NAS im Test: Synology DS216+II ausprobiert

Leistungsfähiger Heimserver für fast alles

Synology DS216+II

Wenn ein NAS nicht nur Daten vorhalten, sondern auch Medien streamen, oder als Webserver herhalten soll, kommt schnell das Synology DS216+II ins Spiel: Für 300 Euro bietet es einen Dual-Core-Prozessor von Intel, ein Gigabyte Arbeitsspeicher und über 100 kostenlose Apps zum Nachrüsten. Damit weiß es im Test zu überzeugen. Alle Nutzer werden mit dem Netzwerkspeicher jedoch nicht glücklich, denn ein wichtiges Multimedia-Feature fehlt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Verarbeitung und Hardware-Features
  2. Performance
  3. Einrichtung und Verwaltung
  4. Software-Ausstattung
  5. Multimedia-Fähigkeiten
  6. Preis und Verfügbarkeit
  7. Fazit

Synology gehört zu den beliebtesten Anbietern von Network Attached Storage (NAS). Mit dem DS216+II-Server bietet der Hersteller eine 2-Port-Lösung für kleinere Büros und anspruchsvollere Heimanwender. Das Gerät steht mit einem Preis von rund 300 Euro ohne Festplatten in direkter Konkurrenz zum gleich teuren QNAP 251+, das wir ebenfalls getestet haben. Befeuert wird das NAS von einem Intel Celeron-Prozessor. Der Dual-Core-Chip taktet mit 1,6 Gigahertz, wird aber nur von schmalen ein Gigabyte Arbeitsspeicher (RAM) unterstützt. Hinzu kommt eine Hardwarebeschleunigung für Videos, die immerhin 4K-Clips mit maximal 30 Bildern pro Sekunde zulassen soll. Leider gibt es keinen High-Definition-Multimedia-Interface-Anschluss (HDMI), um Medien direkt auf einem Fernseher auszugeben - Server für das Streaming sind natürlich vorhanden.

Synology DS216+II: Klein, leise und unauffällig genug auch für das Wohnzimmer.
Synology DS216+II: Klein, leise und unauffällig genug auch für das Wohnzimmer. (Quelle: Synology)

Vorhanden sind ebenfalls: Ein Universal-Serial-Bus-3.0-Anschluss (USB), zwei USB-2.0-Ports, ein External-Serial-Advanced-Technology-Adapter (eSATA) und ein Netzwerkadapter. Die Hardware-Ausstattung kann zwar mit der direkten Konkurrenz nicht mithalten, sollte aber zumindest für den Einsatz daheim ausreichen. Soweit die Theorie, Zeit, sich das DS216+II einmal im Betrieb anzuschauen.

Verarbeitung und Hardware-Features

Das Gehäuse fasst zwei Festplatten und ist ein echter Kunststoffbomber, allerdings ein ordentlich verarbeiteter. Wirklich gut ist die Festplattenaufnahme gelöst: 3,5-Zoll-Platten lassen sich ganz ohne Schrauben in den Kunststoffschlitten arretieren. Wer die Datenträger häufig wechselt, etwa für wechselnde Backup-Aufgaben, wird das durchaus zu schätzen wissen. Und natürlich ist das NAS Hotswap-fähig, Platten können also im laufenden Betrieb ausgetauscht werden. Die Montage von 2,5-Zoll-Platten ist mit zwei Schrauben ebenfalls möglich.

Ebenfalls positiv: Das Gerät ist angenehm leise - allerdings ist der intelligente Lüfter auch standardmäßig auf "Leise" eingestellt, was im Sommer schnell zu Temperaturproblemen führen kann. Mittlerweile Standard ist die Option, den vorderen USB-Anschluss für Sofort-Kopien eingesteckter Datenträger zu nutzen. Ansonsten gibt es zur Hardware-Ausstattung nicht viel zu sagen. Die Verarbeitung ist gut, aber bei der Konkurrenz finden sich teils doch deutlich bessere Leistungsdaten oder mehr Anschlüsse. Das DS216+II-NAS beschränkt sich auf das Nötigste.

Praktisch: Die LEDs lassen sich dimmen.
Praktisch: Die LEDs lassen sich dimmen. (Quelle: Screenshot Synology)

Performance

Der Celeron-Chip genügt für das Betriebssystem DiskStation Manager (DSM). Die schlanke Linux-Variante läuft auf dem NAS absolut flüssig und auch bei HD-Filmen macht das Synology DS216+II einen guten Eindruck, selbst das Hin- und Herspringen im Film ist gerade eben noch flott genug, um euch nicht zu entnerven. Wenn allerdings mehrere Nutzer parallel zugreifen oder mehrere Aufgaben gleichzeitig ausgeführt werden, kommen die zwei Kerne des Prozessors und insbesondere der magere Arbeitsspeicher schnell an ihre Grenzen. Da stellt sich aber die Frage, ob euch das betrifft: Für einen normalen Heim-Dateiserver für ein paar Personen genügt die Rechenleistung in den meisten Situationen und schlanke Dienste wie Web- oder Datenbankserver dürften auch die Belegschaft eines kleinen Mittelständlers verkraften.

