Zyxel NAS326 im Test: Günstiges NAS mit Mängeln aber gutem Kern

Ideal für die private Cloud

Viel Plastik, aber guter Zugriff auf die Festplatten.

Für 93 Euro darf man keinen Großrechner im Wohnzimmerformat erwarten - aber man darf durchaus erwarten, dass alles was geboten wird reibungslos funktioniert. Das war beim Zyxel NAS326 im Test nicht immer der Fall. Und hier und da gibt es Kleinigkeiten, die einfach nicht ganz rund scheinen. Aber wenn man einen heimischen Zentralspeicher und eine Private Cloud haben möchte, lohnt sich ein Blick.

Inhaltsverzeichnis

  1. Hardware und Verarbeitung
  2. Performance
  3. Einrichtung und Verwaltung
  4. Software-Ausstattung
  5. Multimedia-Fähigkeiten
  6. Fazit & Alternativen

Das Network Attached Storage (NAS) NAS326 von Zyxel ist ein günstiges Einsteiger-System für rund 93 Euro - und hat es damit nicht ganz leicht bei der Wertung. Im Vergleich mit einer hochwertigen Alternative wie der QNAP 251+ fällt die Leistung natürlich ab - bei einem Preisunterschied von 190 Euro stellt sich die Frage aber auch nicht. Interessant ist viel mehr: Wie sieht es mit dem Preis-Leistungsverhältnis aus? Und was kann der kleine Server leisten?

Viel Plastik, aber guter Zugriff auf die Festplatten.
Viel Plastik, aber guter Zugriff auf die Festplatten. (Quelle: netzwelt)

Hardware und Verarbeitung

Äußerlich gleicht das 326 den meisten NAS: Schwarz, schlicht, Standardgröße, reines Plastik, vorne zwei Knöpfe und ein Univerrsal-Serial-Bus-Anschluss (USB), hinten zwei weitere USB-Anschlüsse sowie die Netzwerkbuchse. Gut ist die Zugänglichkeit zu den Festplatten: Vorne wird eine kleine Klappe zur Seite geschoben, dahinter liegen direkt die Schlitten für die Hard-Disk-Drives (HDD) oder Solid-State-Drives (SSD). Die Schlitten sind zwar leider aus Kunststoff und es fehlen Beschriftungen für die Verschraubung von kleinen 2,5-Zoll-Festplatten, aber alles passt und die Platten gleiten leicht und sauber in die Anschlüsse. Nicht so schön: Das Lösen der Schlittenhalterung verlangt nach zwei Händen, das Einklinken nach sehr viel Kraft.

Insgesamt ist die Verarbeitung jedoch völlig in Ordnung, wenn man von der angedachten Nutzung ausgeht: Einmal eingerichtet, steht das System langfristig. Wer ständig Festplatten ein- und ausbauen muss, wird an den Schlitten keine Freude haben.

Ein übliches Feature ist der Button zum Syncen von Geräten am vorderen USB-Anschluss, was im Test einwandfrei funktioniert. Die einzigen sonstigen Hardware-Einstellungen betreffen die Energieverwaltung. Der Lüfter kommt ohne Einstellungen aus und ist (bislang) angenehm leise. Mit dem Ohr am Gehäuse offenbaren sich jedoch Geräusche, die auf eine eher günstige Lagerung der Achse schließen lassen - was nach einigen Monaten Laufzeit durchaus auch mal lauter werden könnte.

Performance

Das NAS326 ist kein Rennpferd, trabt aber flott durch den Alltag: Als Prozessor läuft ein Marvell Armada 380 1.3 GHz, der für den Leistungsumfang des NAS durchaus genügt - wenn die Anzahl der Nutzer im haushaltsüblichen Rahmen bleibt und nicht alle gleichzeitig Filme streamen wollen. Oberfläche und Anwendungen laufen jedenfalls flüssig. Und das sicherlich auch dank der großzügigen 512 Megabyte Arbeitsspeicher; mehr hat eine Standard-251+ auch nicht!

USB-Anschlüsse und das Netzwerk funktionieren einwandfrei, der Systemstart ist extrem fix und im Alltagsbetrieb ist die Performance insgesamt in Ordnung.

Die Grundeinrichtung ist rekordverdächtig schnell erledigt.
Die Grundeinrichtung ist rekordverdächtig schnell erledigt. (Quelle: Screenshot)

Einrichtung und Verwaltung

Die Einrichtung ist einfacher als bei der komplexeren Konkurrenz: Der Zugriff erfolgt wie gewohnt über den Browser, ungewohnt ist jedoch, dass das System nach Vergabe eines Admin-Passworts sofort bereitsteht! Es müssen lediglich die installierten Festplatten eingerichtet werden. Das läuft weitgehend selbsterklärend über einen Assistenten - nur weitestgehend, weil die Erklärungen der Systemoberfläche nicht wirklich gelungen und teils schlecht ins Deutsche übersetzt sind. Nach zwei, drei Minuten ist das Gerät bereits einsatzbereit.

