s zustande, obwohl die Platten korrekt am SATA-III-Anschluss hingen. Was war passiert? Die zu kopierenden Dateien kamen von einer HDD - und da kann die SSD noch so schnell schreiben können, wenn die HDD es nicht schneller hergibt, ist eben Schluss. Unter Windows 7 kommen beide SSDs beim Kopieren von einer HDD lediglich auf 54 MB/s.

Zwischenfazit

Im Grunde ist die Auswahl ziemlich einfach: Wer bereit ist, für die doppelte Garantie 29 Euro mehr zu bezahlen, greift zur PRO, alle anderen können bei der EVO bleiben. Das gilt für Otto Normalverbraucher - Tuning-Fans oder professionelle Anwender, die Echtzeitsysteme betreiben, können aus der PRO im Zweifelsfall noch ein wenig mehr herausholen.

Im Normalfall dürfte es allerdings kaum interessant sein, wie schnell große Datenmengen am Stück auf der SSD landen - intern werden SSDs auf absehbare Zeit als Systemlaufwerke genutzt. Doch auch hier gilt: Schon die theoretischen Unterschiede von PRO und EVO sind bei der Performance ziemlich gering und in der Praxis kann das nochmal ganz anders aussehen. Rein aus der Erfahrung heraus: 5 Jahre Garantie genügen und die 150 TBW sind ebenfalls großzügig bemessen.

T1 vs. T3

Die Portable SSD T3 verdrängt ihren Vorgänger aktuell vom Markt.
Die Portable SSD T3 verdrängt ihren Vorgänger aktuell vom Markt. (Quelle: netzwelt)

Die Frage ob T1 oder T3 wird sich nicht mehr lange stellen, schon während des Schreibens des Artikels scheint der Markt der T1 zu schrumpfen und auch Samsung hat sie mittlerweile von der Homepage genommen. Aber egal, es stellt sich ja grundsätzlich die Frage, was Nachfolger bringen - und ganz aus ist es auch noch nicht: Aktuell gibt es beispielsweise bei Media Markt die T1 mit 250 GB für 99 und die T3 gleicher Größe für 119 Euro - bei 20 Euro Preisunterschied darf man schon mal überlegen.

Aber für die 20 Euro mehr gibt es auch etwas: Die T3 hat ein wesentlich besseres Gehäuse aus Metall, die T1-Ummantelung ist okay, aber für ein ursprünglich mal recht hochpreisiges Produkt einfach nicht angemessen. Und die T3 setzt mit einem USB-Typ-C-Stecker auf die Zukunft, während die T1 noch per Micro-B-Version werkelt. Kleine aber feine Unterschiede - die besonders bei der Variante mit 2-Terabyte (TB) erfreuen, werden dafür doch immerhin rund 700 Euro fällig.

Benchmarks

Wieder darf der Magician zuerst ran, auch wenn er eigentlich gar nicht für Samsungs mobile SSDs gedacht ist - daher gibt es jetzt auch keine schicke Anzeige des theoretischen Maximums mehr. Unter beiden Systemen zeigen T1 und T3 ähnliche Werte. Unter Windows 7 liegt die T3 in drei von vier Messwerten vorn, unter Windows 10 verhält es sich genau umgekehrt.

Und auch hier liegt das ältere Windows-10-System wieder zurück: Die Schreib-/Leseraten bewegen sich zwischen 275 und 287 MB/s, unter Windows 7 zwischen 313 und 352 MB/s. Alle Werte sind einigermaßen weit entfernt von dem angegebenen Maximum von 450 MB/s.

Samsung Portable SSD T1 vs. T3

14 Bilder
Zur Galerie

AS SSD Benchmark und CrystalDiskMark liefern in diesem Vergleich keine Überraschungen: Die T3 schneidet in fast allen Bereichen besser ab und erreicht unter Windows 7 323 und unter Windows 10 200 Punkte von AS SSD Benchmark. Die T1 erreicht 300 und 195 Punkte.

Auch hier ist wieder der deutliche Unterschied in beiden Systemen zu sehen. CrystalDiskMark liefert dasselbe Endergebnis. Von den 450 MB/s ist noch nichts zu sehen, den höchsten Wert überhaupt sind 342 MB/s Schreibgeschwindigkeit der T3 unter Win 7. Interessante Nebenbeobachtung: Fast durch die Bank liegen die Schreib- über den Leseraten.

Beim Kopieren gibt es dann wieder die volle Bandbreite: Unter Windows 7 erreichen T1 und T3 zum Messzeitpunkt 450 beziehungsweise 490 MB/s Schreibgeschwindigkeit - im Schnitt ist die T3 etwas schneller. Unter Windows 10 konnten wir wieder nur den Flaschenhals HDD bestätigen, hier pendeln sich beide Laufwerke wieder bei gut 100 MB/s ein.

Zwischenfazit

Das Gehäuse der T3 ist sicherlich der größte Pluspunkt gegenüber der T1, USB-Version und Transferraten dürften im Alltag weniger auffallen. Andererseits ist die T1 ein wenig kleiner und leichter - hat auch seine Vorteile. Letztlich darf man mit Fug und Recht sagen, dass die T3 ein Fortschritt ist.

Fazit: Lohnt sich der Mehrpreis?

Ein wirklich eindeutiges Ergebnis sieht sicherlich anders aus, aber die Eingangsfrage lässt sich durchaus beantworten: Im Fallbeispiel Samsung lohnt sich der Kauf der höherwertigen Professional-Varianten für die meisten Heimanwender nicht - hier hat Samsung durchaus eine ausgewogene Linie gefunden.

Die PRO ist besser, aber die Vorteile für Standard-Nutzer eben nicht sonderlich relevant. Zudem kommt es hier noch mehr als bei externen Platten auf die gesamte Systemkonfiguration an - wer nicht ständig Benchmarks bemüht, seinen Rechner täglich optimiert und die Speicher über Jahre massiv mit Datentransfers traktiert, wird im Zweifelsfall überhaupt keine Vorteile durch die PRO haben.

Bei der Nachfolger-Frage muss man Samsung zugestehen, in allen Punkten nachgelegt zu haben, die T3 ist nicht nur eine neu vermarktete T1. Hier dürfte es sich für die eine Hälfte der Nutzer lohnen, für die andere nicht: Wer Wert auf Haptik und aktuelle Technik legt, wird mit der T3 glücklicher, wer "einfach nur Daten speichern" will und einen günstigen Restposten erwischt, sollte dort zuschlagen.

Bei recht neuen Technologien wie SSD sind ähnliche Verhältnisse häufig anzutreffen, je eingesessener eine Produktklasse ist, desto geringer fallen meist die Unterschiede aus und desto eher lässt sich mit Vorgängern ein Schnäppchen machen.

Das könnte dich auch interessieren

Einsortierung

Folgende Produkte wurden in diesem Vergleichstest behandelt: Samsung Portable SSD T3 und Samsung Portable SSD T1 .

Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Testbericht, Mobile Computing, Samsung, SSD, Hersteller-Verzeichnis, Samsung Portable SSD T3 und Samsung Portable SSD T1.

zur
Startseite

zur
Startseite