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Aufwändigere Aufgaben wie Virtualisierung lässt Synology auch entsprechend konsequent außen vor. Der Prozessor würde das sogar noch gerade eben hinbekommen, nur ist der Arbeitsspeicher leider zu klein. Beim Konkurrenten QNAP läuft die Virtualisierung beispielsweise erst ab 4 Gigabyte RAM. Arbeitsspeicher lässt sich beim DS216+II leider übrigens nicht nachrüsten. Im Grunde kann man Synology attestieren, dass sie dem DS216+II genügend Leistung für 80 Prozent der Käufer und Anwendungsfälle spendiert haben. Der Verzicht auf jegliche Reserven könnte sich aber nach einer Zeit und mit gewachsenen Anforderungen noch als Ärgernis herausstellen.

Einrichtung und Verwaltung

Das Setup des Synology-NAS ist einfach nur großartig: Die Installation im Browser läuft über einen Assistenten in rund fünf Minuten durch und erfragt lediglich Basisdaten wie Nutzer- und NAS-Name, ein Passwort und welche Anwendungen installiert werden sollen, wofür es natürlich auch eine Voreinstellung gibt. Praktisch: Der Assistent richtet auf Wunsch sofort den Zugriff über das Internet auf das NAS ein. Dafür gibt man einfach einen beliebigen Namen ein und kann sein Heimnetz später über eine Adresse wie MeinNas.quickconnet.to erreichen.

Die Einrichtung ist einfach und schließt Erreichbarkeit via Internet mit ein.
Die Einrichtung ist einfach und schließt Erreichbarkeit via Internet mit ein. (Quelle: Screenshot Synology)

Die DSM-Oberfläche ist wie ein normaler Desktop aufgezogen, samt Fenstern, Startmenü und der Aufteilung in Dateimanager, Software-Center (hier Paket-Zentrum) und Systemsteuerung. Ein Dashboard gibt stets Auskunft über Auslastung, Festplattenstatus und Hintergrundaufgaben. Die Bedienung ist im Grunde kinderleicht, die meisten Einstellungen werden kurz erklärt, sind verständlich benannt und freilich ist das gesamte System auf Deutsch. Kinderleicht gilt hier allerdings nur für Nutzer, die sich mit Rechnern einigermaßen auskennen oder bereit sind, sich ein paar Stunden in die Welt der Abkürzungen wie SSH, VPN, DDNS, LDAP und so weiter einzuarbeiten. Das DS216+II ist eben nicht nur ein Netzwerkspeicher, sondern ein kompletter Rechner mit jeder Menge vorinstallierter Software.

Was die Tools angeht, gibt es hier absolut nichts zu beanstanden. Alle wichtigen Werkzeuge für die Verwaltung sind vorhanden und ordentlich umgesetzt, also etwa das Management der Freigaben und Nutzerrechte, die Konfiguration der Datenträger, Einstellungen rund um Netzwerk und Konnektivität oder Multimedia. Einziges kleineres Manko: Anwendungen wie der Multimedia-Server erscheinen nirgends in den Navigationen der Fenster der Systemsteuerung oder des Paket-Zentrums, sondern nur im Startmenü - einmal verinnerlicht, ist das aber auch nicht weiter tragisch.

Software-Ausstattung

Die Betriebssysteme von QNAP und Synology ähneln sich wie ein Ei dem anderen - na gut, Ostereier: Es wirkt wie ein und dasselbe System, aber mit unterschiedlichen Themes. Gerade die vielen völlig identischen (Sub-) Menüs nähren diesen Eindruck. Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied: Synology richtet DSM standardmäßig mit extrem wenigen Anwendungen ein, so dass nach dem Start einige Dinge zu fehlen scheinen, die man fast schon erwartet, etwa Web- und Datenbankserver. Das führt zu wenig Ballast und weniger Einstellungen im System, die Einsteiger verwirren könnten. Alles, was zum allgemeinen Betrieb benötigt wird, wie Backup-Tools oder Cloud-Anbindung, ist natürlich fertig eingerichtet.

