Solid State Drives: Umsteigen, oder nicht?

Eine Entscheidungshilfe

von Mirco Lang
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Große Unterschiede in der Leistung, aber wo eine 2-Zoll-HDD passt, passt auch eine 2-Zoll-SSD.

Solid State Drives sollen so viel schneller als HDDs sein - doch merke ich das als Nutzer überhaupt? Und wenn ja, wie teuer und aufwendig wird der Umstieg? Netzwelt verrät es euch.

Inhaltsverzeichnis

  1. Einsatzszenarien und Vorteile
  2. Leise und abgehärtet
  3. Aufwand und Schwierigkeitsgrad
  4. Lohnt sich nun der hohe Preis?

Solid State Drives (SSDs) sind wesentlich schneller als die alten Hard Disk Drives (HDDs), zudem völlig lautlos und mittlerweile Standard in neueren PCs und Laptops. Aber sie sind eben auch teuer und bieten daher deutlich weniger Speicherplatz als HDDs. Das bringt auch ein wenig Einrichtungsaufwand und kleinere Umstellungen beim alltäglichen Umgang mit Windows mit sich.

Es stellt sich die Frage, ob sich preislicher und zeitlicher Aufwand eines Umstiegs lohnen. Wir unterstützen euch kurz und knapp bei der Entscheidung und zeigen euch die Vorteile, Preise, den Aufwand, Einsatzszenarien und den Schwierigkeitsgrad auf.

Einsatzszenarien und Vorteile

Man hört immer, dass SSDs schneller sind und findet auch allerlei Benchmarks zum Vergleichen, aber als Laie fragt man sich zu Recht: Was merke ich denn als Nutzer davon? Das beste Beispiel dafür ist die Startzeit von Windows: Das hiesige Testsystem benötigt mit der alten HDD rund 1,5 Minuten, mit der SSD nur noch rund 20 Sekunden. Wenn man bedenkt, dass sich Windows-Tuning über 15 Jahre ganz wesentlich um schnelleres Booten gedreht hat und man mit Glück ein paar Sekunden Startzeit einsparen konnte, dürfte die Antwort also klar sein: Ihr seid endlich lästige Wartezeiten los.

Ein vollgestopftes Windows, eine billige, 4 Jahre alte SSD und dennoch zeigt der MaaS360 Boot Analyzer eine Startzeit von nur 24 Sekunden.
Ein vollgestopftes Windows, eine billige, 4 Jahre alte SSD und dennoch zeigt der MaaS360 Boot Analyzer eine Startzeit von nur 24 Sekunden. (Quelle: Screenshot netzwelt)

Mit einer SSD ist man nah dran am oft versprochenen "Instant on" von Laptops. Und auch Programmstarts und der laufende Windows-Betrieb profitieren ungemein von einer SSD, auf einem auch nur halbwegs aktuellen System werden Standardprogramme wie Office oder Browser nahezu ohne Zeitverzögerung gestartet - es ist tatsächlich ein völlig neues Windows-Erlebnis.

Leise und abgehärtet

Vorteil zwei: Da es keine beweglichen Teile gibt, gibt es auch keine Geräusche von der SSD. Außerdem gibt es weniger Abwärme und mehr Platz im Gehäuse, also auch weniger Geräusche durch sonstige Lüfter. Und wenn ihr ein Laptop aufrüstet, gibt es noch einen gewaltigen Vorteil, der ebenfalls aus dem Mangel an beweglichen Teilen resultiert: Ihr könnt das Gerät bewegen, anstoßen oder sonst wie erschüttern, ohne ständig befürchten zu müssen, dass sich der Lesearm der Festplatte verabschiedet.

Das sinnvollste Einsatzszenario für diese Highspeed-Speicher ist allerdings die Nutzung als Systemspeicher für das Betriebssystem, denn als reine Datenspeicher sind SSDs relativ teuer. Eine Ausnahme sind externe SSD-Festplatten, da auch diese deutlich weniger empfindlich auf ihre Umwelt reagieren, als externe HDDs.

Aufwand und Schwierigkeitsgrad

Wie aufwendig ist der Umstieg? Zunächst müsst ihr die SSD in den Rechner einbauen. Bei kleineren Desktop-Gehäusen kann das ein wenig frickelig sein, weil man oft schlecht an die Kabel kommt. Bei Laptops ist es in der Regel überhaupt kein Problem - es sei denn, die verbaute Festplatte ist nicht zum Austauschen gedacht, dann ist es bisweilen nur noch für Chirurgen möglich, die vielen filigranen Vergabelungen im Innern zu lösen und vor allem später wieder korrekt zu verbinden. Das solltet ihr unbedingt vor einem Kauf klären. Letztlich dürfte der Einbau aber selten mehr als 20 Minuten dauern.

Einmal eingebaut, müsst ihr euer Betriebssystem von der HDD auf die SSD migrieren. Viele Hersteller bieten in ihren SSD-Verwaltungs-Tool oder als separate Tool-Downloads die Möglichkeit, das laufende System auf die angeschlossene SSD zu kopieren. Meistens ist es dann mit zwei, drei Klicks getan. Alternativ gibt es kostenlose Programme wie Aomei Backupper, die unabhängig vom SSD-Hersteller Systeme klonen können. Und auch diese Variante ist für Laien problemlos möglich.

Einfacher geht es nicht: Tuner wie Tweak SSD optimieren mit wenigen Klicks - die kostenlose Version enthält euch allerdings einige Features vor.
Einfacher geht es nicht: Tuner wie Tweak SSD optimieren mit wenigen Klicks - die kostenlose Version enthält euch allerdings einige Features vor. (Quelle: Screenshot netzwelt)

Nach der Migration gilt es allerdings noch einige Anpassungen zu machen, da Windows auf einer HDD installiert wurde und entsprechend keine SSD-spezifischen Einstellungen nutzt. Beispielsweise sollten aufgrund der geringeren Speichergröße Standard-Ordner wie "Downloads" auf eine HDD verlagert werden, sofern vorhanden. Für das Tuning solltet ihr durchaus ein paar Stunden einplanen, um euch einzulesen und ein paar Tuning-Tools zu bemühen. Zur Not könnt ihr zumindest die wichtigsten Einstellungen mit einem automatischen Tuner wie Tweak SSD erledigen - das kann jeder und es dauert nur Sekunden.

Eine SSD für ein Windows-System sollte mindestens 250 Gigabyte groß sein, um nicht zu schnell an lästige Grenzen zu stoßen. Sorglos seid ihr aber erst mit einer Größe von rund 500 Gigabyte und die kosten euch zwischen 100 und 160 Euro. Sollten lediglich reine Internet-PCs oder Linux-Rechner aufgerüstet werden, reichen gegebenenfalls auch kleinere SSDs zu Preis ab 40 Euro.

Lohnt sich nun der hohe Preis?

In einem Satz: Das Nutzererlebnis mit einer SSD ist nicht zu vergleichen mit Windows auf einer HDD und wer Wartezeiten auf System- und Programmstarts massiv verkürzen will, sollte investieren: Zwischen 40 und 160 Euro und zwei bis fünf Stunden Arbeit, machbar auch für Laien.

Aber manchmal lohnt es sich auch nicht: Habt ihr im Rechner nur Platz für ein einziges Laufwerk und wollt/müsst darauf größere Datenmengen ablegen, kann der Spaß schnell teuer werden, denn für eine HDD-typische Größe von 1 Terabyte müsstet ihr schon rund 300 Euro ausgeben.

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