Die Oberfläche des Zyxel-NAS: Aufgeräumt, aber nicht sonderlich flexibel.
Die Oberfläche des Zyxel-NAS: Aufgeräumt, aber nicht sonderlich flexibel. (Quelle: Screenshot)

Die Systemsteuerung des Zyxel-Systems ist im Grunde recht einfach, Einsteiger werden sich aber über zwei Dinge ärgern: Es gibt wieder nur sehr sperrliche Hinweistexte bei den einzelnen Einstellungen und ein Klick auf den Hilfe-Knopf bringt nur eine englische Dokumentation hervor, die aber zumindest gut und ausführlich ist. Wo größere Geräte jedoch komplette Linux-Konfigurationen ermöglichen und verlangen und Einsteiger definitiv überfordern, bleibt Zyxel beim Nötigsten: Festplatten-, Nutzer- und Ordnerverwaltung, Zugiffsoptionen (FTP, WebDAV, SSH, Dynamic DNS), Media-, Druck- und Webserver und ein paar Kleinigkeiten mehr.

Kleinere Macken Ein wenig unschön ist das Handling des Webservers: Zum einen wird standardmäßig kein Verzeichnis für die Inhalte des Webservers erzeugt, was für Webserver-Erstnutzer eine Hürde darstellt. Zum anderen wird die Zyxel-Oberfläche einfach über, beispielsweise, 192.168.0.2 angesprochen und der Webserver über 192.168.0.2:5000. Normalerweise wird die NAS-Oberfläche über einen bestimmten Port aufgerufen und auf dem NAS betriebene Webseiten können "normal" also ohne Port-Angabe aufgerufen werden.

Ein weiteres kleines Manko: Die Oberfläche ist eigentlich ganz hübsch und modern, im Detail aber punktuell etwas altbacken. So lassen sich Symbole nicht frei auf dem Desktop platzieren oder sortieren, der Dateibrowser unterstützt kein Drag&Drop zum Hochladen von Dateien und Medien-Apps für den Browser sind freundlich gesagt etwas schlicht geraten. Alles keine Beinbrüche, aber man findet nicht selten liebevollere Oberflächen.

ownCloud macht das Zyxel-NAS zu einer perfekten Private Cloud.
ownCloud macht das Zyxel-NAS zu einer perfekten Private Cloud. (Quelle: Screenshot)

Software-Ausstattung

Standardmäßig verfügt das System über Media- und Webserver, Browser-Apps für Fotos, Musik und Videos, Dateibrowser und ein paar System-Tools (Backups, Upload) und deckt somit die wichtigen Basics ab - mit einer Menge "Abers", die im Absatz "Multimedia-Fähigkeiten" auftauchen werden. Im Appcenter präsentieren sich anschließend 14 weitere Apps, darunter Clients für DropBox und Google Drive, einige Download-Manager und ein Tool für die Zyxel-eigene Cloud.

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Cloud im Eigenbau: So richtet ihr einen Fernzugriff auf euer NAS ein Artikel Dynamischen DNS-Dienst aktivieren Ein NAS ist erst dann wirklich spannend, wenn man über das Internet darauf zugreifen kann. Das ist schnell erledigt und gratis - ein paar Hürden gibt es aber dennoch. Jetzt lesen

Wirklich interessant sind vor allem Wordpress und ownCloud; mitinstalliert werden dabei PHP, phpMyAdmin und MySQL. Sofern das NAS mit einem Dynamic Domain Name Service (DDNS) über das Internet erreichbar ist, lässt sich mit ownCloud eine hervorragende, selbst verwaltete Alternative zu DropBox und Co. aufsetzen. Als so genannte Private Cloud funktioniert das Gerät somit wunderbar. Natürlich gibt es ownCloud-Clients für alle üblichen Systeme. Und mit Wordpress steht das Standard-Werkzeug für Webseiten zur Verfügung, so dass sich in Zusammenarbeit mit Dynamic DNS sogar "echte" Webseiten für die Öffentlicheit betreiben lassen.

Wenn die wichtigste Aufgabe des NAS das Speichern und Zurverfügungstellen von Daten ist, ist die Ausstattung des Zyxel-NAS in Ordnung - wenn auch nicht vergleichbar mit den umfangreichen App-Angeboten teurerer Systeme. Aber die eigentliche Krux ist hier nicht die Quantität.