Alle weiteren Basics lassen sich bei Bedarf problemlos mit je einem Klick aus dem Paket-Zentrum installieren. Unter den über 100 Apps finden sich aber auch viele Programme abseits des Üblichen. Einerseits von Synology selbst: Überwachungssoftware, Virtual-Private-Network-Server, Synology Office, Cloud-Synchronisation, Anti-Virus und mehr. Andererseits allerlei Apps von Drittherstellern etwa Content-Management-Systeme wie DokuWiki oder Joomla, Shop-Systeme wie PrestaShop und osCommerce, Programmiersprachen wie Python, Perl und Rubi oder natürlich auch Wordpress. Das Angebot deckt bereits viele Bedürfnisse ab und dank Web- und Datenbankserver lassen sich beliebige Webanwendungen manuell aufsetzen.

Multimedia-Fähigkeiten

Multimedia ist wohl die Königsdisziplin auf einem Heim-NAS und Hardware-seitig muss sich das DS216+II hier wie schon erwähnt ziemlich kleinlaut geben, da kein HDMI an Board ist. Als Multimedia-Server für das Wohnzimmer taugt der Rechner daher nur bedingt. Für das Streaming gibt es aber zwei sehr gut funktionierende Ansätze: Ihr könnt entweder die diversen Synology-Stations für Audio, Video und Bilder nutzen oder euer Glück mit dem Mediaserver Plex versuchen. Die Synology-Dienste erfüllen ihren Zweck und spielen Medien im Netzwerk über den Browser oder Synology-Apps für Smartphone und Tablet ab.

Das Mediacenter Plex lässt kaum Wünsche offen und läuft aus dem Stegreif.
Das Mediacenter Plex lässt kaum Wünsche offen und läuft aus dem Stegreif. (Quelle: Screenshot Synology)

Wer eine komplette Bibliothek verwalten, Metadaten pflegen und seine Medien intensiv nutzen will, wird mit Plex die bessere Wahl treffen. Plex leistet alles vom automatischen Besorgen der Metadaten (scrapern) über die Verwaltung über eine großartige Weboberfläche bis hin zum On-the-fly-Konvertieren und Streamen. Besonders stark ist Plex beim Streamen in die Außenwelt, also zum Beispiel auf euer Smartphone: Ihr könnt im Zug einen Film gucken, der in Smartphone-gerechter Qualität ausgeliefert wird und dann daheim in HD auf dem Fernseher unterbrechungsfrei weiterschauen. Leider muss man sich dafür bei Plex anmelden. Software-seitig macht Synology also alles richtig, auch wenn das populäre freie Mediacenter Kodi feht, das sich auch bei QNAP nur über virtuelle Umwege nutzen lässt. Asustor geht da mit gutem Vorbild voran und bietet Kodi direkt, auch via HDMI.

Preis und Verfügbarkeit

Nachfolgend findet ihr aktuelle Angebote für das Synology DS216+II:

Synology DS216-II: Fazit

Vielseitiger NAS-Server für Standard-Anwender, leider ohne Reserven und ohne HDMI. 7/10

Synology bietet mit dem DS216+II weit mehr als nur Speicher fürs Netzwerk. Der NAS-Server taugt als kleine Bürolösung, kann Webseiten, Shopsysteme, Blogs, etc. hosten, Medien verwalten und streamen, Verbindungen zur Cloud herstellen oder sogar zur Überwachung mit zwei Kameras dienen. Standardaufgaben erledigt das System flott, Reserven für größere Projekte fehlen allerdings. Es stört vor allem die fehlende Unterstützung für Virtualisierung. Besonders schmerzlich ist auch der fehlende HDMI-Anschluss. Software-Ausstattung und Bedienkonzept sind dafür wieder absolut top.

Das hat uns gefallen

  • Software-Ausstattung
  • Einrichtung
  • Bedienkonzept
  • Festplattenaufnahme

Das hat uns nicht gefallen

  • keine Leistungsreserven
  • kein HDMI
Testnote 7,0 von 10
Bewertet von Mirco Lang
6,0 / 10
Performance

Performance Wie schnell kann auf den Speicher geschrieben beziehungsweise von ihm gelesen werden? Dies testen wir mit diversen Benchmark-Tools.

6,0 / 10
Verarbeitung und Handhabung

Verarbeitung und Handhabung Wie steht es um die Qualität von Gehäuse und Steckern? Gibt es bei der Einrichtung Probleme?

9,0 / 10
Sicherheit und Datenschutz

Sicherheit und Datenschutz Wie werden die Daten verschlüsselt?, etc.

8,0 / 10
Software & Extras

Software & Extras Legt der Hersteller Software bei? Bietet das System "Extras" gegenüber anderen Lösungen?

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde von netzwelt selbst angeschafft.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

8
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