Multimedia-Fähigkeiten

Der Test der Multimedia-Fähigkeiten macht nicht gerade glücklich: Weder Musik noch Videos werden mit den vorinstallierten Apps abgespielt, es gibt nur den Hinweis auf einen fehlenden Player und einen toten Link zu einem irgendwie gearteten Firefox-Add-on für den Windows Media Player - und zwar auch im Chrome-Browser. Abhilfe schafft hier der Twonky Media Server, der standardmäßig auch auf teureren Geräten das Streaming übernimmt, und das ziemlich zuverlässig. Wenn man also Digital-Living-Network-Alliance-Geräte (DLNA) im Netzwerk hat, kann man also ziemlich einfach auf Dateiebene auf die Medien zugreifen. Twonky bietet auch eine Web-Oberfläche, über die auf andere DLNA-Server und Player im Netz zugegriffen werden kann. Twonkys Stärke ist aber das reine Streamen, alles andere ist mäßig gelungen und fehleranfällig - nur eine Notlösung.

Der Twonky Media Server ist schlicht, aber zuverlässig.
Der Twonky Media Server ist schlicht, aber zuverlässig. (Quelle: Screenshot)

Mediacenter wie Kodi oder Plex laufen auf dem NAS nicht, aber natürlich kann es als Datenspeicher für separate Multimedia-Hardware herhalten. Die Multimedia-Fähigkeit eines NAS wird aber vor allem durch einen High-Definition-Multimedia-Interface-Anschluss (HDMI) auf einen neuen Level gehoben, der hier natürlich fehlt. Den haben selbst die meisten Geräte jenseits der 250 Euro nicht. Insofern wird mindestens ein zweites Stück Hardware oder ein Smart-TV benötigt, um die NAS-Inhalte auf einen Fernseher zu streamen. In diesem Punkt ähnelt das Multimedia-Vergnügen daher teureren Geräten wie dem Synology DS216.

Das DLNA-Streaming auf ein Android-Smartphone klappt im Test wunderbar - der Zugriff über Zyxels eigene App zCloud bleibt hingegen zunächst versperrt. Die Meldung, Passwort oder Nutzername sei nicht korrekt, ist schlichtweg falsch - 30 Minuten später funktioniert es plötzlich. Das NAS findet die App automatisch, anschließend öffnet sich ein simpler Dateibrowser, der Musik selbst abspielen und Videos mit installierten Video-Apps wiedergeben kann. Zudem lassen sich andere DLNA-Player im Netz als Abspielgeräte nutzen, beispielsweise eine Kodi-Installation.

Es bleibt ein recht simpler, aber zuverlässiger Streaming-Server, der auf Dateiebene gut funktioniert, letztlich aber kein Mediacenter ersetzen kann. Insofern taugt das 326-NAS als aktiver Streamer nur für den Gelegenheitsbetrieb.

Am Ende mag es schlimmer klingen als es ist: Das NAS326 ist kein Home-Theatre-PC und mit der Oberfläche spielt man in der Regel eher selten herum - und als Private Cloud und zentraler Heimspeicher funktioniert das Gerät einwandfrei und mit minimalem Einrichtungsaufwand. Und das anfangs beschworene Preis-Leistungsverhältnis ist wirklich gut. Allerdings: Ein Gerät ab rund 200 Euro bietet wesentlich mehr Spielraum bei Performance und vor allem Software-Ausstattung - bei einer Laufzeit von vielleicht fünf Jahren ist es durchaus eine Überlegung wert, in solchen Spielraum zu investieren.

Zyxel NAS326: Fazit

Günstiges NAS, das sich gut als Private Cloud eignet. 6.5/10

Das Preis-Leistungsverhältnis passt: Für rund 93 Euro gibt es ein ordentlich verarbeitetes NAS mit genügend Leistung für den Einsatz als zentraler Dateispeicher und Private Cloud. Die Oberfläche ist zumindest im Deutschen nicht optimal, einige Tools funktionieren nicht und manche Dinge sind nicht ganz Up-to-Date - aber Daten speichern und über LAN und Internet verfügbar machen, kann das kleine Gerät recht gut.

Das hat uns gefallen

  • Preis/Leistungsverhältnis
  • einfache Einrichtung
  • Festplatten leicht zugänglich

Das hat uns nicht gefallen

  • Für Wiedergabe von Multimedia-Inhalten nur bedingt geeignet
  • keine Leistungsreserven für steigende Nutzeransprüche
Testnote 6,5 von 10
Bewertet von Mirco Lang
5,0 / 10
Performance

Performance Wie schnell kann auf den Speicher geschrieben beziehungsweise von ihm gelesen werden? Dies testen wir mit diversen Benchmark-Tools.

6,0 / 10
Verarbeitung und Handhabung

Verarbeitung und Handhabung Wie steht es um die Qualität von Gehäuse und Steckern? Gibt es bei der Einrichtung Probleme?

8,0 / 10
Sicherheit und Datenschutz

Sicherheit und Datenschutz Wie werden die Daten verschlüsselt?, etc.

5,0 / 10
Software & Extras

Software & Extras Legt der Hersteller Software bei? Bietet das System "Extras" gegenüber anderen Lösungen?

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt vom Hersteller für den Test zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

7
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